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Silber und Magie

von Blue Elli
GeschichteAbenteuer, Drama / P12 / Gen
26.11.2018
18.12.2018
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Die Sonne stand hoch über Sahar, glitzerte in dem silbernen Licht des Flusses.
Die Bewohner des Reiches nannten ihn Meridiem, was so viel wie Leuchten bedeutete.
Ich spazierte gerade über den noch leeren Marktplatz, hier fand jeden Abend, sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden war und der Fluss die Stadt in Silber verwandelte, der  Leuchtenden Markt statt.
Der Marktplatz war eigentlich eine kleine Insel, die sich inmitten einer der breiteren Stellen des Flusses befand. Von beiden Seiten des Ufers konnte man die Insel über gläserne Stege erreichen. Was die Illusion ergab, man würde über das silber-blaue Wasser laufen.
Die Insel selbst war Flach und um den Platz in der Mitte der Insel auf dem der Markt stattfand, wuchsen mächtige Trauerweiden und wunderschöne Nachtblumen. Die, da sie direkt mit dem Wasser des Flusses gespeist wurden, bei Nacht in den schönsten silber-blauen Tönen leuchteten.
Daher hatte der Markt auch seinen Namen.
Bei Tag war der Platz leer; die Zelte und Stände verweist. Die Bäume und Blumen leuchteten nicht. Dennoch hatte die Insel auch bei Tag etwas anziehendes auf mich. Hier war es Still und Ruhig.
Ich hob den Blick, der Palast erhob sich glänzend in den Himmel.
Er stand auf einem Berg, etwas überhalb der Stadt, seine gewaltige Treppe endete direkt an einer Brücke aus hellem Marmor in der blaue Kristalle eingelassen waren und die über den mächtigen Fluss in die Stadt führte.
Der Palast bestand fast vollständig aus Glas und hellem Marmor.
Was auch ihn im Licht es Flusses wie einen blau-silbernen Diamanten strahlen ließ.
Ich atmete tief die Luft des warmen Tages ein und steuerte dann auf das große bunte Zelt am Ende des Platzes zu.
Das einzige Zelt, von dem ich wusste das die Besitzerin fast immer dort war. Auch wenn der Markt noch nicht begonnen hatte.
Ich trat in das schwummrige Licht des Zeltes und befand mich in einer anderen Welt.
Bunte Teppiche lagen übereinander und bedeckten den kompletten Holzboden, ebenso bunte durchscheinende Tücher hingen im ganzen Zelt verteilt, überall standen riesige Spiegle und Ständer mit Kleidern.
So viele Kleider. Hosen. Röcke. Ein Hemd in jeder Farbe und Form. Die Verschiedensten Arten von Anzügen und die dazu passenden Accessories. Nippes war hier und dort verteilt und einige Sichtschutzwände aus Papier, mit bunten Motiven dienten als Umkleide.
Das Zelt war von innen viel größer als es von außen wirkte, was an dem Zauber lag den seine Besitzerin darüber gelegt hatte. Ihr konnte man nicht nur Kleider erwerben. Hier fand man Schätze aus ganz Prythian und auch aus dem Kontinent.
„Ich komme, ich komme. Einen Augenblick.“
Im hinteren Teil des Zeltes, der durch dicke samtene Vorhänge abgetrennt war und nochmal die selbe Größe hatte wie das eigentliche Zelt, ertönte leise Geräusche.
Dann waren, vom Teppich gedämpfte, Schritte zu hören und einer der Vorhänge wurde beiseite gezogen.
Zum Vorschein kam eine kleine schmale Dame, deren Haare schon die ein oder andere graue Strähne aufwies.
Ihr Lächeln ließ ihr Gesicht jedoch um zwanzig Jahre jünger erscheinen.
„Meine Liebe, du bist es.“
Ich lächelte sie an.
„Hallo Calla.“
Sie trippelte auf mich zu. Ihr Haar war hochgesteckt und offenbarte ihre runden Ohren.
Calla war ein Mensch.
So wie viele Einwohner der Stadt Sahar. Hier lebten die Menschen und Fea zusammen in Frieden. In Sahar hatte es schon lange Zeit vor dem Krieg zwischen Menschen und Fea, keine Sklaven mehr gegeben.
Ich war mir nicht einmal sicher ob es je welche gegeben hatte.
Hier lebten Fea und Menschen Seite an Seite, zusammengeschweißt durch die Magie die durch unser Land floss.
Am Hof der Magie, besaßen auch die Menschen die Macht sich dieser auf einer gewissen Weise zu bedienen, was ihre Lebensspanne verlängerte. Wenn auch nicht so lange, wie die der Fea.
Ich kannte Calla bereits sehr lange, als ich noch Klein gewesen war, war sie eine wunderschöne junge Frau gewesen. Doch so langsam holte auch sie die Zeit ein. Calla war schon immer eine Sammlerin und als ich kurz nach meiner Ankunft in Sahar einmal alleine durch die Stadt geirrt war, hatte sie auch mich aufgesammelt. Sie hatte danach in den folgenden Jahren als mein Kindermädchen fungiert, bis sie der Ansicht war, ich wäre als genug um auf mich selbst aufzupassen und war zu ihrer eigentlichen Bestimmung zurückgekehrt. Hierher, auf den Leuchtenden Markt.
Calla raufte ein paar Kleidungsstücke von einem grünen gepolsterten Sofa zusammen und deutete darauf.
„Setzt dich, setzt dich.“
Sie wedelte mit dem Arm und verschwand geschäftig hinter ihren Samtvorhängen nur um zwei Sekunden später mit zwei Tassen dampfenden Tee zurückzukommen.
Ich ließ mich auf das Sofa sinken und streckte die Beine aus.
Der Tee war köstlich. Calla stellte ihn selbst her und wie lang ich auch gebettelt und gedroht hatte. Sie weigerte sich mir das Rezept auszuhändigen.
„Was kann ich für dich tun, mein Kind?“
Ich ließ mich in das Sofa zurücksinken.
„Ich musste da raus und konnte eine gute Tasse Tee vertragen.“
Calla musste wusste was ich mit „da“ meinte.
„Ist es wegen dem was hinter unseren Genzen vor sich geht.“
Ich zog eine Augenbraue nach oben.
„Woher weist du das schon wieder?“
Ich hatte dafür gesorgt, dass so wenig wie möglich über den sich nahenden Krieg nach Sahar vordrang.
Sie wedelte wieder abwertend mit der Hand.
„Ich bin Alt mein Kind, sowas spür ich in den Knochen.“
„Hmhmm“, brummte ich skeptisch. „Will ich es überhaupt wissen?“
„Nein“
Ich beließ es dabei.
„Also was genau hat dich denn aus dem Palast vertrieben. Wenn ich mir deine Miene so ansehen kann es ja nur an den drei Quälgeistern liegen.“
Auch wenn sie ein ernstes Gesicht aufsetzte, so wusste ich doch das sie Arron, Valerian und Myosotis ebenso in ihr Herz geschlossen hatte wie mich.
Die drei waren meine besten Freunde, alles was mir an Familie noch geblieben war.
Ich brummte nur zustimmend.
Auch seit unserem Streit mehrere Monate vergangen waren und wir nur von einem Vorfall in Hybern gehört hatte, in dem wohl der Hof der Nacht und der des Frühlings verwickelt waren und es seither vergleichsweise ruhig war, bemerkte ich in ihrer Haltung das sie mit meinem Befehl, uns aus diesem Krieg herauszuhalten, nicht einverstanden waren.
Ihr Zweifel nagte an mir. Tat ich das Richtige?
Der Hof der Magie hatte sich vor tausenden von Jahren von den anderen Reichen getrennt. Lange Zeit bevor Prythian so aufgeteilt worden war wie jetzt. Sehr lange Zeit vor dem Krieg gegen die Menschen.
So lange das selbst die Ältesten der Fea es vergessen hatten.
Sahar war zu mächtig, der Fluss Meridiem hatte hier seinen Ursprung. Die Magie von Prythian hatte hier ihren Ursprung, bevor sie verdeckt in den Rest des Landes floss.
Sollte ich das Risiko eingehen, diese Macht der ganzen Welt zu offenbaren um sie zu retten.
Meine Freunde hatten Recht, wenn Hybern die Mauer überwand, dann standen uns und den Menschen jenseits der Mauer dunkle Tage bevor.
Das Reich der Magie hatte sich hin und wieder in die Belange von Prythian eingemischt. Aber immer verdeckt und im verborgenen, selbst im Krieg der Menschen gegen die Fea.
Doch ob das gegen Hybern ausreichen würde?
Den Gerüchten zufolge, die meine Späher aufgeschnappt hatten, hatte Hybern den Kessel an sich gebracht.
Ein Gegenstand noch mächtiger als Meridiem. Sollte er diesen Krieg gewinnen, gab es keine Garantie das er nicht auch die Zauber, die mein Land beschützten, entdecken und niederreißen würde. Nein, es war sogar ziemlich sicher das der Kessel, Meridiem aufspüren würde, egal wie Stark der Zauber war der uns verbarg.
„Ich weiß nicht was ich tun soll, Calla.“
Sie sah mich einen endlosen Augenblick lang an.
„Was beunruhigt dich wirklich? Das Sahar sich in den Krieg einmischt oder das du mit deiner Vergangenheit konfrontierst wirst?“
Ich zuckte zurück.
Sie hatte einen wunden Punkt getroffen.
Calla schnalzte missbilligend mit der Zunge.
„Dein Onkel sollte sich etwas schämen, er hat dir diese Bürde viel zu früh aufgetragen. Du bist ja fast noch ein Kind. Du solltest solche Entscheidungen noch nicht treffen müssen.“
Ich grinste sie schief an.
„Calla! Ich bin über 300 Jahre alt!“
„Ja das sagte ich doch; fast noch ein Kind!“
Die Bemerkung, das sie fast genauso alt war, verbiss ich mir.
Mein Onkel, der ehemalige High Lord des Hofes der Magie, war vor nicht ganz 45 Jahren bei einem verdeckten Einsatz gegen Amarantha´s Häscher im Reich des Winters schwer verletzt worden.
Seine Männer hatten ihn zurück nach Sahar gebracht, aber unsere besten Heiler konnten ihm nicht mehr helfen.
Da er selbst keine Kinder hatte und ich die nächste Verwandte war, war seine Macht und der Titel der High Lady an mich übergegangen.
Anders als im Rest von Prythian war es in Sahar egal ob der nächste Erbe männlich oder weiblich war. Der Titel übertrug sich immer auf den nächsten in der Blutline. Etwas worauf er mich vorbereitet hatte, allerdings kam es mir so vor als wäre ich vollkommen unvorbereitet in diese Situation geschlittert. Als er starb wäre ich fast daran zerbrochen. Mein Onkel war wie ein Vater für mich gewesen. Er hatte mich gerettet, hatte mich nach Sahar gebracht. Der letzte Blutsverwandte der mir hier in meinem neuen Leben noch geblieben war.
Meine Freunde aber fingen mich auf und gemeinsam sorgten wir dafür, dass das Reich der Magie auch weiterhin sicher war.
„Ich glaube kaum, dass er es freiwillig getan hat.“
Calla stich mir über den Kopf. Für sie war es gleich ob ich nun die High Lady war oder immer noch das kleine Kind das Nachts von Albträumen geschüttelt wurde.
„Natürlich nicht.“
Bevor sie noch etwas sagen konnte, ertönte ein klirrendes Geräusch und der Boden unter unseren Füßen begann zu beben.
Sofort war ich auf den Beinen und rannte aus dem Zelt.
Die Magie sirrte um mich herum, als wäre sie aus dem Gleichgewicht geraten und das stetige silberne Licht es Fluss flackerte.
Ich spürte die Vibration des Bodens bis in den letzen Zoll meiner Knochen und meine Magie brauste in mir auf.
Dann war alles wieder still. Der Fluss lag ruhig vor mir und der Boden bewegte sich nicht mehr.
Dennoch war etwas anders.
Wie ein leises Flüstern in der Magie die unser Land durchzog. Ein Schatten auf dem Licht.
Calla trat neben mich.
„Was bei allen Reichen war das?!“
Ich spürte es tief in meinem Inneren.
„Die Mauer“, sagte ich.
„Hybern hat die Mauer eingerissen.“
Um die Mauer einzureisen bedarf es einer großen Menge an Magie. Einer starken Magie.
Die Gerüchte waren also wahr.
Hybern besaß den Kessel und er wusste ihn einzusetzen.
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