Toria

GeschichteAbenteuer, Familie / P18 Slash
Alistair Bann Teagen Guerrin Der Wächter (weiblich) OC (Own Character)
25.11.2018
20.02.2019
10
21964
 
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„Mama, wann fahren wir?“ fragte der siebenjährige Kenneth seine Mutter, Victoria Cousland- Gilmore, zum gefühlt tausendsten Mal. Als diese seufzte, mischte sich sein Vater ein: „Morgen früh, direkt nach dem Frühstück.“ Die neunjährige Sarah bemerkte altklug: „Du musst uns nicht auf die Nerven gehen, indem du alle drei Minuten fragst“, woraufhin ihr ihr Bruder die Zunge herausstreckte.
Die zweijährige Maren begann zu quengeln, ein sicheres Anzeichen dafür, dass sie müde war. Toria erhob sich, nahm ihre Jüngste auf den Arm und meinte: „Ich werd sie dann mal ins Bettchen bringen. Kümmerst du dich um die Großen, Schatz?“
Roland nickte zustimmend und betrachtete liebevoll seine Frau. Klein und zierlich, wie sie war, stand sie mit ihrer beider jüngsten Tochter vor dem Tisch. Obwohl ihre Figur mit den Schwangerschaften immer weiblicher geworden war und die harten Konturen fast verloren hatte, war sie immer noch sehr durchtrainiert und arbeitete hart daran, in körperlicher Höchstform zu bleiben. Sie hatte kaum überschüssiges Fett und einen aufrechten Gang, gerade, breite Schultern, trotz der drei Geburten relativ schmale Hüften und einen großen Busen. Ihr Bauch war bemerkenswert flach. Wie schon früher trug sie am liebsten Männerkleidung, Hemden und Hosen, und schminkte sich nie. Die offen über hüftlangen, dichten Haare waren schwarz, die Augen von einem warmen, dunklen Blau, der Teint hell. Ihr Gesicht war trotz Adlernase weich geschnitten, jedoch schmal.

Die Familie hatte gefrühstückt, und Kenneth hopste aufgeregt um die Kutsche herum, vor die Roland gerade zwei kräftige, gutmütige rotbraune Pferde spannte. Sarah half ihm dabei. Gut, dachte Toria, dass die beiden an die Kinder gewöhnt sind. Wenn sie jetzt scheuen würden, wäre das übel... Mit Maren auf dem Arm stieg sie in die Kutsche, während Sarah und Ken neben ihrem Vater auf dem Kutschbock Platz nahmen. Liara, die elfische Kinderfrau, war ebenfalls mit von der Partie.  Sie hatte es bei den Gilmores gut getroffen, und das wusste sie zu schätzen; auch der Verwalter des Anwesens war ein Elf. Nachdem sein Vorgänger, ein verbiesterter alter Mann, verstorben war, war dessen elfischer Gehilfe der nächste Verwalter geworden. Toria hatte von Anfang an streng darauf geachtet, dass die Elfen in ihrem Haushalt keinerlei Schikanen ausgesetzt waren, weder von Menschen noch von ihresgleichen. Ebenso streng achtete sie darauf, dass sie entlohnt wurden und nicht von Sonnenaufgang bis weit nach Sonnenuntergang schufteten. So hatte sie es von ihren Eltern gelernt, und gelegentliche Besuche im Gesindeviertel von Highever und bei anderen Adligen hatten sie darin noch bestärkt.
„Wie geht es dir?“ fragte sie die Elfe. Diese war noch neu im Haushalt, hatte aber bereits festgestellt, dass ihre Herrin allen, unabhängig von Rasse, Herkunft und Status, gleichermaßen freundlich und interessiert gegenübertrat. So verlor die junge Frau rasch ihre Scheu, und bald war ein lebhaftes Gespräch in Gang.
„Wie habt Ihr Euren Mann kennengelernt?“ fragte Liara neugierig.
Toria erzählte: „Ich war neun und Roland elf, als er an den Hof meines Vaters kam, und wir wurden rasch Freunde.“ Einige Jahre später hatten sie sich verliebt, was bei ihren Eltern aufgrund des Standesunterschieds nicht gerade auf Begeisterung gestoßen war. Als Roland zum Ritter geschlagen worden war, gestatteten Torias Eltern jedoch, dass er um ihre Hand anhielt, und nach der Hochzeit hatte Teyrn Bryce Roland aus seinen Diensten entlassen, damit dieser das Erbe seines kürzlich verstorbenen Vaters, ein mittelgroßes Banning, antreten konnte.
„Sie hatten mich mit jemandem anderen verheiraten wollen, mit dem Sohn eines Arls, eines langjährigen Freundes der Familie. Da ich an ihm aber nie das geringste Interesse hatte, weil es für mich immer nur Roland gab, haben sie aus Liebe zu mir darauf verzichtet. Auch meinem Bruder haben sie eine, zugegebenermaßen standesgemäße, Liebesheirat ermöglicht. Das ist jetzt zehn Jahre her“, schloss sie. „Meine Hochzeit, meine ich“, präzisierte sie.
„Konntet Ihr denn kochen, nähen und so weiter?“ fragte Liara neugierig.
„Du meinst, Hausarbeiten? Kochen konnte ich ziemlich gut, ich war interessiert und bin der Köchin meiner Eltern oft zur Hand gegangen. An Handarbeit dagegen hatte ich nie Interesse. Ich musste es lernen, aber ich habe es gehasst. Viel lieber war ich draußen in den Wäldern, in den Ställen oder den Hundezwingern. Ich bin eine leidlich gute Schmiedin, kann also meine Ausrüstung selber in Ordnung halten, und eine gute Alchemistin und Feldschererin.“ Als Liara sie groß ansah, erklärte Toria: „Die Alchemie und Kräuterkunde habe ich von meinem Hauslehrer und von der Heilerin im Gesindeviertel von Highever gelernt, das Feldschererhandwerk von unserem Waffenmeister.“
„Musstet Ihr Euer Können schon im Feld unter Beweis stellen?“ wollte Liara wissen.
„Ja, wir hatten an der Küste einige Scharmützel mit Piraten, da bin ich mit in den Kampf gezogen.“
„Herrin, wie kam es, dass Ihr Kontakte ins Gesindeviertel hattet?“
„Meine Eltern haben immer meinen Bruder und mich zu Toleranz und Mitgefühl erzogen. Meine Mutter hatte eine elfische Zofe, die im Gesindeviertel wohnte, und sie hat uns oft dorthin mitgenommen. Meine Eltern dachten wohl,es könne nichts schaden, wenn wir wussten, wie die Ärmsten der Gesellschaft leben. Für sie gehören Elfen genauso dazu wie Menschen und Zwerge.“

Die Fahrt nach Norden verging wie im Flug. Roland legte einige Pausen ein, den Kindern zuliebe und wegen der Pferde. Abends, als es kühl wurde, setzten sich die Kinder in die Kutsche, und Kenneth war bald darauf mit dem Kopf auf dem Schoß seiner Mutter eingeschlafen. Maren verschlief die meiste Zeit, erst auf Torias, dann auf Liaras Schoß.  Die letzte Etappe kutschierte Toria. Sie saß auf dem Kutschbock, sog genießerisch in tiefen Zügen die frische Luft in die Lungen und genoss die Landschaft: sanfte Hügel in sattem Grün unter der untergehenden Sonne an einem strahlend blauen Himmel mit ein paar Schleierwolken. Kurz bevor die Sonne endgültig hinter dem Horizont verschwand, rollte die Kutsche auf den Hof von Schloss Cousland. Die Wachen hatten das Tor so zeitig geöffnet, dass sie ohne Pause passieren konnten, und schlossen es nun wieder.