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OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
Castiel Dean Winchester
25.11.2018
25.11.2018
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Anmerkung:
Ursprünglich habe ich diesen Oneshot auf Englisch verfasst. Das Original könnt ihr hier lesen: https://archiveofourown.org/works/16655758

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„Solltest du nicht langsam schlafen gehen?“
Zum gefühlt hundertsten Mal hatte Castiel ihm diese Frage nun schon gestellt. Der Engel war gerade einmal ein paar Stunden aus dem verdammten Fegefeuer zurück und nervte ihn bereits jetzt schon wieder mit seiner ständig neunmalklugen Art.
Wenn Dean es sich genau überlegte, machte es ihm nicht wirklich etwas aus.
„Bist du meine Mutter, Cas? Mir geht’s gut. Muss hier nur noch was erledigen.“
„Was denn erledigen?“
Dean antwortete nicht. Stattdessen starrte er bloß mit zusammengepressten Lippen weiter auf den Bildschirm seines Laptops.
Castiel sah auf und klappte dabei das zerfledderte Buch zu, das er in den letzten Stunden gelesen hatte. Dean wusste nicht einmal, wo er das her hatte, da sie sich momentan in einem Hotel befanden. Ausnahmsweise hatten sie sich heute Abend für ein Apartment entschieden, in dem jeder von ihnen sein eigenes Zimmer hatte.
Ein bisschen wohl-verdienter Luxus nach der ganzen Sache mit Crowley in der Fabrik.
Um sich etwas auszuruhen, waren sie direkt in eine der umliegenden Städte gefahren und bereits kurz nach dem Check-In in das Hotel hatte Sam ihnen eine gute Nacht gewünscht und war in seinem Zimmer verschwunden. Dean dagegen hatte sich im Wohnzimmer des Apartments an einen kleinen Tisch gesetzt und mit Nachforschungen begonnen. Auch wenn er mindestens genauso erschöpft wie sein Bruder war, konnte er jetzt nicht so einfach ins Bett gehen.
Cas war zurück. Und er musste wissen, wieso.
Der Engel hatte sich die ganze Zeit an die Küchenzeile gelehnt, während er das mysteriöse Buch gelesen hatte. Nun kam er zu dem Tisch herüber und legte eine Hand auf die Rückenlehne von Deans Stuhl.
„Du sagtest doch, dass du morgen bereits sehr früh aufstehen möchtest, um weiterzufahren. Es ist jetzt schon zwei Uhr morgens. Was ist denn so wichtig? Vielleicht kann ich helfen.“
Dean fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und nahm einen weiteren Schluck Kaffee. Es war bereits sein fünfter Becher, aber er musste unbedingt wach bleiben. Die gemütlichen und leicht gedämpften Lichter in diesem Raum halfen nicht gerade dabei.
„Wohl kaum. Es sei denn du erinnerst dich gerade ganz plötzlich doch noch daran, wie du aus dem Fegefeuer gekommen bist.“
„Dean.“ Castiel seufzte.
Dann klappte er den Laptop plötzlich direkt vor Deans Nase zu.
„Was zur Hölle, Cas?“
„Denkst du nicht, dass das bis morgen warten kann? Wenn es dich beruhigt, kann ich diesen metallischen Kasten für dich durchsuchen, während du schläfst. Sam hat mir gezeigt, wie man das macht.“
Dean warf ihm zuerst einen zweifelnden Blick zu, doch diese blauen Augen konnten so verdammt unnachgiebig sein. Schließlich hob er seine Hände und gab nach.
„Na schön, okay.“ Er stand auf, zögerte aber noch einen Moment lang. „Dann... gute Nacht, schätze ich.“
„Gute Nacht, Dean.“
Er öffnete gerade die Tür zu seinem Zimmer, als er erneut zögerte. Dann drehte er sich um und sah noch einmal hinüber zu Castiel.
„Mir fällt gerade ein, ich hab da noch dieses eine Buch, das ich dir immer schon mal zeigen wollte. Macht es dir was aus, es dir mal anzusehen?“
„Jetzt?“ Castiel schien sichtlich verwirrt zu sein.
„Klar, wer weiß was morgen wieder dazwischen kommt.“ Dean zuckte mit den Schultern, bevor er die Tür ein Stück weiter öffnete und in sein Zimmer deutete. „Also kommst du jetzt, oder nicht?“
Immer noch mit einem verwirrten Ausdruck im Gesicht, folgte Castiel ihm hinein und Dean fing an, seine Reisetasche, die auf dem Bett lag, zu durchsuchen.
„Warte kurz. Es müsste irgendwo hier drin sein.“
„Meinst du dieses hier?“
Castiel deutete nickend auf ein Buch, das auf der anderen Seite des Raumes auf einer Kommode lag. Dean wusste nur zu gut, dass er selbst es dort erst vor ein paar Stunden hingelegt hatte, doch Cas musste das ja nicht unbedingt wissen. Er hörte auf, seine Tasche zu durchwühlen und drehte sich um.
„Oh, ähm... Ja. Da ist es.“
Mit einer Hand fuhr er sich durch die Haare und ging hinüber, während Castiel das Buch in die Hand nahm und es mit kritischem Blick begutachtete. Schließlich öffnete er es und blätterte ein wenig darin herum.
„Ein Buch über verschiedene Arten von Schusswaffen? Du weißt mehr über diese Sachen, als ich. Was möchtest du von mir wissen?“
Dean zuckte mit den Schultern.
„Ich, äh... Ich wollte mir bloß 'ne zweite Meinung einholen. Was hältst du von denen da? Ich hab ein bisschen darüber nachgedacht, unseren Waffenbestand zu erweitern und-“
Mit leicht zusammengekniffenen Augen unterbrach Castiel ihn.
„Dean. Ich mag zwar nicht viel über menschlichen Subtext wissen, aber ich weiß, dass es hier nicht um dieses Buch geht.“ Sein Blick wanderte kurz durch den Raum, bevor er wieder zu Dean sah. „Also worum geht es hier wirklich? Selbst ich weiß, dass sich ein Mensch mitten in der Nacht nicht so verhält. Und du erst recht nicht.“ Mit einem kurzen Blick auf Deans Bett fügte er hinzu: „Ich denke, du zögerst etwas hinaus.“
Mit einem nachdenklichen Ausdruck im Gesicht überreichte er Dean das offene Buch. Dean nahm es und klappte es augenblicklich zu. Er seufzte. Im stillen verfluchte er diesen verdammten Engel, der irgendwie immer zu wissen schien, was gerade in ihm vorging. Es war, als ob Cas ihn lesen könnte.
„Es ist nur so, dass...“
Castiels Blick ausweichend, drehte er das Buch in seinen Händen ein wenig herum, warf es dann jedoch zurück auf die Kommode. Es dauerte eine Weile, bis er weitersprach.
„Ich dachte, du wärst weg, okay?“ Dean begann, wild umherzugestikulieren. „Für immer! Und jetzt, wo du wieder da bist, lebendig mit allem drum und dran, ohne überhaupt auch nur ansatzweise eine Ahnung zu haben, wie das alles sein kann... Ich-“ Er stockte. „Ich hab immer noch Angst, dass ich das hier nur träume und in dem Moment, in dem ich ins Bett gehe und einschlafe, wache ich auf. Und du bist wieder weg.“
Während Castiel ihm zuhörte, wurde sein Blick ein wenig weicher und er ging einen Schritt auf ihn zu.
„Das hier ist kein Traum, Dean. Ich werde immer noch da sein. Das verspreche ich.“
Deans Lachen klang freudlos. Und ein bisschen... nervös? Was zur Hölle?
„Ja, klar. Ich weiß. Naja, mein Gehirn weiß es zumindest. Aber ich glaube, mein Herz hat das Memo noch nicht gekriegt.“
Der Blick des Engels wanderte von Deans Augen bis hinunter zu seinem Herzen. Dann legte er behutsam eine Hand auf Deans Brust - was dazu führte, dass das Herz darunter ein paar Sprünge vollführte.
Wahrscheinlich die Nachwirkungen des Schlafentzugs und von dem ganzen Kaffee, dachte sich Dean. Zumindest hoffte er das.
Ein paar Augenblicke später schlug sein Herz wieder im normalen Rhythmus. Vielleicht verlangsamte es sich sogar ein wenig. Ausgehend von dem Punkt, an dem Castiels Hand auf seiner Brust lag, spürte Dean, wie sich eine beruhigende Wärme in ihm ausbreitete. Er war sich sicher, dass Cas dort irgendeine Art von Mojo an ihm anwandte, doch es machte ihm nichts aus. Im Gegenteil. Es fühlte sich gut an. Irgendwie... tröstlich.
Als Castiel seine Hand wieder sinken ließ, lächelte er ein wenig und sah wieder auf.
„Dein Herz weiß es jetzt.“
Ein wenig verwirrt, blinzelte Dean ein paar Mal, während er zuerst auf seine Brust sah und dann wieder in die blauen Augen vor ihm.
„Was-“ Dean räusperte sich. Aus irgendeinem Grund klang seine Stimme auf einmal ein wenig kratzig. „Was hast du gemacht?“
„Ich habe dir deine Angst genommen. Es wird nicht lange anhalten, aber du wirst schlafen können, wenn du jetzt ins Bett gehst.“
„Oh... Wow. Danke... schätze ich.“
„Gern geschehen.“
Castiels Lächeln wurde ein wenig breiter und spiegelte sich sogar in seinen Augen wider, in denen Dean nun ein kleines Funkeln in all dem Blau erkennen konnte. Die verfluchte Überdosis an Koffein ließ sein Herz erneut ein paar Mal stolpern und bevor er es verhindern konnte, kamen die Worte schon aus seinem Mund.
„Du könntest ruhig öfter lächeln, weißt du das?“
Was zur Hölle, Mann? Vielleicht noch ein bisschen mehr Chick-Flick? Diese Mojosache ließ ihn sich offensichtlich viel zu wohl dabei fühlen, über solche Dinge zu reden.
Das Lächeln verschwand aus Castiels Gesicht. Stattdessen schaute er nun etwas verwirrt drein.
„Weshalb? Soweit ich weiß, ist ein Lächeln schlicht eine andere Art zwischenmenschlicher Kommunikation und meistens unnötig in jeder Art von Diskussion.“ Er neigte seinen Kopf leicht zur Seite. „Welche Auswirkung hat es, wenn ich lächele?“
Wenn du wüsstest...
Dean atmete kurz tief ein, um das leichte Kribbeln in seinem Körper loszuwerden und täuschte dann ein Gähnen vor.
„Weißt du was, Cas? Du hast recht.“ Er klopfte seinem Freund auf die Schulter und führte ihn zur Tür. „Zeit ins Bett zu gehen. Wir sehen uns uuuund... gute Nacht.“
Castiel sah noch verwirrter aus, als Dean ihm plötzlich so schnell die Tür vor der Nase zuschlug. Doch Dean war das egal. Cas mochte eine Menge über ihn wissen, aber er musste definitiv nicht alles wissen!
Und erst recht nicht die Dinge, die Dean nicht einmal selbst über sich wissen wollte.
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