Letzte Schuljahre

GeschichteHumor, Romanze / P16
Alea der Bescheidene Falk Irmenfried von Hasenmümmelstein Jean Méchant der Tambour Lasterbalk der Lästerliche Luzi das L OC (Own Character)
25.11.2018
19.05.2019
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Wie immer gilt auch hier: Weder bekomme ich Geld für diese Geschichte, noch basiert sie auf Realität - die Spielmänner gehören natürlich sich selber und dienen hier nur der Fantasieanregung.

Nach dem sehr emotionalen SaMo-Konzert in Berlin kam meine Tochter, die mit war, auf die Idee: Mama kann doch eine FF auf ihre geplante Gymnasiumzeit ab nächsten Sommer schreiben. Sie hat da auch konkrete Ideen zu der FF, die sie mir - mit so manchem Lachen und Schmunzeln - erzählt. So kommt diese FF hier zustande. Meine Tochter meint, ich habe sie gut getroffen in der Geschichte. Also hoffe ich, dass sie Euch so manches Schmunzeln entlockt und auch gefallen wird.

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Hyperaktiv auf Zuckerschock

Pardona hat es geschafft. Sie hat die Zulassung, auf das regionale Gymnasium zu gehen. Ihre Mama hat es geschafft, sie auf dem einzigen privaten Gymnasium anzumelden. Wie sie das geschafft hat, weiß Pardona nicht, aber sie ist froh. Das staatliche Gymnasium in der Kleinstadt ist echt mies und hat einen schlechten Ruf. Das freie Gymnasium gibt es erst seit einem Jahr. Es gehört zu einem Gymnasialverbund, also in anderen Städten gibt es weitere freie Gymnasien, die dem gleichen Träger angehören. Der ist irgendwo in Kaiserslautern ansässig. Die ganzen Sommerferien war das ihr Thema. Nur kurzfristig war sie abgelenkt, als wir auf dem MPS waren und später auch auf dem M'era Luna. Heute nun endlich ist es soweit, ihr erster Tag auf dem Gymnasium. Keine ihrer Geschwister, davon hat sie genug, wie sie immer sagt, hat das geschafft. Aber sie! Zurecht ist sie stolz und schon hibbelig auf den ersten Tag. Und auf ihren 18. Geburtstag, der aber erst in 9 Monaten sein wird.

In den Sommerferien war der erste informative Elternabend, zu dem auch die zukünftigen Gymniasasten mit kamen. Es wurden die Klassen zugewiesen, die Stundenpläne verteilt, Wahl- und Pflichtfächer erklärt und stellt 2 von 3 Klassenleiter vor – der Dritte sei längerfristig erkrankt, ein Vertretungslehrer werde gesucht. Pardona wollte unbedingt das Fach Musik. Über Sport war sie genervt, durch ihr Asthma fiel ihr Sport immer schwer. Trotz Teilbefreiung vom Arzt. Ob Musik und Sport statt finden werden, konnte der Rektor nicht sagen, da mehrere Lehrer fehlten, insbesondere der Musik- und Sportlehrer, der erkrankt war. Deshalb hatte Pardonas Klasse auch noch keinen Lehrer. Sie waren zwar am Verhandeln mit einer auswärtigen Lehrkraft, aber das war – kompliziert.Ein wenig enttäuscht war Pardona schon.

Ihre Mama sitzt an dem ersten Schultag früh in der Küche beim morgendlichen Kaffee und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Nun hat Pardona es das erste mal in 11 Schuljahren geschafft, eine Stunde vor Abfahrt des Schulbusses aufzustehen! Sie hat ihr neues Lieblingsshirt an, vom M'era Luna. Auf dem Rücken sind die Bands aufgelistet. Dieses Jahr hatten sie Glück, Pardonas absolute Lieblingsband war dabei. Aber auch das Motiv auf der Vorderseite findet sie besser denn jeh. Ein Frauentotenkopf, umrankt von schwarz-dunkelroten Rosen. Dazu ihre Schnürjeans, das passt, findet sie. Die langen Haare trägt sie meistens offen, heute auch. Sie setzt sich zur Mama und ist unanständig munter und gesprächig für einen frühen Morgen, 6 Uhr.

„Gehen wir diesen Monat noch mal zum MPS? Mama?“ „Nein!“ „Hä? Ich dachte, zur Heide? Hast Du gesagt!“ „Ja, aber da können wir nicht hingehen!“ „Warum nicht? Das ist jetzt echt unfair!“ „Weil wir da mit dem Auto hinfahren müssen. Fahren! Nicht gehen.“ „Boah, Mama! Jag' mir doch nicht so 'nen Schreck ein, ich möchte doch SaMo noch mal sehen! Hab die doch erst...“ Und dann zählt sie auf: „Castello, Konzert, M'era Luna, MPS Berlin... 4 mal erst!“ „Ja, und 1 mal ASP, dann In Extremo, Versengold und....“zählt die Mama die anderen Bands auf. „Ja, Mama! Und im Oktober noch mal ASP, Dezember dann Dortmund mit SaMo!“ grinst die Jugendliche zufrieden, Mama verdreht ihre Augen. „Weißt Du, wie anstrengend es ist, den Urlaub nach all den Konzerten und Festivals zu planen?“ „Na, hat doch gut geklappt!“ grinst sie. „Kann ich so gehen, Mama?“ Die mustert sie kurz und meint „Wenn es Dich nicht stört, das jeder sieht, was Du magst, dann – klar!“ „Als ob, Mama! Hat mich noch nie gestört!“ lacht sie und summt „Dorn im Ohr“. Die Mama lacht mit und trinkt ihren nur noch lauwarmen Kaffee. Pardona kontrolliert noch einmal ihren Schulrucksack, sie hat alles eingepackt. Und auch die Fotos vom Festival und von ihren Lieblingsspielleuten.

„Denk dran, Töchterchen, Du hast heute Schlagzeug. Fährst nach der Schule gleich ins Tonstudio, ich hole Dich dann wieder von Lars ab.“ Pardona nickt. „Du übst mit Lars dann noch Dudelsack. Und ich Gitarre, ich weiß!“ Ihre Mama, eine kräftig gebaute, schwarzhaarige Frau, lacht. Seit fast zwei Jahren geht ihre Tochter in das Tonstudio und hat auch zu Hause inzwischen Schlagzeug und Gitarre. Lars, der ihr Unterricht gibt, hat sehr schnell erkannt, dass Pardona musikalisches Talent zu haben scheint. Diese lernt sehr schnell und hat nach knapp einem Jahr noch Gitarrenunterricht dazu bekommen. Und Gesang, das aber an der örtlichen Musikschule. Irgendwann meinte Lars, er wolle mal Dudelsack versuchen. Die Mama, die früher Blockflöte und Mandoline gespielt hat, war begeistert. So hat Lars für das Tonstudio zwei Konzertdudelsäcke besorgt. Nach dem Schlagzeugunterricht, wenn die Mama ihre Tochter abholt, üben sie darauf – und Pardona begleitet mal auf Gitarre, mal mit dem Schlagzeug.

Die Schule beginnt dieses Jahr nach den Sommerferien an einem Donnerstag. Sie würde sich auch bald auf den Weg zur Arbeit machen. Ihre Jüngste umarmt sie noch ganz hibbelig, bevor sie zum Bus geht. „Boah, Tochter, Du bist heute ja eine Hyperaktive auf Zuckerschock, wie sonst immer Dein Lieblingssänger!“ Wenn Blicke töten könnten... Dann hätte Pardona nun keine Mama mehr. So lacht die Mama nur über den Blick ihrer Tochter. Die lässt auf den Sänger, den sie seit gut 2 Jahren so sehr mag, nichts kommen!
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