Skyrim Adventskalender

von OmaGrusel
KurzgeschichteFantasy / P16
24.11.2018
17.12.2018
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Dieses Kapitel
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Das elfte Türchen

Jeder ist sich selbst der Nächste


Zwei  Soldaten öffneten das gewaltige Holztor.
Die beiden schweren Flügel bewegten sich nur langsam. Omah gra-Gruzls Blick fiel auf die Passstraße, die sich dahinter nach Süden fortsetzte, sich zwischen den Bauwerken der Grenzfestung durch schlängelte und schließlich in der Ferne hinter den hohen Felsen  verschwand, immer weiter nach Süden um als Via Argentum, eine der großen Reichsstraßen von Cyrodiil, das Gebirge zu verlassen und an Bruma vorbei in Richtung Kaiserstadt zu ziehen. Es war der einzige allgemein bekannte Weg, der die Jerallberge von Cyrodiil nach Himmelsrand überquerte, oder in Omah gra-Gruzels Fall, von Himmelsrand nach Cyrodiil.  Auch hier, am Fahlen Pass war die Straße breit und mit Steinquadern verstärkt, genügend Platz für Wagen und Pferde.
Natürlich gab es auch andere Wege über das Gebirge, Schleichpfade über steile Felsen oder durch unterirdische Höhlen, von Schmugglern benutzt und nicht ungefährlich, für Ortsunkundige nur mit Hilfe eines Führers zu finden. Omah hatte im Laufe ihres Kriegerlebens schon einige beschritten, wie  den Schlangenpfad, der weiter im Süden in das Innere des Berges führte und durch ein weitverzweigtes Höhlensystem viele Meilen durch die Eingeweide des Gebirges ging, um in Himmelsrand, nur wenige Stunden Fußweg vom Fahlen Pass entfernt, wieder an der Oberfläche zu erscheinen.
Heute war Omah allerdings in offizieller Mission hier, mit einem Grenzpassierschein unterschrieben von General Tullius in Einsamkeit und einem Begleitbrief für Legat Precilio Varro, dem Befehlshaber des kaiserlichen Forts am Fahlen Pass.
Bereits vor  einigen Jahren hatten die Kaiserlichen wegen politischer Unruhen den Übergang geschlossen und die Grenzfestung ausgebaut.
Früher hatte es nur einen einsamen, kaum bemannten Wachturm gegeben, die Passstraße war offen gewesen. Nun versperrte eine gewaltige Steinmauer mit Wehrgang den Weg. Der ehemalige Wachturm, bemannt mit kaiserlichen Soldaten unter dem Kommando von Legat Centos Durius, lag auf der Himmelsrand-Seite.
Gegenüber in Cyrodill hatte man aus den Ruinen einer alten Akavirifestung, die in der ersten Ära während der Anstürme der Akaviritruppen auf Cyrodiil entstanden war, ein neues kaiserliches Fort gebaut. Es lag rechts von der Straße, mit einem breiten Torbogen als Zugang, einer hohen Festungsmauer und mehreren Türmen.
Omah gra-Gruzl trat durch das Tor in der Steinmauer nach Cyrodiil. Trutzig erhob sich vor ihr die Festung. Die Abdrücke vieler Stiefel bildeten im tiefen Schnee schmutzige Wege. Links der Straße  und weiter entfernt sah man von kälteunempfindlichen Schneebeerenranken überwucherte Mauerreste und Turmruinen. Zeugen aus vergangener Zeit.  Die Anlage der Akaviri  musste riesig gewesen sein.
Omah ging mit festen Schritten auf den Torbogen zu.

„Es ist nicht so, dass die Sturmmäntel über die Grenze kommen. Es ist eher umgekehrt. Immer mehr Menschen verlassen Cyrodiil um sich den Rebellen anzuschließen, nicht nur solche mit Nordabstammung, auch Kaiserliche, Bretonen....“
Omah gra-Gruzl stand im Amtszimmer von Legat Precilio Varro. Der Legat, ein hochgewachsener, breitschultriger Mann in mittleren Jahren seufzte. „Es wird von uns verlangt, die Überläufer aufzuspüren, zu verhaften und den Kommissaren des Thalmor zu übergeben. Es sind unsere eigenen Leute!  Aber so will es das Gesetz, und uns sind die Hände gebunden. Wir wissen, dass die Thalmor sie ohne Gerichtsverhandlung hinrichten, ermorden, oft schon am Baum hinter der nächsten Straßenbiegung aufknüpfen. Und wir können nichts dagegen tun. Ein Widerwort gegen den Thalmor und sie unterstellen uns, das Konkordat zu missachten, mit üblen Folgen für uns.“ Der Legat vertiefte sich wieder in den Brief von General Tullius.
Omah erinnerte sich an das Gespräch mit dem kaiserlichen Oberbefehlshaber in Einsamkeit. Der erfahrene Soldat hatte an seinem Schreibtisch gesessen, und während er das Schreiben versiegelte, hatte er die alte Ork an seinen Gedanken teilhaben lassen.
„Ihr seid lange Jahre treu im Dienst des Kaiserreiches, ich vertraue Euch. Das schrieb ich auch dem Empfänger dieses Briefes: Die Überbringerin, obwohl eine Orsimer, ist eine treue Anhängerin des Kaiserreiches. So gehe ich sicher, dass  er weiß, das Schreiben ist nicht in falsche Hände gekommen. Aber ich werde Euch nichts über den Inhalt dieses Briefes mitteilen, zu Eurem eigenen Schutz. Bringt es zu Legat Varro in der Festung am Fahlen Pass. Lasst Euch nicht von den Sturmmänteln erwischen.“
Tullius hatte sich zurück gelehnt und seufzend weiter gesprochen: „Die Sturmmäntel – sie wollen Freiheit und sehen nicht, dass sie nur für den Thalmor arbeiten. Je größer die Unruhen, je gespaltener das Kaiserreich, desto schwächer werden wir. Die Altmeri warten. Und wenn es soweit ist, werden sie einen neuen Krieg beginnen, einen Krieg, der uns unterwirft, vollkommen unterwirft, ohne Konkordat und ohne Friedensvertrag.“
Omah schreckte aus ihren Gedanken auf. Der Legat war an die Feuerstelle getreten und hatte den Brief hineingeworfen.
Omah wandte sich an den Offizier: „Was werdet Ihr tun, Legat? Der General hat mich gebeten, Euch zu helfen, was sein Anliegen betrifft.“
Der Legat hob die Brauen: „Es steht nichts dergleichen in der Nachricht.“
Omah runzelte die Stirn. „Der General sagte, dass er Euch mitteilen würde, dass ich eingeweiht bin. Er schreibt doch, dass ich sein uneingeschränktes Vertrauen habe.....“ Omah zeigte einen gekränkten Gesichtsauszug – soweit das bei einer Ork zu erkennen war.
„Ja, das allerdings,“ erklärte der Legat zögernd. „Nun, ich könnte Eure Hilfe gut gebrauchen. Ihr seid eine fähige Kundschafterin? Ihr werdet wieder über die Grenze gehen und den Transport erspähen, mir Bescheid geben, damit ich Durius auf der anderen Seite ablenken kann.“
Mit unbewegten Gesicht sagte die Ork: „Gut, das werde ich tun. Soll ich gleich aufbrechen?“
„Nein,“ erwiderte der Offizier. „Die Gefangenen werden frühestens in drei Tagen hier sein. Ruht Euch noch etwas aus. Ich werde Euch in den Mannschaftsquartieren unterbringen lassen.“
Er wandte sich um und sah nachdenklich aus dem Fenster. „Das sieht Tullius ähnlich. Einen Transport gefangener Rebellen an den Thalmor vorbei zu einer ehrlichen Gerichtsbarkeit in die Kaiserstadt zu schmuggeln. Nun, wenn sie erst über der Grenze sind, wird es einfacher. Wenn sie sich abseits der Straße bewegen, haben sie gute Chancen den Thalmorpatrouillen zu entgehen.“
Omah äußerte kein Wort und auch der Legat schwieg.
Plötzlich schien etwas unten im Hof seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er verzog verächtlich das Gesicht: „Die haben uns gerade noch gefehlt. Wir müssen sie so schnell wie möglich los werden.“
Omah trat neben ihn und sah ebenfalls aus dem Fenster. Eine Reihe großer schlanker Gestalten in schwarzen Ebenerzrüsungen hatte gerade den Hof betreten.

Omah betrachtete die Wassertropfen, die in regelmäßigen Abständen von einem Vorsprung der Kellerwand perlten und mit einem leisen 'Plink' auf dem Steinboden landete. Seltsam, es fühlte sich so kalt an, hier unten in den Gewölben der Festung, aber das Wasser gefror nicht...
„Ausgezeichnet, ausgezeichnet!“ Elandomar rieb sich die Hände mit den langen schlanken Fingern.  Ein Ausdruck reiner Freude zeichnete sich auf dem eckigen Gesicht mit der hohen glatten Stirn, den herausragenden Wangenbögen und dem spitzen langen Kinn ab. Reine Freude? Nein! Der hämische Ausdruck in den großen mandelförmigen hellgrünen Augen machte alles zunichte. Omah hätte ihm am liebsten die Faust ins Gesicht geschlagen.
Elandomar fuhr fort: „Ich versichere Euch, spätestens übermorgen wird eine kleine Armee von Thalmorkriegern hier zwischen den Felsen versteckt sein. Wir wollen doch nichts überstürzen. Wenn alles glatt geht, werden wir nicht nur die Gefangenen ihrer rechtlichen Bestimmung zuführen können, sondern auch einen hohen Offizier der kaiserlichen Armee des Verrates überführen.
Und, je nach dem was wir in den Verhören aus ihm herausbekommen, werden wir auch dem General in Einsamkeit unseren gewaltigen Unwillen spüren lassen können.
Und Ihr, meine treue Omah gra-Gruzl werdet reich belohnt werden, mit, sagen wir, mindestens drei weiteren Lebensmonaten für Eure Familie.“
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