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Reed900/ DE - OS-Sammlung

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Elijah Kamski Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900
24.11.2018
31.05.2020
30
71.477
19
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
23.11.2019 1.518
 
Elijah Kamskis House, Detroit
April 2nd, 2041
7.32 PM


Die letzten vier Tage hatte ich an Nines herumgebastelt. Ich fühlte mich wie ein Chirurg, da ich um gefühlt jeden Datenstrang einen Eiertanz machte. Selbstverständlich wollte ich den Freund meines Cousins nicht komplett resetten, sondern seinen Speicher retten. So musste ich aber besonders vorsichtig bei der Entfernung des Virus sein. Nachdem ich den ganzen Tag jede noch so kleine Funktion des Androiden überprüft hatte und wieder und wieder den Speicher und die Backups gecheckt hatte, war ich mir nun sicher, dass ich den kompletten Virus entfernt hatte. Ein letztes Mal scannte ich den Androiden und endlich erschien ein gesundes, blaues Bild auf dem Bildschirm ohne orangene Virusmetastasen. Ich trennte Nines von meinem Supercomputer, schoss sämtliche Klappen des Plastikgehäuses wieder und startete den Androiden. Es dauerte eine Weile, bis er die Augen öffnete, da der Start durch die komplexe Funktionsweise und die Suche nach Backups und Updates immer einige Zeit in Anspruch nahm. Nines sah sich um und entdeckte mich wenig später. Er setzte sich auf.
„Wie bin ich hierher gekommen? Warum bin ich hier?“
„An was erinnerst du dich noch?“, stellte ich die Gegenfrage.
Einen Moment schwieg der Android und schien seinen Speicher zu überprüfen.
„Gav und ich waren bei der Mafia auf Undercovereinsatz, schon seit November. Am 30.03. sind wir vermutlich aufgeflogen. Gav hat nicht mit mir gesprochen, wir waren verwanzt, du kamst und hast uns geholfen, du hast mich abgeschaltet und seitdem weiß ich nichts mehr.“
Ein Undercovereinsatz bei der Mafia? Kein Wunder, dass Gavin so paranoid war und Nines nicht in Gefahr bringen wollte. In welche Schwierigkeiten hatte sich mein Cousin schon wieder gebracht? Ich seufzte stumm, während sich Sorge in mir regte. Hoffentlich ging es ihm gut. Doch ich konnte mich jetzt nicht davon ablenken lassen. Wenn Gavin zurückkam und es seinem Androiden nicht gut ging, würde er nicht besonders glücklich sein und das wollte ich vermeiden.
„Wie ist dein Systemstatus?“
„Abweichler, keine Schäden, keine Updates verfügbar.“
„Wer ist Gav?“
„Was soll die Frage? Er ist dein Cousin.“
Ich stellte mich dumm und sah ihn fragend an.
„Sergeant Gavin Reed. Geboren am 07. November 2002. Ich bin seit Silvester 2038 mit ihm zusammen. War es das, was du wissen wolltest?“, knurrte der Android, während er die Augen verdrehte.
Ich fand es wahnsinnig faszinierend, dieses Gespräch zu führen. Niemals hatte ich damit gerechnet, dass der RK900 ein Abweichler werden könnte, nachdem ich die Hintertür nicht einbauen durfte. Umso erstaunlicher war es, dass Gavin es trotzdem irgendwie geschafft hatte, CyberLife zu überwinden. Am liebsten würde ich das Gespräch noch ewig weiterführen, um den Androiden weiter studieren zu können, doch wenn Gavin das herausfand, würde er mir nur wieder vorwerfen, mir wäre der Job am wichtigsten und ich würde seinen Freund wie eine Laborratte behandeln. Ich überlegte kurz, wie ich trotzdem meinen Willen bekommen konnte.
Der Android sah mich herausfordernd an.
„Letzte Frage: Wie heißt euer Hund?“
„Wir haben keinen Hund, Gavin hasst Hunde. Wir haben eine Katze namens Tori. Gavin hat sie im Winter vor dem Erfrieren gerettet.“
„Sehr schön. Ich habe gute Arbeit geleistet und deinen Speicher nicht beschädigt, als ich den Virus entfernt habe.“
Gedanklich klopfte ich mir auf die Schulter. Nines verdrehte nur die Augen und schien meine Leistung nicht anzuerkennen.
„Kann ich jetzt endlich zu Gavin? Ich will keine Zeit verschwenden, indem ich mir sinnlose Fragen stellen lasse.“
Gern hätte ich einen Kommentar zum letzten Teil seiner Aussage gemacht, doch das war bei diesem Thema nicht besonders angebracht. Ich hatte selbst keine Ahnung, ob es Gavin überhaupt gut ging. Seit wir uns verabschiedet hatten, hatte ich kein Lebenszeichen von ihm bekommen. Hoffentlich war ihm nichts zugestoßen.
„Du kannst Gavin leider noch nicht sehen. Er hat noch etwas zu erledigen.“
„In Ordnung. Wann kommt er denn wieder?“
Ich wusste genau, dass Nines mich nicht vollkommen richtig verstanden hatte.
„Das weiß ich nicht“, erwiderte ich so vorsichtig wie möglich und hoffte, ich musste nicht noch deutlicher werden.
Augenblicklich sah ich, wie die Puzzlestückchen in Nines‘ Kopf an seinen Platz rückten.
„Er schließt den Einsatz ab“, stellte der Android neutral fest und verkniff sich jede Gefühlsregung.
Ich nickte nur und erkannte die wachsende Verzweiflung in seinem Gesicht. Dann Ärger und als letztes blieb nur tiefe Besorgnis. Ich musste Nines nichts weiter erklären. Er kannte Gavins Beweggründe und wusste ohnehin nicht, wie er meinen Cousin finden sollte, also ergab er sich in sein Schicksal und ließ niedergeschlagen den Kopf hängen, bevor er die Werkstatt verließ und durch mein Haus wanderte.



Elijah Kamskis House, Detroit
April 3rd, 2041
5.12 AM


Jede Faser meines Seins sehnte sich nach Gavin. Ich hatte ihn vier Monate nicht berühren können. Wir waren aus unserem Alltag gerissen worden und durften uns nicht den kleinsten Fehler erlauben. Jetzt war die Mission endlich zu Ende, doch noch immer hatte ich ihn nicht wie gewohnt an meiner Seite. Ich konnte nicht zur Ruhe kommen, solange ich wusste, dass er da draußen auf eigene Faust ermittelte und ich nicht da war, um ihm zu helfen. Vielleicht war ihm etwas zugestoßen, vielleicht hatte die Mafia ihn erwischt, vielleicht war er schon tot und ich saß hier herum. Doch trotz allem konnte ich die Hoffnung nicht aufgeben und ich wagte es mir auch nicht, das Haus zu verlassen, da ich befürchtete, ihm dadurch nur zu schaden. Seufzend ließ ich mich aufs Bett fallen und sprang gleich danach wieder auf. Es war einfach unmöglich, mich zu entspannen. Wieder einmal tigerte ich durch den Raum, indem ich mich vor einiger Zeit mit Gavin versöhnt hatte. Ich wusste noch genau, wie er damals im Bett gelegen hatte, wo er stand, als er sich den Finger gebrochen hatte, und wo er mich zur Versöhnung geküsst hatte.

Ein Geräusch ließ mich sofort hellhörig werden und durchbrach meine Gedanken. Eilig verließ ich den Raum und eilte nach unten in den Eingangsbereich. Ich durchquerte das Zimmer mit dem Pool und spähte vorsichtig um die Ecke, weil ich trotzdem mit der Mafia rechnete.
„Hi, Chloe. Sind Nines und Elijah schon wach?“, erklang eine mir nur zu bekannte Stimme.
Mein Thirium-Pumpenregulierer arbeitete plötzlich auf Hochtouren und ich wurde ganz nervös und zittrig. Ich trat nun vollkommen in den Flur und sah ich meinen Freund auch endlich.
„Gavin“, hauchte ich unendlich erleichtert.
Sein Blick schnellte beim Klang meiner Stimme sofort zu mir und ein bittersüßer Ausdruck legte sich auf sein Gesicht. Energisch schob er die Chloe einfach beiseite und rannte auf mich zu. Ich breitete die Arme aus und fing ihn auf. So fest wie noch nie zuvor, umschlang ich ihn mit meinen Armen und wollte ihn nie wieder loslassen.
„Geht es dir gut?“, fragte ich leise und spürte nur sein Nicken an meiner Schulter.
„Und dir?“, erwiderte er mit brüchiger Stimme.
„Alles in Ordnung. Elijah hat alles wieder hinbekommen.“
Ich löste mich ein wenig von Gavin und sah ihn an, scannte ihn wieder und wieder und versank einfach im Grün seiner Augen. Eine schier grenzenlose Erleichterung hatte mich ergriffen. Endlich hatte ich ihn wieder bei mir, der Schrecken hatte ein Ende und Gavin war sogar unverletzt. Das war mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte.
„Lass uns in unser Zimmer gehen“, flüsterte ich.
Eng umschlungen, huschten wir die Treppen nach oben und kaum, dass die Tür ins Schloss gefallen war, krachten unsere Lippen in einem leidenschaftlichen Kuss aufeinander.
„Das hat mir so gefehlt. Niemals hätte ich erwartet, dass es so schwer werden würde, dich nicht berühren zu dürfen. Vermutlich wäre es einfacher gewesen, wenn wir komplett getrennt gewesen wären“, murmelte Gavin zwischen den Küssen.
Ich konnte seinen Worten kaum folgen, da mich seine Berührungen und sein Duft um den Verstand brachten.
„Gav …“, hauchte ich, „ich brauche dich. Jetzt und für immer.“
Mein Freund presste sein Becken an meinen Körper, was mir ein dunkles Stöhnen entlockte. Gav begann mich Stück für Stück auszuziehen, was meine Begierde alles andere als linderte. Seine Hände, seine Lippen, seine Zunge, seine Zähne auf meiner synthetischen Haut zu spüren, ließ mein System überhitzen. So viel Lust hatte sich in mir angestaut, dass ich selbst davon überrascht war.
„Gav“, stöhnte ich verlangend und riss ihm die Sachen grob vom Leid.
Sie hatten eh nicht zu ihm gepasst und verschandelten seinen perfekten Körper geradezu. Gavin ließ sich vor mir auf den Boden sinken und begann, mich mit seinem Mund zu verwöhnen. Die warmen, feuchten Berührungen seiner Zunge und seiner Lippen machten mich wahnsinnig. Es dauerte nicht lange, bis ich eine Ladung Thirium in Gavins Mund verteilte. Allerdings sorgte das kein bisschen dafür, dass sich mein Verlangen schmälerte. Auch Gavin kam schnell das erste Mal. Kaum erleichtert, aber dennoch ein kleines bisschen ruhiger, zogen wir vom Boden vor der Tür in das große Bett um. Nun ließen wir uns ein wenig mehr Zeit, doch der Drang nach einer Vereinigung war einfach übermächtig, sodass es auch dieses Mal nicht allzu lange dauerte. Erst beim dritten und vierten Mal wurden wir wirklich ruhiger, der Druck fiel von uns ab. Wir tauschen Zärtlichkeiten, liebkosten einander am ganzen Körper und flüsterten uns immer wieder zu, wie sehr wir uns liebten. Ich fühlte mich endlich wieder komplett.
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