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Reed900/ DE - OS-Sammlung

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Elijah Kamski Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900
24.11.2018
31.05.2020
30
71.477
19
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Dieses Kapitel
1 Review
 
04.08.2019 2.467
 
Holy cow, ich lebe noch, man mag es kaum glauben. Es tut mir leid, dass ich euch solange habe warten lassen, aber jetzt bin ich hoffentlich zurück mit regelmäßigen Kapiteln.
Ein Dankeschön geht raus an meine neue Beta-Leserin: Unschuldsengel21
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Gavin & Nines‘ Appartement, Detroit
October 6th, 2040
11.23 AM


Nines und ich hatten uns in der neuen, wunderschönen Wohnung hervorragend eingelebt und genossen heute gemeinsam unseren freien Tag. Wir lagen beide noch im Bett und hingen schweigend unseren Gedanken nach, während uns die Sonne durch die verglaste Wand ins Gesicht schien. Nines war vor einigen Stunden lediglich mal aufgestanden, um für mich Frühstück und für sich ein Glas blaues Blut zu holen. In völliger Zufriedenheit schmiegte ich mich an meinen Freund, woraufhin er die Arme um mich legte und mit seinen Fingern kleine Kreise auf meinen Rücken malte. Genüsslich seufzte ich auf und beobachtete Tori dabei, wie sie uns auffordernd ansah und nach Aufmerksamkeit verlangte. Belustigt erwiderte ich ihren Blick, bis sie sich schnippisch umdrehte und das Schlafzimmer verließ. Jetzt musste ich sie wieder den ganzen Tag umgarnen, damit sie mir verzieh und ich sie wieder streicheln durfte. Ein kleines Lachen entkam mir bei dem Gedanken an das eigenwillige Tier. Nines brummte bei dem Geräusch schläfrig, was dafür sorgte, dass ich ihn ansah. Er hatte die Augen geschlossen und sah so friedlich aus. Ich hatte seine Miene selten so entspannt gesehen. Auf der Arbeit standen wir stets unter einer hohen Anspannung, die wir oftmals auch zu Hause nicht ablegen konnten. Selbst, wenn ich die Arbeit ruhen ließ, wusste ich, dass Nines trotzdem mit irgendeinem Teil seines Prozessors über den Fall nachdachte. Umso schöner war es, dass wir den Tag heute für uns allein hatten und auch Nines entspannt war. Es war ein Tag der Glückseligkeit.
Ich streckte mich ein wenig, um meinem Freund einen Kuss auf die Lippen zu drücken. Da er sich fast im Standby-Modus befand, waren seine Sinne nicht so geschärft wie sonst und seine Reflexe langsamer, weshalb er den Kuss nicht erwidern konnte, weil ich mich schon wieder zurückziehen wollte. Lachend beobachtete ich, wie er die Luft küsste. Mit einem unzufriedenen Brummen schlug er die Augen auf.
„Küss mich“, knurrte er.
„Hab ich doch“, grinste ich.
Ich konnte beobachten, wie Nines mit einem Schlag hellwach war. Im nächsten Moment lag ich auch schon unter ihm und sah in ein schmunzelndes Gesicht.
„Glaub nicht, dass du dich mit mir messen kannst. Du bist mir weit unterlegen, Gav.“
„Erwarte jetzt nicht, dass ich dein Ego noch weiter pushe“, gab ich zurück.
Während Nines mich noch immer unter sich begrub, drückte er auch mit jedem anderen Aspekt seines Seins seine Überlegenheit aus. Es war unmöglich seine Dominanz nicht zu bemerken und genau das zog mich so an ihm an.
„Nicht nötig“, grinste er.
„Du eingebildeter Mistkerl“, lachte ich und verdrehte die Augen.
„Sag das nochmal“, drohte er und kam mir noch näher.
„Du ein-“
Mit einem leidenschaftlichen Kuss unterbrach der Android mich und sofort waren alle anderen Gedanken verschwunden. Es gab nur noch den Mann über mir für mich, nichts anderes nahm ich mehr wahr und mein Körper brannte vor Verlangen. Doch statt uns der Lust schon wieder hinzugeben, löste Nines sich schließlich von mir.
„Ich liebe unsere kleinen Auseinandersetzungen“, keuchte ich atemlos und zwinkerte ihm zu.
„Und ich liebe dich“, erwiderte Nines.
Ich blinzelte überrascht, aufgrund seiner plötzlichen Ernsthaftigkeit. Ein Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit, während ich meine Hände an Nines‘ Wangen legte und meine Daumen über seine glatte synthetische Haut gleiten ließ. Da, wo ich ihn berührte, trat seine eigentlich weiße Oberfläche zum Vorschein, was immer ein eindeutiges Zeichen dafür war, dass er sich mir so verbunden fühlte wie niemandem sonst.
„Ich liebe dich auch“, antwortete ich und küsste ihn zärtlich.

Kaum hatte ich mich von ihm gelöst, erhob er sich und verließ das Bett. Geradeso konnte ich noch nach seiner Hand greifen.
„Was glaubst du, wo du hingehst?“, fragte ich und zog ihn erfolgreich wieder zurück aufs Bett, da ich sein Gleichgewicht gestört hatte.
„Ich wollte unserer Katze etwas zu essen bringen“, lachte er, während er sich aus meinem Griff befreite.
Grummelnd ließ ich ihn frei und erntete dafür ein weiteres Lachen. Er gab mir noch einen letzten leidenschaftlichen Kuss, bevor er sich von mir löste und das Zimmer verließ.

Ich hörte, wie er das Katzenfutter in Toris Napf füllte und dann alles wieder wegräumte. Doch anstatt dann wieder zu mir ins Bett zu kommen, ertönten plötzlich heitere Klavierklänge. Ja, wir hatten ein Klavier gekauft. Eigentlich für mich, weil ich seit Jahren nicht mehr gespielt hatte und mir diesen Wunsch erfüllen wollte, aber selbstverständlich konnte Nines es nicht lassen, sich mit mir zu messen. Natürlich hatte er sich eine Datenbank heruntergeladen und war nun perfekt, was mir jedes Mal Komplexe bereitete, wann immer ich ihn spielen hörte. Ich zog mir zumindest eine Unterhose an, bevor ich Richtung Wohnzimmer ging und meinem Freund beim Spielen zusah. Er saß nur mit Boxershorts bekleidet vor dem Instrument und gab sich der Musik hin. Wie immer war er absolut perfekt, er sah perfekt aus, spielte wie ein Gott und das alles tat er, als wäre es nichts. Wenn ich ihn so sah, traute ich mich kaum überhaupt wieder meine Finger über die Tasten gleiten zu lassen, weil alles nur klang wie Lärm im Vergleich zu dem Meisterwerk, dass Nines durch den Raum schallen ließ. Ich lehnte mich in den Türrahmen und beobachtete meinen Freund grimmig.
Als er sein Spiel beendet hatte, sah er zu mir und erblickte meine finstere Miene.
„Was hast du denn?“, fragte er überrascht.
„Mach mir nur noch mehr Komplexe, du Perfektionist“, grummelte ich und ging in die Küche, um mir eine Tasse Kaffee zu machen.
Nines wollte nach mir greifen, als ich an ihm vorbeilief, doch ich wich ihm geschickt aus. Ich beobachtete wie mein Lebenselixier in eine große Tasse lief und nahm einen Schluck, nachdem der Kaffee endlich fertig war. Mein Freund schmiegte sich von hinten an mich und küsste meinen Hals, während er seine Hände über meinen nackten Bauch gleiten ließ.
„Sei nicht sauer auf mich“, schnurrte er direkt an meinem Ohr und ließ seine Zunge über meinen Kieferbogen gleiten.
Gänsehaut überzog meinen Körper, doch ich tat als wäre nichts gewesen und ignorierte ihn einfach. Ich wollte ihn noch ein bisschen zappeln lassen, er sollte sich ruhig bemühen, bevor ich wieder mit ihm sprach. Unter Aufbietung all meiner Willenskraft schaffte ich es, meine neutrale Miene aufrechtzuerhalten und einfach meinen Kaffee weiterzutrinken.
„Gav“, murmelte er und küsste meinen Hals. „Ich liebe dich … Sei nicht mehr sauer auf mich.“ Wieder küsste er mich und biss diesmal sanft in meinen Hals. „Gav … Bitte … Gav.“ Er umschlang mich mit seinen starken Armen. „Ich liebe dich, mein sexy Freund.“ Seine raue Stimme klang so verführerisch, dass er mir eine noch stärkere Gänsehaut bescherte. Er schmiegte sich an mich. „Du machst mich scharf … Merkst du wie scharf du mich machst?“ Er presste sich noch enger an mich, sodass ich seine Erregung deutlich an meinem Hintern spüren konnte. „Gavin.“ Er stöhnte meinen Namen in mein Ohr. „Ich weiß, dass du mich zappeln lässt.“ Seine Hand wanderte in meine Boxershorts. „Aber ich weiß genau, was ich tun muss, damit du mir verzeihst.“ Er nahm sich Zeit und streichelte mich sanft. „Lass mich dich verwöhnen.“
Doch anstatt mich ihm hinzugeben, trank ich einfach weiter. Nines spürte meine Beule ganz genau, aber ich wollte mich ihm einfach nicht hingeben. Diese Genugtuung wollte ich ihm nicht gönnen. Er bekam mich sonst immer rum – nicht, dass er mir widerstehen konnte – aber diesmal wollte ich standhaft bleiben und seinem riesigen Ego einen Dämpfer verpassen. Es kostete mich echte Überwindung, nicht auf seine Avancen einzugehen, doch letztendlich packte ich seine Hand und zog sie aus meiner Unterhose heraus.
„Später vielleicht, mein Schatz“, sagte ich nur und klopfte meinem Freund auf die Schulter.
Er sah so verdutzt und überfordert aus, dass ich beinah lachen musste, wenn ich mich nicht noch zusammengerissen hätte. So eine Situation hatte er noch nie erlebt und er wusste garantiert nicht, wie er damit umgehen sollte, dass ich ihn zurückgewiesen hatte. Es war ja auch nicht ernst gemeint, ich wollte ihn nur etwas ärgern.
Nun setzte ich mich meinerseits an das Klavier und übte das Stück weiter, das ich gerade wiederholte. Während ich Nines‘ Blicke noch immer in meinem Rücken spürte, konnte ich mir ein triumphierendes Schmunzeln nun nicht mehr verkneifen.



Gavin & Nines‘ Appartement, Detroit
October 6th, 2040
07.34 PM


Ich hatte Nines selbstverständlich aufgeklärt und offiziell verziehen, woraufhin er so erleichtert war, dass wir das Schlafzimmer für mehrere Stunden nicht mehr verließen. Nun stand ich gedankenverloren auf dem Balkon und rauchte genüsslich eine Zigarette. Gegen die Brüstung gelehnt, beobachtete ich, wie das letzte Licht des Tages hinter den Häusern verschwand und die Welt nach und nach in Dunkelheit tauchte.
Direkt gegenüber von unserer Wohung lag ein kleiner Park mit einem großen Spielplatz. Einige Kinder spielten noch darauf, während ihre Eltern oder Androiden auf sie achteten, damit sich niemand verletzte. Die Szenerie war so idyllisch und friedlich, dass ich den Blick nicht abwenden konnte. Ich konnte auch die Gedanken nicht verhindern, die sich bei diesem Anblick in meinen Kopf schlichen. Nines und ich hatten bereits einmal über dieses Thema gesprochen und wir hatten uns darauf geeinigt, dass unser Beruf zu gefährlich war, um über Kinder nachzudenken. An dieser Tatsache hatte sich nichts geändert und doch konnte ich die Vorstellung nicht verdrängen. Der Android und ich hatten in den fast zwei Jahren so viel miteinander erlebt und die schlimmsten Krisen überstanden. Wir konnten ganz offensichtlich nicht ohne einander existieren und ich wusste, dass sich das niemals ändern würde. Ich wusste, dass wir einander immer lieben würden. Ich wusste, dass wir ein Kind … Nein, ich verbot mir den Gedanken. Energisch drückte ich die längst erloschene Zigarette aus, um mir nicht einzugestehen, was ich mir wünschte. Nämlich, dass diese Gedanken Wirklichkeit wurden.
Noch ein wenig durch den Wind betrat ich das Innere der Wohnung und wurde sofort von Nines umschlungen, der mir entgegenkam.
„Worüber hast du solange nachgedacht?“, fragte er sanft, während er federleichte Küsse auf meinem Hals verteilte.
„Über nichts“, erwiderte ich nur und hörte selbst die Lüge aus meiner Stimme.
Verletzt löste Nines sich von mir und sah mich ungläubig an. Verzweifelt schloss ich die Augen für einen Moment. Ich konnte den Androiden verstehen. Nach allem, was wir durchgemacht hatten, sollten wir über alles reden können, doch ich konnte diesen Wunsch nicht aussprechen, weil der Gedanke zu schmerzhaft war, dass wir kein Kind haben konnten. Ich verstand noch nicht einmal selbst, woher das plötzlich kam.
Nines öffnete den Mund, schloss ihn wieder und drehte sich dann einfach um, um zu gehen. Verzweifelt griff ich nach seiner Hand und zog ihn zu mir zurück.
„Entschuldige. Ich weiß, wir können über alles reden, aber ich bin gerade noch nicht so weit. Ich sage es dir, sobald ich es kann, versprochen. Ist das in Ordnung?“, fragte ich unsicher.
Nines gab mir nur einen Kuss auf die Stirn und wandte sich dann ab. Das war weder ein Ja noch ein Nein. Seufzend ließ ich mich auf die Couch nieder und streichelte Tori, die sofort auf meinen Schoß sprang.
„Wie soll ich nur mit ihm darüber reden, wo es doch so aussichtslos ist?“, fragte ich die Katze, doch sie sah mich nur aus ihren intelligenten Augen an.
Ich hatte das Gefühl, als würde sie mich aufmunternd anschauen und mir sagen, ich solle es einfach meinem Freund einfach sagen, aber vermutlich bildete ich mir das nur ein, weil mein Unterbewusstsein mir genau dasselbe zuschrie. Ich haderte mit mir selbst. Auf der einen Seite wollte ich unbedingt mit Nines darüber reden, aber auf der anderen Seite wollte ich mir auch keine Hoffnungen machen, weil unser Job viel zu gefährlich war. Diesen Verlust wollte ich keinem Kind antun, schon gar nicht, da diese Kinder ohnehin schon an Traumata litten. Andernfalls wären sie in ihren Familien geblieben und nicht zur Adoption freigegeben worden.
Außerdem wusste ich nicht, ob ich mein Leben so grundlegend verändern wollte. Nines und ich waren auch noch nicht allzu lange zusammen, vielleicht wollte ich auch noch gar niemanden in unserer Beziehung. Ich konnte nicht genug von ihm bekommen und wollte ihn für mich allein haben, aber wenn wir ein Kind hatten, würde das unsere ganze Aufmerksamkeit fordern. Vielleicht müsste einer von uns beiden sogar zu Hause bleiben, um das Kind zu versorgen. Meinen Job vollkommen aufgeben, wollte ich erst recht nicht.

Grübelnd ging ich ins Bad, um zu duschen und weiterhin meinen Gedanken und Zweifeln nachzuhängen. Ich wusste nicht, ob es eine gute Idee war, mit Nines darüber zu sprechen. Wir wollten beide nicht streiten, doch ich wusste nicht, wie das Gespräch verlaufen würde, wenn ich es wirklich ansprach. Allerdings war Nines im Moment ohnehin schon zurecht sauer auf mich, also was machte es dann schon?

Ich tauchte erst wieder aus meinen Gedanken auf, als ich schon im Schlafzimmer stand, um mir eine Jogginghose und einen Pulli zu holen. Wie ich überhaupt hierhergekommen war, wusste ich nicht. Scheinbar war ich so versunken, dass ich mich völlig automatisiert geduscht hatte. Aus dem Wohnzimmer erklang schon wieder das Klavier, diesmal eine langsamere, düstere Melodie. Ein zweites Mal an diesem Tag fand ich mich im Türrahmen stehend und Nines beobachtend wieder. Er spielte einfach weiter, als würde er mich nicht bemerken, während ich noch immer nicht wusste, was ich tun sollte.
„Willst du da eigentlich noch lange stehen oder kommst du endlich her und sagst mir, was mit dir los ist?“, fragte mein Freund und ich konnte seinen Tonfall nicht deuten.
Seufzend setzte ich mich in Bewegung und stellte mich hinter ihn.
„Ich habe über Kinder nachgedacht. Der Spielplatz im Park gegenüber hat mich irgendwie darauf gebracht. Wir haben schon mal darüber gesprochen und gesagt, dass unser Beruf zu gefährlich ist, aber ich komme nicht mehr davon los“, murmelte ich und beugte mich vor, um zärtlich Nines‘ Hals zu küssen.
„Willst du jetzt ein Kind adoptieren?“, fragte der Android überrascht und drehte sich zu mir um.
„Ja … Ich weiß es nicht. Es hat sich nichts geändert und wir wollen beide nicht unsere Arbeit dafür aufgeben, aber der Gedanke ist schon schön.“
„Warum hast du denn nicht gleich was gesagt?“, hakte Nines nach und ich seufzte erneut.
„Ach ich weiß es doch auch nicht. Ich war einfach verwirrt und wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.“
Nines schwieg eine Weile und sah gedankenverloren in die Ferne, bevor er mir antwortet.
„Können wir uns vorerst darauf einigen, dass wir beide ein wenig darüber nachdenken, was für Vorstellungen wir haben, was wir bereit sind zu opfern und einfach sehen, was die Zeit uns bringt?“, fragte er schließlich.
Ich nickte erleichtert darüber, dass er nicht sofort nein gesagt hatte, und beugte mich vor, um ihn zu küssen.
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