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Reed900/ DE - OS-Sammlung

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Elijah Kamski Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900
24.11.2018
31.05.2020
30
71.477
19
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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09.05.2019 1.876
 
Gavin Reeds Appartement, Detroit
August 16th, 2040
08.03 PM


Nines und ich lagen entspannt auf der Couch, Tori hatte sich auf meinem Bauch zusammengerollt, und sahen die Nachrichten. Allerdings war ich nicht besonders aufmerksam. Meine Gedanken waren in letzter Zeit woanders.
„Nines?“, begann ich leise.
„Ja?“, erwiderte er und sah mich an.
„Was hältst du von einem Umzug?“
„Ein Umzug? Ich stehe dem neutral gegenüber. Ich mag deine Wohnung, aber ich würde mich auch in einer anderen wohlfühlen. Wie kommst du darauf?“
„Ich weiß auch nicht. Vor einigen Wochen kam mir die Idee und ich bin sie seitdem nicht mehr losgeworden. Unbewusst habe ich auf Wohnungsanzeigen geachtet. Immerhin wohne ich jetzt auch schon seit vielen Jahren hier und ich denke, es ist so langsam Zeit, sich nach etwas anderem umzusehen. Schließlich lebe ich nicht mehr allein. Mir gefällt der Gedanke, dass wir uns gemeinsam eine Wohnung aussuchen und sie gemeinsam einrichten. Du sollst dich ja auch wohlfühlen und mitbestimmen können. Ich habe auch das Gefühl, dass die Wohnung zu klein wird. Damals konnte ich mir nichts anderes leisten und danach war ich zu faul für einen Umzug. Aber jetzt könnten wir uns eine wirklich schöne Bleibe suchen. Was denkst du darüber?“
„So wie du es beschreibst, klingt es großartig, aber die Realität wird anders aussehen. CyberLife überwacht mich noch immer. Ich habe immer noch eine eigene Wohnung, die ich nicht kündigen kann, weil CyberLife dann von unserer Beziehung erfahren würde. Nicht sofort, aber es würde Fragen aufwerfen. Dein Cousin Elijah Kamski weiß es schon, aber er hat kaum noch Mitspracherecht und scheint kein Problem mehr mit mir zu haben. Ich möchte mein Glück allerdings nicht überstrapazieren. Ärger ist vorprogrammiert. Wir können auch nicht gemeinsam eine Wohnung aussuchen, weil auch das Fragen aufwerfen würde.“
Überrascht sah ich meinen Freund an und setzte mich auf.
„Wieso überwachen dich diese Wichser denn immer noch?“, brauste ich auf.
„Beruhig dich, Gavin“, murmelte Nines nur.
Er sah aus, als wollte er genau diesem Gespräch aus dem Weg gehen.
„Nein, ich beruhige mich nicht. Wieso redest du nicht mit mir über solche Sachen? Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich Elijah sofort bescheid gesagt. Er hätte das sicher alles in die Wege leiten können, damit du frei bist.“
„Ich habe mich damit abgefunden, nicht frei sein zu können. Ich bin nun mal kein Mensch. Ich habe einen Erbauer und demgegenüber habe ich gewisse Verpflichtungen. Inzwischen habe ich mich von fast allen befreit, aber ein gewisser Rest ist eben geblieben.“
Sprachlos starrte ich Nines an.
„Wie kannst du dich damit abfinden?“, fragte ich leise. „Das kann nicht dein Ernst sein. Du bist nicht frei, also können wir auch nicht frei sein. Es ist, als würde sich jemand Drittes in unsere Beziehung einmischen und hätte einen Einfluss auf dich, auf uns.“
„Du reagierst über, Gavin. Es mischt sich niemand in unsere Beziehung ein. Ich verhalte mich nicht anders.“„Woher willst du das bitte wissen, hm? Ist ja nicht so als wüsstest du, wie es ist, wenn dir CyberLife nicht im Nacken sitzt.“
„Gavin“, stöhnte Nines. „Du übertreibst. Es betrifft mich und nicht dich.“
„Wie bitte? Natürlich betrifft es mich! Wir sind zusammen und ich will dir bei Problemen helfen.“
„Ich brauche deine Hilfe aber nicht“, fuhr er mich an. „Was ist denn dein Problem? Wieso kannst du es nicht gut sein lassen?“
„Weil du mir wichtig bist und ich will, dass es dir gut geht, ohne dass du vor CyberLife Angst haben musst.“
„Meine Güte. Jetzt reicht es mir aber. Ich möchte nicht darüber sprechen.“
Für einen Moment sah ich ihn noch an, bevor ich mich erhob und in die Küche ging.
„Dann eben nicht“, murmelte ich im Gehen.

Enttäuscht setzte ich mich mit einem Tee an den Tisch und hing meinen trübsinnigen Gedanken nach. Ich konnte nicht begreifen, warum Nines mir gegenüber so verschlossen war. Bisher hatte ich gedacht, dass wir darüber hinweg waren und Offenheit kein Problem mehr war, doch offenbar hatte ich mich geirrt. Tori folgte mir lautlos, doch Nines blieb an Ort und Stelle. Sollte er doch. Ich hatte ohnehin keine Lust, mich mit ihm zu unterhalten. Es herrschte ein unangenehmes Schweigen im Raum, weshalb ich mich schnell ins Bett verzog, um noch eine Weile zu lesen, doch auch im Schlafzimmer fühlte ich mich nicht besser. Die bedrückte Stimmung hielt sich hartnäckig. Allerdings hellte Tori meine Stimmung deutlich auf, indem sie sich an mich schmiegte und an mich kuschelte. Belustigt beobachtete ich sie dabei, wie sie mit ihrem Schwanz mein Buch verdeckte und mich am Lesen hinderte.



Detroit Police Departement, Detroit
August 17th, 2040
4.12 PM


Auch während des gesamten Arbeitstages sprachen Nines und ich kaum ein Wort miteinander. Es war ein ruhiger Tag, weshalb wir uns dem Papierkram widmen konnten und kaum miteinander reden mussten. Nines informierte mich, dass er den Abend mit Connor verbringen würde. Das kam mir nur gelegen.
Ich räumte meinen Schreibtisch auf und dann verabschiedete ich mich von Nines und den Kollegen, bevor ich Feierabend entlassen wurde. Doch anstatt einfach nach Hause zu fahren und den freien Abend zu genießen, führte mein Weg mich weit außerhalb von Detroit in ein großes Herrenhaus. Ich klingelte und mein Cousin öffnete mir die Tür.
„Na. Willst du wieder bei mir einziehen oder warum bist du hier?“, wurde ich von Elijah begrüßt.
Ich verdrehte die Augen, doch konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen, während ich eintrat. Wir setzten uns auf die Terrasse und sahen auf den inzwischen aufgetauten See hinaus. Eine Chloe brachte uns zwei Flaschen Bier und wir stießen schweigend an.
„Also mal im Ernst. Was ist los? Du tauchst doch nicht ohne Grund hier auf“, fragte Elijah erneut.
Wir hatten zwar das letzte halbe Jahr nach unserer Versöhnung ein wenig den Kontakt gehalten, doch unberechtigt war die Frage nicht, da wir uns seitdem nicht gesehen hatten. Gleich gar nicht, ohne das vorher miteinander abzusprechen. Trotz des unerfreulichen Anlasses freute ich mich meinen Cousin zu sehen. In all den Jahren hatte ich mich gefühlt, als würde mir etwas fehlen. Jetzt wusste ich, dass es seine Gesellschaft war. Ich war längst nicht so gut im Verdrängen, wie ich gedacht hatte.
„Es geht um Nines. Mal wieder“, beantwortete ich Elijahs Frage. „Ich weiß nicht, was ich machen soll und ich hatte gehofft, du könntest mir helfen.“
„Schieß los. Ich bin ganz Ohr.“
„Ich hatte überlegt, mit Nines umzuziehen, doch als ich mit ihm darüber gesprochen habe, stellte sich heraus, dass er nach wie vor von CyberLife überwacht wird und es Dinge gibt, die gegen eine gemeinsame Wohnung sprechen. Er will die Beziehung geheim halten und kann nicht umziehen, weil es Fragen aufwerfen würde, wenn er seine Wohnung kündigen würde, die er noch immer besitzt. Warum tut er nichts dagegen? Will er sich nicht von CyberLife lösen?“, erklärte ich etwas verzweifelt.
Elijah schwieg eine Weile, nippte an seinem Bier und sah auf den See heraus, während die Vögel um uns herum zwitscherten.
„Vielleicht hat er einfach Angst vor den Konsequenzen? Angst davor, verfolgt zu werden. Ich denke, er will eure Beziehung einfach schützen.“
„Kannst du irgendwas dagegen tun?“, hakte ich nach.
Überrascht sah er mich an.
„Was erwartest du denn von mir?“
Ich seufzte, da ich selbst nicht wusste, was ich erwartete oder mir wünschte. Nines sollte frei sein Leben führen können, ohne an CyberLife gebunden zu sein. Vor allem, da er mittlerweile ein Abweichler war.
„Keine Ahnung, ich will einfach mit ihm zusammen sein können, ohne dass CyberLife dazwischenfunken kann.“
„Meinst du nicht, dass das ein wenig egoistisch ist?“
Vermutlich hatte Elijah recht und es ging mir nicht ausschließlich um Nines‘ Freiheit. Die Idee, mit ihm zusammen umzuziehen, hatte sich in meinem Kopf festgesetzt und ich war begeistert davon. Unbedingt wollte ich mein Leben weiterhin mit Nines verbringen. Ich wollte mit ihm alt werden. Entsetzt bemerkte ich, dass es mir zu einem großen Teil um mich ging. Niedergeschlagen ließ ich den Kopf hängen.
„Vermutlich muss ich nochmal mit ihm darüber reden. Ich war so darauf fixiert, das irgendwie hinzubiegen, dass ich gar nicht weiß, ob er überhaupt losgelöst von CyberLife leben will.“
„Pass auf: Du redest nochmal mit Nines und ich schaue trotzdem, ob ich etwas für euch tun kann.“

Ich machte mich auf den Weg nach Hause, nachdem ich mich bei meinem Cousin bedankt hatte. Auf der Fahrt überlegte ich mir, was ich Nines eigentlich sagen wollte. Völlig in meine Gedanken vertieft, bemerkte ich erst, dass ich angekommen war, als ich schon geparkt hatte. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wie ich hierher gekommen war.



Gavin Reeds Appartement, Detroit
August 17th, 2040
7.34 PM


Es war bereits nach halb acht, als Nines endlich nach Hause kam. Stumm blickten wir uns an, bevor wir einander in den Arm nahmen.
„Es tut mir leid“, sagten wir zeitgleich und mussten schmunzeln.
Tori schlich um unsere Beine, als wäre sie neidisch, dass sie nicht gestreichelt wurde.
„Ich hätte dich gestern nicht so anfahren dürfen“, murmelte Nines an meinem Ohr. „Du warst begeistert von der Idee und ich habe es kaputt gemacht.“
„Nein, das hast du nicht. Ich war viel zu egoistisch. Das ist mir jetzt klar. Ich hätte dich nicht so bedrängen dürfen.“
„Doch, es war ja richtig. Ich möchte mit dir umziehen, ich weiß nur nicht, ob das irgendwie machbar ist. Vielleicht könnten wir Elijah um Hilfe bitten oder ihn um Rat fragen“, erwiderte Nines.
„Ich rufe ihn morgen an“, gab ich zurück und küsste Nines zärtlich.



Gavin & Nines‘ Appartement, Detroit
September 29th, 2040
7.13 AM


Die Sonne, die durch die verglaste Wand fiel, weckte mich und ich streckte mich unter der Decke, bevor ich mich auf die andere Seite drehte. Mein Blick landete in eisblauen Augen und ich konnte ihn nicht mehr abwenden. Nines zog mich zärtlich in seine Arme und ich schmiegte mich an seine nackte Brust. Er hauchte Küsse auf meinen Kopf, was mich dazu brachte, genüsslich zu brummen.
„Guten Morgen“, hauchte er so leise, dass ich ihn kaum verstand.
„Morgen“, gab ich zurück und hob den Kopf, um meinen Freund küssen zu können.

Wir fühlten uns unheimlich wohl, in unserer neuen Wohnung. Eigentlich hatten wir noch warten wollen, nachdem Elijah uns geholfen hatte. Selbstverständlich hatte er bereits wenige Tage nach unserer Versöhnung, Mittel und Wege gefunden, Nines von CyberLife zu trennen. Er trug ihn als zerstört ein und löschte anschließend alle Daten, die noch gespeichert waren. Nines bekam einen neuen Namen. Er weilte jetzt als der am 25. August in Betrieb genommene Richard Nines unter den Lebenden, sodass unserem Umzug nichts mehr im Wege stand. Gemeinsam wollten wir nach einer Wohnung schauen, doch die Suche wurde durch einen riesigen Wasserschaden beschleunigt, sodass wir sofort umgezogen sind, nachdem wir diese Wohnung entdeckt hatten, um aus der überdimensionalen Badewanne herauszukommen, die mal unsere alte Wohnung gewesen ist.

Seit dem Umzug war Nines viel entspannter, als wäre die Last seiner Verpflichtungen gegenüber CyberLife von ihm abgefallen. Er war geradezu ausgelassen und es war eine wahre Freude, mit ihm zusammenzuleben. Auch Tori hatte sich schnell an die neue Umgebung gewöhnt und erkundete dem Umzug vor zwei Wochen fleißig jeden Winkel der Wohnung. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit jedem Tag glücklicher wurde. Vermutlich war es Nines‘ verbessertes Lebensgefühl, dass uns guttat. Was auch immer es war, es machte uns glücklich und alles andere war egal.
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