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Reed900/ DE - OS-Sammlung

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Elijah Kamski Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900
24.11.2018
31.05.2020
30
71.477
19
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
26.11.2018 1.265
 
Detroit Police Departement, Detroit
March 1st, 2039
7.53 PM


Ich schloss die letzte Fallakte für heute mit einem Seufzen und ließ die verspannten Schultern kreisen. Die Überstunden hielten sich inzwischen in Grenzen, doch es war noch immer die Hölle im DPD. Inzwischen war ich sogar zu erschöpft, um ständig angepisst zu sein. Ich freute mich einfach nur darauf, irgendwann zu Hause zu sein und mit meinem Was-auch-immer einen entspannten Abend zu verbringen. Noch immer weigerte ich mich, ihn als Freund zu bezeichnen. Er war mein Partner auf Arbeit und über alles andere dachte ich nicht nach. Ich wusste, dass ich mich dem irgendwann stellen musste, aber noch verdrängte ich es gekonnt. Nines kam gerade aus dem Büro des Captains und steuerte nun auf unseren gemeinsamen Schreibtisch zu.
„Was wollte er von dir?“, fragte ich, als er sich mit gegenübersetzte.
„Er hat uns einen neuen Fall zugeteilt“, erwiderte der neutral.
„Aber du hast abgelehnt, oder?“, fragte ich misstrauisch.
„Nein, wir haben weniger Fälle als andere und jemand muss es machen.“
„Schön, dass wir darüber gesprochen haben“, antwortete ich mühsam beherrscht.
„Ich dachte, du wärst damit einverstanden.“
Wie bescheuert konnte man sein? Ich schuftete mir seit Wochen den Arsch ab und diese dumme Blechbüchse sorgte für noch mehr Arbeit? Jetzt saß er mir gegenüber, ohne eine Gefühlsregung zu zeigen, und es schien für ihn vollkommen in Ordnung zu sein, noch mehr zu arbeiten. Aber klar, wenn man nicht müde würde, hatte man damit vermutlich wirklich kein Problem. Da ich absolut keinen Bock hatte vor den Kollegen eine Szene zu machen – vor allem, da Hank sich wieder daran weiden würde –, stand ich einfach auf, nahm meine Jacke und ging. Ich würde jetzt Feierabend machen und auf beschissenen Partner und meinen beschissenen Chef scheißen.
„Detective!“, hörte ich mir Nines hinterherrufen, doch ich ignorierte ihn.
Ich ging zu meinem Auto, schmiss meine Jacke auf den Beifahrersitz und fuhr davon. Was zu viel war, war zu viel. Was dachte sich dieser Plastikwichser dabei, uns noch einen Fall aufzuhalsen? Er verbrachte 24 Stunden am Tag mit mir und bemerkte durchaus, dass ich nicht mehr konnte. Wieso bekamen wir jetzt noch einen Fall? Es war ja nicht so, als würden wir uns langweilen? Wir hatten trotzdem drei Fälle, die wir gleichzeitig bearbeiten sollten. Weil Hank und sein Plastiksohn sich um die ganzen Abweichler kümmerten, musste der Rest Hanks Fälle übernehmen, zusätzlich zu den eigenen Fällen. Diese scheiß Androiden. Ohne sie wäre alles besser. Es würde ja reichen, wenn sie einfach nur machten, wozu sie gebaut worden waren und nicht plötzlich einen auf freien Willen machen würden. Präsidentin Warren hatte ihnen inzwischen auch noch eigene Rechte zugestanden, was ich mit großer Abneigung zur Kenntnis genommen hatte. Was solls. Jetzt hatte ich immerhin mal meine Ruhe.



Gavin Reeds Appartement, Detroit
March 01st, 2039
8.31PM



Eine halbe Stunde später schloss ich die Tür zu meiner Wohnung auf, kickte die Schuhe von den Füßen und hing meine Jacke an den Haken. Ruhe umfing mich und ich begann, leicht zu lächeln. Das hatte ich gebraucht. Ruhe. Ein freier Abend. Viel eher als sonst war ich zu Hause und ich beschloss, etwas zu kochen. Dafür hatte ich schon seit Monaten keine Zeit mehr gefunden, doch das sollte sich nun ändern. Ich verdrängt alle Gedanken, an meinen Was-auch-immer und auch an die Arbeit und überprüfte, was meine Vorräte hergaben. Nicht viel, war die ernüchternde Antwort. Immerhin konnte ich aus Zucchini, Paprika, Tomaten und Aubergine eine Gemüsepfanne machen, zu der ich Reis kochte. Mit meinem Mahl setzte ich mich vor den Fernseher und schaute ebenfalls zum ersten Mal seit Wochen die Nachrichten. Krieg, globale Anspannung, bekloppte Politiker, Umweltkatastrophe. Es war offenbar alles beim Alten und ich hatte nichts Wesentliches verpasst. Hätte mich auch gewundert, wenn sich auf einmal alle lieb gehabt hätten.
In Ruhe machte ich den Abwasch, räumte ein wenig die Wohnung auf und genehmigte mir anschließend eine ausgiebige Dusche.



Gavins Reeds Appartement, Detroit
March 1st, 2039
9.49 PM

Fisch geduscht, ließ ich mich wieder auf die Couch fallen und überlegte, was ich tun sollte. Ich hatte auf nichts Bestimmtes Lust und so wanderte ich ziellos durch die Wohnung. Ich fand mich vor der Balkontür nach draußen starrend wieder. Es schneite schon wieder und Nines war noch nicht da. Ich könnte ihn anrufen, doch ich hatte mich noch nicht wieder beruhigt. Er würde schon wieder auftauchen. Und wenn nicht, dann hatte ich eine Sorge weniger. Kopfschüttelnd wandte ich den Blick von der verschneiten Landschaft ab. Ich war ein furchtbarer Partner, Was-auch-immer. Vermutlich hatte Nines einfach keinen Bock mehr auf meine ständige schlechte Laune. War sogar ziemlich wahrscheinlich, wenn ich überlegte, wie ich mich ihm gegenüber verhielt. Ein Mensch hätte mich schon nach einem Tag abserviert. Vermutlich war ich deswegen jahrelang Single gewesen. Jetzt hielt mich schon mal jemand aus und ich hatte nichts Besseres zu tun, als ihn ständig anzuschnauzen und zu vergraulen. Manchmal könnte ich mich ohrfeigen.

Damit ich nicht ständig darüber nachdachte, wo Nines sich gerade befand und was er machte, ging ich einfach ins Bett. Ich wollte endlich mal ausgeschlafen sein, wenn ich schon einfach von der Arbeit verschwand.


Detroit Police Department, Detroit
March 2nd, 2039
6.32 AM

Ich war allein ins Bett gegangen und allein wieder aufgewacht. Nines war nicht aufgetaucht und ich machte mir mittlerweile wirklich Sorgen und wollte endlich wissen, wo er war. Ich wollte mich mit ihm aussprechen. Er fehlte mir und ich wollte sichergehen, dass es ihm gut ging. Als erster stand ich heute im Departement, doch auch hier keine Spur von meinem … Freund. Ich konnte nur hoffen, dass er vielleicht bei Connor übernachtet hatte. Die zwei Androiden waren sich nicht so richtig grün, doch Connor würde Nines nicht abweisen. Seufzend holte ich mir einen Kaffee aus dem Pausenraum und wandte mich wieder zu meinem Schreibtisch, sodass ich ihn beinah übersah. Auf der kleinen, unbequemen Couch lag er. Überglücklich Nines wohlbehalten gefunden zu haben, stellte ich meinen Kaffee ab und kniete mich vor ihn, betrachtete sein entspanntes Gesicht. Er musste sich noch im Ruhemodus befinden. Sanft strich ich ihm durch die Haare und sofort öffnete er die Augen. Misstrauisches Eisblau starrte mich an, doch sein Blick wurde … weicher, als er mich erkannte.
„Warum hast du denn hier geschlafen?“, fragte ich leise.
„Ich war mir sicher, dass ich in deiner Wohnung unerwünscht war“, erwiderte er.
„Es ist unsere Wohnung“, antwortete ich.
„Ich dachte, du würdest mich nicht hereinlassen.“
Ein tiefes Seufzen drang über meine Lippen. Ich benahm mich einfach abartig. Wäre Nines so wie ich hätte ich ihn schon längst vor die Tür gesetzt. Er hatte etwas Besseres verdient.
„Es tut mir leid, dass ich mich dir gegenüber immer wie ein Arschloch verhalte. Ich werde versuchen, mich zu bessern.“
„Du kannst meine Gefühle nicht verletzen. Ich bin ein Android.“
„Trotzdem sollte ich dich nicht so behandeln. Das gehört sich nicht. Du … bist mir wichtig und ich habe mir gestern Abend Sorgen um dich gemacht.“
„Du bist mir auch wichtig, Gavin“, erwiderte Nines ernst und sah mir tief in die Augen.
Ich beugte mich vor und drückte meine Lippen auf seine. Ein Schauer überlief mich, als Nines mich näher an sich zog und den Kuss erwiderte.
Ich hörte langsam Kollegen ins Departement kommen und löste mich von Nines. Auf eine öffentliche Zurschaustellung von Zärtlichkeiten hatte ich keinen Bock.
„Lass uns heute Abend darüber reden“, murmelte ich, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.
„Worüber?“, fragte der Android verständnislos und erhob sich.
„Über uns und unsere Beziehung“, erwiderte ich und gab ihm noch einen heimlichen Kuss, bevor ich mich mit meinem Kaffee an meinem Schreibtisch niederließ.
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