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Reed900/ DE - OS-Sammlung

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Elijah Kamski Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900
24.11.2018
31.05.2020
30
71.477
19
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
09.04.2019 1.935
 
Gavin Reeds Appartement, Detroit
May 09th, 2040
8.12 PM


Gavin kümmerte sich um Tori, die gierig auf ihr Abendessen und einige Streicheleinheiten wartete, während ich in der Küche für Ordnung sorgte. Mein Freund ging so liebevoll mit der kleinen Katze um, dass ich den Blick nicht abwenden konnte und ihn wie gebannt beobachtete. Er wäre ein wundervoller Vater. Verwirrt von diesem unerwarteten Gedanken hielt ich einen Moment in meinem Tun inne, bevor ich das Abtrocknen des Topfes fortsetzte. So überraschend war der Gedanke allerdings auch nicht. Meinen Berechnungen zufolge würde Gav einem Kind all seine Liebe zukommen lassen und es an erste Stelle setzen. Davon abgesehen, war ich mir sicher, dass Gav sich gut durchsetzen könnte und dem Kind eine gute Erziehung zukommen lassen würde. Fast ein wenig bedauernd musste ich feststellen, dass es unmöglich für Gav und mich unmöglich war, ein gemeinsames Kind großzuziehen. Ich war ein Android, ein männlicher noch dazu.
Erst das Klingeln an der Wohnungstür riss mich aus meiner Starre. Gav und ich wechselten einen verwirrten Blick, da wir niemanden mehr erwarteten. Hoffentlich gab es kein Problem. Entschlossen ging Gav zur Tür und öffnete sie, während ich die Küche weiter aufräumte.
„Oh, guten Abend, Connor. Mit dir hatte ich nicht gerechnet. Ist alles in Ordnung?“, hörte ich Gavs Worte leise und runzelte die Stirn.
Was wollte Connor hier?
„Guten Abend. Bitte entschuldige die Störung, Gavin. Ist Nines gerade zu sprechen? Ich bräuchte ihn dringend.“
„Ja, sicher. Komm rein. Er ist in der Küche.“
Da ich sich nähernde Schritte vernahm, kam ich den beiden entgegen und reichte Connor zur Begrüßung freundschaftlich die Hand.
„Ich entschuldige mich für die späte Störung. Ich …“ Connor warf einen Blick auf Gavin und dann zu mir. „Ich brauche deine Hilfe bei etwas, Nines.“
„Lass uns in die Küche gehen. Darf ich dir ein Glas Thirium anbieten?“
Connor nickte nervös. Gavin wandte sich ab und ging ins Bad, vermutlich um Wäsche zu waschen. Ich ging mit meinem Freund in die Küche und wir setzten uns. Da ich durchaus verstanden hatte, dass es um ein heikles Thema ging, schloss ich die Verbindungstür zwischen Küche und Wohnzimmer. In letzter Sekunde huschte Tori durch den schmalen Spalt. Gav war ihr Liebling und sie wich ihm kaum von der Seite, sodass ich sie selten zu Gesicht bekam, wenn Gavin und ich nicht zusammen waren.
Während Connor sich setzte, holte ich zwei Gläser und den Behälter mit Thirium aus dem Kühlschrank. Connor sagte kein Wort, auch nicht, als ich die Gläser füllte. Ich setzte mich zu ihm und sah ihn an. Er wirkte aufgewühlt, doch er war unverletzt. Lediglich sein Stresslevel war ein wenig erhöht. Mittlerweile wusste ich, dass ich in solchen Situationen lieber geduldig sein und meinen Freund nicht bedrängen sollte. Mit Gav war ich deswegen oft genug aneinandergeraten, weil er noch nicht über etwas reden wollte, sondern Zeit brauchte. Es war ein schwieriger Prozess für mich gewesen, zwischen Verhören und Privatgesprächen zu unterscheiden. Offenbar konnte man nicht auf gleiche Weise mit Verbrechern und Freunden sprechen.
Ich wartete also geduldig, während ich erkennen konnte, wie Connor seine Gedanken ordnete. Er nippte immer wieder an seinem Glas, öffnete mehrfach den Mund, schloss ihn wieder. Er hob den Blick, senkte ihn wieder.
„Ich habe einen weiblichen Androiden kennen gelernt“, platzte es dann schließlich aus ihm heraus.
Seine großen, braunen Augen sahen mich erwartungsvoll und ein wenig ängstlich an.
„Und weshalb bist du so nervös?“, fragte ich etwas verwirrt.
„Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Du bist schon so lange mit Gavin zusammen, deswegen dachte ich, du könntest mir helfen.“
Flehend blickte er mich an und machte einen wirklich verzweifelten Eindruck.
Ich dagegen dachte an meine Anfangszeit mit Gav zurück. An die Zeit, in der er in mich verliebt und ich nur mit ihm zusammen war, weil ich diese Art der Nähe nicht als unangenehm empfand, aber keine Gefühle für ihn hatte. Den schmalen Grat zwischen Liebe und Hass hatte ich in dieser Zeit ganz deutlich gespürt. Mir wurde bewusst, wie grausam ich zu Gavin gewesen war. Ich wusste um seine Gefühle, aber es war mir egal. Zu diesem Zeitpunkt war ich kein Abweichler, es gehörte also nicht zu meiner Aufgabe, betont freundlich und sensibel zu sein, doch mich hätte nichts daran gehindert, ein wenig freundlicher zu Gav zu sein.
Peinlich berührt senkte ich den Kopf.
„Vielleicht solltest du lieber mit Gavin oder Hank sprechen. Es scheint, als wäre ich nicht der richtige Ansprechpartner dafür. Ich war kein Abweichler, als wir zusammenkamen. Am Anfang empfand ich nichts für Gavin.“
„Aber du hast dich in ihn verliebt und du bist aus reiner Willenskraft ein Abweichler geworden, weil deine Liebe zu ihm größer war als der Zwang, deiner Programmierung zu folgen“, erwiderte Connor leidenschaftlich. „Mir scheint, es gibt keinen Geeigneteren, an den ich mich wenden könnte.“
Überrascht sah ich ihn an.
„Mag ja sein, dass du Gavin nicht geliebt hast, als ihr zusammengekommen seid, aber du hast bewiesen, dass du es jetzt tust. Du hast es auf jede dir mögliche Art und Weise bewiesen. Ich weiß das besser als jeder andere.“
Einen Moment dachte ich darüber nach und gab Connor recht. Ich liebte Gav mehr als alles andere auf der Welt und ich wusste, dass es in meinem Leben niemals anderen mehr für mich geben würde. Nichtsdestotrotz konnte ich Connor nicht sagen, wie er eine Frau oder einen weiblichen Androiden beeindrucken konnte. In diesem Bereich hatte ich nun gar keine Ahnung. Bei einem Mann wäre ich vielleicht hilfreicher. Genau das sagte ich ihm.
„Aber du bist auch ein Android. Du verstehst mich viel besser als ein Mensch“, widersprach Connor.
„Das mag sein, aber Gavin kann dir da wirklich besser helfen. Oder frag Hank. Er war ja sogar mit einer Frau verheiratet und hatte ein Kind.“
„Warum willst du mir nicht helfen?“, fragte Connor provozierend.
Überrascht sah ich ihn an, sprachlos. Ich wollte seine Unterstellung schon dementieren, als ich bemerkte, dass es unterbewusst einen Grund gegeben hatte, warum ich mich weigerte.
„Ich … ich will nicht dafür verantwortlich sein, wenn du scheiterst.“
Wir sahen uns einen Moment schweigend an, bevor ich schließlich um Connors willen nachgab.
„Warum erzählst du mir nicht erstmal von ihr? Wo habt ihr euch kennen gelernt?“
„Ich war gestern für Hank einkaufen und sie stand vor mir an der Kasse. Sie hatte nicht genügend Geld, also habe ich ihr ausgeholfen. Es stellte sich dann heraus, dass sie ganz in Hanks Nähe wohnt, sodass wir einen Großteil des Weges zusammengegangen sind. Sie hat sich überschwänglich für meine Hilfe bedankt. Wir haben unsere Kontaktdaten ausgetauscht, weil sie sich revanchieren möchte. Als wir uns verbunden haben, spürte ich eine nie gekannte Gefühlsregung in mir, die sich nach einiger Recherche auf die äußere Anziehungskraft des weiblichen Androiden zurückführen lässt. Wir scheinen kompatibel zu sein. Wir werden uns morgen Abend treffen, weil sie mir das Geld zurückgeben möchte.“
„Trefft ihr euch zu einem Abendessen?“
„Ja, so möchte sie sich für meine Hilfe bedanken. Sie hat mich eingeladen.“
Ich dachte einige Sekunden nach und spielte die verschiedenen Szenarien durch.
„Also gut, auch wenn sie dich nicht einladen müsste, solltest du nicht gleich davon ausgehen, dass es ein Date ist. Es könnte trotzdem nur eine nette Geste sein. Es ist ihre Art, sich zu bedanken, also lass ihr das und bring keine Geschenke mit. Sei einfach nett und zuvorkommend, bis du mehr über ihre Absichten weißt. Unterhalte dich mit ihr, lerne sie besser kennen und dann sprechen wir weiter. In Ordnung?“
Connor schwieg und schien meine Worte zu überdenken, bevor er schließlich nickte.
„Danke, Nines. Du hast mir sehr geholfen.“
Er leerte sein Glas und erhob sich, bevor wir uns verabschiedeten.

Ich ging zurück in die Küche, um fertig aufzuräumen. Gav kam mit Tori auf dem Arm zu mir und gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Was war denn los? Ist etwas passiert?“, fragte er ein wenig besorgt.
„Ja, es ist etwas passiert, aber nichts Schlimmes. Connor hat jemanden kennen gelernt und wollte einen Rat von mir.“
„Du meinst … Connor hat sich verliebt?“
„Ich schätze, es wird darauf hinauslaufen.“
Gav starrte mich mit offenem Mund an, bevor er leise lachte. Tori hatte ihren Kuschelbedarf offensichtlich gestillt und sprang von seinem Arm auf den Küchentisch.
„Ich hätte nicht gedacht, dass Connor diese Art von Interesse an jemandem entwickeln kann.“
„Das dachte ich von mir auch und jetzt sieh uns an“, erwiderte ich lächelnd.
Ich wusste, dass Gavin es nie zugeben würde, doch trotzdem erkannte ich, wie glücklich ihn diese Äußerung machte. Er schenkte mir ein verliebtes Lächeln, woraufhin ich ihn in meine Arme zog und zärtlich küsste.



Detroit Police Departement, Detroit
May 10th, 2040
01.13 PM


Nervös schlich Connor durch das DPD. Gav beobachtete sein Verhalten schon seit Stunden mit wachsender Belustigung, doch auch Hank schien es immer lustiger zu finden, wie Connor sich quälte. Seine Unsicherheit war ihm deutlich anzusehen und er tat mir ein wenig leid. Ich hatte diese Phase nie durchmachen müssen, da ich von Anfang an, Gavs Gefühle für mich kannte. Dennoch wusste ich, wie quälend die nagende Angst sein konnte, wenn man nicht in der Lage war, vorherzusehen, was geschehen würde. Ich erinnerte mich noch gut an meine Trennung von Gav. In dieser Zeit zweifelte ich an allem, vor allem an mir. Mir war nicht klar, ob er mir jemals verzeihen würde, ob es noch Hoffnung für uns gab oder ob ich alles ruiniert hatte, was in meinem Leben von Bedeutung war. Zum Glück war alles gut ausgegangen. Ob Connor auch so viel Glück haben würde wie ich? In Gedanken versunken, wanderte mein Blick zu Gavin, der gerade stirnrunzelnd auf den Bildschirm seines Computers starrte. An seiner Mimik konnte ich sofort ablesen, dass er über ein Motiv nachdachte. Nach und nach tauchte er immer mehr in die Psyche des Kriminellen ab und durchdrang seine Beweggründe für eine Straftat. Das war es, was ihn zu so einem guten Polizisten machte. Er verstand die Menschen und konnte sie so umso schneller aufspüren. Er war mir beinah ebenbürtig. Das war eine der Eigenschaften, die ich so anziehend an ihm fand. Genauso wie seinen grenzenlosen Ehrgeiz, wenn er an einem Fall arbeitete. Er hörte erst auf wie ein Besessener daran zu tüfteln, wenn der Fall gelöst war. Er wollte die Verbrecher schnappen und das um jeden Preis. Genau wie ich, deswegen waren wir so ein gutes Team und in unserem Charakter kompatibel. Ich konnte mir keinen besseren Partner in meiner Arbeit und meinem Leben vorstellen. Mein Thirium-Pumpenregulierer arbeitete ein wenig schneller als gewöhnlich, als mir wieder einmal bewusst wurde, wie sehr ich Gavin liebte.

Ich erhob mich, ging um den Schreibtisch herum und beugte mich zu Gav hinunter.
„Folge mir unauffällig“, flüsterte ich ihm ins Ohr.
Er verzog keine Miene und nickte. Während ich Richtung Verhörräume das große Büro verließ, tat Gav so als würde er hinunter zu den Beweisen gehen, um etwas zu überprüfen. Stattdessen huschte er allerdings vor den Übergangszellen zu mir. Eilig zog ich ihn in den Verhörraum und drückte ihn sofort gegen die sich schließende Tür, bevor ich ihn leidenschaftlich küsste.
„Ich liebe dich“, hauchte ich zwischen den Küssen.
„Ich liebe dich auch, Nines“, erwiderte mein Freund.
Wie ein Ertrinkender schlang er die Arme um meinen Hals und erwiderte meine Küsse mit derselben Intensität.

Endlich ließen wir wieder rund und es gab nichts mehr, was zwischen uns stand. Die gewohnte Leichtigkeit war wieder zurückgekehrt und ich war geradezu süchtig nach diesem berauschenden Gefühl. Ich verstand nicht, warum Leute Drogen nahmen, wenn Liebe doch so viel besser war.


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Ach was hat es mich glücklich gemacht, mal wieder ein bisschen Fluff zu schreiben. Hat euch das Lesen auch so viel Spaß gemacht? :)
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