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Reed900/ DE - OS-Sammlung

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Elijah Kamski Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900
24.11.2018
31.05.2020
30
71.477
19
Alle Kapitel
56 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
31.03.2019 1.519
 
W Fort St, Detroit
March 19th, 2040
8.12 AM


„… Auch in den nächsten Tagen ist nicht mit einer Besserung zu rechnen. Es werden Temperaturen im Bereich von -9 bis -27 °F erwartet. Der Wetterdienst empfiehlt allen Bewohnern in ihren Häusern zu bleiben. Derart niedrige Temperaturen sind lebensbedrohlich. Das war es aus dem Wetterstudio, nun geben wir zu den Verkehrsmeldungen.“
Entnervt schaltete ich das Radio wieder aus und drehte die Heizung höher, doch es vertrieb die Kälte trotzdem nicht.
„Warum müssen wir ausgerechnet heute Dienst haben?“, murrte ich, während ich mir den Schal enger um den Hals schlang.
„Gestern war das Wetter auch nicht besser und morgen höchstwahrscheinlich auch nicht. Dementsprechend ist es egal, wann wir den Notdienst haben.“
„Danke, Nines. Das ist mir auch klar. Ich will einfach nur zu Hause sein. Die ganze Woche oder wie lange auch immer das Wetter so beschissen ist. Wir kommen ja nicht einmal bis zum DPD.“
Finster sah ich ihn an. Seit einer geschlagenen halben Stunde hatte sich vor uns kein Auto bewegt und auch davor ging es nur äußerst schleppend voran. Seit beinah einer Stunde sollten wir arbeiten. Wir waren extra schon eine halbe Stunde eher zu Hause losgefahren, doch das war offensichtlich nicht genug. Es ging weder vor noch zurück. Ich konnte also noch nicht einmal einen Umweg fahren, um dem Stau zu entkommen. Die nächste Brücke war nicht weit, aber sie war bereits gesperrt. Vor einiges Tagen waren mehrere Autos wegen Glätte kollidiert und in den Fluss gestürzt. Drei Menschen verletzt, zwei ertrunken oder in den eisigen Fluten erfroren. Wer wusste schon, was bei diesem verrückten Wetter zuerst eintrat. Der Detroit River, der etwa eine viertel Meile von uns entfernt war, war auch schon seit Tagen immer weiter eingefroren. Die Schiffe, die ihn jetzt als Transportweg nutzen, sahen beinah aus wie kleine Eisbrecher.

Ein erneuter Schauer überlief mich und ich wollte die Heizung erneut aufdrehen, doch sie war schon auf dem Maximum. Besorgt sah ich auf die Batterieanzeige des Autos. Es würde noch locker bis zum DPD und wieder nach Hause reichen, wenn wir zügig fahren konnten, doch wenn das so weiterging, war ich mir da nicht mehr so sicher. Ich konnte den Motor allerdings auch nicht ausschalten, weil es sonst ziemlich schnell ziemlich kalt werden würde. Nines störte das nicht, sein blaues Blut begann erst bei -40 °F zu frieren. Immerhin hatten wir keine Autos mit Benzintank mehr. Der Kraftstoff wäre vermutlich schon lange nichts weiter als ein Batzen Eis. Sofort als ich darüber nachdachte, fröstelte es mich noch mehr.
„Du könntest dich auf meinen Schoß setzen“, schlug Nines grinsend vor.
Ich verdrehte schnaubend die Augen.
„Du wärmst mich nicht wirklich.“
„Aber wir könnten etwas tun, was dich aufwärmt.“
Sein anzügliches Grinsen ging mir durch Mark und Bein und ich lachte kurz auf.
„Das wäre gegen das Gesetz, mein Lieber“, erinnerte ich ihn.
„Na und? Ich bin jetzt ein Abweichler und keine Programmierung kann mir mehr sagen, was ich zu tun und zu lassen habe.“
Er lehnte sich zu mir herüber, zog mich an meinem Schal zu sich heran, bevor er mich leidenschaftlich küsste. Alles um mich herum verblasste und ich nahm nur noch den Androiden neben mir wahr. Wie er sich anfühlte, wie er roch, wie sich unsere Lippen synchron bewegten. Meine linke Hand schob sich in sein dunkles Haar, doch durch die Handschuhe spürte ich nichts. Ohne von meinem Freund abzulassen, riss ich sie mir von den Händen und nun konnte ich Nines‘ feines Haar endlich fühlen. Ich zog ihn noch näher an mich, doch es war nicht nah genug. Mit einem Ruck saß ich rittlings auf Nines‘ Schoß und schlang die Arme um seinen Hals, während ich mich an ihn drängte.
„Was hat mir das gefehlt“, murmelte der Android an meinen Lippen. „Du hast mir gefehlt.“
Ich lächelte in den Kuss hinein.

Wir wurden durch penetrantes Hupen unterbrochen. Nines grinste mich verschmitzt an. Peinlich berührt setzte ich mich eilig wieder auf den Fahrersitz und ich löste die Hand vom Lenkrad, um den Gang einzulegen. Als ich sie wieder ans Lenkrad legen wollte, ergriff Nines sie eilig. Überrascht sah ich ihn an, doch dann lächelte ich ihn an, bevor wir zum DPD fuhren. Die Straße schien endlich geräumt worden zu sein.

Im DPD war wie zu erwarten nichts los. Niemand kam vorbei und das ganze Gebäude war wie ausgestorben. Offensichtlich war es sogar den Kriminellen zu kalt, um Straftaten zu verüben. Es war so entspannt, durch niemanden gestört zu werden und vor allem im Warmen zu sitzen. Mit einer großen Tasse Kaffee saß ich an meinem Schreibtisch und erledigte den Papierkram. Nines saß neben mir und tat dasselbe, allerdings bemerkte ich, dass er mir immer wieder Blicke zuwarf. Wir hatten uns zwar wieder versöhnt, aber diese kurzzeitige Trennung wirkte in uns beiden noch nach. Es war bei weitem noch nicht wieder so leicht, mit ihm zusammen zu sein wie vorher. Die Selbstverständlichkeit fehlte. Es war nicht mehr so normal, auch wenn ich ihm wirklich vergeben hatte. Wir mussten unseren Rhythmus erst wiederfinden, aber ich war mir sicher, dass wir es schaffen konnten, wenn wir einander die nötige Zeit gaben, um darüber hinwegzukommen. Nines zu verlieren, war das Schlimmste, was ich bisher erlebt hatte. Nicht einmal das ganze Familiendrama in meinem Leben hatte sich so grausam angefühlt. Ich brauchte Zeit, um das zu verarbeiten, Nines aber genauso. Er war ein Abweichler geworden und war beinah gestorben. Aber wir hatten einander und wir würden das zusammen überstehen.

Als ich eine Pause machte, zog ich meine dicken Schuhe aus und legte die Füße auf den Tisch. Endlich war Fowler mal nicht da, um mich davon abzuhalten. Doch ich erhob mich schnell wieder, um mir eine weitere Tasse Kaffee zu holen. Nines machte ebenfalls eine Pause und beobachtete mich von seinem Schreibtischstuhl aus. Um bei ihm sein zu können, setzte ich mich auf seinen Tisch, während ich meinen Kaffee trank.
„Woran denkst du?“, fragte ich und riss Nines damit aus seinen Gedanken.
Er grinste mich vielsagend an.
„An heute Morgen im Auto“, erwiderte er.
Ich schnaubte belustigt. Der Android erhob sich und stellte sich zwischen meine Beine, welche ich um seine Hüfte schlang.
„So haben wir uns lange nicht mehr geküsst“, fügte Nines noch hinzu und ich seufzte.
„Wohl wahr … Es ist nicht mehr so wie früher, was?“
„Nein, ist es nicht.“
Der Android löste sich von mir, um mich nicht zu bedrängen. Ich hatte ihm erklärt, dass ich noch etwas Zeit brauchen würde. Vielleicht lag es auch daran, dass die Selbstverständlichkeit in unserer Beziehung fehlte. Unsere Leidenschaft war noch nicht zurück. Es war schwierig und ich fühlte mich unter Druck gesetzt. Ich wusste nicht, ob es besser werden würde, wenn wir wieder Sex hätten, aber im Moment schwirrten zu viele Gedanken durch meinen Kopf, die ich erst greifen, ordnen und durchdenken musste. Ob es Nines genauso ging, konnte ich nicht sagen.
„Denk nicht so viel nach, Gav. Es wird alles wieder gut“, flüsterte Nines und küsste mich zärtlich auf die Wange.
Ich zwang mir ein Lächeln auf die Lippen und wollte mich von dem Androiden lösen, doch er hielt mich zurück.
„Kann ich dich noch einen Moment umarmen?“, fragte er zögerlich.
„Sicher.“
Im nächsten Augenblick schlang Nines die Arme um mich und ich schmiegte mich meinerseits mit dem Kopf an seine Schulter. Es tat mir gut, ihm so nahe zu sein. Ich kam ein wenig zur Ruhe und es fühlte sich wieder mehr an wie vor der Trennung. Lange standen wir so da und ich war mir sicher, dass es auch Nines half. Ich war mir sicher, dass wir wieder endgültig zueinander finden würden. Wir würden über all dieses Drama hinwegkommen, wir würden uns nicht unterkriegen lassen.

Die zwölf Stunden Notdienst verflogen wie im Flug und wir konnten beide alle gelösten Fälle zu den Akten legen und nahmen sogar den Kollegen noch einige Formalitäten bei ihren Fällen ab. Es dauerte zwei Stunden bis wir wieder zu Hause waren und die Batterie war vollkommen leer. Ich hatte befürchtet, dass wir einen Teil des Weges laufen müssten, doch wir kamen wohlbehalten an. Zuerst versorgte ich Tori, die Hunger hatte, weil wir den ganzen Tag unterwegs gewesen waren, bevor ich heiß duschte, um mich wieder aufzuwärmen. In bequemen Sachen setzte ich mich zu Nines auf die Couch und lehnte mich an ihn. Zärtlich legte er einen Arm um meine Schultern und ich kuschelte mich an ihn. In Schweigen gehüllt, saßen wir nebeneinander und genossen die Nähe zueinander. Tori hüpfte zu uns auf die Couch, bevor sich auf meinem Schoß zusammenrollte und verlangte, gestreichelt zu werden. Belustigt kam ich ihrer stummen Aufforderung nach, während Nines meinen Nacken kraulte, sodass ich mir auch wie eine Katze vorkam. Entspannt ließ ich die Seele baumeln und genoss den Abend mit meiner kleinen Familie.


~~~~~~
Es tut mir echt leid, dass ich so lange nichts von mir habe hören lassen. Ich hatte echt keinen Kopf zum Schreiben und war generell im Fandom und der Community nicht aktiv. Ich hoffe, dass es jetzt besser wird. Das Kapitel ist echt kurz und ich bin auch nicht zufrieden damit, aber ich wollte euch nicht noch länger warten lassen.
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