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Reed900/ DE - OS-Sammlung

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Elijah Kamski Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900
24.11.2018
31.05.2020
30
71.477
19
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
10.01.2019 1.885
 
Gavin Reeds Appartement, Detroit
October 7th, 2039
6.30 AM


Sanft wurde ich geweckt, ausnahmsweise nicht von meinem nervtötenden Wecker. Stattdessen wurde ich völlig lautlos geweckt, indem Nines mich ohne Unterlass küsste und streichelte. Genießerisch brummte ich und streckte mich mit noch immer geschlossenen Augen seinen Berührungen entgegen. Langsam schüttelte ich den Schlaf ab, während ich allmählich in der Realität ankam. Blinzelnd öffnete ich die Augen. Mein Blick traf sofort Nines‘ eisblauen und noch immer raubte es mir den Atem, wenn ich in seine Augen sah. Das helle Blau nahm mich gefangen, es erinnerte mich immer an einen strahlend blauen Himmel und augenblicklich fühlte ich mich entspannt und geerdet.
„Guten Morgen, Geburtstagskind“, flüsterte Nines und lächelte mich an.
„Guten Morgen“, erwiderte ich mit vom schlafen rauer Stimme.
„Alles Gute zum Geburtstag. Mögen sich alle deine Wünsche erfüllen“, sagte Nines und kam mir noch näher.
„Das musst du mir nicht wünschen. Ich habe schon alles, was ich brauche“, erwiderte ich und zog den Androiden für einen leidenschaftlichen Kuss zu mir herunter.
Mein Freund schmiegte sich an mich und ich genoss die Nähe in vollen Zügen. Lange hatte es das nicht gegeben, weil ich ihn immer wieder abgewiesen hatte, doch nach unserem Streit am Montag war ich endlich wieder ich selbst und wir konnten das Leben endlich wieder genießen. Ich hatte gedacht, ich hätte ihn verloren, doch der Android hatte mir wieder einmal seine Liebe bewiesen. Nach der Angst vor einer möglichen Trennung schmeckten seine Zärtlichkeiten umso süßer. So schlimm wie es war, aber vielleicht hatte ich genau das gebraucht, ein Ultimatum, um wieder endgültig ich selbst zu werden.
Jetzt allerdings verspürte ich eine Leidenschaft, die ich seit einem Monat nicht mehr empfunden hatte. Ich wollte dem Androiden so nah wie irgend möglich sein, doch ich wollte trotzdem nichts überstürzen. Das letzte Mal, dass wir Sex gehabt hatten, war lange her und ich war beinah ein wenig nervös, allerdings es dauerte nicht lange, bis ich alles andere vergessen hatte. Ich nahm nur noch den Androiden unter mir wahr, wie er sich bewegte, wie er sich anfühlte und alles andere trat in den Hintergrund.



Gavin Reeds Appartement, Detroit
October 7th, 2039
7.12 AM


Zutiefst befriedigt und entspannt, räkelte ich mich auf den zerwühlten Laken, streckte mich und schmiegte mich an meinen Freund. Wir tauschten ein paar träge Küsse, während er mich mit seinen Armen umfing und noch näher an sich zog. Auch nach all den Monaten war ich erstaunt, wie sehr wir uns beide verändert hatten. Nines war so viel menschlicher geworden. Er suchte meine Nähe genauso wie ich die seine. In den ersten Monaten taten wir das nicht, das kam erst nach und nach. So richtig eigentlich erst, als ich im April im Krankenhaus gelandet war. Wir hatten uns zum ersten Mal offen unsere Gefühle gestanden. Es war wie ein Wendepunkt. Seit diesem Moment fühlte ich mich so viel besser. All die innere Anspannung war verschwunden und ich wusste, dass ich das größte Problem lösen konnte, wenn ich nur Nines an meiner Seite hatte. Auch wenn ich selbst manchmal das größte Problem war …
Zufrieden seufzte ich und verschob alle finsteren Gedanken in die hinterste Ecke meines Hirns.
„Das war ein tolles Geburtstagsgeschenk“, murmelte ich und grinste meinen Freund schelmisch an. „So sollten wir öfter in den Tag starten.“
„An mir soll es nicht scheitern“, erwiderte Nines mit verführerisch tiefer Stimme, was dafür sorgte, dass mich ein neuerlicher Schauer überlief. „Eigentlich sollten wir schon im Auto sitzen und zum DPD fahren.“
„Wir kommen so oder so zu spät, da macht es eine halbe Stunde mehr oder weniger nun auch nicht mehr“, schnurrte ich und ließ meine Hände über den Androidenkörper wandern.
Nines bekam nun seinerseits eine Gänsehaut auf der synthetischen Haut. Wir wussten, welche Knöpfe wir beim jeweils anderen drücken mussten. Innerlich triumphierend zog ich Nines für einen weiteren leidenschaftlichen Kuss zu mir und schaltete damit endgültig den letzten Rest seines Pflichtgefühls aus. Es war ja schließlich mein Geburtstag, also würde Fowler schon keinen Stress machen, wenn wir zu spät kamen.



Gavin Reeds Appartement, Detroit
October 7th, 2039
7.52 AM


Wir sollten schon fast eine halbe Stunde arbeiten, als wir überhaupt erstmal das Bett verließen. Grinsend zog ich mir zumindest Boxershorts an und folgte Nines in die Küche. Er trug eine schwarze Hose und einen schwarzen Rollkragenpullover, da es in Detroit bereits kalt wurde. Die Ärmel hatte er etwas hochgeschoben, damit er sich nicht dreckig machte, während er das Frühstück zubereitete. Er sah wie immer zum Anbeißen gut aus. Eigentlich hatte ich nur vor, schnell einen Happen zu essen und dann ins Revier zu fahren, doch mein Freund hatte ganz offensichtlich andere Pläne. In der Küche brannte kein Licht, einzig und allein Kerzen erhellten den Raum und hüllten ihn in ein angenehmes, warmes Licht. Der Tisch war reich gedeckt mit allem, was das Herz begehrte. Brötchen mit diversen Belägen, Rührei und Obst. Auf meinem üblichen Platz stand ein großer Kuchen mit vielen – ich vermutete 37 – Kerzen und zwei Päckchen lagen daneben. Nines stand neben dem Tisch und beobachtete mich dabei, wie ich alles in Augenschein nahm. Gemächlich trat ich zu ihm und sah ihn an.
„Wann hast du das denn alles gemacht?“, fragte ich.
„Kurz bevor ich dich geweckt habe. Allerdings ist das Ei schon kalt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Morgen so verlaufen würde“, erklärte Nines.
Er schenkte mir ein glückliches Lächeln, doch bei seiner Bemerkung legte sich ein Schatten über meine Stimmung. Ich hatte es ihm nicht leicht gemacht und doch hielt er immer zu mir, ohne mich zu verurteilen. So viel Liebe hatte ich nicht verdient. Es war meine Schuld, dass wir beide in den letzten Wochen so gelitten hatten.
„Was ist los?“, erkundigte sich Nines sofort und legte einen Arm um meine Taille, um mich näher zu sich zu ziehen.
„Es geht schon wieder“, erwiderte ich und kleisterte mir ein Lächeln ins Gesicht. „Danke für die schöne Überraschung.“
„Ist wirklich alles in Ordnung?“, hakte er nach
„Ja, wirklich. Versprochen. Jetzt lass uns ein wundervolles Frühstück haben und den Tag genießen“, antwortete ich und meinte jedes Wort ernst.

„Du musst dir etwas wünschen“, sagte Nines schüchtern, als ich den Kuchen in Augenschein nahm.
„Hast du den selbst gebacken?“, fragte ich neugierig.
Ich inspizierte die aufwendig gestaltete Schokoladenglasur, um zu erkennen, was für ein Kuchen sich darunter verbarg.
„Es ist eine Brombeer-Quark-Torte“, klärte der Android mich auf, „und ja, ich habe sie selbst gebacken.“
Mir blieb der Mund offen stehen. Nines hatte sich die Mühe gemacht, meine Lieblingstorte zu backen. Glücklich lehnte ich mich vor und pustete die Kerzen aus, während ich an meinen größten Wunsch dachte: Dass Nines glücklich war und dass es ihm gut ging. Dann sammelte ich die Kerzen ein und schnitt die Torte an. Genüsslich verdrückte ich ein großes Stück, bevor ich mich daran machte, die Geschenke auszupacken. In dem kleineren der beiden Päckchen befand ich eine Tüte Kaffee aus einer sehr edlen Kaffeerösterei. Vorsichtig öffnete ich die Tüte und ein himmlisches Aroma stieg mir in die Nase, während mir das Wasser im Mund zusammenlief.
„Es riecht himmlisch, Nines. Vielen Dank. Ich muss ihn gleich probieren!“
Ich wollte zur Kaffeemaschine gehen, doch Nines nahm mir entschlossen die Tüte ab.
„Es ist schließlich dein Geburtstag. Heute verwöhne ich dich“, erklärte er wie selbstverständlich.
„Als würdest du das sonst nicht tun. Würdest du nicht hier wohnen, würde ich mich immer noch von Dosenravioli ernähren“, gab ich lachend zurück und Nines stimmte mit ein.
„Dann verwöhne ich dich eben noch mehr als sonst“, sagte er nur und küsste mich kurz.
Wir grinsten uns an und während der Android den Kaffee kochte – für mich schwarz, für ihn mit blauem Blut – tauschten wir immer wieder liebevolle Blicke. Er gab mich nicht auf und das war für mich Grund genug, mich selbst auch nicht aufzugeben und weiterzumachen. Ich würde ihm nie genug für seine Unterstützung danken können. Ich schlang von hinten die Arme um ihn und lehnte mich an seinen Rücken. Der Duft des Kaffees und die Nähe zu Nines sorgte dafür, dass ich mich leicht und losgelöst von allen Problemen fühlte.

Wenig später drehte sich der Android in meinen Armen und reichte mir eine große Tasse. Ich nahm sie ihm ab und postete ihm zu, bevor ich den Kaffee probierte. Sofort schloss ich genießerisch die Augen und ein genießerischer Laut drang über meine Lippen. Es schmeckte himmlisch. Als ich die Augen wieder öffnete, bemerkte ich, dass Nines mich zufrieden beobachtete.
„Du hast einen fantastischen Kaffee ausgesucht“, lobte ich, „und das sogar, ohne mich irgendwie damit zu ärgern. Danke, dass du ihn nicht mit deinem blauen Blut ruiniert hast.“
„Ich habe kurz überlegt, ob ich dir meine Tasse gebe, aber es ist ja schließlich dein Geburtstag“, lachte Nines.
Grinsend stellte ich die Tasse vorerst ab und widmete mich dem zweiten Geschenk. Ich riss das Papier ab und zum Vorschein kam eine neue Lederjacke. Sie traf vollkommen meinen Geschmack und ich zog sie sofort über, sodass sich das weiche Leder an meine noch immer nackte Haut schmiegte.
„Wie sehe ich aus?“, fragte ich Nines, während ich mich zu ihm umdrehte.
„Sehr sexy“, murmelte er.
So wie er mich ansah, war ich offenbar nackt. Er trat auf mich zu und zog mich am Kragen der Jacke zu sich, um mich zu küssen. Seine Finger glitten unter die Jacke und über meine Haut.
„Du solltest dich für die Arbeit fertig machen, sonst lasse ich dich womöglich gar nicht mehr aus dem Haus“, sagte er an meinen Lippen.
„Als würde mich das stören“, gab ich belustigt zurück.
Doch Nines löste sich trotzdem von mir und schickte mich mit einem Kopfnicken ins Schlafzimmer. Ich stahl mir noch einen letzten Kuss von seinen Lippen, bevor ich grinsend verschwand.
Es tat gut, wieder ich selbst zu sein.



Detroit Police Departement, Detroit
October 7th, 2039
9.21 PM


Nachdem wir heute mit über zwei Stunden Verspätung im DPD angekommen waren, lief weitestgehend alles wie immer. Es gab keine große Party, wir saßen einfach alle nach der Arbeit noch ein wenig zusammen. Ich bekam noch einige Geschenke und es war ein wirklich schöner Abend. Sogar Hank und Connor waren heute mal erträglich. Es waren bereits alle weg, doch Nines und ich waren noch geblieben, um etwas aufzuräumen. Ich war allerdings so müde, dass ich einfach in meinem Schreibtischstuhl zusammengesank und kurz davor war, einzuschlafen. Der lange Zwangsurlaub hatte dafür gesorgt, dass ich ziemlich abgebaut hatte und deutlich schneller erschöpft war. Vielleicht würde ich Nines bitten, mir ein Fitnessprogramm zusammenzustellen, damit ich wieder in Form kam. Es würde ihm ganz sicher die größte Freude bereiten, mich täglich damit zu quälen.
„Ich helfe dir gleich“, sagte ich träge zu Nines, der neben mir stand.
„Musst du nicht. Ich mache das schon“, erwiderte er leise, legte mir die Jacke seiner Uniform als Decke über und küsste mich sanft auf die Wange.
Bevor er sich wieder erheben konnte, küsste ich ihn kurz auf die Lippen.
„Danke für den tollen Tag“, brummte ich.
Ich war seit Wochen nicht mehr so glücklich gewesen wie heute und das alles hatte ich nur diesem Androiden zu verdanken, der mich aus irgendeinem Grund liebte. Ganz sicher war Nines das Beste, was mir je passiert war. Eigentlich wollte ich wirklich aufstehen, doch ich schlief einfach mit einem Lächeln auf den Lippen ein. Ich bekam nicht einmal mehr seine Antwort mit.
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