Reed900 - OS-Sammlung

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Elijah Kamski Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900
24.11.2018
23.11.2019
24
56533
13
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Gavin Reeds Appartement, Detroit
February 3th, 2039
11.08 PM


Erschöpft trat ich mir die Schuhe von den Füßen und warf die Jacke über den Jackenständer. Natürlich fiel sie wieder herunter, doch es war mir scheißegal. Ich war viel zu müde, um sie aufzuheben. Die Tür schloss sich und ich wandelte durch meine kleine Wohnung und ließ mich einfach auf die Couch fallen. Sofort richtete ich mich schmerzverzerrt wieder auf, weil meine verspannten Muskeln eine fläzende Haltung nicht duldeten. Seufzend versuchte ich, die Schultern ein wenig zu lockern, doch vergebens.
„Lass mich das machen“, sagte eine leise Stimme hinter mir und wenig später spürte ich die Plastikhände von RK900 an meinen Schultern.
Geübt massierte er die Muskeln und ich entspannte mich allmählich. Vermutlich war er gar nicht geübt, sondern hatte nur eine scheiß Datenbank runtergeladen. Wenn ich das Internet in meinem Kopf hätte, wäre ich genauso perfekt wie diese Plastikdose. Erst jetzt bemerkte ich, dass Nines überhaupt in meiner Wohnung war. Wir waren seit Silvester zu… Wir lebten eben irgendwie zusammen und hatten so ein Ding am Laufen. Keine Ahnung, wie man den Scheiß nennen soll. Durch zu viel Alkohol hatte ich ihn plötzlich geküsst und dann war es … er – was auch immer – hier eingezogen. Ich vermied es, genauer darüber nachzudenken. Auf jeden Fall vergaß ich es immer noch regelmäßig und mir fiel erst viel später wieder ein, dass Nines auch hier wohnte. Verdrängung hatte ich perfektioniert. Doch man konnte nun wirklich nicht sagen, dass wir ein romantisches Traumpaar waren. Er war immer noch so scheißarrogant und herablassend bei allem, was er tat. Das nervte mich tierisch und ich schrie ihn öfter an, als dass wir ein normales Gespräch führten. Aber es war auch nicht alles beschissen – sonst hätte ich ihn schon lange vor die Tür gesetzt und gehofft, dass er erfriert. So ungern ich es zugab, aber es war schön, nicht allein zu sein. Wir kümmerten uns irgendwie umeinander, obwohl ich noch immer nicht begriffen hatte, wieso. Ich war sicher nicht unsterblich in Nines verknallt oder so ein Scheiß und er war kein Abweichler und nicht in der Lage, etwas zu fühlen. Es war einfach dieses Ding zwischen uns, eine Anziehung, die sich von wahnsinnigem Hass irgendwie weiterentwickelt hatte. Außerdem beruhigte er mich irgendwie. Ich war nicht mehr ganz so angepisst wie sonst und die Arbeit fiel mir viel leichter. Vor allem lief sie stressfreier ab, da ich nicht mehr alle Nasen lang zu Fowler zitiert wurde. Ich wusste allerdings nicht genau, was ich davon halten sollte. Im DPD redete zum Glück kaum jemand über uns, weil sie alle viel zu große Angst vor Nines hatten. Sogar Hank hielt sich weitestgehend raus, aber der hatte vermutlich zu sehr mit seinem Plastik-Adoptivsohn zu tun. Einige der Frischlinge glaubten, er hätte Laseraugen wie Superman, aber so cool war er dann doch nicht. Wenn sich noch jemand das Maul über uns zerreißen würde, wäre ich vermutlich bereits suspendiert worden. Fowler drückte allen Überstunden auf, damit die Fälle fertig wurden. Nines machte das natürlich nichts aus, aber ich war jeden Morgen noch müde vom Vortag.

Ich merkte, wie ich langsam unter Nines Händen einschlief und nach vorn kippte. Sanft packte er mich, setzte sich neben mich und zog meinen Kopf auf seinen Schoß.
„Danke“, nuschelte ich noch und dann war ich eingeschlafen.
Die Arbeit war in den letzten Wochen einfach viel zu anstrengend gewesen. Ich war am Ende meiner Kräfte.



Gavin Reeds Appartement, Detroit
February 4th, 2039
5.30 AM


Wie ein Stein schlief ich bis zum nächsten Morgen durch und wurde von meinem beschissenen Wecker geweckt. Stöhnend wälzte ich mich in die Richtung des nervtötenden Geräusches und fegte den Wecker wütend vom Nachttisch. Er verstummte, zersprang aber unglücklicherweise auf dem Boden. Ich drehte mich wieder um und stellte bedauernd fest, dass Nines bereits aufgestanden war. Erst in diesem Moment bemerkte ich, dass ich im Bett lag. Nines musste mich gestern noch ins Bett getragen haben, nachdem ich auf der Couch eingeschlafen war. Das tat er jedes Mal. Damit ich besser schlief, sagte er. Schwerfällig erhob ich mich aus dem Bett und ging ins Bad, um eine Dusche zu nehmen. Natürlich hatte ich meine Klamotten vergessen, doch ich würde sie einfach nach dem Duschen holen. Das kalte Wasser machte mich hellwach und ich riss die Augen auf. Ich nahm mir trotzdem Zeit und gewöhnte mich nach und nach an die Kälte, die mir allerdings guttat. Ich seifte mich ein und dachte über meine aktuellen Fälle nach. Ein Klopfen riss mich aus meinen Überlegungen und ich drehte mich um.
„Ich habe dir neue Sachen …“ Nines stand in der Tür und verstummte, während sein Blick über meinen Körper nach unten wanderte. „… mitgebracht“, vollendete er seinen Satz reichlich spät und um Würde bemüht.
Ein überdimensionales Grinsen breitete sich auf meinen Lippen aus. Den Plastiktrottel in Verlegenheit zu bringen, stärkte mein Ego wie nichts anderes. Fertig abgebraust, stieg ich aus der Dusche und stand Nines vollkommen ohne Schamgefühl gegenüber, während ich betont langsam nach meinem Handtuch griff. Ein dunkler Laut drang aus Nines‘ Kehle und im nächsten Augenblick presste er mich an die Wand neben der Dusche.
„Ich weiß genau, was du spielst, Detective“, knurrte er mir ins Ohr.
„Ach ja?“, fragte ich noch immer grinsend, doch ich musste mich bereits um mein Durchhaltevermögen bemühen.
Nines wusste genau, welche Knöpfe er bei mir drücken musste, doch ich wollte verdammt sein, wenn ich der Blechdose diesen Triumph gönnte.
„Ja, doch ich werde nicht mitspielen“, erwiderte der Android, ließ augenblicklich von mir ab und verschwand aus dem Badezimmer.
Jetzt fühlte ich mich trotzdem, als hätte ich verloren. Zugegebenermaßen enttäuscht zog ich mich an und ging in die Küche, um mir einen Kaffee zu genehmigen. Nines hatte schon welchen für mich gekocht und überreichte mir die große Tasse mit einem Kuss auf die Wange. Es war so zart gewesen, dass ich mich fragte, ob ich mir den Kuss einbildete. So eine Geste wäre mehr als untypisch für ihn gewesen. Wie versteinert stand ich in der Küche mit der Tasse in der Hand. Immerhin ließ ich sie nicht fallen.
„Detective?“, riss mich Nines aus meiner Starre.
Ich sah ihn nur wortlos an, was ihn die Stirn runzeln ließ.
„Gavin?“, sprach er mich erneut an. „Ist es wegen dem Kuss?“
„Das kannst du aber wissen? Was sollte das?“, fuhr ich ihn an, um meine Gefühle zu verstecken.
„Ich fühlte mich schlecht, weil ich dich stehengelassen habe und wollte es wieder gut machen. War das falsch?“, erwiderte er mit etwas weniger Arroganz als sonst.
Was sollte ich dem Plastiktrottel jetzt antworten? Ja, es war falsch und meinen Stolz wahren? Nein, ist okay und alle Würde verlieren, die ich noch besaß.
„Was weiß ich“, schnauzte ich nur und trank einen großen Schluck Kaffee, um diesem Gespräch zu entfliehen.
Natürlich verbrannte ich mir die Zunge. Scheiß Karma! Selbst schuld, wenn ich keine Eier hatte …

Schlecht gelaunt saß ich eine halbe Stunde später im Auto und fuhr mit Nines zum DPD. Wir hatten kein Wort miteinander gewechselt und ich fragte mich ernsthaft, ob ich vielleicht seine Gefühle verletzt hatte. Dann lachte ich innerlich bitter auf, weil mir einfiel, dass er gar keine Gefühle hatte. Vermutlich war ich ihm vollkommen egal. Nach wie vor versuchte ich mit allen Kräften nicht über dieses uns nachzudenken, doch ich erwischte mich immer wieder dabei, wie ich mich nicht unter Kontrolle hatte, was meine Laune auf den Gefrierpunkt sinken ließ. Wütend, weil ich die ganze Autofahrt über diesen Plastikwichser neben mir nachgedacht hatte, parkte ich das Auto und wollte schon aussteigen, doch eine Hand hielt mich zurück. Statt Nines in die Augen zu sehen, blickte ich auf meine Uhr.
„Wir müssen los, wenn wir nicht zu spät kommen wollen, Blechbüchse“, sagte ich unterkühlt, um diesem Gespräch aus dem Weg zu gehen, doch die Hand lockerte sich nicht.
„Ist mir egal“, ertönte es nach einigen Sekunden neben mir. „Wir sollten reden.“
„Einen Scheiß sollten wir“, murrte ich und versuchte erneut auszusteigen.
„Gavin, bitte.“
Verblüfft sah ich meinen – dienstlichen – Partner an und ließ mich in den Sitz sinken. Er nannte mich selten bei meinem Vornamen und ich hatte noch nie das Wort bitte aus seinem Mund gehört.
„Also schön“, seufzte ich ergeben. „Was willst du?“
„Es geht um den Kuss. Wieso bist du so wütend deswegen? Wir haben uns schon vorher geküsst. Wir hatten auch schon Geschle-“
„Wähh, hör schon auf, das ist ja eklig!“, unterbrach ich ihn angeekelt.
„Wieso bist du deswegen so wütend?“, wiederholte er seine Frage.
„Wieso ist das wichtig?“, hielt ich sauer dagegen und funkelte ihn grimmig an.
„Weil wir nicht zusammenleben können, wenn du ständig wütend auf mich bist und ich nicht verstehe warum“, erwiderte er sachlich.
„Ich war eben nicht darauf vorbereitet“, murrte ich.
„Es tut mir leid, wenn ich eine Grenze überschritten habe. Ich will dich nicht bedrängen. Es wird nicht mehr vorkommen.“
„Gut“, spie ich und stieg endgültig aus.
Ich hasste mich selbst. Ich konnte einfach nicht aus meiner Haut. Hätte ich Nines anders geantwortet, hätte ich zugegeben, dass ich … in ihn …, dass mir etwas an ihm lag und soweit war ich bei Weitem noch nicht. Das würde sich schon wieder richten … Hoffte ich.
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