Will you stay with me?

von Chizakura
GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
23.11.2018
15.03.2019
17
36765
4
Alle
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
„Yoongi…“ Schon allein dieses eine Wort reichte, damit sie verstanden.
„Ich bin…“, brachte er nur schwach hervor und schüttelte den Kopf, „Das kann nicht sein. Das wüsste ich doch…“
„Es hat sehr lange gedauert, aber ich habe es geschafft, deinen Stammbaum zu vervollständigen. Ich kann dir komplett versichern, dass du der neue König von Marilla bist“, bestätigte Tessa noch einmal und nickte ihm zu, „Jimin ist in Gefahr, so viel ist sicher. Wie gesagt, genau kann ich Jiyongs Plan noch nicht erkennen. Dennoch dürfen wir nicht zulassen, dass irgendetwas passiert.“
„Hier“, meinte Yoongi schließlich und überreichte Tessa ihre Kette wieder, „Die solltest du zurücknehmen, da sie ja dir gehört.“
„Danke“, lächelte Tessa, als sie das Schmuckstück wieder annahm, „Jimin hatte diese Kette gefunden, also wird sie uns weiterhelfen. Die Magie in ihr wird uns zu Jimin führen. Genau genommen kann man hiermit jede Person finden, die sie schon einmal in der Hand hielt. Da Jimin aber wohl in der Nähe von Jiyong sein sollte, werden wir wohl zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“
„Wann genau werden wir aufbrechen?“, musste Jungkook dann doch die Stille unterbrechen, die sich kurz über sie legte.
„Ich denke, ich brauche für die letzten Hinweise noch zirka eine Woche“, schätzte Tessa und wiegte den Kopf etwas hin und her, „Macht aber bitte nichts auf eigene Faust.“
„Werden wir nicht“, versicherte Taehyung und schluckte schwer, „Werwölfe, Kriege, das nicht existierende ältere Blut… Ich glaube, wir brauchen erst einmal die Zeit, um das alles wirklich zu begreifen. Die Gedanken werden und dann nicht im Weg stehen, wenn wir in Marilla sind.“
„Gut“, seufzte Tessa auf und erhob sich, „Dann werde ich mich wohl für heute verabschieden. Ihr könnt in Ruhe nachdenken und ich werde weitere Nachforschungen anstellen.“

Bevor sie ging, lächelte Tessa sie noch einmal an, und wünschte ihnen für die nächste Woche über viel Glück. Darauf waren die sechs Vampire wieder auf sich allein gestellt. Gemeinsam saßen sie wieder im Wohnzimmer, starrten Löcher in die Luft und wussten nicht wirklich, was sie sagen sollten.
„Also…“, begann Seokjin um das peinliche Schweigen zu durchbrechen, „Sollen wir doch nun als ‚Hoheit‘ oder dergleichen ansprechen, Yoongi?“ Sofort schüttelte Yoogni den Kopf und hob abwehrend die Hände.
„Nein, bloß nicht“, widersprach er und schüttelte weiterhin schnell den Kopf, „Nur, weil ich jetzt auf einmal ein König sein soll, ändert sich nichts. Wir sind noch immer Freunde und daran das wird auch immer so sein.“ Jungkook nickte und ließ seinen Blick zur Decke schweifen.
„Ach, wir scheinen ja mal wieder tief in irgendwelchen schrecklichen Angelegenheiten zu stecken“, seufzte der Maknae auf und streckte sich, „Aber wir werden es schaffen, das steht fest. Wir haben schließlich die Priesterin und den König der Vampire an unserer Seite.“
„Das ändert aber nichts daran, dass ich als König noch über keine speziellen Fähigkeiten besitze. Tessa mag zwar einige Bruchstücke ihrer Magie besitzen, aber wer weiß, ob das hilft. Wir wissen ja nicht, was Jiyong vor hat“, widersprach Yoongi ein weiteres Mal und lehnte sich etwas zurück, „Wir sollten warten.“

„Warten“, wiederholte Hoseok nur, stand auf und streckte sich, „Vom Warten werden wir auch nicht stärker.“
„Und was soll das jetzt wieder heißen?“, fragte Namjoon nach, obwohl er schon so ein Gefühl hatte, als wüsste er, was gleich gesagt werden würde.
„Wir werden nicht einfach nach Marilla spazieren und Jimin mit uns nehmen können. Es wäre naiv, zu glauben, die Welt der Vampire einfach so ohne Kampf verlassen zu können“, sprach Hoseok aus und ballte eine Hand zur Faust, „Wir können nicht einfach nur rumsitzen und auf das Beste hoffen. Wir müssen trainieren, genau so, wie Jimin es gerade macht. Wir werden auch hier zu neuer Stärke kommen, auch ohne dafür in Marilla zu sein.“
„Wie genau sollen wir trainieren, wenn wir unsere Gaben bisher nur kaum benutzt haben? Sicher, in der Vergangenheit waren sie das ein oder andere Mal von Nutzen, aber nun… Wir haben sie in den letzten Jahrzehnten kaum benutzt“, warf Taehyung ein, stand aber auch auf.
„Namjoon, du hast doch bestimmt noch einige Bücher, mit denen wir arbeiten können, oder?“, fragte Hoseok und wandte sich an ihn, „Wenn wir wenigstens etwas über die Theorie lernen, dann könnten wir schon davon profitieren.“
„Ich schaue mal nach, was sich finden lässt“, seufzte Namjoon auf, nickte ihnen zu und erhob sich ebenfalls, „Heute solltet ihr aber noch nicht trainieren. Nicht, dass euch noch etwas zustößt, weil ihr etwas beim Training falsch gemacht habt.“ Niemand konnte dagegen widersprechen. Dennoch wollten sie sich mental auf die bevorstehenden Trainingseinheiten vorbereiten.


Yoongi tat dies, indem er sich in sein Zimmer begab und aus dem Fenster schaute. Jetzt, wo er wusste, dass seine Träume sich irgendwie mit den von Jimin verbinden konnte, fühlte er sich ganz anders, wenn er zum Himmel hinauf sah. Obwohl es keine Möglichkeit gab, dass sie in verschiedenen Welten den gleichen Himmel sehen konnten, fühlte sich Yoongi irgendwie mit Jimin verbunden.
„Hey, Jimin“, begann er deswegen einfach frei zu sprechen, ohne sich wirklich Gedanken über seine Worte zu machen, „Ich habe heute so vieles erfahren und ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ich alles verstanden habe. Allerdings bin ich mir vielen Dingen bewusst geworden. Ich weiß jetzt, dass wir ganz schon tief in der Patsche stecken. Schon wieder. Scheint, als würde man uns nicht einmal ein Jahrhundert in Frieden lässt.“ Kurz musste er auflachen, umfasste dann aber das Fensterbrett etwas stärker.
„Wie dem auch sein“, setzte Yoongi seinen Monolog fort und schaute noch entschlossener nach draußen, „Ich werde schon dafür sorgen, dass wir alle wieder zusammen sein werden. Das verspreche ich dir, auch wenn du dieses Versprechen gerade nicht hören kannst.“ Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen, bevor er sich auf sein Bett legte und die Augen schloss. Er wusste, dass sie schon bald wieder vereint sein würden. Es würde nur noch knapp eine Woche dauern und Tessa würde sämtliche Informationen haben, die sie benötigen würden. Danach würden sie sich auf den Weg nach Marilla machen können, um Jimin zu retten.


Jimin hingegen konnte nichts von dem Versprechen wissen. Er trainierte weiterhin, unwissend über das, was noch kommen wird.
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich nicht mit Samthandschuhen mehr anfassen werde“, murrte Jiyong und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, „Wenn ich also sage, dass du kontern oder ausweichen sollst, dann solltest du das auch machen. Du hast dich für für die erste Variante entschieden, also solltest du die Techniken auch richtig anwenden.“ Jimin lag jedoch nur auf dem rauen Steinboden und spürte, wie eines der Brocken seine Lippe aufgekratzt hatte. Er schmeckte sein eigenes Blut an seiner Zunge. Er leckte über die Verletzung, doch heilte sie nicht dadurch.
„Aber ich…“, brachte er nur schwach hervor und versuchte, sich irgendwie aufzurichten. Schon das Aufsetzen sorgte für Schwindel, sodass er überhaupt nicht aufstehen konnte.
„Mittlerweile müsstest du doch doch daran gewöhnt haben, Treffer einzustecken“, gab Jiyong ein weiteres Mal und schüttelte ein weiteres Mal den Kopf, „Vielleicht habe ich mich ja auch all die Zeit über geirrt und du bist nicht in Wahrheit derjenige, den ich suche.“ Sein Blick wandte sich ab und er ging einige Schritte fort.
„Das würde bedeuteten, dass ich meine Zeit nur mit dir verschwendet habe. Du bist stärker geworden, dennoch werde ich wohl keinen Nutzen aus dir ziehen können“, redete Jiyong mit sich selber und wollte bereits weitergehen.
„Nutzen?“, rief Jimin ihm hinterher, „Von welchem Nutzen redest du? Wie meinst du das, dass du deine Zeit mit mir verschwendet hast? Würdest du mich nicht trainieren, dann würde ich sterben, weil das ältere Blut in mir mich zerstören würde. Wie kann es Zeitverschwendung sein, einem alten Freund das Überleben zu sicher?“ Jiyong lachte jedoch nur, wobei es eher höhnend als amüsiert klang.
„Wie naiv“, lachte er nur und ging schließlich fort.

Planlos blieb Jimin am Boden liegen. Seine Hände ballten sich zu Fäuste, doch hatte er nichts oder niemanden, auf den er hätte einschlagen können. Das Schwert, welches er bis eben noch geführt hatte, bevor er gefallen war, lag noch immer vor ihm. Er ergriff es erneut und stand mit zitternden Beinen auf.
„Bin ich wirklich so schwach?“, hauchte er zu such und umgriff den Griff der Waffe fester „Bin ich so nutzlos, dass ich nicht einmal in der Lage dazu bin, dem Blut in mir gerecht zu werden?“ Mit einem Aufschrei warf er das Schwert von sich und rannte.
Er lief ohne wirklich zu wissen, wo er enden würde. Hinter der Grenze dieses vertrockneten Landes würden Werwölfe sein. Daran konnte er sich noch erinnern, doch kannte er noch immer keine Gründe, weswegen ihm der Kontakt zu ihnen verboten war.
„Ich sollte trotzdem da nicht hingehen“, widersprach Jimin seinen eignen Gedanken. Damit würde er zwar das machen, was Jiyong ihm mal gesagt hatte, doch fühlte sich das richtig an. Es kam ihm so vor, als würde er einen großen Fehler begehen, wenn er die Grenzlinie überqueren würde.

Mitten im Ödland blieb Jimin stehen und sah sich um. Die Bäume waren weiterhin verdorren und er konnte deutlich die Steinbrocken spüren. Noch befand er sich also nicht im Reich der Werwölfe. Mit nur noch langsamen Schritten ging er voran, und achtete nun wieder mehr auf seine Umgebung.
„Wie schön dieses Land sein muss, wenn hier alles erblühen würde?“, fragte sich Jimin, während er über die Rinde eins leblosen Baumes strich, „So ein Wald hier muss toll aussehen, aber es scheint keinen Weg zu geben, das zu schaffen.“
Traurigkeit übermannte ihn kurz, doch wandelte sich diese zu Neugierde, kaum konnte er ein verfallenes Haus erkennen. Es war das erste, das er hier draußen sah. Vorsichtig öffnete er die knarrende Holztür und spähte ins Innere. Die wenigen Möbel waren verfallen und mit Staub bedeckt. Seit Jahrhunderten muss hier schon niemand mehr gewesen sein. Irgendwann diente dieses Haus mal als eine Unterkunft für eine oder mehrere Personen. Das war alles, was noch erkennbar war.
„Ob es irgendwo hier draußen noch mehr solcher Häuser gibt?“, fragte sich Jimin, während er vorsichtig über eines der verstaubten Regale strich. Zuerst glaubte er, es würde unter seiner Berührung verfallen, doch taten sie dies nicht. Stattdessen zog er eines der Bücher heraus und schlug eine zufällige Seite auf.

Jimin schaute auf die Seiten, doch waren diese leer. Lediglich etwas vergilbt und leicht eingerissen waren sie, da der Zahn der Zeit an ihnen genagt hatte.
„Dann sind es wohl nur zwei leere Seiten, um die Abtrennung zwischen zwei Kapiteln oder dergleichen deutlicher zu machen“, versuchte Jimin, sich die Situation gut zu reden. Doch auch, nachdem er umgeblättert hatte, konnte er noch immer nichts lesen. Er strich über die Seiten und hoffte, so die Schrift zum Vorschein zu bringen. Doch auch diese waren noch immer leicht vergilbt und ohne jeden Hauch von anderer Farbe.
„Vielleicht wurde hier auch noch einfach nicht drin geschrieben“, redete sich Jimin ein weiteres Mal ein, stellte das Buch zurück und holte ein neues hervor. Doch auch dessen Seiten waren unbeschrieben. Geschockt ließ Jimin es fallen, bevor er mit zittrigen Fingern nach dem nächsten griff. Doch auch hier änderte sich das Bild nicht. Es blieb weiß, egal welche Seite er aufschlug.


„Das wird dir nichts bringen“, stoppte eine Stimme ihn, „Allerdings könnte ich das Buch gebrauchen, was du gerade in der Hand hältst. Würdest du es mit bitte geben?“ Ein Schock durchfuhr Jimin, als er die Stimme erkannte. Es war nicht Jiyong, doch konnte es auch nicht die Person sein, an die er dachte.
„Xiumin“, hauchte er, als er sich vorsichtig umdrehte und zum Eingang sah. Tatsächlich stand Xiumin dort, lächelte ihn leicht an und streckte eine Hand aus. Jimin zögerte kurz, während er seinem alten Freund das Buch hinhielt.
„Es ist leer, ich weiß nicht, ob du…“, begann Jimin, sein Zögern zu begründen, doch ergriff Xiumin es einfach.
„Für dich mag es leer sein. Für mich trägt es aber viele Informationen in sich“, antwortete Xiumin und wandte sich bereits ab.
„Warte“, stoppte Jimin ihn abermals, „Wenn du wirklich gerade hier bist und ich mir das nicht einbilde, dann musst du auch das ältere Blut in dir tragen. Warum hast du mir nie etwas gesagt? Du hättest mich doch auch trainieren können und das schon viel früher. Warum hast…“
„Manchmal kann man die Wahrheit eben erst später erzählen“, unterbrach Xiumin ihn und schaute noch einmal zurück, „Keiner von uns ist wirklich der, der er vorgibt, zu sein. Merke dir das, Jimin. Die Zeit wird kommen, in der du dich zu den einfachen Tagen zurücksehnst. Was jetzt kommt, ist unvermeidbar und gefährlich. Erinnere dich daran, wer dir wichtig ist und verliere diese Erinnerungen bloß nicht. Du bist stark, also kannst du es schaffen.“
„Jiyong ist da anderer Meinung“, widersprach Jimin und schaute auf den morschen Holzboden, „Ich bin schwach und nutzlos. Beim Training gewinne ich immer weniger an Stärke. Es ist egal, wie viel ich übe. Irgendwann wird mich das ältere Blut deswegen töten und…“
„Du ist stark, lass dir nichts anderes einreden“, widersprach Xiumin ihm ein weiteres Mal, „Kein Wort zu Jiyong, dass du dieses Haus hier gefunden hast und halte unser Wiedersehen für dich. Alles Andere wird uns nur Probleme bereiten.“

Damit verließ Xiumin das Haus wieder. Jimin rief ihm nach und lief ihm hinterher, doch konnte er Xiumin nicht mehr sehen. Es war fast so, als hätte er sich in Luft aufgelöst. Jimin schaute gehetzt umher, doch konnte er nirgends auch nur einen Hauch von Xiumin sehen.
„Hey“, gab er verwirrt von sich, „Das ist nicht witzig!“ Xiumin erschien aber nicht mehr vor ihm. Also musste er wirklich fort sein. Jimin ließ sich zu Boden sinken und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Was sollte er jetzt nur machen?
Review schreiben