Zwischen Nacht und Dämmerung II

von Annest
KurzgeschichteRomanze / P18
22.11.2018
06.12.2018
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Dieses Kapitel
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Guten Abend,
lieben Dank für eure Reaktionen auf das nicht sehr leichte zweite Kapitel. Danke für die Zugriffe, die Favoriten, die Empfehlung und an das Sternkind danke für das wundervolle Review.
Nun Kapitel drei. Viel Spaß beim Lesen.

****************

3.
Ganz in Gedanken versunken bemerkte Mark gar nicht, dass Katalin sich zu ihm setzte. Erst als sie nach seiner Hand griff und ihm einen Kuss auf die Wange gab, tauchte er aus seinen Erinnerungen auf.
„Danke.“ Sie sah ihn an, das Leuchten in den Augen schien sich nicht mal von der tiefen Dämmerung einschüchtern zu lassen.
„Wofür?“ Ein Frösteln durchzog ihn und er zitterte kurz. Es war kalt, Wind pfiff durch die kahlen Baumkronen. Außer ihnen war keine Menschenseele zu sehen. Mark löste seine Hand aus Katalins Griff und zog sie zu sich. Sie schob ihre Beine auf seine Knie und legte den Kopf auf seine Schulter. Die Wolle der Mütze kratzte ihn an der Wange.
„Dass du da bist. Dass du es ausgehalten hast mit mir im Sommer. Dass du dich um mich kümmerst.“ Sie zog den Reißverschluss seiner Jacke etwas auf und schob ihre kalten Hände hinein. „Ich weiß, dass du es nicht leicht mit mir hattest. Umso dankbarer bin ich, dass du nicht aufgegeben hast, Mark.“
Er fuhr mit den Fingern über ihre Mütze, zog leicht an einer der Bommeln über den Ohren und griff dann eine dicke Strähne der Haare.
„Katalin, du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben, du gehörst für mich zu meiner Familie. Da gibt man nicht so einfach auf, da kämpft man.“ Sie löste sich etwas von ihm und sah ihn an. „Und hat es sich nicht gelohnt? Es geht doch voran.“ Er lächelte.
„Manchmal frage ich mich, wie lange es noch weh tun wird.“ Sie sah sich um. „Es ist nicht mehr lang bis fünf Uhr. Lass uns wenigstens ein paar Schritte in den Park hineingehen.“
Sie stand auf, griff nach seiner Hand und gemeinsam liefen sie den schwach beleuchteten Weg entlang, der bis zur Hermesvilla hinführte.
„Oft gelingt es mir, die schönen Erinnerungen an ihn gewinnen zu lassen. Aber manchmal, gerade an so besonderen Tagen wie heute, fühlt sich das Herz wieder ganz wund an. Arabella hat gesagt, dass das vielleicht nie vergehen wird. Man lernt einfach, damit zu leben.“ Sie schwieg kurz. „Er würde wollen, dass ich jeden Tag lache und mich darüber freue, wie schön es auf dieser Welt ist. Daran werde ich arbeiten.“
„Hast du noch einmal über meinen Vorschlag von neulich nachgedacht?“
Katalin erwiderte nichts, lief schweigend neben ihm und starrte auf den Weg. Er hielt ihre Hand und wartete ab. Es war schwieriges Terrain, das hatte sich heute erst wieder erwiesen.
„Es interessiert sie nicht. Sie hat abgeschlossen mit ihm, schon lange vor seinem Tod. Sie ist einzig und allein hungrig nach Bewunderung, das habe ich inzwischen verstanden. Ich bin nicht mehr bereit, Mutter diesen Gefallen zu tun.“ Sie blieb stehen und zog ihn zu sich heran. „Sie wird immer Teil meines Lebens bleiben, aber es liegt an mir, welche Macht ich ihr über mich gebe. Du bist jetzt meine Familie, Mark, und du tust mir so unendlich gut. Ich liebe dich.“
Wärme durchströmte Mark und sein Herz, das sowieso schon weit geöffnet war für diese Frau, schien förmlich aus seiner Brust springen zu wollen.
„Ich liebe dich“, erwiderte er und beinah wollte ihm die Stimme versagen. So ehrlich waren die Worte von beiden Seiten, dass es keinen Zweifel gab. Seine Zukunft lag bei Katalin, mit ihr gemeinsam würde er jede Herausforderung meistern können.

Später saßen sie in der Wohnung, wo alles bereit war für den Umzug. Sie hatten Pizza bestellt, weil Katalin nachmittags alle Kochutensilien verpackt und die Kartons großzügig mit Packband zugeklebt hatte. Den Rotwein, den der Lieferant ihnen geschenkt hatte, teilten sie sich aus der Flasche. Katalin hatte einmal mehr bewiesen, dass Wein trinken ihr lag. Der Korkenzieher war ebenfalls verpackt, also hatte sie unter Zuhilfenahme diverser ungarischer und finnischer Flüche mit einem Schlüssel den Korken ins Innere der Flasche gedrückt. Ein Trick, den ihr Tuomas offenbar bei einem Wanderausflug durch die Weiten Lapplands beigebracht hatte. Mark betrachtete die leeren Pizzakartons, die Plastikschalen der ausgekratzten Mousse au chocolat und griff nach der Flasche, die auf dem Boden neben dem Sofa stand. Katalin lehnte an seiner nackten Brust und blätterte in einer Zeitschrift für klassische Musik.
„Kannst du eigentlich auch auf Deutsch fluchen?“, setzte er die Flasche an und trank einen großen Schluck. Sie hatten es fast geschafft, den Wein zu leeren.
„Könnte ich. Aber die deutsche Sprache kommt nicht gegen Finnisch oder Ungarisch an.“ Sie blätterte eine Seite um. „Was bitte ist ein ‚Mist‘ gegen ‚Baszd meg‘ oder ‚Perkele‘?“
Er wusste inzwischen, was diese beiden Aussprüche bedeuteten. Aber selbst wenn nicht, allein an der Aussprache hörte man den Unterschied. Deutsche Flüche klangen in Marks Ohren mittlerweile wie Segenssprüche.
„Was heißt ‚Ich liebe dich‘ auf Finnisch?“ Er balancierte die Weinflasche auf der Armlehne vom Sofa.
„Rakastan sinua.“ Katalin drehte den Kopf und sah ihn an. Sie legte die Zeitschrift beiseite, krabbelte unter der Wolldecke hervor und setzte sich auf seinen Schoß. Er trug ob der Wärme der Heizung schon wieder nur Shorts, sie steckte in einem weißen BH und Slip.
„Ich glaube übrigens, ich habe dich durchschaut.“ Er grinste. Der Wein stieg ihm allmählich zu Kopf, aber es war ihm egal. Katalin saß halbnackt auf ihm und sie gehörte nur ihm.
„Hast du?“ Sie nahm ihm die Flasche ab, setzte an und leerte den Wein mit einem langen Schluck. Dabei ließ sie Mark nicht aus den Augen. Mit einer Hand stützte sie sich auf seiner Schulter ab.
„Du hast die Heizungen nur immer so weit aufgedreht, damit ich in Unterwäsche vor dir herumlaufen muss.“
Katalin kicherte, ein eindeutiges Zeichen, dass auch sie nicht mehr nüchtern war. Sie lehnte sich etwas zur Seite und stellte die Flasche auf den Boden.
„Wenn es noch eine höhere Stufe gäbe, würdest du dann nackt sein?“
„Möglicherweise.“ Er beobachtete, wie sie hinter sich griff, den Verschluss vom BH löste und ihn fallen ließ. Sie griff seine Hände, verschränkte ihre Finger mit seinen und lehnte sich vor. Ihr Busen streifte seine Brust.
„Tahdon rakastella sinua“, flüsterte sie ihm ins Ohr und rutschte auf seinem Schoß etwas tiefer.
„Was heißt das?“ Er spürte Hitze in sich aufsteigen, die nicht von der Heizung verursacht wurde.
„Ich möchte mit dir schlafen.“
„Den Gefallen tue ich dir nur zu gern“, erwiderte er, löste sich aus ihrem Griff und legte sie mit kräftigen Armen aufs Sofa zurück. Genüsslich erwartend räkelte sie sich, während er über sie kletterte. Dabei stieß er mit einem Fuß gegen die Weinflasche, die leise klappernd durchs Zimmer rollte.

Vorsichtig bewegte sich Mark etwas und zuppelte die Wolldecke zurecht. Offenbar hatte es aufgeklart, heller Mondschein fiel durch das Fenster. Vorhänge hatte Katalin nur angeschafft, um sie nie zuzuziehen. Er sah auf die Uhr, es war nach 11. Lange und intensiv hatten sie sich geliebt und danach beschlossen, einfach im Wohnzimmer zu bleiben. Bequem war das nicht unbedingt, die Sitzfläche vom Sofa war schmal und durchgesessen. Mark lag auf dem Rücken und Katalin wiederum lag auf ihm. Er spürte ihre nackte Haut am ganzen Körper. Ruhig und gleichmäßig atmete sie, ab und an entfuhr ihr ein sanftes Schnarchgeräusch.
Mark betrachtete die Reste ihres Abendessens. Eine ganze Pizza hatte Katalin allein verdrückt und um seinen Anteil an der Mousse au chocolat hatte er regelrecht betteln müssen. Ja, sie aß wirklich mehr. Seit drei oder vier Wochen schon, wie ihm jetzt bewusst wurde. Auch hatte er inzwischen wieder mehr in der Hand, wenn er ihren Busen liebkoste. Vorhin, als sie auf ihm saß, war ihm aufgefallen, dass der Bauch eine kleine Rundung zeigte.
Endlich. Natürlich, in der Phase der tiefsten Trauer war ausbleibender Appetit normal. Er hatte versucht, darauf zu achten, dass sie wenigstens ein Mindestmaß an Nahrung zu sich nahm. Aber auch nachdem es ihr allmählich seelisch besser gegangen war, blieb Katalin zurückhaltend beim Essen. So sehr sich Mark auch bemühte, für sie kochte oder sie in Restaurants führte, zu oft stocherte sie auf den Tellern und schob sie nach wenigen Minuten beiseite. Sein Verdacht war, dass es weniger am Tod des Vaters lag, sondern an der komplizierten Beziehung zu ihrer Mutter. Edita war seit dem Sommer in ihr ganz eigenes Leben abgetaucht. Lebte in New York mit einem aufsteigenden Star-Dirigenten zusammen, der kaum dreißig Jahre alt war. Das an sich war für Katalin aber gar nicht das Problem. Sondern die Tatsache, dass Edita bis heute nicht gewillt schien, die Tochter in ihrer Trauer zu unterstützen. Geschweige denn, dass man merkte, dass auch sie selbst von dem Tod ihres Ehemannes berührt wurde. Offiziell war sie nun verwitwet und hatte damit sogar Anspruch auf eine entsprechende Rente. Ein Anruf, während Mark und Katalin die Wohnung von István in Paris ausgeräumt hatten, eine billige Karte und ein einfaches Bouquet bei der Beerdigung. Mehr kam nicht und Mark erwartete auch nicht, dass sich daran noch etwas ändern würde. Edita Bergel hatte mit ihrem Mann abgeschlossen, offenbar schon vor vielen Jahren.
Mark ermunterte Katalin hin und wieder, den Kontakt zur Mutter zu halten. Aber er konnte verstehen, dass es nicht leicht war, wenn die Antworten immer nur Floskeln und Desinteresse waren. Katalin hatte sich eine eigene, eine neue Familie gesucht. Bei ihm. Er liebte sie. Auch seine Eltern waren von Katalin begeistert, Weihnachten würden sie bei ihnen in Österreich verbringen. Sowohl am ersten als auch am zweiten Feiertag war in der Staatsoper Vorstellung.

***

Anfang Oktober waren sie aus Berlin nach Wien heimgekehrt. Nahtlos war Mark in die Proben für die Wiederaufnahme von ‚Elisabeth‘ gestartet. Katalin brauchte Zeit für ihre Rückkehr auf die Bühne. Aber sie hatte an Proben teilgenommen und Kontakt zu einem Kammermusikensemble gesucht. Die Musiker hatten sie im Frühsommer angesprochen und eingeladen, ob sie sie unterstützen wolle. Nach dem Tod des Vaters hatte Katalin zunächst abgesagt.
In Berlin hatten sie sich an das Zusammenwohnen gewöhnt und auch in Wien wollten sie so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen. Meist wechselten sie im Wochenrhythmus zwischen den beiden Wohnungen bis Katalin Anfang November beschloss, dass man sich die zweite Miete doch sparen könnte. Mit dem gleichen Tempo, mit dem sie Anfang des Jahres in ihre Beziehung gestartet waren, widmeten sie sich nun dem gemeinsamen Nest. Katalin entdeckte durch Hilfe ihrer Kollegen vom Orchester eine wunderschöne Wohnung direkt am Sternwartepark in Wien-Währing. Breite Flügeltüren zwischen den vormals herrschaftlichen Zimmern. Fischgrätparkett, das Katalin so liebte, weil es sie an ihre Kindheit und das Haus der Großeltern in Ungarn erinnerte. Mit der Modernisierung vor einigen Jahren war eine funkgesteuerte Fußbodenheizung eingebaut worden, ebenso entsprachen Bad und Küche modernen gehobenen Standards. Die Nachbarschaft setzte sich aus Unternehmern, Professoren und Politikern zusammen. Die Miete hatte Mark zunächst zögern lassen, aber Katalin hatte nur mit den Schultern gezuckt. Ihre Zeit bei Nightwish, ihr Anteil am Songwriting auf drei Alben, spülte regelmäßig nicht zu knappe Einnahmen aufs Konto. Seine Gagen trugen dazu bei, dass das Einkommen ihres Haushalts tatsächlich komfortabel war. Da sie beide Wert auf gute Geldanlagen legten, war auch die Zukunft gesichert und sie konnten sich auf Rücklagen für eventuelle schlechtere Zeiten verlassen.
Mark freute sich auf das Leben mit Katalin. Ihre Rückkehr in den Orchestergraben der Wiener Staatsoper nächsten Mittwoch machte sie natürlich nervös, aber Mark hatte keinen Zweifel. Er wusste, was sie konnte. Sie war ein großes Talent. Das Kammermusikensemble wollte sie ab Januar einbinden. Musik war wie bei Mark ein unverrückbarer Teil von Katalins Leben. Was immer passierte, die Musik blieb. Seine Freundin, die sich jetzt leise seufzend rührte und etwas bequemer hinlegte, hatte schwere Zeiten durchgemacht, aber dabei ihre Leidenschaft für Melodien, für Texte und die vielen Gefühle, die eine simple Reihenfolge von Tönen auslösen konnte, nie in Frage gestellt. Ihre Violine hatte Katalin all die Wochen begleitet.
Ihnen war bewusst, dass Mark nicht immer so gut an Wien gebunden bleiben würde in seinem Beruf als Musicaldarsteller. Seine Engagements würden ihn regelmäßig nach Deutschland führen. Aber sein Lebensmittelpunkt lag in der Stadt an der Donau und an der Seite Katalins. Auch die gemeinsame Wohnung war für ihn ein endgültiges Bekenntnis dazu.

***

Mit einem Lächeln beobachtete Mark am nächsten Abend Katalin im neuen Wohnzimmer. Viele Kisten standen noch zwischen den Möbeln, die die Männer vom Umzugsunternehmen nach den Vorgaben ihrer Kunden in den Zimmern verteilt hatten. Mark hatte darauf bestanden, die Küche so weit wie möglich einzuräumen und sich diesem Vorhaben in den letzten Stunden gewidmet. Katalin hatte währenddessen das Schlafzimmer für die Nacht hergerichtet und sich intensiv mit der zentralen Steuerung der Fußbodenheizung beschäftigt. Bevor sie den Tag für beendet erklären wollte, hatte sie drei Dinge auf ihrer Liste. Das Cello von István stand bereits in seiner Ecke neben der Balkontür. Jan hatte als Geschenk zum Einzug einen Ständer gebaut und von einem Fachgeschäft mit dunkelrotem Samt ausschlagen lassen. Auch das gerahmte Foto, das István und Katalin im Mai in Wien zeigte, hatten sie bereits aufgehängt. Mark betrachtete die Stelle am Daumen, wo er mit dem Hammer daneben geschlagen hatte. Der Fingernagel färbte sich allmählich blau, aber Katalins zärtlicher Kuss und ihr leise gesungenes ‚Heile, heile Segen‘, ein altes Lied das auch Mark aus seinen Kindertagen kannte, machten jeden Schmerz erträglich.
Nun stand Katalin vor dem leeren Bücherregal und hängte eine der Lichterketten auf, während Mark mit seiner wohlverdienten Tasse Tee das Sofa belegte.
„So?“, fragte sie und drehte sich um. Sie trat zwei, drei Schritte zurück. „Nein“, schüttelte sie den Kopf, bevor Mark auch nur eine Silbe hätte sagen können. Katalin kletterte auf den Stuhl, drapierte einen Großteil der Lichter oben auf das Regal und ließ die übrigen Lämpchen am Rand herunterhängen. Genauso hatte ihr erster Versuch ausgesehen und schon da hatte es Mark gefallen.
„So.“ Er setzte sich etwas auf und lächelte Katalin an. Sie stieg vom Stuhl, steckte die Lichterkette an und gesellte sich zu ihm aufs Sofa.
„Für den Moment geht es. Ich muss eh nochmal alles umgestalten, wenn die neue Vitrine steht und der Esstisch da ist und alles eingeräumt ist.“ Sie streckte sich etwas und sah zu den Kartons am Boden, denen sich Mark an Weihnachten mit seinem Vater widmen wollte. Vorher würde es kaum klappen, Unterstützung zu gewinnen. Der Advent stand vor der Tür und ließ die Leute hektisch werden. Die Lieferung des Esstisches war für übermorgen angekündigt. Mark stellte die Tasse beiseite und zog Katalin in seine Arme.
„Wir haben es geschafft.“ Er legte seinen Kopf auf ihren und sah sich im Raum um. Es würde dauern, bis alles komplett eingerichtet war. Aber sie waren da und das zählte.
„Willkommen im neuen Domizil“, fuhr Katalin mit der Hand über seinen Oberschenkel. Sie löste sich von ihm und sah ihn an. „Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zeit hier.“
„Ich mich auch.“ Mark nickte und gab ihr einen Kuss. Sie lehnte sich wieder neben ihn, legte die Füße auf dem Sofatisch ab und machte ein zufriedenes Geräusch. Sie saßen nebeneinander, genossen die Stille, das Alleinsein in ihren Räumen. Das Gefühl des Beisammenseins.
„Warum riecht es leicht angekokelt in meinem neuen Wohnzimmer?“, meldete sich Katalin nach einer Weile. Mark richtete sich panisch auf und stürmte in die Küche.
„Ich hab die überbackenen Pizzabrötchen vergessen.“ Er riss den Ofen auf und zuckte kurz zurück, als eine heiße Rauchwolke aufstieg. Mit den Topflappen holte er das Blech raus und stellte es auf der Herdplatte ab. Der Käse war an vielen Stellen dunkelbraun bis schwarz. Katalin betrat die Küche, öffnete die Balkontür und kam zu ihm. Sie holte eine Gabel aus der Schublade.
„Den Käse müssen wir wohl abkratzen.“ Mark verzog das Gesicht.
„Ach was. Ich finde, es sieht perfekt aus.“ Sie betrachtete die vielen Schränke. „Wo hast du die Teller untergebracht?“
Mark holte das Geschirr raus, Katalin kochte sich einen Tee und mit dem einfachen Abendbrot kuschelten sie sich wieder auf das Sofa.
„Schmeckt perfekt“, meldete sich Katalin nach den ersten Bissen und schmatzte etwas. Sie sah Mark an und grinste. „Kannst du öfter machen.“
„Du isst gut.“ Mark erwiderte ihren Blick. Wenn sie überbackene Pizzafladen wollte, sollte sie die kriegen, gern auch täglich. „Das freut mich ehrlich.“
Katalin betrachtete ihren Teller und nickte. „Es schmeckt mir wieder. Der Appetit ist zurück, so als würde der Körper regelrecht nach Nährstoffen hungern.“ Sie teilte mit der Gabel ein großes Stück ab und ließ es im Mund verschwinden. „Mit deinen Kochkünsten werde ich bald dick und rund wie eine Tonne sein.“
„Nein, dazu bist du gar nicht veranlagt. Aber egal wie du aussiehst, Hauptsache gesund.“
Sie lächelte und kaute mit Nachdruck. „Ich erinnere dich daran, wenn die Waage durchdreht.“
Mark schüttelte grinsend den Kopf. „Du musst nur genug Sport machen, um das abzutrainieren.“ Er aß auf und stellte den Teller auf den Tisch.
„Mmh, warte kurz“, murmelte Katalin mit vollem Mund. Sie nahm sich Zeit, teilte extra kleine Stücke ab und kaute ausgiebig. In ihren Augen blitzte es herausfordernd auf, während sie Mark beobachtete. Der nahm seinen Tee zur Hand, lehnte sich zurück und legte den Kopf auf die Lehne. Er ließ Katalin nicht aus den Augen. Irgendwann fingen sie beide an zu grinsen. Vorsichtig schob sie einen Fuß auf seine Beine. Mark streckte die Hand aus und hielt sie fest, was ihr ein tiefes Lachen entlockte. Schließlich stellte sie den Teller neben seinen, trank etwas vom Tee und hockte sich auf allen Vieren vor ihn. Der Ausschnitt von ihrem T-Shirt war tief und Mark atmete hörbar ein.
„Also, sollen wir zuerst das Sofa oder das Bett einweihen?“
Mark löste sich von dem Anblick, der sich ihm bot. Katalins blaue Augen waren von Leidenschaft ganz verschleiert.
„Bett“, wollte ihm die Stimme fast versagen, so sehr freute er sich darauf, ihre weiche Haut gleich unter seinen Händen zu spüren. Er stand auf, zog sie vom Sofa und lief ihr voran ins Schlafzimmer.
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