Das allwissende Auge

GeschichteKrimi, Familie / P18 Slash
Chin Ho Kelly Danny "Danno" Williams Kona "Kono" Kalakaua Max Bergman OC (Own Character) Steve McGarrett
22.11.2018
03.12.2019
8
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„Officer Kalakaua, können Sie mir mit diesem Computer helfen?“, Tyrell blickte sie mit ihrem schönsten Lächeln an. Danny runzelte die Stirn. Wieso hielt Tyrell es für nötig, Kono von Melanie zu trennen.
„Sie werden schon allein damit klar kommen“, erwiderte Kono und strich Melanie sanft über den schmerzenden Kopf.
„Wenn ich es könnte, würde ich Sie nicht um Hilfe bitten. Wir müssen unseren Killer finden oder ist es Ihnen wichtiger mit ihrer Partnerin zu kuscheln?“
Kono wollte sich wehren. Irgendwas schlagfertiges erwidern. Doch Tyrell hatte recht und wusste es.
Melanie hob langsam ihren Kopf und funkelte Tyrell an.
„Wir hängen seit geraumer Zeit an diesem Fall, Felicitas. Wir gönnen uns kaum Ruhe. Ich für meinen Teil, brauche eine Pause und ich würde es sehr begrüßen, wenn du deine Klappe hältst. Kono bleibt bei mir.“
„Dem stimme ich zu“, Steve trat zu ihnen, „Kono, Mel, ihr könnt in mein Büro gehen. Gönnt euch etwas Ruhe.“
Kono nickte ihm nur dankbar zu und führte Melanie in sein Büro. Weg von Tyrell. Diese Frau war ihr von nun an noch unsympathischer.

Kono setzte sich auf die Couch, in Steves Büro, ihr Tablet in der Hand. Melanie ließ sich langsam neben sie sinken. „Darf ich dich als Kopfkissen benutzen?“, nuschelte sie und blickte Kono aus müden Augen an.
„Natürlich, Mel, mach's dir bequem“, dies ließ sie sich natürlich nicht zweimal sagen. Sie drehte sich auf die Seite und bettete ihren Kopf in Konos Schoß. Kono konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen und streichelte zaghaft durchs Melanies Haar. Sie in ihrer Nähe zu haben, war alles was Kono wollte.
Schon nach kurzer Zeit, war Melanie eingeschlafen uns wirkte friedlicher denn je.

Als Steve sein Büro betrat, stellte er überrascht fest, dass Melanie wirklich schlief.
Sein Blick sagte alles. Kono lächelte.
„Sie braucht dringend Schlaf.“
Langsam trat Steve näher, nickte bedächtig.
„Ich hoffe, du weißt wie viel Vertrauen sie in dich hat. Sie würde sonst niemals so bei dir schlafen“, er strich seiner Schwester kurz über den Kopf, bevor er sich seinem Schreibtisch zuwandte.
Kono seufzte. Sie konnte sich vorstellen, dass nicht viele Menschen Melanie so nah kamen. Trotzdem war sie sich unsicher, ob Melanie ebenfalls mehr in ihr sah, als eine Freundin.
Ihr Blick wanderte über das Gesicht ihrer besten Freundin. So friedlich, so zerbrechlich. Man wollte sie einfach beschützen.
Als sie ihren Blick endlich von Melanie losreißen konnte, bemerkte sie Steves Musterung. Er spürte, dass etwas in ihr vorging. Sie war dankbar, dass er sie nicht darauf ansprach.
Mit verschiedensten Gedanken, versuchte sie sich wieder auf die Arbeit zu fokussieren.

Kurze Zeit später ging die Tür des Büros erneut auf. Danny trat ein und begann zu schmunzeln, bei dem Anblick der Beiden.
„Was gibt’s, Danno?“, fragte Steve und lächelte seinen Freund an.
„Tyrell geht mir auf die Nerven“, erwiderte er nur und trat auf Steve zu. Er setzte sich auf die Kante des Schreibtischs und blickte wieder zu den beiden Frauen. Sie so zu sehen, machte ihn glücklicher, als er sich selbst eingestehen wollte. Melanie war schon viel zu lange allein.
„Was tut sie denn?“
Danny wandte sich Steve zu.
„Sie meckert, weil sie ihre Partnerin zurück haben will. Ist ihr wohl ein Dorn im Auge, dass Melanie lieber mit Kono kuschelt.“
Kono wollte etwas dazu sagen, kam aber nicht dazu. Seufzend drehte Melanie sich um und vergrub ihr Gesicht an Konos Bauch. „Seid leise“, murmelte sie, kaum hörbar.
Lächelnd strich Kono ihr durchs Haar und genoss die Nähe. Vielleicht empfand Melanie doch etwas für sie. Würde sie sich sonst so wohl fühlen und so angreifbar zeigen?
Es mussten Gefühle im Spiel sein. Oder sie bildete es sich nur ein.
Ein seufzen entwich ihr.
„Alles okay?“, Melanie blickte zu ihr auf und piekste sie zaghaft in den Bauch. Eine Geste, die Kono sofort ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
„Ja, mir geht’s gut, Mel.“
Melanie erwiderte ihr Lächeln, bevor sie ihre Augen wieder schloss und noch etwas Ruhe fand.

Knapp eine Stunde später, platzte Agent Tyrell in das Büro.
„Ich störe die Herrschaften nur ungern, aber es gibt immer noch Arbeit. Chin und ich haben eine Adresse auf den Namen unseres Täters gefunden.“
Melanie stand auf, fuhr sich durch die Haare und nickte.
„Geht klar, fahren wir.“
Agent Tyrell drehte sich tonlos um und verschwand. Sichtlich angespannt.
Melanie hingegen drehte sich zu Kono um und schenkte ihr ein Lächeln.
„Danke, dass du als Kissen her gehalten hast.“
„Kein Problem. Ich bin immer da, wenn du jemanden zum anlehnen brauchst“, erwiderte Kono. Sie erhob sich und trat näher zu Melanie.
„Das freut mich zu hören, Kono“, sie strich ihrer Freundin eine Haarsträhne aus dem Gesicht, bevor sie ihrer zeitweiligen Partnerin folgte. Die anderen machten sich ebenfalls auf den Weg, um die Behausung ihres Täters zu untersuchen.


Steve und Danny gingen voraus. Die Waffen im Anschlag, bahnten sie sich einen Weg durch den Flur. Hinter ihnen Melanie und Agent Tyrell, die sofort in das erste Zimmer verschwanden.
Anspannung lag in der Luft. Danny konnte förmlich spüren, wie Steve die Luft anhielt, bei jeder neuen Tür. Überall könnte ihr Mörder auf sie lauern.

„Gesichert!“
Die Rufe des Teams durchdrangen die angespannte Stille. Hinterließen einen schalen Beigeschmack.
Ihr Mann war nicht hier. Sein Versteck war verlassen.

„Leute, dass solltet ihr euch ansehen“, Melanie trat zu ihren Teamkollegen und leitete sie in ein anderes Zimmer. Agent Tyrell stand vor der Wand. Mit verschränkten Armen musterte sie die vielen Fotografien.
„Er hat seine Opfer vor der Entführung lange beobachtet“, sprach Melanie das Offensichtliche aus. Steve nickte still und versuchte unter all den unbekannten Gesichtern, jemanden zu finden, der ihnen vertraut war.
Es gab noch so viele neue Opfer, Menschen die nicht wussten, dass sie in Gefahr schwebten.
„Chin, Kono, ihr versucht herauszufinden, wer die unbekannten Frauen sind. Wir schauen uns derweil hier um“, während Chin seinem Boss zunickte, rührte Kono sich nicht. Wie erstarrt blickte sie eines der Bilder an.
„Cousinchen?“, Chin legte ihr eine Hand auf die Schulter und riss sie aus ihrer Starre. Ihr Blick wanderte zu Melanie.
„Er beobachtet dich.“
Mehr bekam sie nicht heraus. Zu fürchterlich die Vorstellung, dass ihr Mörder sich an Melanie vergreifen könnte. Dass Melanie in Lebensgefahr schwebte.
Tonlos trat sie neben Kono und blickte die Bilder vor ihrer Freundin an. Zweifellos hatte der Täter sie beobachtet. Am Strand, bei der Arbeit, Zuhause. Er war ihr dichter an den Fersen, als je ein anderer. Das Gefühl, beobachtet zu werden, hatte sie seit Wochen. Doch es war zur Normalität geworden. Sie hatte es als Paranoia abgetan. Nun wusste sie, dass sie nicht paranoid war.
„Ich weiß, was du denkst, aber das kannst du dir abschminken. Du hältst nicht als Köder her“, ermahnend schaute Steve seine Schwester an. In der Hoffnung ihren selbstmörderischen Gedanken ein Ende zu setzen.
Sie lächelte. „Ich hatte noch gar nicht daran gedacht, aber der Gedanke wäre mir zweifellos noch gekommen.“
„Das tust du nicht, Mel. Es ist viel zu gefährlich“, Melanie warf Kono einen Blick zu, verschlossen und kalt. Sie konnte sich nicht von anderen beeinflussen lassen. Ihr Entschluss war längst gefallen. Wenn sie so unschuldige Frauen vor dem Tod bewahren konnten, würde sie als Köder herhalten.
„Ich finde die Idee sehr gut“, mischte Agent Tyrell sich ein und zuckte zurück, als Kono ihr einen Schlag ins Gesicht verpasste. Die Agentin knurrte unverständlich, schaute Kono aus blitzenden Augen an. Bevor sie sich gegenseitig an die Kehle gehen konnten, stellte Melanie sich zwischen sie.
„Kono, schlag bitte meine Partnerin nicht, schließlich hat sie mich angegriffen.“
Ehe Kono etwas erwidern konnte, drehte Melanie sich zu Agent Tyrell um und schob sie gegen die Wand.
„Und du passt besser auf, was du von dir gibst. Sonst überlege ich mir noch, dich als Köder einzusetzen, würde sicherlich Spaß machen.“
„So war das nicht gemeint, Melanie. Aber ich glaube, dass wir nur so unseren Täter finden können“, Tyrell nahm die Demütigung hin und akzeptierte, dass Melanie auf Seiten ihrer Kollegin stand.
„Mir egal, wie es gemeint war. Entweder ich kann mich auf deine Rückendeckung verlassen oder du fliegst nach Hause, noch heute.“
„Das kannst du nicht machen.“
„Ich kann, Felicitas. Überleg's dir“, Melanie ließ sie los und trottete aus dem Raum. In Gedanken schon bei ihrem Plan. Sie würde den besten Köder abgeben, den die Welt jemals gesehen hatte.
Melanie merkte nicht, wie ihre Entscheidung das Team spaltete. Wie sie die Menschen verletzte, die ihr am nächsten standen.


Im Hauptquartier herrschte eine eisige Stimmung. Niemand war gewillt über Melanies selbstmörderischen Plan zu reden. Obwohl es Steve logisch erschien, wollte er nicht, dass Melanie sich solch einer Gefahr aussetzte. Den Köder zu spielen war schon gefährlich genug, doch in ihrem Zustand war es ihr Todesurteil. Sie brauchte nur einen Moment nicht aufmerksam genug sein und er hätte seine Schwester für immer verloren. Seine letzte lebende Verwandte.
Danny beobachtete seinen Freund schweigend und wusste nur zu genau, was in dessen Kopf los war. Er machte sich selbst Sorgen. Wenn Melanie ihren Plan durchzog und ihr dabei etwas zustieß, würde das Team daran zerbrechen. Nicht nur Steve, würde es schwer treffen. Kono würde daran zugrunde gehen. Die ganze Ohana war davon betroffen. Gleichzeitig sah er keinen Weg, wie man ihr diesen Plan wieder ausreden könnte. Wenn sich ein McGarrett erstmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, war er davon nicht mehr abzubringen.
Danny erhob sich von der Couch und lief langsam zu Steve. Dieser blickte seufzend zu ihm auf.
„Wir sollten mit ihr reden, Babe“, Danny gab sich einen Ruck und ließ sich auf Steves Schoß sinken. Dieser schlang seine Arme um ihn.
„Sie wird ihren Sturkopf durchsetzen und schlimmstenfalls einen Alleingang starten“, erwiderte Steve und schaute seinem Freund in die Augen. Ihm blieb nicht verborgen, dass Danny sich zum ersten Mal auf seinen Schoß gesetzt hatte. Obwohl sie im Hauptquartier waren.
„Dann müssen wir sie unterstützen. Wir müssen ihr Rückendeckung geben und dafür sorgen, dass sie lebend aus der Sache rauskommt. Das ist unsere Pflicht, wir sind ihre Ohana.“
„Hab ich dir schonmal gesagt, wie sehr ich dich liebe, Danno?“
Danny begann zu grinsen. Schnell beugte er sich zu Steve vor und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.
In diesem Moment ging die Bürotür auf.
„Soll ich später wiederkommen?“
Beide Männer blickten zu Melanie, die ihre Hände in die Hosentaschen grub und etwas unbeholfen wegschaute. Ein merkwürdiges Bild.
„Nein. Komm rein“, Steve deutete zu einem der Besucherstühle.
Seine Schwester folgte der Aufforderung und ließ sich in den Stuhl sinken. Sie überschlug die Beine und schaute ihre Fingernägel an, als gäbe es nichts interessanteres im Raum.
„Wieso bist du hier?“
„Wenn ich das wüsste, wäre ich schon nicht mehr hier“, grummelte Melanie und hob ihren Blick. „Ihr wisst, dass ich euch alle liebe. Ihr seid mir verdammt wichtig. Aber wir haben geschworen die Menschen zu schützen und ich kann nicht weiter dabei zusehen, wie dieser Verrückte unschuldige Frauen umbringt. Ich weiß auch, dass ich momentan in 'ner scheiß Verfassung bin, aber ich habe gerade wieder genug Energie, um eine Entscheidung zu treffen. Mich ihm als Köder anzubieten, kann all unsere Probleme lösen, Steve.“
„Es kann uns auch neue bereiten, Mel. Ich bin nicht bereit dich zu verlieren“, Steve wandte seinen Blick ab, versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie tief diese Angst saß. Er durfte sie nicht verlieren.
Melanie beugte sich vor und warf ihrem Bruder einen ernsten Blick zu.
„Du wirst mich nicht verlieren, Schwachkopf. Mit euch als Rückendeckung, kommt kein verrückter Serienkiller an mich ran. Ich würde soetwas gefährliches niemals in Erwägung ziehen, wenn ich nicht wüsste, dass ich das beste Team der Welt hinter mir habe. Meine Ohana hat mich noch nie im Stich gelassen.“
Danny strich Steve durchs Haar und wartete auf eine Reaktion. Das was Melanie gesagt hatte, berührte ihn schon, wie sollte es da erst bei Steve sein? Doch der wagte es nicht eine Reaktion zu zeigen und verkniff sich jegliche Regung.
Sein Verhalten ließ Melanie nur den Kopf schütteln. Sie wollte ein ernsthaftes Gespräch führen, aber ihr Bruder war dafür, wie immer, nicht zu haben.
Als sie aufstand, blickte er sie an.
„Ich fahre Tyrell ins Hotel zurück. Heute kommen wir eh nicht weiter. Danach können wir Zuhause nochmal ordentlich reden, wenn du dazu bereit bist.“
„Fahr sie. Aber du kommst hierher zurück, das ist eine Sache, die das ganze Team betrifft“, entschied Steve.
Melanie akzeptierte das. Sie nickte.
„Halbe Stunde“, meinte sie nur und verschwand.
„Keine Minute länger“, Danny schaute Melanie hinterher und schüttelte den Kopf. Die Geschwister waren manchmal schwierig. Auf einer Seite liebten sie sich, auf der anderen kamen sie oft nicht richtig miteinander aus.
Trotzdem liebte er diese Chaoten, mehr als ihm lieb war.
Seufzend ließ er sich gegen Steves Brust sinken und ließ sich von seinem Freund näher ziehen. Die Nähe tat unwahrscheinlich gut.

„Ich fahr dich ins Hotel“, Melanie war nicht gesprächig. Tyrell akzeptierte es still und lief ihrer Partnerin hinterher. Chin und Kono blickten die Beiden an. Die Angst Melanie könnte einfach verschwinden, war zu groß.
Kono folgte ihr schnell.
„Mel, warte!“
Melanie drehte sich zu Kono um und schenkte ihr ein beruhigendes Lächeln. Das brachte Kono komplett aus dem Konzept. Für einen kurzen Moment vergaß sie, was sie sagen wollte.
„Du gehst ein viel zu großes Risiko ein“, flüsterte Kono und griff nach ihrer Schulter. Ein Nicken. Das Risiko war groß, aber sie tat es nicht umsonst.
„Ich fahr Tyrell nur kurz ins Hotel, dann komm ich wieder und wir reden. Nur wir fünf“, versprach Melanie, strich Kono sanft über die Wange und wandte sich ab. Konos Hand auf ihrer Schulter, hielt sie zurück. Sie warfen einander einen Blick zu. Vorsichtig trat Kono einen Schritt näher und gab Melanie zaghaft einen Kuss auf die Wange.
Melanies Wangen wurden rot, kaum das Kono sich von ihr löste. „Sei vorsichtig“, bat diese nur noch, bevor sie zu Chin zurück ging. Melanie blickte ihr ungläubig nach. Bis ihr Tyrell wieder einfiel.
Schnell räusperte sie sich und lief an ihrer Partnerin vorbei. Sie musste sie erst ins Hotel bringen, danach könnte sie sich Gedanken über Konos Verhalten machen. Und die aufwallenden Gefühle.

Die Fahrt verlief still. Tyrell blickte die ganze Zeit aus dem Fenster und schien verschlossen. Melanie hatte keine Ahnung, was mit der Agentin los war. Sie konnte keine Angst um sie haben. Ging es ihr nicht schnell genug?  Wollte sie, dass Melanie sich sofort vor die Füße des Killers warf?
Tyrell schien ihre Gedanken zu erraten. Ihr Blick wanderte zu Melanie.
„Willst du wissen, wieso ich diesen Kerl unbedingt finden will?“
„Wenn du es mir erzählen willst“, erwiderte Melanie nur und konzentrierte sich weiter auf die Straße.
Tyrell seufzte und strich sich unsichtbaren Dreck von der Hose.
„Es begann alles mit seinem ersten Opfer. Eine wunderschöne junge Frau, furchtbar zugerichtet. Es war etwas persönliches. Er wollte unsere Aufmerksamkeit erregen und das hatte er geschafft. Der Kerl ging mir seit diesem Tag nicht mehr aus dem Kopf. Er ist der Mittelpunkt meines Lebens“, Tyrell machte eine Pause. Sie wischte sich eine Träne aus den Augen und versuchte ihre Fassung zu wahren.
„Sein erstes Opfer, war eine nette, herzensgute Frau. Sie war lebensfroh und voller Träume. Er hat ihr die Chance genommen, all ihre Träume zu erleben. Und … und sie war … sie war meine große Schwester.“
Tyrell verlor den Kampf und brach in Tränen aus.  Zu lange hatte sie ihre Emotionen versteckt. Die Trauer übermannte sie.
„Deshalb wurdest du suspendiert “, stellte Melanie fest. Tyrell nickte nur.
Kurz warf Melanie einen Blick auf die weinende Agentin. Sie hatte Mitgefühl mit ihr. Hätte jemand ihren Bruder getötet, würde sie auch nicht ruhen, bis sie den Täter erwischt hätte. Es war etwas persönliches für Tyrell und das machte alles etwas komplizierter.
„Ich bin froh, dass du es mir erzählt hast“, Melanie legte ihr eine Hand aufs Bein und schenkte ihr einen aufmunternden Blick. Hastig strich Tyrell sich die Tränen von den Wangen und nickte beiläufig.
Melanie runzelte die Stirn. In der Ferne erkannte sie ein Auto. Rauch stieg, aus der zerbeulten Kühlerhaube, auf. Eine leblose Person lag auf der Straße.
„Shit!“, entfuhr es ihr nur, bevor sie den Wagen anhielt und hinaus sprang. Tyrell folgte ihr, noch nicht ganz bei sich.
Melanie rannte auf die leblose Frau zu und ging neben ihr in die Hocke. Bevor sie nach dem Puls fühlen konnte, sah sie das blutverschmierte Shirt. Der Rest war klinisch sauber. Stirnrunzelnd hob sie das T-Shirt an und erblickte das Zeichen ihres Mörders.
„Das ist eine Falle!“, rief sie aus und sprang auf. Zu spät. Tyrell wurde von hinten überrascht. Nur ein Moment und der Elektroschock setzte sie außer Gefecht. Die Agentin ging zu Boden.
Lächelnd, stieg der Mann über sie hinweg und kam auf Melanie zu.
„Wie schön, dass wir uns endlich persönlich kennenlernen, Miss McGarrett“, trällerte er.
„Du unterschätzt mich, wenn du glaubst, dass du mich besiegen kannst“, knurrte sie bloß und verfolgte jeden seiner Schritte mit Argusaugen. Die Müdigkeit ihrer Knochen war vergessen, ihr Körper stand unter Strom. Der Verstand arbeitete so gut wie nie zuvor, zumindest kam es ihr so vor.
Er hatte sie überrascht, dass ärgerte sie ungemein. Ganz genau wusste er, dass sie helfen musste, wenn sie einen Unfall sah und sich weit genug vom Auto entfernte, um ein leichtes Ziel abzugeben. Er war nicht dumm, das musste sie ihm lassen.
Mit einem Mal preschte er nach vorn. Melanie entkam ihren Gedanken schnell genug und wich aus, spürte förmlich wie der Stromschlag sie verfehlte. Er setzte nach. Sie wich aus, konnte seine Schritte voraussehen.
Es entstand ein merkwürdiger Tanz zwischen den Beiden. Melanie war sich nicht sicher, wie sie angreifen sollte und ließ sich extra Zeit, in der Hoffnung auf eine glückliche Fügung.
Nicht ein Auto überquerte die Straße, keine Fußgänger waren in der Nähe. Die Straße wirkte wie ausgestorben. Es war alles andere als normal.
Melanie spürte wie der Strom ihren Arm streifte. Aufheulend sprang sie zur Seite und vollführte einen Kick. Der Mann verlor seine Waffe. Ihre Chance. Jetzt war Melanie dran.
Sie verpasste dem Mann einen Kinnhaken und stieß ihn mit einem Tritt von sich. Er stolperte rückwärts und fluchte lautstark. Melanie nutzte die Zeit und zog ihre Waffe.
„Sie haben verloren“, knurrte sie und zielte auf sein Bein. Sie musste ihn am Leben lassen, der Tod war zu gut für ihn.
„Du überschätzt dich, Melanie.“
Er griff in seine Jackentasche, bevor Melanie reagieren konnte. Nur Sekunden später, explodierte das Auto neben ihr. Es riss sie von den Füßen. Sie flog durch die Luft, spürte den harten Aufprall und stöhnte schmerzerfüllt auf. Ihre Waffe war weg, ihre Sicht verschwommen und der Täter stand direkt vor ihr. Sie hätte es voraussehen müssen.
Ihre Sicht verdunkelte sich und ihr Kopf nahm ihr die Entscheidung ab, ob sie weiterkämpfen wollte. Sie war ihm ausgeliefert.


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Ich hoffe, ihr hattet alle einen schönen ersten Advent und geht stressfrei in die Weihnachtszeit. Vor Weihnachten wird mit Sicherheit kein Kapitel mehr kommen.
Geplant sind noch 4 Kapitel, dann ist diese Geschichte auch schon beendet.
Danke für die ganzen Favos, ich freue mich sehr über jegliche Resonanz.
Ich hoffe, euch gefällt die Story immer noch.

Bis bald!
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