Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Saved by Riddick III

von HopeK
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Richard B. Riddick
22.11.2018
03.05.2020
14
31.726
7
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.01.2019 2.051
 
Sie war nicht lange bewußtlos, wünschte sich aber schnell zurück in diesen seltsamen, leichten Zustand, der sie vor der grausamen Wahrheit bewahrt hatte: sie war entführt worden! Das Auto raste über holprige Straßen und schlingerte in allen Kurven, ihr war speiübel und ihr Kopf schmerzte von dem Schlag. Es kostete sie eine Menge Selbstbeherrschung sich nicht zu übergeben, aber unter dem Sack, der immer noch über ihrem Kopf war, wäre das fatal gewesen, er roch auch jetzt schon unglaublich widerlich. Sie mußte sich dringend ablenken! Und fand auch etwas, ihr Lieblingsspiel: Was würde Riddick tun? Erst mal hätte er keine Angst. Okay, sie war nicht Riddick, sie war kurz davor sich in die Hosen zu machen vor Angst. Was noch? Er würde darauf achten, wohin sie fuhren. Sie versuchte die Kurven mitzuzählen, lauschte auf Geräusche, aber recht weit kam sie nicht, der Motor war so laut, daß er alle anderen Geräusche übertönte und das Auto schien Slalom zu fahren. Gut, was noch: die Entführer belauschen. Die allerdings so schnell sprachen, daß sie nur ab und zu einen Brocken verstand. Sie hatten sie noch nicht einmal gefesselt, also konnte sie sich auch nicht damit beschäftigen, an ihren Fesseln zu ‚arbeiten‘. Zum Glück hatte die Höllenfahrt schließlich doch ein Ende, sie wurde grob an den Oberarmen gepackt und aus dem Wagen gezogen.


Aber die Tortur war noch nicht vorbei, sie wurde auf ein Reittier gehoben und den Geräuschen nach ging es in den Dschungel. Sie dankte sämtlichen Göttern des Universums, daß sie nicht seekrank wurde, die Hitze und der Sauerstoffmangel unter dem Stoffsack waren schlimm genug.


Ihre Knie waren so weich, daß sie nicht stehen konnte, als man sie nach Stunden endlich herunterhob und auf den Boden stellte; ihre Entführer schleiften sie zwischen sich her, bis sie sie schließlich auf einen Sessel drückten. Die Kapuze wurde unsanft von ihrem Kopf gerissen und das plötzliche helle Licht blendete sie, aber die frische Luft tat unheimlich gut, ein wenig Kampfmut kehrte zurück. Sie blinzelte, bis ihre Augen sich an die Helligkeit gewohnt hatten, sie mußte wissen, wo sie war - ihr ‚Was Würde Riddick Tun‘ Spiel konnte in die zweite Runde gehen. Mußte es, sonst würde sie gleich durchdrehen vor Angst. Sie holte tief Luft und versuchte sich an einer Bestandsaufnahme.


Sie saß an einem alten, schmutzigen Metalltisch und eine Strebe der Lehne des sicher nicht minder alten Sessels bohrte sich unangenehm in ihren Rücken. Der Raum war groß, wie eine Lagerhalle, vollgestellt mit Kisten, Fässern, Schachteln, ein paar Werkbänken und überall lag Müll herum. Licht fiel durch schmutzige Fenster und ihr gegenüber saß der grusligste Mann, den sie je gesehen hatte. Nicht, weil er so häßlich gewesen wäre, nein, es waren seine Augen, eiskalt und grausam. Der Zug um seinen Mund verhieß nichts Gutes und sein Lächeln jagte einem eisige Schauer über ihren Rücken - sie steckte ganz tief in der Bredouille. Ende Lieblingsspiel, die Zeit für Panik war gekommen.


„Da haben wir sie also, Joes Freundin. Schön, daß wir uns endlich kennen lernen. Er spricht nur Gutes über dich.“


Er machte eine Pause und wartete ihre Reaktion ab, aber sie saß nur da wie das Kaninchen vor der Schlange, und so sprach er weiter.


„Man nennt mich El Asustín, aber meine Freunde sagen Asu zu mir. Werden wir Freunde sein? Das ganze hier kann eine nette Plauderei unter Freunden sein - du beantwortest meine Fragen, wir schütteln uns die Hände, lachen über das Mißverständnis und das wars dann, ab zurück ins Hotel. Oder du kannst dir die Sache unnötig schwer machen, es liegt ganz bei dir.“


Sie wußte, sie mußte jetzt etwas sagen, aber ihr Mund war so trocken, daß sie kein Wort herausbrachte.


„Felipe, unser Gast scheint einen Schluck Wasser zu brauchen.“


Kate schraubte die kleine Flasche Wasser auf, die vor sie hingestellt wurde und nahm einen großen Schluck, dankbar, daß es kein Glas war, ihre Hände zitterten unkontrollierbar und sie hätte garantiert mehr verschüttet, als getrunken. „Ich beantworte Ihre Fragen.“ Sie konnte nur hoffen daß er Fragen stellte, die sie auch beantworten konnte.


„Sie ist ein cleveres Mädchen, Joes Freundin, ja, das ist sie. Was sagst du dazu, Felipe!“ Er grinste den Mann an, der ihr das Wasser gebracht hatte und beide brachen in Gelächter aus.


Woher kannte er Joe? Kate war völlig verwirrt. War sie wegen Joe entführt worden? Das Gelächter der Männer machte ihr noch mehr Angst, sie bezweifelte, daß sie so einfach davonkommen würde, wie er das dargestellt hatte, aber sie durfte die Hoffnung nicht aufgeben, an irgendetwas mußte sie sich klammern können.


„Joe hat gesagt du würdest ihm bringen, was er braucht. Hast du das getan?“


Also doch wegen Joe. Aber warum? Er war doch nur ein Firmenanwalt?! Sie hielt sich an der Wasserflasche fest, nickte und räusperte sich. „Er hat angerufen und wollte, daß ich ihm die Box aus dem Safe bringe, die hab ich ihm gestern gegeben.“


„So so, er hat sie also. Was war in der Box?“


„Er hat gesagt, es wären Papiere für einen Geschäftspartner.“


„Was noch?“


„Ich weiß es nicht.“


„Er traut dir so wenig, daß er dir nicht erzählt hat, was alles drinnen ist?“


„Ich hab ihn nie gefragt, er hat zu Hause nicht gern über seine Arbeit gesprochen.“ Sie wußte auch nicht, warum sie gelogen hatte, aber ein Teil von ihr wollte nicht laut aussprechen, daß sie geschnüffelt hatte. Krampfhaft überlegte sie, was sie noch über die Box sagen konnte, ohne ihr Geheimnis preiszugeben. „Sie ist schwer, 3 kg in etwa. Und so groß.“ Sie zeigte mit den Händen ein ungefähres Maß. Was noch - ihr fiel nichts ein.


„Und da hatte ich schon gedacht, du wärst clever.“ Er schnellte über den Tisch und schlug zum ersten Mal zu.


Der Schlag traf sie völlig unvorbereitet, Tränen schossen in ihre Augen, ihr Ohr klingelte und die Haut brannte. Sie schmeckte Blut in ihrem Mund.


„Noch mal, was ist in der Box?!“ Er lehnte sich gemütlich zurück, zog ein Messer aus dem Hosenbund und fing an, sich die Nägel zu reinigen. Man sah ihm an, daß er das Verhör genoß.


Sie schluckte, bis der metallische Geschmack in ihrem Mund erträglich wurde, ihr Gehirn lief auf Hochtouren, ihr mußte schleunigst etwas einfallen. „Ich hab sie geschüttelt, ein paar kleine Teile, ein paar harte Sachen … wie ein Taschenbuch oder ein kleines Päckchen, vielleicht ein paar USB Sticks. Möglicherweise ein Schlüsselbund, etwas hat gescheppert. Irgendwas ist hin und her gerutscht wie Papiere, Dokumente ...“ Sie betete, daß das genügen würde.


„Dachte ich mir doch, daß du mehr weißt, ihr Weiber schnüffelt doch ständig herum. Bleibt noch eine Frage … wo ist Joe jetzt? Auf dem Zimmer war er nicht, es hat geheißen, daß er mit einer Schachtel unter dem Arm das Hotel verlassen hat. Wohin ist er gegangen?“


Kate hatte Angst zu antworten, sie wußte, daß ihm ihre nächste Antwort nicht gefallen würde. „Ich weiß es nicht, wir haben uns getrennt. Also, ich hab mich von ihm getrennt, ich bin schon ausgezogen, bevor er angerufen hat. Ich wollte ihm nur einen letzten Gefallen tun, gestern hab ich es ihm gesagt und er ist dann einfach gegangen, ich weiß nicht, wohin.“


„Die Ratten verlassen das sinkende Schiff … “


Es lag so viel Verachtung in seiner Stimme, daß sie beinah protestiert hätte - SIE war nicht die Böse in der Story, er wußte doch gar nicht, warum sie gegangen war. Und wieso Ratten? Weil die Firma, für die Joe arbeitete, Probleme hatte? Was hatte das mit ihrer Beziehung zu Joe zu tun? Aber natürlich hielt sie den Mund und hoffte, daß es das gewesen war.


„Doch noch loyal? Zu spät und fehl am Platz. Weißt du, was dein feiner Joe getan hat? Mit seiner Firma Milliarden veruntreut, Giftmüll an Plätzen abgelagert, an denen keiner nachschaut, die Gebühren eingestrichen und auf die Umwelt geschissen, und da wär dann noch die Sachen mit den Waffen. Und den Drogen. Er war nie nur der Anwalt der Firma, er war einer der Gründer. Irrsinnig clever durchdachtes System, sonst hätten wir da gar nicht mitgemacht. Das mit dem Umweltaktivisten und seinem Reporterfreund war echt ein beschissener Zufall für Joe, da kommt er nicht so leicht wieder raus. Die zwei Idioten wollten bloß ein paar blöde Viecher retten, was für eine Lawine sie damit losgetreten haben, ist ihnen wahrscheinlich bis heute noch nicht klar.“ Er machte eine Pause, akribisch fuhr die Messerspitze unter den Nagel und holte Schmutz hervor, den er an der Tischkante abstreifte. Erst als er ganz fertig war, fuhr er fort. „Es ist mir scheißegal ob er in den Bau wandert oder nicht, er ist nicht so blöd uns zu verpfeifen und man wird niemals zu uns finden, aber er schuldet uns eine Million, die will ich vorher noch haben. Vielleicht willst du ja statt ihm zahlen? Nein, das dachte ich auch nicht. Ein letztes Mal: Wo.Ist.Joe?!“


„Ich weiß es nicht,“ flüsterte sie „er hat gesagt, er will ein Geschäft mit einem Klienten abschließen, dafür würde er die Box brauchen. Wegen der Unterlagen.“


„Siehst du, da ist etwas, das du über mich wissen solltest.“ Er umrundete gemächlich den Tisch und blieb vor ihr stehen. „Man nennt mich nicht umsonst El Asustín. In deiner Sprache heißt das „der Angstmacher“. Es macht mir Spaß, anderen weh zu tun, spielt keine Rolle, ob Frau oder Mann, Schmerzen stehen beiden gut. Es erregt mich, macht mich glücklich.“ Er holte so schnell aus, daß sie nicht einmal zurückzucken konnte und schlug dabei so fest zu, daß sie samt dem Sessel umfiel. Ihre Unterlippe platzte, als die Faust sie traf und ihr Kopf schlug hart am Boden auf, Blut rann aus ihrer Nase und vermischte sich mit dem, das aus ihrer Unterlippe tropfte. „Siehst du, und schon ist meine Laune besser. Felipe!“


Felipe stellte sie samt dem Sessel auf, seine Finger gruben sich so fest in ihre Arme, daß sie beinah aufschrie. Sie wollte sich das Blut von ihrer Lippe wischen, zumindest fühlen, wie schlimm es war, aber Asu hob den Finger und schüttelte den Kopf.


„Nein, laß es, wir wollen doch das Gesamtbild nicht zerstören.“


Nacktes Grauen schüttelte sie, aber gehorsam senkte sie die Hand. „Bitte, ich weiß es wirklich nicht.“


„Was sagst du dazu Felipe?! Sie antwortet schon, bevor ich frage. Zu dumm, daß es die falsche Antwort ist.“ Wieder schlug er zu und diesmal kollidierte ihr Kopf so hart mit dem Boden, daß sie das Bewußtsein verlor.


Als sie aufwachte, saß sie wieder auf dem Sessel. Sie war allein, konnte aber Stimmen hören. Männer, die sich stritten. Ihr Kopf schmerzte, ihr war übel, ihr Gesicht brannte und ihre Lippe pochte ganz furchtbar. Wie war sie nur in diese Situation geraten? Und wie würde sie wieder herauskommen? Niemand wußte, daß man sie entführt hatte und wenn sie Joe nicht finden konnten, dann würde er auch nicht helfen können. Falls er das überhaupt wollte. Ihr wurde übel … würde sie in dieser Lagerhalle sterben? Was würden sie alles mit ihr machen, bis sie sie schließlich umbrachten? Sie konnte ein Wimmern nicht unterdrücken und fing an zu hyperventilieren, kalter Schweiß rann über ihre Stirn - sie würde sterben! Sie wollte nicht sterben! Und schon gar nicht so!


Es war nicht unbemerkt geblieben, daß sie wieder wach war. „Na, gut geschlafen, können wir weiter machen?“ El Asustín amüsierte sich köstlich, er war ganz in seinem Element. „Ist dir schon eingefallen, wo Joe ist?“


Kate schüttelte mutlos den Kopf. „Ich weiß es doch nicht.“


„Falsche Antwort, Schlampe.“ Seine Faust traf Wangenknochen und Auge. „Wo ist Joe?“


Tränen strömten über ihr Gesicht. „Ich weiß es nicht.“


„Ganz schön hartnäckig.“ Wieder ein Schlag, diesmal die andere Seite. Und dann noch einer. Und noch einer. Sein Ring hatte die Haut auf ihrer Stirn aufgerissen, auch ihre Oberlippe war aufgeplatzt, ihre Augen beinah zugeschwollen und in ihren Ohren rauschte es, als würde sie in einem Wasserfall stehen. Asu schlug sich so in Rage, daß er schließlich zu fest zuschlug und sie wieder das Bewußtsein verlor. Wütend trat er gegen den Sessel und brüllte schließlich. „Felipe!!! Schaff sie in den Verschlag, wir machen morgen weiter. Was sagen unsere Informanten im Dorf?“


„Noch nichts, Boss, aber ich hab Druck gemacht, die werden sich schon melden.“


„Was heißt, die werden sich schon melden! Sag ihnen, daß wir ein Exempel statuieren, die Schwachköpfe wissen doch sonst alles! Gib mir ein Bier!“ Das erste von vielen, er war frustriert und das mußte hinuntergespült werden.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast