Ein Brief für drei Freundinnen

KurzgeschichteFreundschaft / P12
22.11.2018
22.11.2018
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Liebe Traudi, liebe Tanja, liebe Susanne,

heute möchte ich diesen Brief an Euch schreiben, weil ich auf diese Art am besten ausdrücken kann, was ich sagen möchte und es ohnehin längst überfällig ist, Euch wissen zu lassen, dass die Selbstverständlichkeit, mit der Ihr mir stets begegnet, für mich nicht selbstverständlich ist, sondern etwas Wertvolles, das ich in meinem Leben nicht missen möchte.
Wann immer ich zu Euch ins Café komme, was immer mir auf der Seele liegt, was mich beschäftigt und bewegt – ob ich gut drauf bin oder schlecht, ob mir zum Lachen ist oder zum Weinen. Mit Euch kann ich wirklich über alles reden, mir alles, worüber ich mir Gedanken mache, von der Seele „quatschen“ und zu jeder noch so ausgefallenen Angelegenheit Eure Meinung und Euren Rat holen.
Jedes Mal, wenn ich zu Euch gehe, freue ich mich und kann mir stetig sicher sein, dass es alles andere als langweilig wird, zumal es nichts (oder fast nichts) gibt, was ich bei Euch nicht ansprechen kann.
Egal ob es meine Datingschwierigkeiten sind, meine zahlreichen Hobbies oder spontanen Ideen – oder eine Frage, auf die ich keine passende Antwort habe. Worum immer es auch geht – Ihr habt einen passenden Tipp für mich, ein tröstendes Wort oder einen lockeren Spruch, der mich aufmuntert und auf andere Gedanken bringt.
Und vor allen Dingen die Selbstverständlichkeit, mit der Ihr mir begegnet, mich als die Person wahr- und annehmt, die ich bin und mich auch spüren lasst, dass dieser Weg, den ich gehe, genau der richtige ist, gibt mir ein unsagbar gutes Gefühl, das mit Worten zu beschreiben ich nicht in der Lage bin.

Gerade deshalb, weil ich von Natur aus ein sehr impulsiver, enthusiastischer und gefühlsbetonter Mensch bin, kommt es manchmal vor, dass wir uns über ein bestimmtes Thema oder eine Sache uneinig sind und längere, eifrige Diskussionen führen (stimmt's, Traudi?) - aber GENAU DAS macht für mich das Besondere an unserem Verhältnis zueinander aus.
Die Offenheit, mit der wir uns begegnen können, Meinungen und Ansichten tauschen und uns auch mal necken und aufziehen können – dabei stets wissend, wie der andere es meint und den Unterschied zwischen „Gaudi“ und Ernst im Auge behaltend.
Und auch wenn wir uns mal uneinig sind, so wart, seid und bleibt Ihr trotzdem immer fair und objektiv mir gegenüber. Das weiß vor allem Tanja ganz genau, mit der es in der Vergangenheit immer wieder mal kleinere Debatten und Diskussionen gegeben hat, in denen ich unbedingt darauf beharrt habe, im Recht zu sein – nur um am Ende doch eines besseren belehrt zu werden und mir einzugestehen, dass ich mich geirrt habe. Trotz allem habe ich mich aber nie angegriffen oder unwohl gefühlt, sondern es immer als gerechte Diskussion empfunden.

Und wie gut erinnere ich mich noch an die ersten Hochs und Tiefs der Liebe, an die schier endlosen Gespräche über Herzschmerz, Gefühl und Verstand, die sogar in heutiger Zeit oftmals noch Thema sind – gerade dann, wenn ich (Traudis Meinung nach) ein bisschen zu blauäugig in ein neues „Hochgefühl“ hineinstürze und dabei völlig vergesse, mögliche Wenns und Abers abzuwägen und einzuschätzen.

Gerade, was meine aktuelle Schwärmerei für den schönen Blondschopf vom Stammtisch angeht, musstet und müsst Ihr so einiges aushalten und könnt die Leier von dem „Märchenprinzen“, den ich in ihm sehe und dass keiner mich je so verzaubert hat wie er, wahrscheinlich schon in- und auswendig.
Und wahrscheinlich stöhnt Ihr schon innerlich auf, sobald ich nur seinen Namen in Erwähnung bringe, weil Ihr wisst, dass es dann wieder losgeht.
Aber bei allem Verständnis dafür, dass Ihr genervt seid: Seht es mir bitte nach, Mädels. So verschossen war ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Und wenn ich schon sonst kein Glück in der Liebe habe, darf mir doch wenigstens dieser kleine Schmetterling im Bauch vergönnt sein, oder? (Wobei, eigentlich sind's mehrere... und auch eher größer... was soll's).
Okay, Sarkasmus beiseite: Ich weiß schon, dass ich manchmal eine unbändige Nervensäge sein und auch oft reden kann wie ein Wasserfall ohne Punkt und Komma.
Gerade deswegen möchte ich mich umso mehr bedanken, dass Ihr mich, meine Launen und (hormonellen wie nicht-hormonellen) Schwankungen regelmäßig ertragt und aushaltet. Wenn das kein Beweis für echte Freundschaft ist, dann wüsste ich nicht, was sonst.

Ganz im Ernst: Auch wenn es sich kitschig anhören mag, aber über den Zeitraum, den wir uns mittlerweile kennen, seid Ihr mir unheimlich ans Herz gewachsen und zu wirklich wichtigen Menschen für mich geworden.
Und ich bin sehr glücklich und auch gerührt, dass ich mit Euch die vielen Vor- und Nachmittage im Café, sowie diese besondere Freundschaft teilen darf.

Alles Liebe,
Eure R.
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