Edo

von Gershwin
GeschichteRomanze / P18 Slash
21.11.2018
09.12.2018
9
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Dieses Kapitel
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Hallo :)

Ich hatte eine echt anstrengende Woche mit Probenvormittagen und zwei Konzerten gestern und heute und ich bin fertig. Done. Finito. Gott, morgen ist Wochenende *seufz*

Viel Spaß^^
lgg

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8. Kapitel
Takauji




„Beeindruckend, oder?“, fragte Takauji. „Ich finde die Bäume selbst kahl wunderschön.“

„Kouichi wohnt im Hause Hattori“, sagte Atsutomo und drängte sich zwischen den Samurai und Kouichi, um einen Arm um die Schultern des Jüngeren zu legen. „Gegen den Garten der Hattoris ist dieser hier höchstens anerkennend zu belächeln.“

Er sah Takauji warnend an, der wiederum verärgert zurück starrte.

„Warum holst du uns nicht noch etwas zu Trinken, Atsutomo-kun?“

„Wir hatten, denke ich, alle genug.“

„Ich nicht, ich hätte gerne noch etwas.“

„Na, dann hol dir doch etwas“, sagte Atsutomo scharf.

„Mir is schwindelig“, murmelte Kouichi. „Können wir irgendwo sitzen?“

„Da ist eine Bank“, sagte Takauji.

Atsutomo brachte Kouichi dorthin und setzte ihn ab, dann griff er nach Takaujis Ärmel, um ihn einige Schritte weg zu ziehen.

„Nicht er“, flüsterte er dem Samurai zu.

„Wieso nicht?“

„Er ist zu jung!“

„Er ist genau so alt wie du und dir hat es gefallen“, murmelte Takauji. „Er ist doch nicht mehr unbefleckt-„

„Doch, ist er. Und er ist noch nicht soweit, er will das nicht.“

„Und woher willst du das wissen? Hast du es schon versucht?“

„Ich kenne ihn, wir unterhalten uns hin und wieder. Du würdest ihm Angst machen. Außerdem ist er betrunken, er wird es bereuen.“

„Oh, ich verstehe, was du mir sagen willst“, meinte Takauji. „Du bist eifersüchtig.“

„Was? Nein!“

„Du willst ihn für dich haben. Oder… du willst mich für dich haben. Eines von beiden ist es.“

„Ich will nur, dass du ihn in Frieden lässt. Wir können uns zusammen weg schleichen, ich tu es gerne mit dir.“

„Aber ich habe Lust auf den kleinen Kouichi-kun und nicht auf dich, du Nervensäge.“

„Du kannst aber nicht jeden nehmen, auf den du Lust hast! Sie könnten dich dafür köpfen, was du mit den ganzen Jünglingen anstellst, die nicht deine Schüler sind! Irgendwann wird einer es seinem Sensei erzählen und der wird dich persönlich enthaupten!“

„Jetzt hör sich das einer an, du hast dich nie gegen mich gewehrt“, schnaubte Takauji. „Ich bin ein Samurai. Du bist nur ein dämlicher kleiner Schüler. Wenn du mir weiter Vorschriften machst, vielleicht köpfe ich dann dich!“

Er legte seine Hand auf sein Katana, das an seiner Seite hing. Atsutomo presste die Lippen aufeinander, dann ging er zu Kouichi zurück.

„Wollen wir wieder zurück gehen?“, fragte er und lächelte den betrunkenen Jungen an.

„Oh… ja, in Ordnung.“

„Gut. Komm.“

Atsutomo zog ihn auf seine Beine und legte wieder schützend einen Arm um ihn.

„Ich möchte noch etwas trinken“, sagte Kouichi.

„Du hast genug getrunken.“

„Wo ist Takauji-san?“

„Ich weiß es nicht“, log Atsutomo und sah sich nach Herrn Hattori um.

Kouichi schob seinen Arm beiseite und ging zu der kleinen Musikgruppe, der letzten, die noch zugegen war. Atsutomo ließ ihn, er suchte nach seinem Sensei und fand ihn im Haus, wo er recht teilnahmslos an seiner Schale nippte.

„Hattori-san“, sagte Atsutomo und verneigte sich tief vor dem Samurai.

„Atsutomo-kun?“

„Bitte verzeiht mir, Euch zu stören, aber ich habe den Verdacht, Tanaka-kun müsse vielleicht nach Hause gehen. Er ist sehr betrunken.“

„Er kann ruhig trinken, heute ist ein Feiertag.“

„Aber ich denke, er hat zu viel getrunken… ich habe Sorge, dass er sich verletzt.“

„Das lass ruhig meine Sorge sein“, sagte Hattori unwillig, doch er erhob sich und stellte sein Getränk beiseite. „Wo ist er?“

Atsutomo drehte sich um und ging voraus nach draußen und zu den Musikern, doch von Kouichi war nichts mehr zu sehen.

„Also?“, fragte Hattori ungeduldig.

„Er hat sich gerade noch die Musiker angesehen…“

Atsutomo sah sich beunruhigt um, nicht nur nach Kouichi, sondern auch nach Takauji.

„Wir waren im Garten, zusammen mit Takauji-san.“

„Ich kenne Takauji-san nicht.“

„Er ist ein Samurai.“

Hattori seufzte und ging in den Garten hinein, gefolgt von Atsutomo, der immer nervöser wurde.

„Vielleicht ist er irgendwo hingefallen und schläft jetzt…“



„Was machst du?“, nuschelte Kouichi und drehte sein Gesicht weg, als Takauji versuchte, seine Lippen mit den eigenen zu bedecken. „Hör auf…“

„Keine Angst, es wird dir gefallen. Dreh dich nicht weg.“

Takauji ließ seine Hand in den Ausschnitt des rostroten Kimonos gleiten und ertastete die glatte, warme Brust darunter, mit der anderen befühlte er den Hintern des Jünglings. Kouichi versuchte, sich aufzusetzen, doch ihm war so schwindelig und er war so müde, dass ihn der Samurai ohne große Kraft wieder hinunter auf den harten, kalten Winterboden im dunklen Gebüsch drücken konnte.

„Was ist, hast du das mit deinem Hattori-san noch nicht getan?“, flüsterte Takauji und küsste den Jungen wieder. „Er ist so stattlich… und du bist so süß.“

„Hör auf…“, sagte Kouichi wieder und wollte ihn weg schieben. „Bring mich zurück.“

„Du musst dich nur entspannen. Das ist schön, ich versprech-„

Auf einmal verschwand der schwere Körper, der ihn zu Boden gedrückt hatte, und Kouichi seufzte erleichtert auf. Takauji sah erschrocken auf und erkannte Hattori, der ihn gepackt und hoch gezogen hatte. Ein fester, kontrollierter Faustschlag grub sich in seinen Magen und er krümmte sich mit einem Schmerzenslaut zusammen.

„Wie könnt ihr-„, fing der junge Samurai erbost an, doch das Schleifen eines Katanas, das seine Scheide verließ, ließ ihn verstummen.

Er starrte den Älteren an, dessen Schwert sich drohend auf ihn richtete. Hattori sah ihn mit hartem, kaltem Hass im Gesicht an und drückte die Spitze des Katanas leicht in den Hals seines Gegenübers, nicht so fest, dass er blutete, aber doch fast.

„Ihr legt wohl gerne Hand an Kinder, die sich nicht wehren können“, sagte Hattori.

„Ich habe ihm nicht weh getan“, sagte Takauji behutsam. „Er war betrunken, ich habe ihm nur helfen-„

„Ihr solltet jetzt aufhören, zu reden“, sagte Hattori langsam und deutlich. „Ich würde das neue Jahr ungern mit Blutvergießen beginnen.“

Takauji schloss den Mund und sah an Hattori vorbei, hinter dem Atsutomo stand und ihn ernst ansah. Der Junge schüttelte leicht den Kopf und bedeutete ihm, bloß stumm zu bleiben.

„Warum steht Ihr noch hier?“, fragte Hattori. „Überlegt Ihr, Euch mit mir zu messen?“

Sofort drehte sich Takauji um und ging davon. Hattori sah ihm nach, bis er verschwunden war, dann sah er auf seinen Schüler hinab. Der hatte sich inzwischen soweit aufgerappelt, dass er nicht mehr auf dem Boden unter dem Busch lag sondern immerhin saß. Er sah ängstlich zu seinem Sensei auf und schluckte.

„Wozu lehre ich dich die Kampfkünste, wenn du dich nicht verteidigst?“, fragte Hattori mit harter Stimme. „Oder wolltest du, dass er dich unter einem Brombeerbusch vergewaltigt?“

Kouichi schüttelte den Kopf, während ihm eine Träne über die Wange stürzte.

„Steh auf!“, befahl ihm sein Sensei. „Worauf wartest du?“

Eilig versuchte Kouichi, auf die Beine zu kommen, doch er war viel zu betrunken, sodass er gleich wieder hinfiel. Atsutomo ging auf ihn zu, um ihm zu helfen, doch er wurde von Hattori zurück geschoben.

„Du sollst aufstehen!“, sagte er zornig und zerrte Kouichi hoch auf seine Füße.

Kouichi atmete hektisch, geradezu panisch ein und aus und versuchte verzweifelt, auf seinen Beinen zu bleiben, während sein Sensei ihm seinen Kimono wieder richtete.

„Was folgst du einem dahergelaufenen Mann ins Unterholz, was glaubst du, was er von dir will?“

„Aber er ist ein Samurai“, sagte Atsutomo vorsichtig.

„Das ist mir bewusst, Atsutomo-kun!“, bellte Hattori und Kouichi schluchzte vor Angst auf. „Wir gehen nach Hause.“

„Es tut mir Leid“, weinte Kouichi leise. „Es tut mir Leid, Sensei…“



Tomoe hob den Kopf von ihrem Kissen und lauschte verschlafen auf die Geräusche die aus dem Flur kamen. Es war ein leises Poltern, dazu kam ein schlecht unterdrücktes Schluchzen und die tiefe, müde Stimme ihres Bruders.

„Tanaka-kun“, sagte Hattori und hielt den Jungen an seinen Schultern fest. „Es ist in Ordnung, du kannst aufhören zu weinen. Wir sind Zuhause.“

Kouichi schüttelte den Kopf, immer wieder, und schluchzte unkontrolliert.

„Tanaka-kun.“

„I…Ich hab Sch…Schande über m…mich und… u…und das Haus, ich…“

„Tanaka-kun, du musst leise sein, das ganze Haus schläft. Du hast keine Schande über dich gebracht und auch nicht über dieses Haus. Du bist betrunken und verwirrt und du wirst jetzt schlafen gehen.“

„Es t…tut mir Leid, es tut m…mir so-„

„Kouichi-kun“, sagte Hattori leise und nahm sein Gesicht in die Hände, damit er ihn ansah. „Beruhig dich jetzt. Ich bin nicht zornig auf dich. Ich bin müde und du bist auch müde.“

„Was ist denn passiert?“, fragte Tomoe leise, die oben an der Treppe stand und zu ihnen hinunter blickte.

Hattori seufzte müde und zog seinen schluchzenden Schützling am Kragen seines Kimonos die Treppe hinauf.

„Ich bin zu müde, um es dir zu erklären“, murmelte er seiner Schwester zu und bugsierte Kouichi die zweite, schmalere Treppe hinauf zu seiner Kammer.

„Es tut mir Leid…“, krächzte Kouichi wieder leise. „Sensei…“

„Es ist genug, Kouichi-kun.“

Hattori zerrte den Futon aus dem kleinen Schrank und warf ihn achtlos auf den Boden, dann drückte er den Jungen hinunter.

„Leg dich hin.“

Kouichi kroch unter die Bettdecke und rollte sich schluchzend zusammen. Er war völlig aufgelöst, und Hattori wusste, dass das seine Schuld war. Er war so zornig geworden, als er diesen fremden Mann auf dem kleinen Tanaka hatte liegen sehen, seine Hände an ungehörigen Stellen und sein Schützling hilflos lallend, dass er ihn in Frieden lassen sollte. Und als er zu schreien begonnen hatte, hatte er Tanaka angeschrien, obwohl er gar nicht zornig auf ihn gewesen war. So hatte er noch nie mit ihm geredet, ganz offensichtlich aus gutem Grund.

„Du hast dir keine Schande gemacht, Kouichi-kun“, sagte er leise und legte eine Hand auf das braune, glatte Haar des schluchzenden Kindes. „Du stehst unter meinem Schutz. Und ich habe dich geschützt, bevor etwas… Schlimmes geschehen konnte. Meine Wut galt nicht dir, sondern dem, der dich bedrängt hat.“

Hattori erhob sich und deckte den Jungen sorgfältig zu, dann ging er zur Tür.

„Schlaf jetzt“, sagte er leise.

Er schloss die Tür und stieg etwas unsicher die steile Treppe hinab. Tomoe stand unten und streckte erschrocken die Hände nach ihm aus, als sein betrunkener Fuß von einer Stufe abrutschte und er sich nur geradeso festhielt, um nicht zu stürzen.

„Warum weint er?“, flüsterte Tomoe.

„Er wurde bedrängt“, antwortete Hattori. „Auf dem Fest, von einem jungen Samurai. Er ist zu betrunken, um zu merken, dass nichts Fürchterliches geschehen ist. Und dass es nicht seine Schuld ist. Trotzdem werde ich morgen einige Besuche unternehmen und herausfinden, in wessen Dienst dieser ehrlose Bastard steht.“

„Ist es denn… ein Verbrechen?“, fragte Tomoe unsicher.

Hattori sah seine Schwester ungläubig an, doch dann zögerte auch er.

„Ich weiß es nicht“, stellte er fest. „Es wäre vermutlich eins gewesen, wenn ich es nicht verhindert hätte.“

Tomoe nickte leicht und sah die Treppe hinauf.

„Du solltest ihn nicht mehr alleine trinken lassen“, sagte sie leise. „Er ist noch viel zu zerbrechlich, der kleine Spatz.“

„Nun, da ist er mit uns Beiden in bester Gesellschaft, hm?“



„Gomenansai“, sagte Kouichi leise, während er vor der Tür zum Zimmer seines Senseis kniete.

Es war noch recht früh, die Kopfschmerzen hatten ihn geweckt. Er sollte dem Sake ganz abschwören, es kam nie etwas Gutes dabei heraus. Er war unerträglich gewesen, hatte geschluchzt und gejammert und seinen Sensei beschämt. Er erinnerte sich nicht mehr an viel, doch woran er sich erinnerte, beschämte ihn.

„Gomenansai“, sagte er noch einmal, kaum lauter als das erste Mal.

„Oh, kleiner Spatz“, sagte Tomoe, die über den Flur kam, und lächelte ihn an. „Er ist schon ausgegangen, schon beim ersten Morgengrauen.“

„Wohin ist er gegangen?“, fragte Kouichi betroffen und stand auf. „Zu meinen Eltern?“

„Wieso sollte er zu deinen Eltern gehen?“

„Um mich zurück zu geben. Ich war fürchterlich-„

„Kouichi-kun, er gibt dich nicht zurück“, sagte Tomoe und nahm die Hände des Jungen, während sie ihn anlächelte. „Er ist bei Nobuo-san und findet heraus, in wessen Dienst der Mann steht, der dich heute Nacht bedrängt hat. Er verteidigt deine Ehre.“



„Ein Missverständnis unter betrunkenen jungen Männern“, winkte Herr Boda, der Stadtbeamte des Bezirks, ungeduldig ab. „Heute Nacht hat es sicherlich viele solcher Missverständnisse gegeben.“

„Es ein Missverständnis zu nennen erscheint mir sehr abwertend, Boda-san“, sagte Hattori ernst. „Euer Samurai Takauji-san hat sich durch sein Handeln entehrt und damit auch Euren Namen, da Ihr sein Herr seid.“

„Es muss ja niemand erfahren“, sagte Herr Boda und schenkte seinem Gast ein überaus unehrliches Lächeln. „Es ist nichts geschehen, Dank Eures Eingreifens. Ihr habt die Angelegenheit geklärt, damit ist sie aus der Welt geschafft.“

„Da sind wir wohl unterschiedlicher Auffassungen“, sagte Hattori. „Ich würde es begrüßen, wenn Takauji-san zumindest eine Ermahnung erhielte, damit es nicht den falschen Anschein erweckt, ein solches Verhalten dem Schüler eines anderen Samurais gegenüber sei vollkommen unbedenklich. Nach dem Geschehenen kann er wohl lediglich bereuen, von mir frühzeitig entdeckt und aufgehalten worden zu sein, nicht aber sein schändliches Benehmen und sein Vorhaben, den Jungen zu einem intimen Akt zu zwingen.“

„Aber kann er ihn überhaupt gezwungen haben, wenn er sich kaum gewehrt hat? Wie dem auch sei“, winkte Herr Boda ab, ehe Hattori etwas erwidern konnte. „Ich werde mit Takauji-san über die Angelegenheit reden und erwägen, ob eine Strafe infrage käme und wenn ja, welche die angemessene sei. Sicherlich will ich keinem jungen Samurai, der sich noch nichts zu Schulden kommen ließ, den Ruf und die Ehre beschmutzen aufgrund einer kleinen Meinungsverschiedenheit.“

„Eine Meinungsverschiedenheit?“, fragte Hattori und seine Stimme wurde kalt. „Boda-san, ich bin mir sicher, dass ich Sie gerade vollkommen falsch verstanden habe. Tanaka-kun ist mein Schüler. Er steht unter meinem Schutz und unter meiner Verantwortung. Und gestern Abend bedurfte er meines Schutzes vor Eurem Samurai, der versuchte, dieses dreizehnjährige Kind gegen seinen Willen zum Akt zu missbrauchen. Gibt es dort irgendeine andere Meinung, die jemand vertreten könnte als die, dass sich Takauji-san respektlos gegenüber den Werten und Pflichten der Samurai und auch den Werten und Pflichten Eures Namens gegenüber verhalten hat? Denn sollten wir uns tatsächlich auf diese Meinung nicht einigen können, werde ich wohl die Zeit meines Herren Minamoto-sama in Anspruch nehmen müssen, dass er uns bei dieser Debatte unterstützt.“

„Minamoto-sama?“, fragte Herr Boda und sah auf einmal gar nicht mehr so desinteressiert und unbekümmert aus. „Werter Hattori-san, ich bin mir sicher, dass wir es nicht soweit kommen lassen müssen. Ich bin mir sicher, dass ich eine angemessene Bestrafung für Takauji-sans Verfehlung finden werde.“

„Darüber bin ich mir sicher“, nickte Hattori zufrieden und verneigte sich. „Ich bedanke mich für Eure Zeit, Boda-san.“



Als Hattori sein Haus erreichte, öffnete ihm nicht wie gewohnt ein Diener das Tor, sondern sein Schüler.

„Ohayou gozaimasu“, sagte Kouichi leise und verneigte sich tief, als sein Sensei an ihm vorbei eintrat.

„Komm mit“, meinte Hattori und ging voraus, über den Hof und ins Haus hinein.

Kouichi folgte ihm bis ins rote Zimmer, wo sich Herr Hattori wie gewohnt die Tür zum Garten öffnete und sich dann setzte, sodass er hinaus blicken konnte. Kouichi setzte sich an die andere Tür, so weit entfernt von seinem Meister wie es ging.

„Nun, ich nehme an, du hast mir etwas zu sagen“, sagte Hattori.

Sofort verneigte sich Kouichi wieder tief, die Hände vor sich auf der Tatami-Matte ruhend und die Stirn dahinter.

„Bitte vergebt mir mein Verhalten bei den Feierlichkeiten und meine Trunkenheit. Bitte vergebt mir meine Dummheit, mit dem fremden Samurai in die Dunkelheit zu gehen. Bitte vergebt mir, dass ich mich nicht gegen ihn gewehrt habe und mich nicht meiner Ausbildung erinnert habe. Bitte vergebt mir mein unerträgliches Jammern und Wimmern auf dem Heimweg. Bitte vergebt-„

„Bei allen Göttern, das ist genug“, seufzte Hattori und der Junge verstummte. „Du darfst um Vergebung bitten für dein Trunkenheit, da du sie offensichtlich nicht verträgst und dich durch sie in Schwierigkeiten gebracht hast. Alles andere liegt nicht in deiner Schuld.“

Kouichi richtete sich langsam auf und sah seinen Sensei unsicher an.

„Bitte vergebt mir meine Trunkenheit“, flüsterte er.

„Ich vergebe dir. Weil du jung bist und ich dich im Grunde ermutigt habe, indem ich dich mit auf das Fest genommen habe. Der Samurai, der dich bedrängt hat, wird ein Bestrafung erhalten. Ich habe mit seinem Herrn gesprochen. Und in Zukunft wirst du wissen, was geschieht, wenn ein Mann mit dir alleine irgendwo hin gehen will, wo ihr ungestört seid.“

„Aber… wieso?“, fragte Kouichi kleinlaut.

„Wieso?“

„Wieso… begehren mich Männer und wollen… wieso wollen sie so etwas mit mir tun?“

„Weil du begehrenswert bist“, sagte Hattori und schüttelte den Kopf. „Du bist ein Jüngling, du hast einen hohen erotischen Wert für Männer. Das solltest du wissen.“

„Woher… sollte ich das wissen?“

Hattori wandte den Blick ab und seufzte dabei lautlos.

„Und wann wird das enden?“, fragte Kouichi, als er auf die Frage keine Antwort bekam.

„Nun, gewöhnlich mit deinem Gempuku. Wenn du ein ausgewachsener Mann bist, mit neunzehn Jahren etwa.“

„Und dann wollen die Männer nichts mehr mit mir tun?“

Hattori nickte langsam.

„Und bis dahin“, sagte der Sensei. „Wirst du dich zu verteidigen wissen, wenn wieder jemand seine Grenzen nicht erkennt. Hast du mich verstanden?“

„Hai.“