Abschiedstränen

von Lady0409
KurzgeschichteDrama, Tragödie / P12
Dr. Lea Peters Jenne Derbeck Tim Peters
21.11.2018
24.11.2018
4
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Abschiedstränen


[Spoiler zu Folge 836]

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Kapitel 1


Schon seit mehreren Stunden war Lea im Dienst und freute sich schon auf den Feierabend, an dem Jenne und Tim sie wieder abholen wollten. Ein winterlicher Ausflug war geplant; ein Ausflug an den See, der im eisigen Winter komplett zugefroren war.

Es war schon weit nach fünfzehn Uhr; bis zum Feierabend hatte Lea also nicht mehr lange Zeit und schon bald würde sie ihren kleinen Engel Tim wieder in die Arme schließen können.

Nachdenklich betrachtete Lea das Bild auf ihrem Handydisplay, das ihren Sohn beim Eselreiten zeigte und das die Mutter im ersten Moment gar nicht gefallen hatte.
War Jenne wirklich so unvorsichtig gewesen und hatte ihren gemeinsamen Sohn einfach so auf den Rücken des Esels gesetzt?

Wollte er es damals wirklich riskieren, dass sich der Zweijährige bei einem Sturz vom Esel ernsthaft am Kopf verletzte? Hatten die Sorgen nach Tims Geburt nicht schon ausgereicht?

Inzwischen hatte sich Lea an den Anblick ihres Sohnes auf dem Eselsrücken gewöhnt und sie liebte das Bild ihres glücklichen Sohnes.

„Dr. Peters…“ Neben der Neurochirurgin tauchte der Krankenpfleger Kris Haas auf. „Dr. Peters, wir bekommen gleich einen Notfall rein… Schwerer Autounfall; eines der Autos ist explodiert. Das Gesicht des ersten Patienten ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.“
„Ja, ich komme.“, seufzte Lea und sie steckte schnell ihr Handy wieder weg, um sich sofort auf den Weg in die Notaufnahme, wo der Krankenwagen bereits mit dem ersten Patienten, des es bei der Explosion wohl sehr schwer getroffen hatte, eingetroffen war.

„Patient, bisher ungeklärte Identität, nach Explosion. Er hat eine schwere Verletzung an den Beinen; das Gesicht ist stark verbrannt. Brandwunden Stufe 2 bis 3… Atmung und Kreislauf während des Transportes sehr instabil; wir haben am Unfallort sofort intubiert. Der Patient war mehrfach reanimationspflichtig…“, gab der schwarzhaarige Notarzt Auskunft über die Verletzungen des Patienten, während Oberschwester Arzu und Chefarzt Dr. Hoffmann ebenfalls in die Notaufnahme gelaufen kamen.

Sich einen ersten groben Überblick über den Zustand ihres Patienten schaffend, gab Lea gleich nach der Aufklärung über die Verletzungen des Brandverletzten die Anweisung, den Intubierten in den Schockraum zu bringen.

„Haben sie nicht auch schon bald ihren wohlverdienten Feierabend, Dr. Peters? Ihr kleiner Tim wollte sie doch heute wieder abholen, haben sie erzählt…“, erkundigte sich Oberschwester Arzu bei der Ärztin, die die Untersuchung ihres Patienten übernehmen wollte.
Die Neurochirurgin nickte und antwortete: „Ja, ich habe in einer Stunde Feierabend. Aber ich habe hier einen schwer verletzten Patienten, der meine Hilfe braucht. Und Jenne und Tim haben viel Zeit; die beiden können sich doch in die Cafeteria setzen und dort auf mich warten, bis die Operation des Patienten vorbei ist. … Wir machen einen Ultraschall…“

„Soll ich übernehmen?“, erkundigte sich Dr. Hoffmann, doch Lea schüttelte entschieden den Kopf und erklärte: „Ich habe immer noch Dienst und dieser Patient ist mein Patient. … Oberschwester, sie ziehen schon einmal die Schuhe des Patienten aus. Ich muss mir die Wunden anschauen.“

Arzu übernahm das Ausziehen des Patienten, während Lea die Hosenbeine aufschnitt und die großen Wunden am Bein des Patienten zum Vorschein kam. „Wir müssen sofort operieren… Der Bauch ist stark angespannt. Verdacht auf Leberblutung. Wahrscheinlich hat der Darm auch etwas abbekommen. … Wir machen im OP eine gründliche Wundspülung… Schwester Arzu, sie suchen währenddessen in den Sachen des Patienten nach einem Ausweis. Vielleicht haben der Notarzt oder die Polizei etwas übersehen.“
Noch einmal warf Lea einen Blick auf ihren Patienten und sie beugte sich zu den Verletzungen am Bein hinunter. „Er hat hier eine Brandwunde, die schon älter sein muss. Zweimal eine Brandverletzung…“

Nachdenklich betrachtete Lea die Wunde, irgendwo hatte sie so etwas schon gesehen. War es wirklich die Möglichkeit, dass ein Patient ausgerechnet an der gleichen Stelle eine Brandwunde hatte, wie ihr Freund Jenne? War es wirklich…

Wie Schuppen fiel es Lea von den Augen, als sie überlegte, dass es nicht möglich war, dass ausgerechnet diese Wunde ein zweites Mal an einem Patient zu sehen war.
„Je… Das ist nicht möglich… Das ist nicht möglich…“, sprach sich die Ärztin noch einmal Mut zu und sie musste sich erst einmal hinsetzen. „Das ist nicht möglich… das ist nicht möglich…“ Immer und immer wieder sprach sich die Ärztin diesen Satz selbst zu und plötzlich wurde ihr schlecht.

Regungslos stand Lea vor dem Patienten und überlegte, was Arzu bemerkte. „Ist alles in Ordnung, Doktor Peters?“, erkundigte sich die Krankenschwester und sie hörte nur ein geflüstertes „Jenne… Jenne…“ von der Ärztin.

„Was ist los?“, wollte Arzu noch einmal wissen und Lea erklärte: „Der Patient muss sofort in den OP; wir müssen operieren… Jenne… Es ist Jenne… Ich erkenne die Wunde, es ist Jenne… NEIN! ES… JENNE!“
„Jenne?“ Kathrin, die in der Tür stand, sah geschockt auf die Kollegin, anschließend auf den Patienten, der bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, vor der Ärztin lag. „Was ist los? Ist… Das ist doch nicht etwa…“
„Doch, es ist Jenne… Es… Die Wunde… Die Wunde da am Fuß… Das ist eine Wunde von einem… von einem Blitzeinschlag; ich kenne diese Wunde… Jenne… Das ist Jenne! Ich… ich muss die OP… Ich muss die Operation… Ich muss…“, zitterte Lea und musste sich erst einmal wieder hinsetzen, um nicht umzukippen.

„Ich sage Dr. Hoffmann Bescheid; Dr. Peters, sie gehen nicht mit in den OP… Schwester Arzu, sie bringen die Kollegin sofort raus.“ „Ich will hier bleiben! JENNE! ER ist doch mein MANN! ER IST MEIN MANN! ER IST… ER IST DOCH MEIN MANN!“, schrie Lea immer wieder verzweifelt, doch die Oberschwester schob die Neurochirurgin immer weiter aus dem Raum. „ich… Ich muss doch zu Jenne! Ich muss zu Jenne. Ich muss zu… Ich muss zu meinem Mann. Ich muss zu meinem Mann… Ich muss zu Jenne… Er ist doch mein… Er ist doch mein Mann.“

„Dr. Peters, sie haben im OP nichts zu suchen; ich übernehme das… Oberschwester, sie rufen dringend Dr. Heilmann oder Dr. Brentano an. Wir müssen jetzt umdisponieren.“

„Ich muss mit in den OP! Er ist doch… Er ist mein Mann! Ich… JENNE! ICH… JENNE! KOMM BITTE! Bitte… Du musst doch… Du musst zu dir kommen, Jenne… JENNE!“, schrie Lea ihren Liebsten an, den sie in den OP-Saal begleitete.

„Dr. Peters, sie haben hier drinnen nichts zu suchen. Gehen sie nach Hause…“, schickte Dr. Hoffmann die geschockte Chirurgin aus dem OP-Bereich. „Oberschwester Arzu, bringen sie die Kollegin raus!“
„JENNE!“ Lea streckte ihre Arme nach ihrem Freund aus, doch erneut schickte Dr. Hoffmann seine Kollegin raus, während Kathrin immer noch geschockt neben der Kollegin stand und Arzu die Chirurgin aus dem OP zu schieben versuchte…
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