Am Ende der Welt

von Knusta
GeschichteDrama, Angst / P18
Dr. Gregory House Dr. James Wilson Dr. Lisa Cuddy OC (Own Character)
19.11.2018
09.01.2019
3
8.348
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
19.11.2018 1.892
 
Die Idee zu dieser Geschichte hatte ich vor langer Zeit und habe schon einmal einen Versuch gestartet, die hier reinzustellen. Vor ein paar Monaten hab ich mein Geschreibsel nochmals durchgelesen und konnte nicht anders, als es wieder zu versuchen.  Leider habe ich die letzten House Staffeln nicht mit verfolgt und bin ein wenig raus. Ist spielt auf jeden Fall in der Zeit vor Amber.

House diagnostische Leistungen stehen hier nicht unbedingt im Vordergrund, weil mir selbst der medizinische Hintergrund fehlt. Wer Ideen hat, das zu ändern ist immer willkommen diese mitzuteilen.

Diese Geschichte enthält in den folgenden Kapiteln Darstellungen von Gewalt und Anspielungen auf sexuelle Gewalt. Wer damit nicht zurecht kommt, sollte auf keinen Fall weiterlesen.

Für Anmerkungen und Kritik bin ich immer dankbar.


------------------------------------------------------------------------------------------------

1. Kapitel – Stille Beobachterin
....................................................


Die Sonne brannte unerbittlich vom Himmel und Hitze flirrte über den Feldern, die nur durch staubige, einsame Landstraßen unterbrochen wurden, auf die sich kaum ein Fahrzeug verirrte.

Dieser Teil von South Dakota war so einsam und verlassen, wie man es sich nur vorstellen konnte.

Nicht weit einer Kreuzung mit ausgeblichenen und zerschossenen Wegweisern, gut versteckt hinter sanften Hügeln befand sich ein verwahrlostes Anwesen, nicht mehr als ein großer verwitterter Bungalow und einige Scheunenreste inmitten von etwa 2 Hektar Land, auf dem sich unzählige Autowracks befanden. Einige standen in Reihen, andere waren in Gruppen abgestellt und vergessen worden. Gras und niedriges Gestrüpp hatte sich über und zwischen allem ausgebreitet. Der Ort wirkte so surreal und lag so abgeschieden, dass es jedem, der ihn zufällig fand, vorkommen musste, als hätte er ein Portal zu einer anderen Welt entdeckt.

Doch Besucher waren eine Seltenheit. Die meiste Zeit über war das Areal sehr ungestört den Gezeiten und dem Verfall ausgesetzt. Das ‚Zum Verkauf‘ Schild war schon vor Jahren von der Straße genommen worden und man hatte eingesehen, dass ein Objekt mit einer derartigen Vergangenheit nicht an den Mann zu bringen war. Eine Vergangenheit, die sicher immer noch in den Köpfen der Menschen herumspukte, an die man aber nicht gerne dachte.

Erst bei genauerer Betrachtung fiel auf, dass jemand in die Stille und Einsamkeit des Ortes eingedrungen war.

Zwei Wagen parkten auf der Einfahrt, gut getarnt durch eine niedrige Brombeerhecke. Ein alter Kombi und ein Kleinwagen, beide mit Staub und Dreck überzogen, die Nummernschilder kaum lesbar. Auch in dem Haus schienen Menschen ein und aus zu gehen, denn die Haustür war aufgebrochen worden und hing nun schief in den Angeln. Das Gras um das Gebäude war niedergetreten und es führten diverse Pfade in die nähere Umgebung.

Jetzt, zur Mittagszeit waren das allerdings die einzigen Indikatoren für Aktivität. Das Rauschen einiger Schwarzpappeln, die etwa 150 Meter vom Haus entfernt standen, war das einzige Geräusch, wenn man von den Grillen absah, die sich im hohen Gras versteckten.

Im Schatten der Bäume, gut verborgen hinter Brombeerranken und einem alten Opel Kadett mit abgerissenen Türen und schimmelnden Sitzen traf die Sonne kurz auf eine kleine reflektierende Oberfläche, die sofort gesenkt wurde. Wer nicht genau hingesehen hatte, würde sicher davon ausgehen, dass es ein loser Seitenspiegel, oder ein Stück Metall gewesen war.

Nur wer mit Geduld und Konzentration die Umgebung im Auge behielt, würde wohl zu einem Schluss kommen.

Eine Frau saß auf dem trockenen Boden, ein Fernglas in der Hand. Ihr dunkles Haar hatte sie zu einem Zopf geflochten und ein verwaschenes Baseball Cap schirmte ihre Augen ab. Die grüne Trecking Hose, das Hemd und das schlichte Top darunter waren sauber aber abgenutzt. An ihren Füßen trug sie derbe, aber solide Wanderschuhe und direkt neben ihr stand ein Wanderrucksack mittlerer Größe.

Seit dem frühen Morgen saß sie so gut wie bewegungslos da und hob nur ab und an ihr Fernglas in Richtung des Hauses. Die Hitze schien ihr nichts auszumachen, ebenso wenig schien sie in Eile zu sein. Offenbar hatte sie keine Verpflichtungen, denen sie nachgehen musste und keinen Ort, an dem sie erwartet wurde.

Die Leute im Haus waren bereits vor ihr eingetroffen und sie konnte froh sein, dass sie nicht über die Auffahrt hergekommen war, sondern einen Schleichweg über die Felder gewählt hatte. Sie war nachts angekommen, ohne sich dem Bungalow zu nähern und nur der ekelhafte Lärm, der aus dem Haus drang, hatte sie vor den Eindringlingen gewarnt. Sie war in sicherer Entfernung in Deckung gegangen und hatte sich für die Nacht eingerichtet.

Am nächsten Morgen hatte sie sofort mit der Observation begonnen und schnell herausgefunden, dass es sich bei den sogenannten Eindringlingen um eine Gruppe von vier Männern handelte. Ein Tätowierter, ein Dicker, ein Blonder und ein Mexikaner oder Inder. Das waren sicher keine Interessenten mit Kaufwunsch. Sie waren hier, weil sie etwas zu verbergen hatten und die Abgeschiedenheit dieses Ortes kam ihnen da genau recht.  

Zuerst hatte die Frau sie für Drogendealer gehalten, die eine Crackküche aufbauen wollten. Die angespannte Körperhaltung und die nervösen Blicke hätten dazu gepasst. Aber sie waren überraschender Weise vorrangig aus einem anderen Grund da.

Ein Grund, der dafür sorgte, dass sie die Männer nicht einfach ignorieren und weiterziehen konnte.

Es waren vier Männer und ihr Gefangener.


----


Einen Tag vorher ...


Mit einem dumpfen Knall fiel die Holzluke zu und ließ Gregory House in der Dunkelheit eines kleinen Kellergewölbes zurück.

Eine Weile blieb er einfach bewegungslos liegen, das Gesicht auf den kühlen Boden gedrückt. Ihm war immer noch schwindelig von der langen Fahrt im heißen, stickigen Kofferraum des Kombis und seine Muskeln protestierten lautstark gegen diese Art der Behandlung, an die er sich in den letzten Wochen eigentlich gewöhnt haben müsste.

House wälzte sich schwerfällig auf den Rücken und versuchte, sich einen genaueren Eindruck von seinem neuen Gefängnis zu machen. Es handelte sich um eine Art Kriechkeller, einen niedrigen Raum mit festgetretenem Lehmboden. Bis auf einige verrottete Holzregale und eine Holzpalette war er leer. In der Luke befand sich ein kleines Gitter, dass spärliches Licht ins Innere ließ.  Es war kühl hier unten, aber das war eine willkommene Abwechslung.

Er war überaus erleichtert gewesen, als Tattoo-Joe und Bobby-Dick die Luke entdeckt hatten. Das perfekte Verließ. Natürlich hatte Joe ein Vorhängeschloss dabei gehabt und so hatte man ihn ungefesselt darin untergebracht. Seit Tagen war es das erste Mal, das House sich frei bewegen konnte, ohne dass die Männer in der Nähe waren. Der unterirdische Raum war auf jeden Fall geräumiger als ein Kofferraum und nicht so gefährlich, wie ein Motelzimmer mit seinen Peinigern zu teilen.

House seufzte und rieb sich den schmerzenden Oberschenkel. Dann erhob er sich mühsam und erkundete sein neues Reich. Hinter der Palette entdeckte er alte Jutebeutel und in einem der Regale lag ein dicker langer Nagel, den House später vielleicht gebrauchen konnte, auch wenn er so gut wie jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Flucht aufgegeben hatte. Es war immer gut zu wissen, dass man für den Notfall etwas in der Hinterhand hatte. Und vor allem freute es ihn, dass er ein Geheimnis vor seinen Entführern hatte. Er zog die brüchigen Stoffreste in den Lichtstrahl, setzte sich darauf und ließ den Kopf hängen.

Wenn er Glück hatte, würden sie ihn heute Abend in Ruhe lassen und vielleicht würde er von Bobby wenigstens etwas zu trinken bekommen. House‘ Ansprüche hatten sich in den letzten Wochen drastisch reduziert.

Noch vor zwei Wochen war er ein relativ zufriedener, wohlgenährter Typ mit einem guten Job und einem bequemen Leben gewesen. Er hatte einen neuen Patienten angenommen und es hatte sich herausgestellt, dass dieser gerne in Rockerkneipen einkehrte. Also hatte er seinen besten und vielleicht auch einzigen Freund James Wilson überredet, eine Kneipentour zu machen, um Informationen zu sammeln.

Natürlich war reichlich Alkohol geflossen und natürlich hatte House seine große Klappe nicht halten können und Streit mit einem üblen Typen namens Joe angefangen, der sich später am Abend als Psychopath mit eigener Gang entpuppt hatte.

Dieser Abend hatte in einer dämmrigen Seitengasse ein brutales Ende gefunden, weil sie naiver Weise in einen Hinterhalt geraten waren. House wusste noch nicht einmal, was mit Wilson passiert war, denn er hatte einen harten Schlag gegen den Kopf eingesteckt und war erst im dunklen Kofferraum eines fahrenden Wagens wieder zu sich gekommen.

Und den hatte er für die nächsten 8 Stunden nicht verlassen können. Es war stickig und unbequem gewesen und sein Bein hatte sich mehr als nur ein wenig bemerkbar gemacht. Zu diesem Zeitpunkt war er sich noch sicher gewesen, aus der Nummer wieder rauszukommen.

Doch dann kam eine traumatisierende Nacht in einem abgelegenen und schmuddeligen Motel irgendwo in der Nähe von Pittsburgh, in der House begriff, dass er wirklich in der Scheiße saß und niemand ihm so schnell zur Hilfe kommen würde.

Sein Verschwinden würde erst im Laufe des nächsten Tages auffallen und seine Entführer hatten eine beträchtliche Strecke zurückgelegt, bevor sie eine Rast eingelegt hatten. Joe entpuppte sich als überaus umsichtigen und koordinierten Entführer, der sicher nicht besonders viel Spuren hinterließ. House hatte anfangs immer wieder nach Wilson gefragt, aber keine Antworten erhalten. Es blieb nur zu hoffen, das Joe erkannt hatte, dass Wilson zu betrunken gewesen war, um als guter Zeuge zu nutzen.

Doch schon bald hatte House alle Sorgen um seinen Freund vergessen und sorgte sich lieber um seine eigene Gesundheit. Niemals hätte er gedacht, dass er sich dem Willen eines Psychopathen beugen würde, doch man durfte wohl niemals nie sagen. Vor allem sagte man nicht Nein zu einer geladenen Waffe, einem Armeemesser und zumindest drei aufgeheizten Männern auf Drogen.

Sein toter Muskel im Oberschenkel war schnell als wunder Punkt enttarnt worden und bildete ein wunderbares Druckmittel. Langes Stehen oder Knien auf allen vieren führte dazu, dass House‘ Widerstand dahin bröckelte, wie eine schlecht verputzte Wand.

Die Hoffnung, dass Joe irgendwann das Interesse an ihm verlieren und ihn irgendwo aussetzen würde, starb genau so schnell wie der Rest seiner Würde und House‘ Situation wurde mit jedem Tag bedrohlicher.

Joe schien einen Faible für Sauerstoffentzug zu haben. Nach ein paar Tagen hatte er ein Lederhalsband mit Leine hervor gezaubert. Der Mann hatte eine unheimliche Intuition dafür, wie weit er gehen konnte, ohne House ernsthaften Schaden zuzufügen, was House zu dem Schluss brachte, dass Joe so etwas vielleicht nicht zum ersten Mal tat.

Schmerz, Angst und die Unberechenbarkeit seiner Entführer reduzierten ihn schließlich nach nur einer läppischen Woche  zum absoluten ‚Ja Sager‘ und ehe er sich versah, war er in eine perverse Art der Abhängigkeit geraten. Tadelloses Verhalten  und Gehorsam gegen Nahrung und eine Art Grundversorgung.

House musste trotzdem ständig auf der Hut sein. Stimmungsschwankungen und die sich verändernde Gruppendynamik waren zu berücksichtigen. Angriffe kamen häufig in Momenten, in denen er wehrlos war oder nicht damit rechnete. Deshalb war Schlaf ein Luxus, den er sich nur im Kofferraum während der Fahrt gönnte. Nicht, das es ein erholsamer oder tiefer Schlaf gewesen wäre, denn nichts war schlimmer, als schlaftrunken und desorientiert ins Ungewisse geschleift zu werden.

Resigniert und erschöpft ließ House sich auf sein provisorisches Lager sinken. Die ganze Zeit hatte er sich vorgemacht, dass es bald überstanden war, dass es einen Ausweg gab, den er nur noch nicht entdeckt hatte. Erst als man ihn in diesem Niemandsland aus dem Wagen geholt hatte, war ihm plötzlich klar geworden, dass er nichts mehr zu verlieren hatte.

Joe würde ihn nicht gehen lassen, niemand wusste wo er war und sein Zustand wurde nicht besser. Die ständige Anspannung und die körperlichen Misshandlungen forderten ihren Tribut und House wusste, dass seine Überlebenschancen gleich Null standen, wenn nicht ein Wunder passieren würde.

Das Problem war, er glaubte nicht an Wunder.

---
Review schreiben