Jung, hübsch, intelligent und in Schwierigkeiten

GeschichteRomanze / P18
Hermine Granger Severus Snape
19.11.2018
14.03.2019
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Die Touristenberaterin sah Hermine an wie ein krankes, kleines Kind. Seine Tochter? Hermine vergaß ihr Theater und nahm ihre Hand vom Gesicht, aus dem ihre Augen beinahe herauspurzelten.

Severus starrte die Dame aus der Touristeninformation in Grund und Boden. Es war eine dieser Sprechpausen, nach denen ein gut überlegter, sardonisch-sarkastischer Kommentar von ihm gekommen wäre. Wäre.

„Das ist mein Mann!“, platzte es unbeherrscht aus Hermine heraus. Er hatte sie am Vorabend seine Frau genannt und diese Erklärung kam ihr jetzt gerade recht.

Die Frau aus der Touristeninfomation war sichtlich schockiert und für einen Moment sprachlos. „Oh, das tut mir wirklich leid“, stammelte sie dann. Versuchte ungeschickt, sich zu retten mit: „Ahaha, naja, Sie haben das bestimmt schon öfters gehört, wenn Sie verheiratet sind.“

Hermines Augen waren nun ganz schmal und sie verstand gerade überhaupt keinen Spaß.

„Ich wollte Ihnen wirklich nicht zu nahe treten, Mrs...?“

„Granger!“, sagte Hermine unwirsch.

„Liebes, nun ärgere dich doch nicht so.“ Severus strich ihr über den Rücken und wandte sich falsch lächelnd an die Dame hinter dem Tresen. „Bitte verzeihen Sie, das sind sicher nur die Zahnschmerzen, meine Frau ist normalerweise ein ganz umgänglicher Mensch.“

Hermine hatte sich umgedreht und stapfte aus dem Gebäude.

Severus wurde nochmals, nun als Mr Granger, verabschiedet.
Draußen hob er unbemerkt seine Zauber wieder auf und holte Hermine ein.

Diese wirbelte im Vorgarten der Touristinfo zu ihm herum und zankte ihn an: „Ist das das Erste, was Leute denken, wenn sie uns sehen, dass ich deine Tochter bin?!“

„Liebes, ich kann dir nicht ungeniert auf den Hintern starren, wenn du gerade entsetzliche Zahnschmerzen hast, das gehört sich einfach nicht.“
Severus lief mit schnellen Schritten neben ihr her.

„Sonst tust du das, oder wie?“, grummelte Hermine und ihr Magen stimmte mit ein.

„Kann es sein“, warf Severus ein, „dass du hungrig bist?“

Wütend war sie. Wütend. „Du brauchst das jetzt gar nicht ins Lächerliche zu ziehen.“

„Aber es war ... urkomisch. Vor allem, wie du diese unschuldige und hilfsbereite Frau heruntergeputzt hast.“ Severus grinste. Mit Zähnen. Es sah ein wenig gefährlich aus.
Hermine war beeindruckt und dachte, diesen Jahrhundertanblick müsse man konservieren. Er war wohl noch nicht ganz in seiner üblichen Rolle zurück.

„Du hast ihr einen profluvio laborare verpasst“, schoss Hermine zurück.

Severus erwähnte: „Du hättest es nicht übers Herz gebracht.“

„Es tut mir auch nicht mehr leid, dass sie wegen mir Durchfall bekommen hat.“ Nun kicherte Hermine doch vor sich hin. „Sie muss sich denken, selten so einen schlechten Tag gehabt.“

Severus zog Hermine an sich heran und sie liefen den Gehsteig entlang, ohne vorher auf die Karte gesehen zu haben. Er nahm Hermine mit in das nächstbeste Café, wo er sie an einen Tisch in einer abgelegenen Ecke setzte. Er selbst blieb stehen, war im Begriff, an die Theke zu gehen, um etwas zu bestellen.

„Willst du mir schon wieder etwas ausgeben?“, fragte Hermine, die, wenn sie so darüber nachdachte, tatsächlich hungrig war. Sie hatte stundenlang Quidditch für Untrainierte gespielt.

Severus sah ihr tief in die Augen, wie ein Vater sein Kind niemals ansehen würde. Den Kommentar der Touristenberaterin betrachtete er wohl als weitreichende Vorabgenehmigung für Unflätigkeiten. „Wenn dich dein Mann so fordert, muss er dich wohl zumindest verköstigen.“
Die Hexe dachte an vergangene Nacht und schmunzelte.
Severus drehte sich um, sodass sein Umhang geflogen wäre, hätte er einen getragen.

„Du gibst einen guten Muggel ab“, sagte Hermine vorsichtig über sein Gebaren im Selbstbedienungscafé, als er mit einem vollen Tablett, das er normalerweise sicherlich hätte schweben lassen, zu ihr zurückgekommen war.

„Ich bin ein halber Muggel“, erwähnte er voller Abneigung.

Hermine räusperte sich. „Dieser ganze Blutreinheits-Grabhornmist steht mir bis hier. Hat von diesen schlauen Aristokraten noch keiner gemerkt, dass es überhaupt nichts aussagt. Über das Talent oder die ach so wichtige Macht eines magischen Individuums. Selbst Voldemort war Halbblut und -“

„Iss“, meinte Severus nur und schob das Sandwich näher zu ihr rüber.
Hermine folgte seinem Ratschlag mit hochgezogener Braue.

„Voldemort hielt selbst nicht viel davon“, erzählte er ihr dann, „er bemühte sich nur, die vorherrschende Meinung seiner Anhänger zu verkörpern. Wo ein Handlanger her kam, hat ihn wenig interessiert, solange er folgte. Sicher, er hat Muggel gehasst, er hat aber auch nie verstanden, dass nicht alle so sind wie sein Vater, wegen dem er im Waisenhaus gelandet ist.“

Als sie etwas gesättigt war, erzählte Hermine: „Ich hab mal recherchiert über den Halbblutprinzen.“

Snape blickte, als würde er diesen Spitznamen nicht mehr besonders mögen. Lily hatte sein Zaubertränkebuch einmal ausgeliehen und beschädigt. Voller Reue hatte sie ihm damals ein neues gekauft und versucht, seine Notizen wieder herzustellen in ihrer Schrift. Und statt „Severus Snape“ stand von da an „Halbblutprinz“ als Name des Besitzers im neuen Buch.

Vorsichtig riet Hermine: „Verstehe ich das richtig, dass dein Vater, also, dass er ein Problem mit deiner Magie hatte?“
Sie hatte damals nur einen Zeitungsausschnitt über Snapes Mum gefunden, und die Art, wie er zuvor über seine Herkunft gesprochen hatte, hatte ihr weiter Auskunft gegeben.

„Er kam sich bloß minderwertig vor. Es ist im Grunde bemitleidenswert.“ Severus' Stimme war nicht verständnisvoll, sondern voller Kälte.

Hermine ahnte, dass sie sich auf sehr dünnem Eis bewegte, aber trotzdem fragte sie weiter. „Du hast keinen Kontakt?“

„Nein“, bestätigte Severus knapp und er hielt die Nahrungsaufnahme nun für sehr viel wichtiger als das Gespräch. Er wusste, dass es keinen guten Eindruck machte, wenn man mit den eigenen Eltern nichts mehr zu tun hatte.

Für den Moment ließ Hermine ihn in Ruhe.

Severus legte seine Hand auf ihr Knie und beugte sich zu ihr, um sie flüchtig zu küssen.
Hermine blinzelte. So spontan?, dachte sie.
„Ich muss das tun, was soll das werte Publikum sonst denken?“, erklärte Severus sich und Hermine erwischte ihn dabei, wie er schief grinsend andere Kunden kurz anfunkelte, als ginge er davon aus, sie würden ihn verurteilen.
Hermine grinste noch immer vor sich hin, da murrte Severus nun über das Essen: „Das ist natürlich weit entfernt vom Angebot in Hogwarts. Allerdings haben sie keinen Gryffindortisch. Sehr lobenswert. Und: Die Gesellschaft hier ist besser.“
Er starrte Hermine an und sie hätte schwören können, sie sei ein Törtchen.
„Du kannst dir nicht vorstellen, wie Minerva einem alles versalzen kann“, fügte Severus an, viel böser, als er es meinte.

Hermine wunderte sich. Sie hatte sich doch eben erst erdreistet, Fragen zu Severus' Privatleben zu stellen. Wie viel schlimmer konnte McGonagall sein?

„Ich dachte“, wandte Hermine lächelnd ein, „ihr seid Freunde oder so etwas?“

„Genau deswegen ja, Hermine.“

Hermine schmunzelte.

Sie hatten aufgegessen und bevor sie zur vermutlich verlassenen Praxis ihrer Eltern aufbrachen, wollte Hermine dann doch noch von Severus wissen: „Findest du es unangebracht? All dieser Aufwand, um zwei Muggel zu finden?“
Sie schaute ihm fest in die Augen, in der Hoffnung, dort eine ehrliche Antwort zu bekommen.

„Nein“, sagte Severus sanft. „Du hast gesehen...“ Seine Pupillen wanderten nach links unten, als er von seinem dunklen Mal sprach, das er stets unter langen Ärmeln verborgen hielt. „...Was ich getan habe, in deinem Alter, auf der Suche nach...“ Er konnte das Wort Familie nicht einmal aussprechen, so sehr sehnte er sich immer noch danach. „...Ich weiß nicht. Ersatz.“
Und sieh nur, was ich nun tue, dachte er. Hermines Sehnsucht nach einer Familie gefiel ihm sehr.

Sie lächelte gerührt.

Er wusste, das war ein gutes Zeichen, aber es war dennoch kaum auszuhalten. Weil es spiegelte, wie er sich geöffnet hatte.

Hermine räumte muggelmäßig das Geschirr auf und dann nahm sie Severus' Hand, als sie an sämtlichen Tischen vorbei nach draußen spazierten.

Diesmal zog Severus Hermine in eine schmale Gasse. Sie sahen sich um und der Magier wirkte zuerst einen Tarnzauber. „Wir müssen einbrechen, wenn die Praxis geschlossen ist“, bereitete er Hermine schon einmal vor. Sie nickte nur überlegt. „Zuerst natürlich müssen wir dorthin finden.“ Und wieder zogen sie die Besen hervor.

Sie schossen in die Höhe und sahen von oben in die Straßen Alburys hinunter. Es war nur eine kurze Entfernung, allerdings herrschte gerade Feierabendverkehr, und Straßenschilder sowie Hausnummern waren aus dieser Perspektive schlecht zu lesen. Sie waren zwei Mal vor einem falschen Haus gelandet und dann standen sie endlich richtig.

34, Stafford Road. Zahnarztpraxis. Dr Monica Maywell. Dr Samuel Maywell. Sprechzeiten: Montag bis Freitag 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr, Samstag nach Vereinbarung.

Nach Vereinbarung. Hermine schluckte, als wären sie dabei, ins Zaubereiministerium einzubrechen.
Das Haus war ein Neubau mit mehreren Büro- und Praxisräumen. Die Apotheke im Erdgeschoss war noch hell erleuchtet und geöffnet. Ein Muggel verließ das Gebäude und Hermine und Severus traten ein.
Wie kann Severus so ruhig sein, wunderte sich Hermine, als sie die Treppenstufen zum Zahnarztehepaar hinaufstiegen.
Auf der richtigen Etage angekommen, war außer ihnen niemand zu sehen. Hermine sinnierte gerade noch über ihren eigenen Herzschlag, da stellte Severus schon fest, dass die Tür der Praxis verschlossen war. Es hatte niemand einen Samstagabendtermin vereinbart.
Snape zückte seinen Zauberstab, als sei es sein Schlüssel und als befände sich seine eigene Wohnung hinter der weißen Tür.
Mit einem „Klack“ schwang diese nach innen auf.
Schnell huschten sie hinein und sperrten wieder ab. Dass er seinen Zauberstab noch wie eine Waffe vor sich hertrug, zeigte Hermine, dass es Severus wohl doch nicht ganz kalt ließ, sich unberechtigt irgendwo Zutritt zu verschaffen. Er eilte den langen Gang entlang, während Hermine sich genauer umsah. Dieses ganz leichte Minzaroma... es war der vertraute Geruch von Amortentia.
Schon rief Severus sie aus dem Nebenzimmer und vielleicht war es nur ihre eigene Aufregung, aber Hermine bildete sich ein, er klang … thriumphierend.
Sie betrat das Wartezimmer. Stockte. Es hing ein Bild der Praxisbesetzung an der Wand mit den Zahnärzten in der Mitte und Severus wartete nur auf ihre Bestätigung, dass dies tatsächlich ihre Eltern waren.

Hermine quietschte, sprang an ihm hoch und hängte sich an seinen Hals.
„Wir haben sie gefunden, Severus, wir haben sie gefunden! Wir haben sie gefunden!!“

Severus hatte nicht mit solch einem Ausraster gerechnet und blickte noch überrascht, als Hermine ihn wieder losließ und auf das große Foto zurannte, als sei es der Zugang zum Gleis 9¾, oder als wolle sie ihren Wuschelkopf hineinstecken.
Sie nahm das große Foto an den Rändern des Rahmens und hob es von der Wand, drehte sich damit und stellte dann fest, es war ganz schön schwer. Zitternd bemühte sie sich, es wieder aufzuhängen, und Severus kam ihr zu Hilfe.

„Hier sieht gleich doch noch jemand nach dem Rechten, wenn du so einen Lärm machst und alles verunstaltest“, warnte er sie, und sie umklammerte ihn einfach wieder und küsste ihn stürmisch.
Sie konnte spüren, dass er lächelte.

„Ich bin Hermine … Maywell war es? Ich darf hier sein“, hauchte sie dann atemlos.
Sie sog den Anblick ihrer Eltern in sich auf. Sie sahen gut aus.

„Ich nehme an, Miss Maywell, du willst nicht bis zum Montagmorgen hier bei Wasser und zuckerfreien Kaugummis ausharren. Ich suche nach einer Adresse“, ließ Severus sie wissen, nachdem er sich genug an ihrem wahnsinnig entzückenden Anblick ergötzt hatte.

Hermine nahm einen Moment lang platz. Sie war so erleichtert. Ihr ganzer Körper kribbelte.

Wie in Trance kam sie dann langsam auf den Gang zurück.

Severus saß wie ein zahnmedizinischer Fachangestellter an der Anmeldung und sortierte magisch Papiere, die vorher sicherlich bereits geordnet gewesen waren.
Er sah auf und meinte: „Sie wissen, dass etwas nicht stimmt.“
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