Jung, hübsch, intelligent und in Schwierigkeiten

GeschichteRomanze / P18
Hermine Granger Severus Snape
19.11.2018
14.03.2019
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Mit einem Stapel dicker Bücher lief Hermine den Gang vor der Bibliothek entlang. Es waren Osterferien und nachdem sie die Feiertage mit Ron und Harry im Fuchsbau verbracht hatte, nutzte sie die letzten Ferientage zum Lernen und Recherchieren. Hogwarts war leise und recht leer um diese Zeit, die meisten Lehrer waren noch abwesend, und von den Schülern waren nur einige Waisen hier und solche, die Hogwarts weit lieber mochten als ihr zu Hause bei den Eltern.
„Ich bin keine Waise“, dachte Hermine unruhig. Vom Zaubereiministerium hatte sie nichts Neues gehört. Verdammte Kobolde.
Mit zusammengebissenen Zähnen blieb sie an einem großen Fenster stehen, um gedankenverloren über den Schulhof zu blicken. Ron und Harry waren nicht mit ihr zurück nach Hogwarts gekommen, würden ihre schulische Ausbildung nicht abschließen, sie konnte es immer noch nicht fassen. Sicher waren viele Aurorenstellen neu zu besetzen gewesen und sicher waren sie Kriegshelden, aber – und sicher gab es viel Arbeit für Auroren jetzt in der Nachkriegszeit, aber -

„Miss Granger.“
Als Hermine sich umdrehte, stand Snape so dicht hinter ihr, dass sie ihm direkt von unten in die Nase hineinsah.
Erschrocken davon, wie er sich angeschlichen hatte, wich sie zurück und donnerte gegen das glücklicherweise stabile Fensterglas.
Snape grinste überheblich, während Hermine ihr Gleichgewicht wiederfand. „Kommen Sie heute Abend um 20 Uhr in mein Büro“, verlangte er knapp und rauschte mit wehendem Umhang an ihr vorbei, ohne sie irgendwie zu Wort kommen zu lassen.
Hermine drehte hinter seinem Rücken die Augen heraus über dieses theatralische Benehmen, und für einige Minuten lief ihr Gehirn auf Hochtouren. Auch das noch. Womit hatte sie sich Ärger eingehandelt? Sie kam auf keine logische Erklärung und sagte sich nach einer Weile, sie würde an diesem Abend sowieso herausfinden, worum es ging, und Snape würde sie dann ohnehin dumm aussehen lassen, ob sie nun von alleine auf ihre Missetat gekommen wäre oder nicht.
Snapes Gryffindor-Schikaniererei hin oder her, Hermine Granger hatte größere Sorgen. Ihre Abschlussprüfungen standen bevor – bis Mitte Juni hatte sie noch Zeit, jedoch würde sie das Lernen nicht so irrational und verantwortungslos aufschieben wie ihre Mitschüler!
Und dann gab es da noch diese andere Sache. Ihre Eltern. Sie hatte sie noch nicht wiedergefunden. Sie hatte noch nicht einmal einen Fuß nach Australien setzen können. Auch in den Weihnachtsferien nicht. Ihre Eltern wussten nicht einmal, dass sie eine Tochter hatten.

Beim Abendessen war nur einer der mittleren Tische eingedeckt, sodass die in den Ferien anwesenden Schüler nebeneinander saßen, egal zu welchem Haus sie gehörten.
Oben an den Lehrertischen saßen Minerva McGonagall, die neue Schulleiterin; ihr Stellvertreter Snape, durch Fawkes auferstanden von den Toten, blass wie eh und je; und der neue Lehrer für Muggelkunde, Mister Merton, der seinen Unterricht stets akribisch vorbereitete. Der Geist von Professor Binns gesellte sich ab und zu für ein Pläuschchen dazu.
Hagrid war nicht beim Essen, das bedeutete, er kümmerte sich wieder um irgendwelche dubiosen Lebewesen, die gerade seine besondere Aufmerksamkeit benötigten, wusste Hermine, und ihr entglitt ein seichtes Lächeln.

Plötzlich lag Snapes Blick auf Hermine und unbeeindruckt hielt sie diesem Stand, als er sich schwer auf sie legte, als wolle er sie mit aller Eindringlichkeit mahnen, sie habe einen Termin einzuhalten.

Hermine nickte nach einigen ewig wirkenden Sekunden des Augenkontakts ganz leicht und wandte sich dann kühl wieder ihrem Teller zu.

„Krass“, rutschte einem Erstklässler heraus und Hermine guckte den Jungen fragend an.

Er kicherte und erläuterte verlegen, es sei krass, wie sie einfach genauso stur zurück starre.

„Hermine hat einfach schon Schlimmeres gesehen, weißt du?“, schwärmte da eine Viertklässlerin aus Gryffindor von ihr, der Vertrauensschülerin.

Hermine seufzte und setzte an, Snape sei gar nicht soo schrecklich, man müsse eben nur seine Aufsätze rechtzeitig abgeben und im Unterricht aufpassen und – weiter kam sie nicht zu Wort, denn ein Hufflepuff fiel ihr ins Wort und schimpfte über Punkte, die Snape wieder abgezogen hatte, und ein anderer Schüler stieg noch darauf ein und konnte diese Punktzahl mit einer haarsträubenden Story noch überbieten.
Mit einem kleinen, nachdenklichen Lächeln freute sich Hermine, dass manche Dinge eben immer noch gleich geblieben waren.

„Herrje, ich hab's kapiert“, antwortete sie stumm in Gedanken, als Snape sie erneut anstarrte, bevor sie nach dem Essen den Saal verließ.

Kurz vor 20 Uhr – sie würde sich sicher nicht nachsagen lassen, sie sei nicht pünktlich – betrat Hermine den unterirdischen Teil des Schlossgebäudes. Die Tür zu Snapes Büro stand offen und sie zwang sich, beschwingt dort einzutreten.
„Professor“, artikulierte sie kurz eine Begrüßung, als sie dem dunklen Mann gegenüber stand.
Kaum war sie in der ungemütlichen, schwach beleuchteten Kammer, fiel die Tür zum Korridor magisch ins Schloss und hinter Snape tat sich eine andere auf. Durch das so hereinfallende Licht wurde der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste erst richtig sichtbar.
„Miss Granger, folgen Sie mir“, meinte er und ging voraus in den hell erleuchteten Raum hinter sich.
Hermine guckte verdutzt, lief um den massiven Schreibtisch in der Mitte des Büros und als sie in Snapes – Wohnzimmer?! - stand, schloss sich zum zweiten Mal geräuschvoll eine Tür hinter ihr.

„Setzen Sie sich“, sagte Snape und deutete auf die rechte Hälfte seines grünen Sofas, als sei es das Normalste der Welt. Hermines Drang, sich erst einmal umzusehen, begegnete er mit einem ungeduldigen Blick. Schließlich folgte Hermine also zögerlich seiner Aufforderung und Snape nahm anschließend auf der anderen Hälfte der Zweisitzercouch, also direkt neben Hermine, platz. Besaß der Mann keinen Sessel? Hermine versuchte, für sich zusammenzufassen, was alles merkwürdig war an dieser Situation. Sie war eingeladen worden in Snapes Privaträume, wo sicher nie ein Schüler war zuvor, nun gut, Malfoy vielleicht. Was machte sie nun zu einem Draco Malfoy, fragte sich Hermine.

„Minerva hat mit mir gesprochen“, sprach Snape und wie immer klang jedes Wort überlegt, „Hermine. Ihrer Meinung nach sollte ich meine Fähigkeiten als Spion nicht gänzlich verkümmern lassen.“

Hermine riss die Augen auf über ihren Vornamen und Snape fuhr fort mit seinem Monolog, bevor sie etwas erwidern konnte: „Mir ist bewusst, dass wir nicht per Definition befreundet sind.“

Hermine dachte zuerst, er rede da von Minerva.

„Jedoch möchte ich, dass Sie eines wissen: Ich bin bereit, Ihnen bei der Suche nach Ihren Eltern zu helfen.“

Hermine war nun völlig vor den Kopf gestoßen. „Ich, ähm. Okay, ich bin überrascht, ich dachte, es geht um eine Strafe oder so etwas. Sir.“

Snape legte seinen linken Arm auf der Rückenlehne des Sofas ab, sodass er Hermine permanent zugewandt war und er lächelte, auf eine ganz sehr merkwürdige Art. Als würde er sich darüber amüsieren, dass Miss Vorzeigegryffindor permanent irgendetwas ausfraß, aber nie zugeben würde.

„Sir, bitte sehen Sie mich nicht an, als hätte ich ein schlechtes Gewissen, wegen etwas, das ich nicht getan habe“, sagte Hermine. Professor Snape hatte etwas an sich, dass sie wieder zweifeln ließ, ob sie sich tatsächlich zu jeder Zeit korrekt verhalten hatte.

„Kaffee?“, fragte er, während er gleichzeitig mit einer beherrschten Bewegung schon welchen herbeizauberte.

Hermine begann zu lachen und Snape betrachtete sie, als sei sie ein kurioses Ding.

„Entschuldigen Sie. Ja. Bitte“, antwortete sie dann, als die fliegende Kanne ihr bereits eingeschenkt hatte. Zur weiteren Bestätigung verdünnte Hermine ihren Kaffee um diese Uhrzeit mit der bereitstehenden Milch.

„Miss Granger, ich hoffe, Sie haben sich nicht den ganzen Tag den Kopf darüber zerbrochen, was ich Ihnen wohl ankreiden möchte“, erwähnte Snape und es war ganz offensichtlich, dass er auf das genaue Gegenteil hoffte.

„Nein, ich muss Sie enttäuschen, Sir“, gab Hermine zurück.

Snape grinste schief, als hätte er Freude daran, schlechte Lügen zu hören. Dann trank er einen Schluck pechschwarzen Kaffee, ohne die leiseste Reaktion seines Gesichts auf den bitteren Geschmack.

„Warten Sie. Sind Sie wirklich Professor Snape?“, zweifelte Hermine inzwischen nun doch massiv und sie richtete sich auf, bereit nach ihrem Zauberstab zu greifen. Sie überlegte kurz und fragte dann: „Wo fand Harry das Schwert von Gryffindor?“

„Soweit ich weiß, Miss Granger,“ antwortete Snape hörbar gelangweilt, „zog Potter es einmal aus einem sprechenden Hut und ein andermal aus einem zugefrorenen Tümpel im Forest of Dean heraus. Teilhabe an etwaigen weiteren Heldentaten blieb mir bedauerlicherweise verwehrt.“

„Ok, dann sind Sie Sie“, schlussfolgerte Hermine kaum weniger nervös und sie konnte es kaum glauben, als Snape erneut sehr verhalten seinen Zauberstab schwang und eine Etagere mit Hermines Lieblingskuchen angeflogen kam. Hauselfen schienen es vorbereitet zu haben. Hermine verkniff es sich, mit Snape nun über die Ausbeutung von Hauselfen zu diskutieren.

„Ob Sie deswegen jetzt verzehren können, was Ihnen angeboten wird?“, wog Snape ab, „ich wäre mir da nicht so sicher.“
Er führte wieder seine Tasse zu seinen dünnen Lippen, und es wirkte angestrengt, weil er seinen linken Arm scheinbar unbedingt hinten auf der Sofalehne liegen lassen wollte.

Hermine stellte für sich fest, dass sie den Severus Snape, der ein gemütliches Wohnzimmer hatte und Gäste empfing, nun einmal nicht richtig kannte, was allerdings nicht bedeutete, dass man ihm nicht trauen konnte. Außerdem würde er seine wertvollen Tränke nicht an sie verschwenden.
Hermine lächelte und nahm ein Stück Kuchen an sich, biss hinein. Es schmeckte irrsinnig gut. Sie fragte sich, wann die Elfen herausgefunden hatten, was sie am liebsten aß.

„Nun, zur eigentlichen Angelegenheit“, bestimmte Snape, als er seine Tasse so gut wie leer wieder abstellte. „Miss Granger, Sie suchen Ihre Eltern schon über ein halbes Jahr, und das Tag und Nacht, so wie Sie aussehen.“

Hermines Augenbraue zuckte irritiert.

„Woran hakt es, Sie müssen irgendetwas übersehen haben.“

„Nein, ich habe nichts übersehen.“ Hermine schlug die Augen nieder und seufzte. „Ich habe diese Sache völlig verpfuscht. Sir.“
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