Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine Liebe Jenseits Der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
19.11.2018
08.05.2021
72
87.907
44
Alle Kapitel
212 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
10.04.2021 1.770
 
69. Kapitel
Jederzeit

Das sanfte, weiße Licht der Juwelen hatte eine anziehende und zeitgleich beruhigende Wirkung auf Lanthiriël. Für die Elleth gab es in diesem Moment nur die Truhe, die glitzernden Steine und das Licht.
Doch dann legte sich eine Hand an ihre Wange und sie wandte den Kopf, als Thranduil diesen behutsam zu seinem drehte. Er lehnte sich nach vorn und senkte seine Lippen auf die ihren.
Es war, als fuhr ein Blitz durch ihren Körper und entflammte ein Feuer in ihr.
Als sie begriff, was gerade geschah und die Augen schloss, um sich dem Kuss hinzugeben, löste sich Thranduil auch schon wieder von ihr. Lanthiriël hielt die Augen noch für einen Moment geschlossen, ehe sie flatternd die Lider aufschlug und ihn ansah.
Er wollte etwas sagen, doch dann schloss er den Mund und die Augen. Er atmete tief durch und leckte sich einmal über die Lippen, ehe er die Augen wieder öffnete und seine Hand von Lanthiriëls Wange nahm.
„Verzeih mir.“, eröffnete er, seine Stimme rau, „Ich hätte dich vorher fragen sollen.“
Ein Moment verging.
Dann schüttelte sie ihren Kopf.
„Alles. . . alles in Ordnung.“, erwiderte sie leise, jetzt begann sie zu nicken, „Alles gut.“
Sie legte ihre Hand auf seinen Oberarm. Ihre Haltung wurde von ihm gespiegelt.
„Können wir uns vielleicht hinsetzen, bitte?“, fragte sie vorsichtig und ihr Griff um seienen Arm wurde stärker, „Bitte, ich glaub, ich-“
Doch ihren Satz konnte sie nicht beenden, da ihre Beine unter ihr nachgaben und sie nach vorn gegen seine Brust fiel. Er legte blitzschnell die Arme um sie und hielt sie fest, damit sie nicht stürzte. Kurzerhand schob er einen Arm unter ihre Kniekehlen und hob sie in einer flüssigen Bewegung hoch, um sie zu dem kleinen Lager zu bringen. Er setzte sich in die weichen Felle und ließ Lanthiriël auf seinem Schoß nieder.
„Ich-“, sie brach ab und versteckte ihr Gesicht an seiner Halsbeuge, „Das ist mir so peinlich!“
„Verzeih mir, ich wollte dich nicht in solch eine Situation bringen.“, erwiderte er und zog seine Arme enger um sie. „Nein, es ist nicht deine Schuld. Bitte entschuldige dich nicht dafür.“, erwiderte sie, ihr Atem kitzelte an seinem Hals, „Nicht für so etwas. . . schönes. Es ist mir bloß peinlich, wie ich reagiert habe. Dass ich einfach so zusammengesackt bin!“
Sie spürte die Röte heiß auf ihren Wangen und lachte leise, was ihn zum Schmunzeln brachte.
„Ich kann es aber verstehen – wegen all dem, was in letzter Zeit mit dir geschehen ist. Es ist einfach zu viel geworden.“, meinte er und lehnte seine Wange an ihre Stirn. „Dennoch-“, hob sie an, doch er unterbrach sie:
„Nein. Es ist alles in Ordnung, wirklich.“
Thranduil legte seine Hand auf ihr Knie und fuhr sanft darüber, während er sie mit der anderen noch immer stützte, sodass sie nicht nach hinten kippte. Lanthiriël hatte ihre Hände an seiner Brust und ließ eine langsam nach oben zu seiner Schulter gleiten. Sie legte sie darauf und strich behutsam mit ihrem Daumen über die Haut an seinem Hals. Er schloss die Augen und lächelte.
Für eine kleine Weile saßen sie so da, die Nähe zum Anderen genießend. Sein Herzschlag an ihrem Ohr beruhigte Lanthiriël und ließ die Schamesröte von ihren Wangen verschwinden. Thranduil lauschte ihrem Atem, der sich hörbar beruhigte.
„Am liebsten würde ich einfach hier bleiben.“, durchbrach er die angenehme Stille irgendwann. „Also ich gehe nirgendwo hin!“, erwiderte sie belustigt, was ihn zu einem sanften Lachen brachte. „Das meine ich nicht.“, erklärte er jedoch und ließ seine Hand ihr Bein und dann ihre Seite entlangwandern, um sie in beiden Armen zu halten, „Sobald wir in den Palast zurückkehren, werde ich voll und ganz in Beschlag genommen. Ich muss dann wieder König sein. . .“
Lanthiriël lehnte sich nach hinten, sodass sie ihm ins Gesicht sehen konnte.
„Ich weiß.“, meinte sie mit einem Nicken, „Doch für mich ist das kein Hindernis. Natürlich werden wir anderes zu tun haben. Du hast deine Pflichten zu erfüllen und ich die meinen. Nun, nachdem ich mich erholt habe und Valerwén mir seine Erlaubnis gibt, kommen meine Pflichten als Heilerin wieder auf mich zu. Ich denke, die Erholung wird mir gut tun. Und sie ist mir wichtig, schließlich-“
Sie brach ab und senkte für einen Moment den Blick.
Thranduil sah einen leichten Rotschimmer auf ihren Wangen entstehen.
„. . . Schließlich will ich nicht wieder zusammensacken, wenn wir das nächste Mal einen Kuss teilen.“, endete sie ihren Satz und sah ihm fest in die Augen.
Er hob überrascht die Augenbrauen.
„Das nächste Mal?“, fragte er.
War das Vorsicht, die sie in der Tiefe seiner Stimme hörte?
Sie nickte und hauchte ein „Ja“, woraufhin er seine Stirn an die ihre legte.
„Womit habe ich dich nur verdient?“, flüsterte er mit einem Ausdruck auf dem schönen Gesicht, als wäre er von ihr gefesselt. „Hmm. Ich weiß nicht.“, gab sie verspielt zurück, „Einfach so!“
Er fuhr erneut ihren Rücken entlang, während sie mit den Fingerspitzen über seinen Hals strich. Beide schlossen die Augen. Sie spürten den Atem des jeweils anderen auf ihrem Gesicht.
„Aran nín?“, ertönte eine Stimme durch die Plane des Zeltes. Sofort versteifte Thranduil sich und bewegte sich nicht mehr. Seine Fingerspitzen drückten unangenehm in Lanthiriëls Rücken.
Sie lehnte sich nach hinten und sah ihn an.
Sein Gesicht war zu einer leichten Grimasse verzogen und er kniff die Augen fest zusammen.
„Alles in Ordnung.“, meinte sie leise, „Ich mache das schon.“  
Sie kletterte vorsichtig von seinem Schoß, während er sie an der Hüfte hielt, damit sie nicht fiel. Sie ging auf jeden Schritt achtend zu ihrem Stab, ehe sie sich darauf stützend zum Zelteingang begab.
Sie wollte sich um das kümmern, was die Wache wollte, da sie im Gefühl hatte, dass die Krone Thranduil nun erdrücken könnte. Natürlich wusste sie, dass er es wie immer wortlos ertrug, doch in diesen Momenten war er König. Ein König musste es tun.
Thranduil war zwar König, aber der König war nicht Thranduil.
Müsste er jetzt die Krone aufsetzen und König sein, so nahm sie an, könnte Thranduil danach nicht mehr so einfach zurückkehren.
Während Lanthiriël also mit der Wache sprach, blieb Thranduil in den weichen Fellen sitzen. Er hörte bloß mit halbem Ohr zu, was die beiden besprachen. Seine Körperhaltung entspannte sich langsam und als Lanthiriël wieder zu ihm lief atmete er erleichtert durch.
„Was ist das?“, fragte er und deutete auf den Korb in ihren Händen, mit welchem sie sich neben ihn setzte. „Ich habe eine der Wachen gebeten, mir ein paar Kräuter zu sammeln, damit ich sie für morgen für unsere Reise nach Hause vorbereiten kann.“, antwortete sie und hob den Korb auf ihren Schoß, „Sie werden uns für den Weg stärken.“
Er lugte interessiert in den Korb, als sie ihn aufschlug und schaute, was ihr alles gebracht worden war.
„Gut. . .“, murmelte sie zufrieden, „Das sollte für uns restliche Zwanzig ausreichen.“
Es war bloß eine kleine Truppe an Kämpfern geblieben, die kaum verletzt waren. Sie dienten nun als Thranduils Leibwache.
„Kann ich dir beim Vorbereiten helfen?“, fragte er sie und sie nickte. „Sehr gern!“, meinte sie erfreut und holte ein paar kleine Schnüre aus dem Korb, um sie zwischen sich und ihn zu legen. Dann fing sie an, ihm zu erklären, wie viel von was sie bräuchten und wie sie es in kleine Bündel verpacken konnten, um diese dann zusammenzuschnüren. Die Bündel sollten in mundgerechter Größe sein, sodass man sie direkt zerkauen könnte und sich nicht erst noch länger damit beschäftigen müsste.
„Was für einen Rang als Heilerin hast du?“, fragte Thranduil nach einer kleinen Weile, „So wie du erklärst, könnte es jeder schnell verstehen. Das ist gut.“
„Eigentlich sollte ich meinen Titel als Meisterin erhalten, als ich damals aus dem Düsterwald zurückgekehrt bin.“, antwortete sie, „Doch durch den Unfall mit der Lawine ging es dann nicht mehr.“
Er gab daraufhin bloß ein nachdenkliches „Hmm“ von sich und Stille trat erneut ein.
„Du machst das gut.“, kommentierte sie seine Arbeit nach ein paar Minuten, „Wer weiß, vielleicht wirst du ja doch noch Heiler?“
Belustigung schwang in ihrer Stimme mit.
„Glaub mir, ich hätte nichts dagegen.“, gab er zu, konzentrierte sich jedoch weiterhin auf seine Arbeit. Vier Bündel hatte er bereits geschafft – noch sechs mehr.
„Ich weiß.“, meinte sie und verschnürte ihr letztes Bündel, ehe sie die Kräuter wechselte und welche für die Pferde und Aráras vorbereitete, „So etwas Ähnliches hattest du mir schon einmal erzählt.“
„. . . Bei unserer Patrouille.“, sprach er seinen Gedanken laut aus und nickte, „Als du verletzt wurdest – wegen mir.“
„Nein, Thranduil!“
Ihre plötzlich so ernste Stimmlage ließ ihn Inne halten und zu ihr aufblicken. Als er etwas sagen wollte, ließ sie ihn gar nicht erst zu Wort kommen:
„Schlag dir das endlich aus dem Kopf! Ich wurde nicht wegen dir verletzt. Ich bin freiwillig mitgekommen – es war mir eine Ehre an deiner Seite zu kämpfen. Und sollte die Zeit aufkommen, werde ich es wieder tun.“
Er wollte irgendetwas erwidern, doch ihm fiel einfach nicht das Richtige in dieser Situation ein. Also nickte er bloß und arbeitete weiter.
„So, fertig.“, verkündete er, als er seine Bündel verschnürt und sie zu den anderen von Lanthiriël gelegt hatte. „Für unsere Pferde und Aráras habe ich auch welche gemacht.“, erwiderte sie und legte die Bündel in ein Tuch zurück in den Korb, ehe sie ihn unter das Lager schob. Dann sahen sich beide für einen Moment an.
„Es ist schon spät.“, sagte er, da es beinahe komplett dunkel um sie herum war, „Wir sollten versuchen noch ein wenig Schlaf zu kriegen. Der Weg ist recht lang und es könnte sein, dass wir morgen auf ein paar verirrte Orks treffen.“
Sie gab ihm Recht und begann ihre Stiefel auszuziehen. Er tat es ihr gleich, ehe er aufstand und auch seinen Überwurf ablegte. Noch in Tunika und Hose bekleidet setzte er sich wieder zu Lanthiriël.
„Darf ich hier schlafen?“, fragte diese. „Ich würde es nicht anders wollen.“, antwortete er und lächelte sie an, als sie sich in die weichen Felle legte. Sie rückte ein Stück näher an die Zeltwand, sodass Thranduil genug Platz neben ihr hatte. Er legte sich zu ihr und blickte durch das Loch in der Zeltdecke. Der Mond war zu sehen.
Nach einiges an Zeit, als der Mond nicht mehr zu sehen war, ertönte Lanthiriëls sanfte Stimme leise:
„Schläfst du schon?“
Thranduil drehte sich zu ihr und sah sie an.
„Ja.“, erwiderte er, was sie zum Kichern brachte. Dann drehte sie sich zu ihm und strich ihm zaghaft eine verirrte Haarsträhne hinter das spitze Ohr. Beide sahen sich für ein paar Augenblicke einfach nur an.
„Darf ich dich küssen?“, fragte sie ihn irgendwann – ihre Stimme hauchzart.
Thranduil lächelte.
„Jederzeit.“, antwortete er sanft, „Und du brauchst nie zu fragen.“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast