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Eine Liebe Jenseits Der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
19.11.2018
08.05.2021
72
87.907
44
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27.03.2021 1.531
 
68. Kapitel
Nichts

Lanthiriël warf einen Blick über die Schulter.
Thranduil stand vor dem kleinen Tisch in seinem Zelt und wartete darauf, dass sie ging. Die silberne Krone glitzerte auf seinem Haupt und sein reservierter Gesichtsausdruck zeigte, dass er nun ganz König war.
Die Elleth drehte sich um und verließ das Zelt. Die Wache, die davor stand, nickte ihr respektvoll zu. Sie hielt eine Truhe in den Händen, die in Stoff eingeschlagen war.
Was der Zwergenkönig wohl Thranduil bringen wollte?
Sie lief durch das Lager und rief nach einem Edhel aus Imladris. Sie fragte nach Îdrilion und er zeigte einen Pfad entlang. Er schien bei den Pferden zu sein.
Sie bedankte sich bei ihm und machte sich erneut auf den Weg zu ihrem Freund. Sie erblickte ihn, wie er einige der Pferde sattelte.
„Deins zuletzt wie immer?“, rief sie ihm belustigt entgegen, als sie sah, dass sein Pferd noch ohne Sattel und Zaumzeug zwischen den anderen stand. „Du kennst mich zu gut!“, antwortete er ihr und zog den Sattelgurt fest, mit welchem er gerade beschäftigt war. „Wann geht ihr?“, fragte sie und blieb neben ihm stehen. „Unsere Leute und die aus Lórien wollen in einer guten Stunde abziehen.“, meinte er und drehte sich zu ihr, „Aber vorher möchte ich mit dir noch etwas besprechen.“
„Ich bin ganz Ohr.“, erwiderte sie. „Lass uns doch ein Stück gehen.“, sagte er und bot ihr seine Hand an. Sie ergriff sie mit einem Schmunzeln.
„So geheimnisvoll heute. . .“, wisperte sie und lief mit ihm auf das weite Feld. „Hmm, ja. Das bin ich manchmal gern.“, meinte er grinsend, „Macht mich interessanter.“
Sie rollte mit den Augen.
„Weißt du, ich werde dich vielleicht sogar vermissen, wenn du gehst.“, sagte sie und sah zu ihren Füßen zum Gras und den bunten Blumen, die hier wuchsen. „Ach, nur vielleicht?“, fragte er amüsiert, „Na dann sollte ich vielleicht doch gehen. Du kannst mir dann ja einen Brief schicken, um mir zu sagen, wie sehr du mich vermisst!“
Ruckartig blieb die Elleth stehen und zog ihren Freund zurück.
„Moment, was?“, fragte sie sichtlich verwirrt, was ihn zum Lachen brachte. „Ich habe mit dem König bereits alles besprochen.“, erklärte er und ging weiter, sie dabei leicht an der Hand ziehend, damit sie mit ihm lief, „Ich habe ihm gesagt, dass ich bei dir sein möchte. Und da du im Düsterwald bleibst, bleibe ich auch. Er meinte, es sei für ihn in Ordnung, wenn es auch für Elrond in Ordnung ginge. Ihn hatte ich gefragt, bevor ich hierhergekommen bin.“
„Du bleibst also wegen mir?“, fragte sie erstaunt, „Du verlässt wegen mir Imladris? Unsere Heimat?“
„Ach, ich hab dir doch schon immer alles nachgemacht.“, meinte er beiläufig und winkte ab, ehe er schmunzelte, „Mich wirst du nicht mehr los!“
„Oh, glaub mir, das weiß ich schon seit Längerem!“, lachte sie und er stieg mit ein.
Für eine Weile liefen sie noch durch das Gras, schlugen dann wieder den Weg zurück in Richtung Lager ein.
Bei den Pferden angekommen, fingen beide an, sich von den anderen zu verabschieden. Sie waren bereits fast damit fertig, ihre Satteltaschen zu packen. Als sie sich verabschiedet hatten, sahen Îdrilion und Lanthiriël den Edhil beim Davonreiten zu. Erst als sie hinter einem Hügel verschwanden, drehte die beiden sich einander zu.
„Ich möchte für morgen noch ein paar Reisekräuter anfertigen.“, eröffnete sie. „In Ordnung. Ich wollte mich auch noch mit ein paar anderen wegen unserer Abreise absprechen.“, erwiderte er, „Dann sehen wir uns spätestens morgen?“
Sie nickte und die beiden umarmten sich, ehe sie in unterschiedliche Richtungen davonliefen.
Vor Thranduils Zelt angekommen, blieb Lanthiriël stehen.
„Ist er allein?“, fragte sie eine der beiden Wachen, welche nickte. Sie sah wieder zur Zeltplane und rief Thranduils Namen. Keine Antwort kam, weshalb sie lauschte und kurz abwartete. Sie hörte leise Schritte – er musste in Richtung Eingang gelaufen sein.
„Thranduil?“, fragte sie erneut und beschloss einzutreten, obwohl er sie nicht hereinbat, „Ich komme jetzt rein!“
Langsam trat sie ein, um ihm nochmal die Chance zu geben „Nein“ zu sagen. Doch es blieb ruhig.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte sie, als sie ihn zu ihr gewandt vor dem Tisch stehen sah. Sein Gesichtsausdruck schien geschockt – zwischen seinen Augenbrauen hatte sich eine Furche gebildet und sein Mund stand offen, als ob er etwas sagen wollte, aber nicht wusste wie.
„Thranduil, was ist passiert?“, fragte sie und stütze ihren Stab an einer der Zeltstangen ab, ehe sie auf ihn zulief und vor ihm stehen blieb. Sein Blick zuckte in ihr Gesicht, doch für Lanthiriël wirkte es so, als ob er durch sie hindurch sah. Auch bemerkte sie, dass seine Hände leicht zitterten – das hatten sie schon lange nicht mehr getan.
„Warte kurz.“, flüsterte sie und hob ihre Hände. Vorsichtig setzte sie ihre Fingerspitzen links und rechts an seine filigran geschmiedete Krone und hob sie ihm vom Haupt. Dann legte sie sie hinter Thranduil auf den Tisch, ohne dabei den Blick von seinem Gesicht zu nehmen.
„Besser?“, fragte sie und lächelte ihn leicht an. Er antwortete nicht, doch sie sah, dass seine Hände nicht mehr zitterten.
„Bitte sprich mit mir.“, bat sie ihn „Was ist passiert?“
Er öffnete den Mund, doch kein Wort kam heraus. Langsam und mit stockenden Bewegungen drehte er sich zur Seite. Dann deutete er mit der Hand auf eine kleine Truhe aus Holz mit metallenen Schließen auf dem Tisch.
„Ist das von König Dáin?“, fragte sie interessiert und er nickte. „Ich. . .“, hob er an und schluckte, „Ich kenne diese Truhe.“
Er sah die Truhe bloß aus dem Augenwinkel an. Schweiß stand auf seiner Stirn.
„Von früher.“, wisperte er. „Ist es- sind es die Juwelen?“, fragte sie ihn und sah wieder zur Truhe. Sie erinnerte sich an die Nacht, in der er ihr von den Juwelen Lasgalens erzählt hatte und dass er aus ihnen seiner Frau hatte Schmuck anfertigen wollen. Doch als er sie nach dem Tod seiner Frau von den Zwergen, die er damit beauftragt hatte, abholen wollte, hatten sie sie ihm verwehrt.
Thranduil antwortete nicht, sondern schaute ihr bloß ins Gesicht.
„Sollen wir sie zusammen öffnen?“, fragte sie, als sie seinen Blick bemerkte. Wieder reagierte er nicht.
„Ich kann auch wieder gehen, wenn du es allein machen möchtest.“, fuhr sie fort. „Nein!“, platzte es aus ihm hervor, ehe er seine Stimme senkte, „Bitte geh nicht.“
„In Ordnung, ich bleibe bei dir.“, ihre Worte klangen fast wie ein Versprechen, „Möchtest du, dass wir sie zusammen öffnen?“
Zögerlich wandte er den Kopf und sah erneut zur Truhe. Er schluckte schwer, ehe er langsam zurück zu Lanthiriël sah. Dann nickte er stockend.
Sie wandte sich zur Truhe und trat vor den Tisch. Er folgte ihr. Langsam streckte sie ihre rechte Hand aus und legte sie an eine der beiden Schnallen. Thranduil hingegen starrte nur auf die Truhe.
„Wir schaffen das.“, meinte sie ermutigend und lächelte ihn an. Daraufhin hob auch er die Hand und legte sie an die andere Schnalle.
Lanthiriël ließ sie nach oben schnellen. Mit einem Klacken traf das glitzernde Metall auf das dunkle Holz. Das Geräusch hallte laut in Thranduils Gedanken nach.  
Er tat es ihr zögernd gleich und die Schnalle klackte nach oben. Wieder zuckte er innerlich zusammen.  
Dann hoben sie zeitgleich den Deckel an und klappten ihn zurück.
Sofort hielt Lanthiriël die Luft an, als ihr ein sanftes, weißes Licht entgegenschien. Sie war wie gefesselt von dem Anblick der Edelsteine. Die kleine Truhe war beinahe komplett mit ihnen gefüllt. Eine aus Silber gefertigte Kette lag auf ihnen – die Edelsteine in ihr eingewoben. Dazu passende Ohrringe und zwei Armreifen.
Thranduils Gesichtsausdruck hatte sich in der Sekunde entspannt, in welcher er das Licht der Edelsteine erblickt hatte. Jetzt, wo er sie endlich wiedersah, sie endlich wieder in seinem Besitz hatte, spürte er. . . nichts.
Zumindest nicht das, was er immer erwartet hatte.
Keine bittere Freude, keinen süßen Schmerz.
Verwirrt warf er einen Seitenblick auf Lanthiriël, die weiterhin wie gebannt auf die leuchtenden Juwelen starrte. Das Licht, das von den weißen Steinen ausging, strahlte ihr Gesicht bläulich an, während das Sonnenlicht durch das Loch der Zeltdecke warm auf sie herabschien.  
Erinnerte sie sich an ihr früheres Leben?
Aber hätte sie dann nicht schon längst reagiert?
Thranduils Schultern sackten herab, als er wieder die Steine ansah, die absolut kein Gefühl in ihm auslösten.
Doch dann war es ihm plötzlich, als sei ihm eine Augenbinde abgenommen worden.
Wieso stand er hier und hoffte, dass sie sich erinnerte, wenn sie doch direkt neben ihm war?
Natürlich liebte er seine Frau – seine Liebe zu ihr könnte niemals erlöschen. Doch er liebte auch Lanthiriël. Die Elleth, die nun neben ihm stand. Dessen Atem er hörte und dessen Herzschlag er spüren konnte, wenn sie nebeneinander lagen. Dessen warme Hände er halten, dessen goldenes Haar er anfassen und in dessen grasgrünen Augen er versinken konnte.
Lanthiriël war die Elleth, die er liebte – das war er sich nun bewusst.
Sie hatte es über die Mauern geschafft, die er um sich herum aufgebaut hatte.
Nie hätte er auch nur an eine neue Liebe denken können.
Bis er sie kennengelernt hatte.  
Thranduil hob die Hand von der Juwelenkiste und legte sie an Lanthiriëls Wange, um ihren Kopf zu drehen. Und noch bevor sie reagieren konnte, lagen seine Lippen auf den ihren.
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