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Eine Liebe Jenseits Der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
19.11.2018
08.05.2021
72
87.907
44
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13.03.2021 1.584
 
67. Kapitel
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Lanthiriël war mittlerweile aufgewacht und sah durch das kleine Loch im Dach des Zeltes den Wolken dabei zu, wie sie langsam über den blauen Himmel zogen.
Nach den Feierlichkeiten im Erebor hatten Thranduil und sie sich in sein Zelt zurückgezogen. Er war ungewohnt ruhig gewesen und sie hatte bemerkt, dass er einfach nur erschöpft war. So hatten sie sich auf das kleine Lager in die weichen Felle gelegt und waren irgendwann zu den frühmorgendlichen Gesängen der Vögel eingeschlafen.
Nun lag sie auf dem Rücken und Thranduil auf ihr. Er schlief noch. Er hatte sich zwischen ihre Beine gelegt und den Kopf auf ihren Bauch gebettet. Lanthiriël hatte eine Hand in seinem Haar vergraben, mit der anderen stützte sie ihren Nacken.
Sie fühlte sich einfach unendlich wohl, so nah bei ihm zu sein und sein Gewicht auf ihrem Körper zu spüren. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie seinem stetigen Atem lauschte.
Morgen wollten die Edhil das Lager auflösen und wieder in die Waldlandhallen zurückkehren. Sie hatten all ihre Toten auf dem Schlachtfeld gefunden und sie bereits in den Palast bringen lassen. Auch die Schwerverletzten waren wieder zurück. Nur eine Handvoll Krieger war noch hier. Die Edhil Lóriens wollten heute abziehen, gemeinsam mit den Heilern aus Imladris.
„Bist du wach?“, ertönte Thranduils tiefe Stimme leise und Lanthiriël wandte den Blick vom Himmel ab, um zu ihm zu schauen. „Ja.“, antwortete sie und strich ihm ein paar verirrte Haarsträhnen aus dem Gesicht, „Wie hast du geschlafen?“
Thranduil stützte sich auf den Unterarmen ab und hob den Kopf. Er sah der Elleth ins Gesicht, ehe er anfangen musste zu lächeln.
„Gut.“, erwiderte er sanft, „Dank dir.“
„Es ist bereits Sonnenhoch. Und keine Sorge: Dieses Mal ist niemand reingekommen.“, meinte sie belustigt, „Zumindest habe ich es nicht bemerkt.“
Er schnaubte amüsiert und rollte sich zur Seite, um neben ihr auf dem Rücken zu liegen. Dann rutschte er etwas nach oben, sodass ihre Köpfe auf gleicher Höhe waren.
„Oh.“, kam es von ihm, als er das Loch im Dach des Zeltes sah. Sie folgte seinem Blick.
„Ich habe die Wolken beobachtet, während du geschlafen hast.“, meinte sie, „Ich habe sogar ein paar Vögel vorbeifliegen sehen. . . das habe ich vermisst, weißt du? Den Himmel und die Wolken und die Vögel zu sehen. In Imladris bin ich immer einen geheimen Gang hinter einem Wasserfall aufgestiegen und habe mich oben auf die Kante einer Klippe gesetzt. Meilenweit konnte ich über die Schlucht sehen, während hinter mir das Gebirge in die Höhe ragte. Vogelgesang erfüllte die Luft und ich sah der Sonne beim Aufgehen zu. Aber seit dem Unfall mit der Lawine konnte ich es nicht mehr machen. . .“
Thranduil lauschte ihrer lieblichen Stimme gern. Doch plötzlich klang sie so traurig.
„Möchtest du wieder zurück in deine Heimat?“, fragte er, „Die Vögel singen hören und die Weiten des Landes sehen? Dein Freund und seine Edhil sind noch nicht gegangen.“
Lanthiriël wandte den Kopf, um ihn anzusehen.
„Wenn du möchtest, dass ich gehe, werde ich es tun.“, antwortete sie ihm, was ihn dazu brachte sie anzuschauen. „Ich denke, du weißt meine Antwort darauf.“, erwiderte er und sie nickte. Beide sahen wieder nach draußen.
„Außerdem haben Fanuiël und Feren mich zum Essen eingeladen. Da kann ich doch nicht einfach gehen.“, meinte sie amüsiert. „Oh ja. Der einzige Grund zu bleiben.“, meinte er und lachte leise, „Feren kann tatsächlich sehr gut kochen.“
Lanthiriël schüttelte schmunzelnd den Kopf. Kurz darauf allerdings erstarb ihr Lächeln.
Warum fühlte es sich bloß so vertraut an, mit Thranduil hier zu liegen?
War es so, weil sie sich nichts sehnlichster gewünscht hatte, als mit ihm zusammen zu sein?
Oder war es unbewusste Erinnerung an ihr früheres Leben?
Letzteres ließ sie die Stirn runzeln.
Sie wusste, dass Thranduil noch immer den Wunsch hegte, dass sie sich erinnerte. Diese Hoffnung würde für ihn niemals sterben.
In letzter Zeit hatte sie auch wieder Träume. Zunächst wollte sie daran glauben, dass sie von sich träumte, doch sie wusste, dass es Thranduils Frau war, die sie vor ihrem inneren Auge sehen konnte. Doch erinnern an ihr früheres Leben konnte sie sich noch immer nicht.
Sie beschloss, ihren Geliebten nicht darauf anzusprechen. Sie wollte ihm nicht einen Lichtblick geben, wo keiner war.
„Valerwén sagte, er möchte mich, nachdem ich im Palast bei ihm angekommen bin, gründlich untersuchen.“, wechselte sie das Thema, um sich von dem Gedanken abzulenken, Thranduil zu enttäuschen, „Er sagt, er hätte gespürt, dass es mir noch nicht wieder komplett gut geht. Durch den Vorfall im Wald hätte ich noch nicht all meine Kräfte zurück. Außerdem hat er den Gedanken geäußert, dass er mich normalerweise bei Verletzten nicht hätte helfen lassen, aber dass die Umstände jede Unterstützung gebraucht hatten.“
Thranduil drehte sich auf die Seite, um sie anzusehen.
„Er hat Recht.“, meinte er, „Ich habe mir auch Sorgen gemacht, dass es vielleicht zu viel für dich sein könnte. Ruhe ist das oberste Gebot, wenn wir wieder in den Hallen sind.“
Nun drehte sie sich zu ihm. Ein Seufzen verließ ihre Lippen.
„Normalerweise würde ich dir widersprechen, aber ich kann es spüren.“, meinte sie, „Wie ein Hämmern in meinem Schädel, das nicht verschwinden will. Nachdem die Verletzten das Lager verlassen hatten, hat es allerdings abgenommen. Sie sind außer Gefahr und das beruhigt mich immens. Jetzt ist es eher mein Körper, der mir Probleme bereitet.“
Thranduil strich Lanthiriël vorsichtig eine verirrte Haarsträhne aus ihrem Gesicht und steckte sie hinter ihr spitzes Ohr.
„Es wird vorbeigehen.“, sagte er sanft und legte seine Hand auf ihre Wange. Seine Worte hörten sich wie ein Versprechen an.
„Ich hoffe es.“, murmelte sie und genoss seine Berührung. Er strich langsam mit seinem Daumen über ihre Wange, ehe seine Hand in ihren Nacken wanderte. Er runzelte leicht die Stirn, als er über ihre Kehle strich – die Narbe fehlte.
Sonst hatte eine Narbe an ihrer Kehle geprangt.
Er schloss die Augen.
Warum musste er schon wieder an seine Frau denken?
Konnte er nicht einfach diesen Moment mit Lanthiriël genießen?
Er hatte alles ihm Erdenkliche getan, das vielleicht ihre Erinnerung hätte zurückbringen können, doch nichts hatte geholfen. Doch mit dem Gedanken, nie wieder mit seiner Frau sprechen und sie in den Armen halten zu können, wo sie doch so nah zu sein schien, könnte er sich wohl nie abfinden. Er wollte es, er hoffte es, für Lanthiriël. Er wusste, dass es ihr Schmerz zufügte, wenn er seine Frau in ihr sah. Zwar hatte sie vor ein paar Tagen darüber gelacht und wollte mehr über sie wissen, doch es musste ihr weh tun.
Wie könnte es das auch nicht?  
Bevor Lanthiriël fragen konnte, was mit ihm los war, da sie die Änderung in seinem Ausdruck genau hatte beobachten können, ertönte eine Stimme außerhalb des Zeltes:  
„Aran nín?“
Thranduil erhob sich und lief herüber zu dem Tisch, um seine Krone zu ergreifen.
„Dáin Eisenfuß schickt Euch etwas.“, drang die Stimme einer der Wachen erneut in das Zelt.
Der König runzelte die Stirn.
Was wollte der Zwerg nun schon wieder?
Hatte er ihm erneut eine Nachricht geschickt, in welcher er etwas von ihm verlangte?
Genervt rollte Thranduil mit den Augen.  
„Ich werde dich kurz allein lassen.“, meinte Lanthiriël und er reichte ihr ihren Stab, „Ich gehe mich von Îdrilion und den anderen aus Imladris verabschieden. Es sollte nicht lange dauern.“
Er nickte und setzte sich seine Krone auf. Das war für die Elleth das Zeichen zu gehen. Sie verließ auf ihren Stab gestützt das Zelt und ließ die Wache eintreten.
„Aran nín.“, eröffnete diese, als die Plane hinter ihr zuschlug, „Ein Geschenk von König Eisenfuß.“
Mit hochgezogener Augenbraue sah Thranduil auf die Truhe, die die Wache in der Hand hielt, welche in ein Tuch eingeschlagen war.
„Er bestand darauf, dass Ihr es annehmt.“, fügte die Elleth hinzu, ehe er es ablehnen konnte. „Meinetwegen.“, erwiderte er grimmig und setzte sich an den Tisch, „Stellt es hierher.“
Er deutete auf die Tischplatte und sie kam seiner Anweisung nach, ehe sie sich verbeugte und das Zelt verließ.
Thranduil betrachtete für einen Moment die Truhe. Argwohn lag in dem Eisblau seiner Augen und ließ seinen Blick noch stechender erscheinen als er normalerweise war.
Schickte Eisenfuß ihm etwas als Dank, dass der Arkenstein zurück im Erebor war?
Nein – eine solche Tat passte nicht zu dem starrköpfigen Zwerg.
Thranduil lehnte den Kopf zur Seite.
Sich selbst hatte er jedoch auch nicht zugetraut, das Königsjuwel zurückzugeben. Er hatte es allerdings getan.
Hier stand nun also eine Truhe vor ihm, von Eisenfuß, der darauf bestanden hatte, dass er sie annahm. Was auch immer sich in ihr befand.
„Aran nín?“, ertönte erneut sein Titel durch die Zeltplane. „Herein.“, rief er geistesabwesend, während er weiterhin auf den grauen Stoff starrte, in welchem die Kiste eingeschlagen war. Eine Wache betrat sein Zelt und verbeugte sich vor ihm. Er wandte sich zu dem Edhel und bedeutete ihm zu sprechen.
„Rinal hat eine Nachricht für Euch geschickt.“, eröffnete er und Thranduil horchte interessiert auf.
Er hatte Rinal und seine Edhil auf eine Mission geschickt, kurz bevor er mit seinem Heer die Hallen verlassen hatte. Sie sollten das dreckige Menschenpack finden, das Lanthiriël im Wald vergiftet hatte, um es zur Strecke zu bringen.
„Seine Mission war erfolgreich. Es gab keine Verluste auf unserer Seite.“, schloss die Wache und wurde daraufhin von ihrem König fortgeschickt.
Eine Sorge weniger, um die Thranduil sich Gedanken machen müsste.
Sein Blick fiel erneut auf die Kiste vor sich und er hob die Hand, um das Tuch zurückzuschlagen.
Was er dann sah, verschlug ihm den Atem und ließ sein Herz sich schmerzvoll zusammenziehen. . .
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