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Eine Liebe Jenseits Der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
19.11.2018
08.05.2021
72
87.907
44
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Dieses Kapitel
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27.02.2021 1.571
 
Vielen Dank für die neuen Sternchen!
Wie immer viel Vergnügen beim Lesen und bleibt gesund
Eure ILoveKingT


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66. Kapitel
Lang Lebe Der König

Das warme Licht der Fackeln und Kerzen erhellte die Halle, in welcher sich Zwerge, Menschen und ein paar Elben eingetroffen hatten. Ganz vorn standen Dáin und die Kompanie Thorin Eichenschilds. Sie verabschiedeten sich von ihrem gefallenen König und seinen Neffen.
Thranduil stand gemeinsam mit Lanthiriël und seinen Edhil sowie denen aus Imladris und Lórien etwas abseits und hörte den Reden zu, die gehalten wurden. Er wunderte sich, dass er Tauriel nicht erblicken konnte, als er seine Augen über die Anwesenden gleiten ließ. Sie war es doch schließlich gewesen, die ihm gesagt hatte, dass sie den Zwerg, welchem sie ihr Herz geschenkt hatte, begraben wollte.
Tauriel und er waren sich kurz nach der Schlacht erneut begegnet. Während der Schlacht hatte sie ihn noch bedroht und geradezu beleidigt, doch danach war ihr feuriges Temperament verschwunden.
Er hatte die Elleth auf einer Anhöhe am Berg gefunden – trauernd um einen der Zwerge aus Thorin Eichenschilds Gemeinschaft.
Thranduil wandte den Blick zu dem Zwerg, der hier nun aufgebahrt war. Als er ihn dort so regungslos liegen sah, erinnerte er sich an Tauriels Frage:
„Warum tut es so weh?“
In dem Moment hatte er erkannt, dass sie diesen Zwerg liebte. Mit all ihrem Herzen.
Es war eine junge Liebe, die so hätte werden können wie die zwischen Thranduil und seiner Frau. Doch bevor die beiden auch nur die Chance hatten tatsächlich zusammen zu sein, hatte sie so geendet wie die des Elbenkönigs:
Im Tod.  
Thranduil hatte der Elleth geantwortet, dass es so schmerzte, da es wahrhaftig sei, was sie für den Zwerg fühlte. Und in diesem Augenblick hatte Tauriel erkannt, dass ihr König ganz genau wusste, wovon er sprach. Über wen er sprach.
Jetzt wandte er den Blick von den Toten ab und sah aus dem Augenwinkel herüber zu Lanthiriël.
Diese konzentrierte sich auf die Rede, die einer der Zwerge zu Ehren des toten Königs und seiner Neffen hielt. Trauer hatte sich über die meisten der Anwesenden gelegt und wirkte sich auf diejenigen aus, die gekommen waren, um den Toten ihren Respekt zu zollen.
Lanthiriël richtete den Blick auf den Hobbit, der vor dem regungslosen Thorin Eichenschild stehenblieb. Sein Gesicht war vor Schmerz verzogen, als er auf seinen Freund hinabblickte. Die Elleth spürte den Schmerz Bilbos deutlich aus der Menge hervorstechen und musste den Blick abwenden. Es war einfach zu viel für sie.
Sie wusste, wie es war Bekannte zu verlieren, doch dergleichen hatte sie noch nie erlebt. Eine Schlacht und die Auswirkung auf die, die zurückblieben, hatte sie sich grauenvoll vorgestellt, aber niemals derart niederschmetternd.
Sie wurde unweigerlich an ihre Mutter erinnert.
Lanthiriël musste die Augen schließen, da sie Tränen in ihren brennen spürte.
Plötzlich nahm jemand ihre Hand in die seine. Sie hob den Blick und sah Thranduil an, der ihre Hand ergriffen hatte, jedoch nicht darauf einging und einfach weiter geradeaus sah. Ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie es ihm gleichtat und ebenfalls geradeaus schaute.
Mittlerweile war Dáin Eisenfuß nach vorn getreten und hielt eine Rede:
„. . . Ohne Thorin und seine Neffen wäre Azog nicht gefallen. Wir hätten die Orks nicht bezwingen können. Keiner von uns! Weder Zwerg noch Mensch oder Elb. Selbst ohne König zu sein, war er einer der größten Anführer, die wir Zwerge je hatten. Die ganz Mittelerde je gesehen hat! Mit größtem Respekt trete ich seine Fußstapfen und sage – lasst uns feiern. Für Thorin! Für Erebor!“
Die Zwerge fingen an zu jubeln, als Dáin nach vorn trat und sich auf ein Knie sinken ließ. Als ihm die Krone aufgesetzt wurde und er sich erhob, war es wieder still.
„Der König ist tot, lang lebe der König!“, verkündete ein weißhaariger Zwerg und Hörner erklangen.  
„Lang lebe der König!“, wiederholten die anderen Anwesenden laut, „Lang lebe der König!“  
Selbst von Thranduil kamen diese Worte, wenn auch nur als Flüstern.
Als die Rufe verebbten, rief der frisch gekrönte König unter dem Berge die Feierlichkeiten aus. Die Zeit der Trauer sollte vorbei sein und die Zeit der Freude beginnen. Alle begannen nach und nach die Halle der Toten zu verlassen, um in die große Halle zu gelangen, wo für Speis, Trank und Musik gesorgt wurde.
Lanthiriël sah den Menschen und Zwergen beim Gehen zu. Ihr Blick fiel auf Fanuiël, die, noch auf eine Krücke gestützt, sich mit einem Zwerg unterhielt. Es war Dwalin, mit welchem sie sprach. Die Elleth lächelte den Zwerg an, der hin und wieder nickte. Dann verließ Fanuiël ihn, Feren war sofort wieder an ihrer Seite. Lanthiriël begann zu schmunzeln, als sie ein leichtes Lächeln von Dwalin erkannte, ehe auch er die Halle verließ.
Thranduil hingegen hatte seinen Blick weiterhin geradeaus auf die Toten gehalten. Er starrte geradezu zu Thorin herüber. Mit einer schnellen Handbewegung entließ er seine Edhil – sie sollten sich den Feierlichkeiten anschließen, wenn sie es denn wollten.
Nun waren Lanthiriël und Thranduil allein.
Letzterer spürte wie seine Hand gedrückt wurde.
Erneut.
Langsam wandte er den starren Blick von den Totenbahren ab und ließ ihn zu seiner Hand wandern.
Lanthiriël hatte bemerkt, dass Thranduil anfing in die Richtung Thorins zu starren und dass sein Atem begann schwerer zu werden, weshalb sie seine Hand leicht drückte. Solange, bis sie es schaffte, ihn wieder ins Diesseits zu holen. Er drückte leicht zurück und sie trat vor ihn, dabei seine Hand noch immer festhaltend.
„Soll ich mitkommen?“, fragte sie ihn leise, „Oder möchtest du es allein machen?“
Sein Blick fiel wieder auf Thorin und er öffnete den Mund, doch keine Worte kamen hervor. Stirnrunzelnd sah er Lanthiriël ins Gesicht und drückte ihre Hand, in der Hoffnung, sie würde es verstehen.
„Komm.“, meinte sie daraufhin und lief langsam voraus, um vor Thorins Bahre stehenzubleiben, „Ich lasse dich in Ruhe. Ich möchte mich noch bei Fili und Kili verabschieden.“
Langsam ließ sie seine Hand los und wandte sich zuerst dem älteren der beiden Brüder zu, um sich bei ihm zu bedanken. Ohne ihn und seinen Bruder wäre Lanthiriëls Entscheidung Imladris zu verlassen vielleicht erst viel später gefallen. Doch nun war sie froh, hier sein zu können – auch wenn es bedeutete, den Tod vor Augen gehalten zu bekommen.
Thranduil indessen betrachtete Thorin.
Wäre seine Haut nicht bereits ergraut, hätte man annehmen können, dass er friedlich schlief. Seine Hände waren auf seinem Bauch gefaltet und hielten sein Schwert, Orkrist, mit welchem er Azog erschlagen hatte.
Das letzte Mal als er ihm so nah war, hatte Thorin ihn als ehrenlosen Lügner bezeichnet. Thranduil hatte entgegnet, dass er schlichtweg auf den Tod des Zwergen warten könnte – auch Jahrhunderte, wenn es sein musste. Doch Ilúvatar hatte anders gespielt.
Thranduil atmete einmal tief durch.
„Ich werde nie vergessen können, was Euer Großvater getan hat.“, hob er an, doch gegen seiner Erwartung war kein Zittern in seiner tiefen Stimme zu hören, „Doch Lanthiriël hat Recht – es geht nicht darum, wer besser oder schlechter ist. Ihr seid nicht Euer Vater und Ihr seid definitiv nicht Euer Großvater. Ihr habt Euch von der Krankheit des Drachen befreit und nicht nur Euer Volk, sondern vielleicht gar ganz Mittelerde gerettet. . . Ich bin bereit, zu vergeben. Und ich hoffe, dass Euer Nachfolger es auch ist.“
Er griff in die Tasche seines Gehrockes und holte etwas in Leder Gebundenes hervor. Vorsichtig platzierte er den Arkenstein auf Thorins Brust. Das blau-weiße Juwel gab ein leichtes Licht von sich und kleine Adern in ihm glitzerten golden.
Thranduil ließ ihn langsam los, dann sah er auf erblickte den Rücken Lanthiriëls. Sie verbeugte sich gerade vor Kili. Als sie sich aufrichtete runzelte sie kurz die Stirn, als sie einen weißhaarigen Zwerg im Schatten verschwinden sah. Er hatte vorhin die Rede gehalten und sie meinte, ihn auch schon mit Thorin in Imladris gesehen zu haben. Er würde seinem König sicher erzählen, was gerade geschehen war. Sollte er doch – Dáin hätte sowieso erfahren, dass Thranduil den Arkenstein zurückgegeben hatte, wenn sie ihn später auf Thorins Brust funkeln sähen.
Sie drehte sich zu dem Edhel um, der auf sie zulief. Sie streckte ihre Hand nach ihm aus und er ergriff sie, sobald er bei ihr angekommen war.
„Wie geht es dir?“, fragte sie zögerlich. Thranduil jedoch konnte nicht wirklich antworten und nickte bloß langsam. Hand in Hand liefen sie in Richtung der großen Halle, aus welcher sie bereits Musik erklingen hörten. Sie betraten die Halle und wurden sofort von lauten Klängen, Lachen und dem Geruch nach Speis und Trank empfangen genommen.
Die Anwesenden feierten ausgelassen. Mensch sowie Zwerg hatten sich vermischt und sprachen aufgeregt miteinander, tauschten Geschichten über die Schlacht aus. Selbst ein paar Elben waren da, sie blieben jedoch eher unter sich.
„Schau!“, rief Lanthiriël und lächelte breit – die Stimmung war ganz anders als die letzten Tage, „Da sind Îdrilion, Feren und Fanuiël. Wollen wir uns zu ihnen gesellen?“
Sie sah zu Thranduil auf, der unschlüssig zu den Edhil herübersah.
„Oder möchtest du lieber ins Zelt zurück?“, fragte sie nach, als sie ihn so sah. Es war eigenartig für sie ihn derart still zu erleben.
„Nein, lass uns zu ihnen gehen.“, antwortete er und sie strahlte ihn daraufhin an, ehe sie losliefen. Sofort wurde ihnen Hörner mit Met in die Hand gedrückt, als sie bei den Edhil ankamen und Îdrilion erzählte einer seiner berühmt berüchtigten Kriegsgeschichten.
Gefeiert wurde noch bis spät in die Nacht und in den frühen Morgen hinein, dabei waren nach langer Zeit Menschen, Zwerge und Elben vereint.
Ohne Streit und Missgunst.
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