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Eine Liebe Jenseits Der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
19.11.2018
08.05.2021
72
87.907
44
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13.02.2021 1.933
 
65. Kapitel
Einander Helfen

Thranduil hörte, dass die Plane am Eingang zu seinem Zelt zurückgeschlagen wurde.
„Ich sagte, ich will-“, hob er laut an, doch sein Satz lief ins Nichts, als er sah, wer hereinkam. Seine angestrengten Gesichtszüge entglitten ihm und er blickte die Elleth überrascht an, die ein paar Meter von ihm entfernt dastand. Mit einem Korb voll von Heilmaterialien in der einen und ihren Stab in der anderen Hand.  
„Thranduil.“, eröffnete sie und neigte kurz ihr goldenes Haupt. „Lanthiriël. . .“, erwiderte er, doch ihr Name kam bloß wie ein Hauchen von seinen Lippen. „Ich möchte mir deinen Bauch nochmal ansehen.“, erklärte sie und lief in die Mitte des Zeltes, um den Korb abzustellen, „Nicht, dass die Wunde dich noch beeinträchtigt.“
Sie wandte sich zu ihm und sah ihn erwartungsvoll an.
„Nun?“, fragte sie und zog ihre Augenbrauen in die Höhe.
Thranduil wusste, dass nun Lanthiriël die Heilerin zu ihm sprach.
„Du musst deine Tunika ausziehen, damit ich dich richtig untersuchen kann.“, stellte sie klar und krempelte ihre Ärmel hoch. Dieses Mal nickte er bloß und tat, was sie verlangte, ehe er auch seine Krone abnahm. Sie hockte sich vor ihm hin und betrachtete die Stelle an seinem Bauch, an der zuvor die Schnittwunde gewesen war.
„Sieht gut aus.“, murmelte sie eher zu sich selbst, während Thranduil damit beschäftigt war, nicht ihre Haare anfassen zu wollen – genauso wie zwei Tage zuvor. So verschränkte er erneut die Finger ineinander und packte die Hände in seinen Nacken.
Lanthiriël drückte leicht ihre Finger in seine Haut, um zu sehen, ob es ihm noch schmerzte.
„Wenn es weh tut, gibst du mir Bescheid.“, meinte sie und er nickte erneut. Sie drückte stärker in seine Bauchdecke, doch die Muskeln gaben nicht nach.
„Du musst locker lassen.“, ermahnte sie ihn. Er atmete einmal tief ein und wieder aus und sie drückte erneut neben seinem Hüftknochen in die Haut. Jedoch erzielte dies das gleiche Ergebnis wie zuvor.  
„Hmm.“, kam es von ihr, „Also entweder lässt du nicht locker oder deine Muskeln sind noch wegen der Wunde und meiner Magie verhärtet. Das ist aber vollkommen normal. Ich trage zur Sicherheit eine Salbe auf, die deine Muskeln aufwärmt, sodass sie sich entspannen können.“
Sie erhob sich und holte ein kleines Gefäß aus dem Korb hervor, ehe sie sich wieder vor Thranduil hinhockte und begann die Salbe mit einem Tuch zu verteilen.
„Es wird warm werden.“, erklärte sie ihrem Patienten, während sie sich Zeit nahm, die Salbe richtig einzureiben. Thranduil betrachtete sie lediglich dabei und versuchte ihre Berührungen und die Wärme zu genießen.
„Lanthiriël.“, hob er nach einer Zeit der Stille an, „Ich denke, ich bin dir eine Erklärung schuldig.“
Sie reagierte nicht und wartete einfach ab, was er zu sagen hatte, während sie seine Bauchdecke weiter eincremte.
„Es war falsch von mir, dich einfach so in meinem Zelt zurückzulassen.“, fuhr er fort und ließ seine Arme wieder sinken, „Ich hätte anders reagieren müssen.“
„Nein.“, erwiderte die Elleth und erhob sich, während sie sich die Hände an dem Tuch abwischte, „Ich hätte wissen müssen, dass du so reagieren würdest, nach dem, was ich zu dir gesagt habe. Es war zu persönlich.“
Sie legte das Tuch zur Seite auf den Tisch und ergriff zaghaft seine Hände, ehe sie sie leicht anhob und betrachtete.
„Ich. . .“, hob sie an und suchte nach den richtigen Worten, „Ich vergesse manchmal, wie wenig wir uns eigentlich kennen. Ich bin deine Stimmungsschwankungen noch nicht gewohnt und weiß manchmal einfach nicht, wie ich damit umgehen soll oder wie ich sie verhindern kann.“
Ihre Worte hallten in seinen Gedanken nach. Aber sie hatte Recht:
Sie und er kannten sich kaum.
„Du bist mir keine Erklärung schuldig.“, fuhr Lanthiriël fort und ergriff ihren Stab, um zur kleinen Schlafstatt herüberzugehen und sich zu setzen, „Ich denke, ich habe eine Ahnung, warum du so reagiert hast.“
Thranduil nahm seine Tunika und zog sie sich über, ehe er sich neben die Elleth in die Felle setzte.
„Nimm mindestens meine Entschuldigung an.“, meinte er zu ihr. „Wenn deine Fea sich dann dadurch ruhiger fühlt, tue ich das.“, erwiderte sie und lächelte ihn an.
Eine kurze Zeit der Stille kam erneut zwischen ihnen auf.
„Möchtest du hören, was ich für eine Erklärung halte?“, fragte sie ihn vorsichtig und er nickte nach einem Moment des Zögerns. Sie drehte sich mehr zu ihm und atmete kurz durch. Hoffte, dass er nicht so abweisend reagieren würde wie das letzte Mal, als es persönlicher wurde. Davor hatte er schließlich offen mit ihr gesprochen.
„Ich denke, dass du dir verboten hast nach dem Tod deiner Frau jemand anderen auf eine ähnliche Art und Weise in dein Leben zu lassen.“, erklärte sie und brachte sich dazu in sein Gesicht zu sehen. „Ada hat genauso reagiert wie du. Er verbot sich jegliche Liebe, nachdem Naneth gestorben ist. Zuerst auch die Liebe zu mir.“
Thranduil sah sie überrascht an.
„Habe ich damit Recht?“, fragte sie ihn. „Ja.“, seine Stimme war seltsam belegt und er räusperte sich, „Da. . . da ist etwas, das ich für dich empfinde, das ich seit langem nicht mehr so gespürt habe. Und du hast Recht damit, dass ich außer Trauer und Wut mir alle anderen Gefühle verboten habe, die auch nur annähernd positiv sein könnten.“
„Bitte versuch, mit mir zu sprechen, anstatt mich abzublocken, wenn so etwas passiert.“, bat sie ihn und ergriff erneut seine Hände, „Sag mir, was ich tun soll oder zeig es mir irgendwie.“
Er führte ihre Hände zu seinen Lippen.
„Ich werde es versuchen.“, flüsterte er und küsste ihre Haut, „Aber versuch du, Geduld mit mir zu haben. Ich weiß, dass ich nicht gerade den leichtesten Charakter habe.“
Beide lachten leise auf Thranduils Aussage hin.
„Aran nín?“, ertönte eine Stimme durch die Zeltplane.
Thranduil ließ Lanthiriëls Hände langsam los und fragte in Richtung Zelteingang, warum er gestört wurde. Die Wache erwiderte, dass es von äußerster Wichtigkeit war.
Ein Seufzen entfuhr seinen Lippen und Lanthiriël konnte beobachten, wie Thranduils bis eben noch so weiche Gesichtszüge härter und kälter wurden. Er setzte die Maske des Königs auf. Selbst seine Krone, die auf dem Tisch lag, hätte ihn nicht noch autoritärer erscheinen lassen können, hätte er sie nun getragen.
Er ließ die Wache eintreten, die sich sogleich verbeugte.
„Dáin Eisenfuß hat einen seiner Vertreter zur Lagergrenze geschickt. Er hat eine Nachricht für Euch, die er nur Euch mitteilen möchte.“, erklärte sie und sah dabei zu Boden.
Für Lanthiriël war es noch immer eigenartig, dass Thranduils Untertanen ihn nie direkt ansahen. Bei Herrn Elrond war dies anders.
„In Ordnung, ich komme. Kein weiterer Zwerg betritt dieses Lager.“, erwiderte er und erhob sich, ehe er sich an Lanthiriël wandte, „Ich bin gleich wieder zurück.“
Sie nickte und sah ihm dabei zu, wie er seine Krone aufsetzte, ehe er ging.  
Kurzerhand entschloss sie sich dazu, ein paar Kräuter zu mischen, die sie für ihren nächsten Einsatz im Lazarett nutzen könnte, während sie darauf wartete, dass Thranduil zurückkehrte.
Nach einer Weile kam er in das Zelt gestürmt. Jegliche gute Laune war verflogen und er ließ sich mit einem wütenden Zischen in seinen Stuhl am Tisch fallen.
Da er vor sich hin starrte und nicht auf die Elleth reagierte, fuhr diese einfach mit ihrer Arbeit fort. Doch nach einer ganzen Weile der Stille konnte Lanthiriël sich nicht mehr zurückhalten.
„Was beschäftigt dich, Thranduil? Ich kann deine Gedanken geradezu rasen hören.“, fragte sie ihn und sah zu ihm herüber. Er saß noch immer steif auf dem Stuhl, der einem Thron ähnelte, hatte das Kinn auf die Faust gestützt und die Augenbrauen angestrengt zusammengezogen.
„Das hier beschäftigt mich.“, antwortete er und erhob sich, um etwas aus der Innentasche seines Mantels hervorzuziehen. Er legte etwas in ein Tuch Gebundenes auf den Tisch und schlug es dann zurück.
Lanthiriël klappte der Mund auf. Mit stockenden Bewegungen legte sie ihre Materialien zur Seite und stand auf, um sich auf die andere Seite des Tisches zu stellen.
„Ist das. . ?“, hob sie an und Thranduil nickte, „Feren hatte mir erzählt, dass der Drachentöter ihn hätte.“
Ihre Augen konnten sich kaum von dem leuchtenden Juwel trennen, das vor ihnen auf dem Tisch lag.
Der Arkenstein.
„Als er sah wie viel Leid ein einzelner Edelstein bringen kann, gab er ihn mir nach der Schlacht zurück.“, erwiderte er und starrte ebenfalls weiterhin darauf. „Aber wieso gab er ihn dir und nicht den Zwergen? Rechtmäßig gehört dieser Stein Thorin Eichenschild, oder etwa nicht?“, meinte sie.  
Diese Frage entlockte dem König ein Schnauben und er wandte sich vom Tisch ab, um ein paar Schritte zu gehen.
„Er hat für diesen Edelstein einen Krieg angefangen! Die Zwerge haben hunderte meiner Krieger getötet! Soll ich etwa beeindruckt sein, dass er dann doch noch kam und kämpfte, nur weil er sich von dem Wahnsinn der Drachenkrankheit lösen konnte?“, seine Stimme war voller Spott und sein Blick eisiges Feuer, als er sich zu ihr umdrehte.
Lanthiriël blieb ruhig und sah ihm in die Augen.
„Ich weiß, dass du es bist.“, erwiderte sie und nahm damit Thranduil den Wind aus den Segeln. Er sah sie verblüfft an und wusste zunächst nichts zu sagen.
„Ich habe die Zwerge und den Hobbit kennengelernt, weißt du? Sie blieben für eine kleine Weile in Imladris. Der Weiße Rat hat versucht sie aufzuhalten, aber Gandalf. . . nun, du weißt, wie der Zauberer ist.“, sie schmunzelte kurz als sie an ihn dachte, ehe sie fortfuhr, „Thorin war ein rechtschaffener Mann. Ich hatte nur ein Gespräch mit ihm, aber ich habe sofort das Gute in ihm gesehen. Und seine Neffen? Fili und Kili haben mir bei etwas geholfen. Sie haben mich aufgemuntert und mir Mut gegeben. Sonst wäre ich jetzt vielleicht nicht hier.“
Thranduil runzelte die Stirn und schien ihre Worte langsam zu verstehen.
„Keiner von ihnen hat den Tod verdient und doch sind sie gestorben. Mit Schwertern in den Händen, um das zu verteidigen, was ihn lieb ist.“, erklärte sie, „Und damit meine ich kein Gold und keine Edelsteine. Ich spreche von ihrer Heimat. Von Mittelerde! Was meinst du, wäre passiert, hätten die Orks die Schlacht gewonnen? Sie hätten einen strategischen Punkt, den Erebor, eingenommen und hätten die Herrscher von drei Reichen getötet. Dáin, Thorin und dich. . . Vielleicht sogar Legolas.“
Thranduil hatte gar nicht bemerkt, dass er die Luft angehalten hatte, bis er sie scharf ausstieß, als der Name seines Sohnes fiel.
„Warum also hältst du so sehr daran fest? Warum gibst du ihnen den Stein nicht zurück? Ich kann dich begleiten, wenn du möchtest.“, schlug Lanthiriël vor und lief ein paar Schritte zu Thranduil herüber. „Warum, fragst du?“, seine Stimme war zischend und sein Blick kalt, „Weil sie etwas haben, das rechtmäßig mir gehört!“
Sie blieb stehen und beobachtete ihn dabei, wie er sich in Rage redete.
„Edelsteine! Edelsteine aus purem Sternenlicht! Sie sind ein Familienerbstück und ich habe sie den Zwergen gegeben, um Schmuck daraus anfertigen zu lassen. Und was haben sie getan?! Mir mein Erbe verwehrt! Mir und meiner-“, er brach ab und stieß einen unterdrückten Schrei aus. „So mach du doch den ersten Schritt, Thranduil. Es geht doch nicht darum, wer besser oder wer schlechter ist. Es geht um das Verzeihen.“, sie lief auf ihn zu und legte ihre Hände auf seine vor Wut bebenden Schultern, „Ich gehe auch mit dir. Ich bin hier und ich werde dich auf deinem Weg begleiten.“
Plötzlich fiel der ganze Zorn von dem König ab, der in diesem Moment nichts weiter war als ein gebrochener Mann. Er verstand, welche Bedeutung hinter Lanthiriëls Worten lag. Hatten sie doch vorhin erst beide voneinander gebeten, sich gegenseitig zu helfen und miteinander Geduld zu haben.
Ihre Blicke trafen sich.
Und als Thranduil sacht nickte, schloss sie ihn in eine Umarmung.
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