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Eine Liebe Jenseits Der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
19.11.2018
08.05.2021
72
87.907
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30.01.2021 2.185
 
64. Kapitel
Wiedervereint

Die Elleth lief schnellen Schrittes durch das Lager der Waldlandelben vor dem Erebor. Ihr König hatte ihr vor einigen Tagen aufgetragen, ihn zu unterrichten, sollte sich etwas am Zustand von Fanuiël geändert haben. Und das hatte es in der Tat.
Eine Wache vor Thranduils Zelt hielt sie auf.
„Halt. Der König möchte nur dringende Nachrichten empfangen.“
„Es ist dringend.“, erwiderte die Elleth, „Er selbst hat mir aufgetragen, ihn zu unterrichten.“
Die Wache nickte und ließ sie vorbei.
„Aran nín?“, hob sie an und schlug den Vorhang zur Seite, um einzutreten, „Ihr wolltet, dass-“
Wie angewurzelt blieb sie stehen und sah herüber zu der kleinen Schlafstatt. Lanthiriël und Thranduil saßen angelehnt in den weichen Fellen. Der Kopf des Königs war auf die Schulter der Elleth gesunken, während er sie in seinen Armen hielt. Er schlief.
Lanthiriël jedoch war wach und legte den Zeigefinger an die Lippen, um der Elleth zu bedeuten, leise zu sein. Diese riss sich aus ihrer Starre los und nickte schnell, ehe sie zu flüstern begann:
„Fanuiëls Zustand hat sich geändert – Feren ist noch immer bei ihr. Weiterhin ist eine Truppe Heiler aus Imladris und Lórien eingetroffen. Sie haben sich auf unser Lager, das der Menschen und das der Zwerge verteilt, um zu helfen.“
Lanthiriël nickte und bedankte sich lautlos bei ihr, dann verließ die Elleth das Zelt.
Lanthiriël drehte den Kopf und lehnte ihn an Thranduils. Ruhig atmete sie einmal tief durch. Wie sie sich wünschte, dieser Moment könnte ewig anhalten:
Nur Thranduil und sie hier in Ruhe in diesem Zelt. All die Probleme und Schwierigkeiten und die dringenden Aufgaben, die draußen auf sie warteten, vergessend.
Gestern hatten er und sie noch viel miteinander gesprochen. Er hatte ihr von seiner Frau erzählt. Lanthiriël hatte feststellen müssen, dass sie sich tatsächlich sehr ähnlich waren. Sie hatten den gleichen Sinn für Gerechtigkeit, die gleiche Willensstärke, die gleiche Sanftmütigkeit, die jedoch in hitziges Temperament umschlagen konnte, wenn genug dafür geschehen war.
Die beiden Edhil saßen den ganzen Abend und die ganze Nacht aneinander gelehnt und tauschten Geschichten aus, bis sie schließlich eingeschlafen waren.
Gern würde Lanthiriël hier weiterhin sitzen und Thranduils ruhigen Atem zuhören. Ihm wenigstens noch etwas länger Ruhe lassen. Doch sie wusste, dass sie beide gebraucht wurden.  
Sie seufzte.
Vorsichtig, um ihn nicht zu erschrecken, legte sie die Hand auf Thranduils Schulter und drückte sanft zu.
„Aufwachen.“, flüsterte sie, doch er gab ein Brummen von sich, was sie zum Schmunzeln brachte, „Aufwachen, Thranduil, wir haben viel vor uns.“  
Erneut entwich Thranduil ein Brummen und er drehte sich so, dass sein Gewicht Lanthiriël in die Felle drückte und er auf ihr lag. Sie lachte leise und legte ihre Arme um ihn, während er sein Gesicht in ihrer Halsbeuge vergrub.
„Ich würde wirklich gern hier bleiben, aber es stehen zu viele Aufgaben auf dem Plan.“, meinte sie und vergrub eine Hand vorsichtig in seinem langen Haar, „Eine Truppe aus Imladris und Lórien ist eingetroffen. Sie haben sich auf die Lager aller verteilt, um zu helfen. Du solltest nachsehen, wer die Anführer dieser Gruppe sind und ich sollte mich wieder ins Lazarett begeben, um mich um die Verletzten zu kümmern.“
Thranduil hob den Kopf, um sie anzusehen. Sein blondes Haar fiel um Lanthiriëls Gesicht und schien beide von der Außenwelt abzuschirmen. Seine schwarzen Augenbrauen waren fragend zusammengezogen.
„Woher weißt du das?“, fragte er. „Eine Wache ist reingekommen und hat es mir gesagt, als du noch geschlafen hast.“, antwortete sie und sah mit Verblüffung dabei zu, wie Thranduils Ohrspitzen begannen rot zu werden. Als er ihren erstaunten Blick bemerkte, erhob er sich schnell und lief zu dem Tisch in der Mitte des Zeltes, um sich seinen Umhang überzuwerfen.
„Bist du etwa gerade rot geworden?“, fragte sie ihn überrascht mit einem Schmunzeln und setzte sich dabei auf. „Natürlich nicht.“, fauchte er zurück und griff nach ihrem Stab, der am Tisch angelehnt war, um ihn ihr zu geben. „Ich suche nach dem, der die Truppe anführt.“, fuhr er fort, seine Stimme kühl, „Wir sehen uns später.“
Lanthiriël wusste nicht, wie sie mit seinem plötzlichen Stimmungsumschwung umgehen sollte, weshalb sie ruhig blieb und ihm dabei zusah, wie er sich seine Krone aufsetzte und dann ohne einen weiteren Blick auf sie das Zelt verließ. Mit hängenden Schultern und gesenktem Blick blieb sie für einen Moment noch sitzen, ehe sie sich an ihrem Stab nach oben stemmte und ebenfalls das Zelt verließ.
„Lanthiriël!“, ertönte eine ihr bekannte Stimme und sie wandte den Kopf. „Îdrilion?“, rief sie überrascht, als sie ihren besten Freund auf sie zueilen sah, „Was machst du denn hier?“
Sie umarmten einander liebevoll und lächelten sich an.
„Sobald Heron Elrond wieder in Imladris eintraf, hat er eine Truppe Heiler losgeschickt, die hierher ziehen sollte. Er hat mich als Krieger mitgeschickt, ich bin so gesehen der Vertreter für Imladris.“, erklärte er, „Auf dem Weg haben wir uns mit einer Truppe aus Lórien zusammengetan und jetzt sind wir hier. Die Heiler haben sich auf alle drei Lager verteilt, so wie Heron Elrond und Heryn Galadriel es ihnen aufgetragen haben.“
„Gut.“, murmelte sie und sah über Îdrilions Schulter hinweg über das Lager. Thranduil konnte sie jedoch nirgends erkennen. Îdrilion legte den Kopf schief, sodass er in ihr Blickfeld trat.
„Ich. . .“, hob sie an und suchte nach den passenden Worten, „Es tut mir Leid, dass ich einfach so gegangen bin, ohne mich zu verabschieden.“
Ihr Freund legte seine Hände auf ihre Schultern.
„Es ist alles in Ordnung, Lanthiriël. Jetzt bin ich ja hier.“, erwiderte er und lächelte sie an, „Du bist nicht mehr allein.“
Zunächst wollte sie widersprechen, schließlich war sie nicht allein, doch als sie kurz darüber nachdachte war sie sich da nicht mehr so sicher. Ihre Familie und ihre Freunde waren schließlich in Imladris. Zwar waren Thranduil und sie zusammen, doch nach seinem Stimmungsumschwung von eben ist ihr wieder bewusst geworden, wie wenig die beiden sich doch eigentlich kannten.
So nickte sie bloß mit einem schiefen Lächeln und umarmte ihren Freund erneut.
„In Ordnung.“, eröffnete sie mit mehr Elan, als sie die Umarmung löste, „Ich denke, du solltest dich beim König melden. Dann kannst du ihm auch gleich sagen, wer die Edhil aus Lórien vertritt. Ich muss ins Lazarett, wir haben noch viele dringende Fälle.“
„Auf diesen Griesgram könnte ich gern verzichten.“, murrte Îdrilion, was ihm einen ernsten Blick von seiner Freundin einbrachte, „Ich gehe ja schon, ich gehe ja schon!“
Er verabschiedete sich von ihr und beide gingen in unterschiedliche Richtungen davon.
Als Lanthiriël im Lazarett ankam fragte sie einen der Heiler, wo sich Fanuiël aufhielt. Er beschrieb ihr den Weg durch das schiere Labyrinth an Krankenbetten und Heilerausrüstung und sie machte sich auf den Weg. Doch statt die verletzte Elleth zu sehen, erblickte Lanthiriël Thranduil. Er sprach mit Fanuiël.
Lanthiriël wartete kurz, bis ihr Gespräch vorüber war und der König ging, ehe sie selbst zu der Elleth lief.
„Hérince!“, gab diese überrascht von sich, als sie sie sah und machte Anstalten aufzustehen, um sich wohl zu verbeugen. „Bleib sitzen.“, gab diese von sich, nun ganz die Heilerin und um das Wohl der Elleth besorgt, „Niemand muss sich in diesen schweren Zeiten vor irgendwem verbeugen. Schon gar nicht mit einer Verletzung wie der deinen.“  
„Nun, ich möchte mich wenigstens bei dem verbeugen, der mich gefunden und hierher gebracht hat.“, erwiderte Fanuiël, „Ohne den Verband wäre ich wohl verblutet.“
„Das weißt du gar nicht?“, fragte Lanthiriël überrascht und stieß einmal ihren Stab auf den Boden, „Es ist im Lager rumgegangen wie ein Lauffeuer! Einer der Zwerge von Thorin Eichenschild hat dich hierher gebracht. Er sagte, ohne dich wäre er einem Warg zum Opfer gefallen, deswegen hat er sich geweigert, dass eine der Wachen dich ihm abnimmt. Er hat dich persönlich ins Lazarett gebracht und sich dabei sogar Thranduil widersetzt! Sein Name ist glaube ich. . . Dwalin?“
Lanthiriël überlegte kurz, ob sie es sich richtig gemerkt hatte.
„Ja, Dwalin.“, bestätigte sie ihre eigene Vermutung. „Oh. . . ja, ich erinnere mich daran. Relativ zum Ende hin hab ich ihn gegen eine Meute Warge kämpfen sehen. Ganz allein.“, meinte Fanuiël, „Ich musste ihm helfen, hatten wir schließlich denselben Feind.“
„Wie es aussieht, hat er dich nicht vergessen.“, erwiderte die Heilerin mit einem Lächeln. „Und keiner ist froher darüber als ich!“, ertönte wie aus dem Nichts eine freudige Stimme hinter ihnen.
Feren trat auf die beiden zu und begrüßte Lanthiriël mit einem Lächeln, ehe er sich neben Fanuiël setzte und ihre Hände in die seinen nahm.
„Valerwén hat gesagt, dass du das Lazarett verlassen kannst.“, teilte er ihr mit. „Es ist gut zu sehen, dass es hier drinnen immer leerer wird und draußen immer voller.“, meinte sie mit Erleichterung in der Stimme, „Die Heiler konnten unseren Leuten gut helfen. Auch muss ich Euch danken. Ihr habt trotz Eurer schwierigen Lage vielen der unseren geheilt.“
Sie lächelte Lanthiriël dankbar an. Doch diese wies den Dank ab.
„Als Heilerin ist es mein Recht und meine Pflicht Verwundeten zu helfen so gut ich kann.“, meinte sie, „Trotz unserer Bemühungen sind schon viele vor unserem Eintreffen verstorben. Auch direkt auf dem Schlachtfeld. Alle Seiten haben schwere Verluste zu tragen und es wird keine leichte Zeit werden, wenn wir wieder in unsere Heimat zurückkehren. Viele Tote sind zu beklagen.“
Eine Wache trat an sie heran.
„Verzeiht, ich kam nicht umhin euer Gespräch zu überhören.“, eröffnete der rothaarige Edhel, „Valerwén hat die Anweisung gegeben, dass unsere Verstorbenen bereits in größter Zahl gefunden wurden. Nur ein paar wenige fehlen. Sie sollen mit den weniger schwer Verletzten und ein paar der Heiler und Krieger in den Palast zurückkehren. Heute noch.“
Feren nickte ihm zu und der Edhel verschwand.
„Ich werde den König fragen, ob ich dich begleiten darf.“, meinte er zu Fanuiël, doch diese schien nicht erfreut. „Bitte?“, fragte sie scharf, „Ich möchte mich bei Herrn Dwalin persönlich bedanken. Und wenn ich auf Krücken allein das Lager der Zwerge betreten und ihn suchen muss!“
Lanthiriëls Blick zuckte kurz zu ihrem Stab, auf welchen sie sich stützte, doch dann konzentrierte sie sich wieder auf die beiden Streitenden vor sich.
„Aber-“, hob Feren an, doch er kam nicht weiter. „Kein Aber. Ich bleibe, bis ich mit ihm gesprochen habe!“, unterbrach Fanuiël ihn und verschränkte die Arme vor der bandagierten Brust. „In Ordnung.“, ging Lanthiriël dazwischen und nutzte die Sprachlosigkeit Ferens aus, „Ich werde Valerwén Bescheid geben, dass du bleibst. Aber lass Feren nicht von deiner Seite und komm sofort zu einem Heiler, solltest du neue Schmerzen verspüren.“
Angesprochene ließ die Arme sinken und nickte.
„Feren, du achtest darauf, dass sie auf sich achtet.“, meinte Lanthiriël an ihn gewandt und bekam ein ‚Natürlich‘ als Antwort. Daraufhin verabschiedeten die drei sich für den Moment und die Heilerin ging zu Valerwén, um ihm mitzuteilen, dass Fanuiël die Verletzten nicht in den Palast begleiten würde.
Dieser stimmte ihr zu, nachdem sie ihm versichert hatte, dass Feren an der Seite seiner Patientin blieb. Dann gab er ihr eine neue Aufgabe – die Schwerverletzten mussten erneut überprüft werden. Bei einigen war der Zustand noch kritisch.
Lanthiriël tat, was ihr gesagt wurde und machte sich sofort an die Arbeit.
Die Aufgabe beschäftigte sie bis spät in die Nacht hinein und als die Sonne gerade begann erneut den Morgen einzuleiten und sie eine Pause machen wollte, kam Îdrilion zu ihr.
„Wie geht es dir, Meldis nín?“, fragte er sie und lehnte sich neben ihr an den Tisch. Lanthiriël musste ihm als Antwort lediglich einen Blick zuwerfen und er verstand.
„Du solltest versuchen zu schlafen.“, meinte er, „Ich weiß, dass du normalerweise zwei, drei Tage deiner Arbeit nachgehen kannst, aber dieses Mal ist es etwas anderes.“
Sie reagierte nicht und trank stattdessen einen Schluck Wasser.
„Du bist erschöpft, deine Kräfte sind noch nicht vollständig zurückgekehrt und du stehst unter starkem Druck.“, erklärte er, „Bitte komm mit mir in das Zelt unserer Edhil und leg dich hin. Zumindest für ein paar Stunden.“
Sie wollte gerade zum Protest ansetzen, als er damit drohte, Valerwén zu holen.
Seufzend ergab sie sich ihrem Schicksal und ließ sich von ihrem Freund in das Zelt am Rand des Lagers führen. Dabei passierten sie das Zelt des Königs, welcher nach draußen trat, da er sich wunderte, wo Lanthiriël blieb.
Die Sonne war beinahe aufgegangen und er hatte sie seit gestern früh, nachdem er sie verlassen hatte, nicht mehr gesehen. Er wusste, dass er sich bei ihr entschuldigen musste, da er sie einfach so hatte sitzen lassen.  
Er ließ seinen Blick über diese Seite des Lagers wandern, konnte sie draußen jedoch nicht erspähen.
„Habt ihr Lanthiriël gesehen?“, fragte er die beiden Wachen, die vor seinem Zelt standen. „Sie ist mit Heron Îdrilion in das Zelt der Edhil aus Imladris gegangen, um sich auszuruhen. Sie hat den ganzen Tag im Lazarett verbracht.“, antwortete einer der beiden, „Soll ich sie holen, Aran nín?“
Für einen kleinen Moment überlegte Thranduil, doch dann entschied er sich dagegen, sie holen zu lassen. Sie war noch immer nicht ganz erholt von dem, was im Wald mit ihr passiert war, und bräuchte sicherlich jede Pause, die sie kriegen konnte.  
„Nein.“, erwiderte er, „Ich möchte nicht gestört werden.“
Dann betrat er sein Zelt.
Doch an Schlaf war nicht zu denken.  

Meldis nín = meine Freundin
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