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Eine Liebe Jenseits Der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
19.11.2018
08.05.2021
72
87.907
44
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16.01.2021 1.948
 
63. Kapitel
Geteilte Schwäche

Das Lager vor dem Erebor war noch immer ruhig. Das beklemmende Gefühl, das nach der Schlacht aufgekommen war, noch nicht verschwunden.
Valerwén war im Zelt von Thranduil und hatte ihm soeben erzählt, wie der Stand der Verletzten war. Er war erst seit einem Tag hier, hatte jedoch die ganze Zeit über gearbeitet und war nun ausgelaugt.  
„In Ordnung. . .“, ließ der Heiler seinen Satz ausklingen, seine Erschöpfung war deutlich zu hören, „Ich werde eine Pause einlegen und dann weiter arbeiten.“
Thranduil nickte nur.
„Ioreth hat mir von deiner Verletzung erzählt.“, fuhr der Heiler fort, „Wenn du etwas benötigst, gib Bescheid, dann lasse ich jemanden kommen. Oder auch wenn du etwas anderes brauchst – gib Bescheid.“
„Es ist nichts.“, winkte sein Gegenüber ab. „Sicher?“, konterte er, „Denn ich denke, ich kann dich trotz der schweren Lage ein wenig aufheitern.“
Thranduil wunderte sich um die plötzliche Belustigung in Valerwéns Stimme. Dieser gab ein amüsiertes Schnauben von sich, ehe er ein ‚Komm herein‘ rief.
Die Augen des Königs wurden groß, als er die Elleth erblickte, die zögerlich das Zelt betrat. Sie war auf einen Stab gestützt und sah genauso erschöpft aus wie Valerwén – wenn nicht sogar viel erschöpfter.
„Ich lasse euch zwei allein.“, meinte der Heiler mit einem Lächeln und ließ die beiden Edhil zurück. Beim Rausgehen berührte er kurz Lanthiriëls Schulter, die ihn daraufhin anlächelte.
Thranduil war wie paralysiert, als er sie betrachtete.
Sie war tatsächlich hier!
Von der Starre gelöst setzte er seine Krone ab, ehe er ein paar Schritte auf die zögerlich wartende Elleth zutrat.
„Lanthiriël. . .“, flüsterte er. „Thranduil.“, erwiderte sie und lächelte, doch ihr Lächeln verschwand sofort, als er weiter auf sie zutrat, sich dann jedoch mit verzogenem Gesicht die Seite hielt. „Zeig mir die Wunde.“, kam es sofort von ihr und sie lief zu ihm herüber. „Es ist alles in Ordnung.“, konterte dieser, er wollte nicht, dass sie sich Sorgen machte. „Ich sehe doch, wie erschöpft du bist, Thranduil!“, ermahnte sie ihn und lehnte ihren Stab an den Tisch in der Mitte des Zeltes, um die Hände in die Hüfte zu stemmen, „Ioreth meinte, du seist in der Schlacht verletzt worden und hast dich geweigert, es richtig behandeln zu lassen.“
Ihr Verhalten entlockte Thranduil ein schiefes Lächeln. Ernst verlieh ihr auf eine eigenartige Art und Weise etwas, das so süß war wie ein Tropfen Honig.
„Was gibt es da zu Grinsen?“, fauchte sie nun geradezu ungehalten, „Ich verlange, deine Wunde zu sehen.“
„Du verlangst? Du weißt schon, dass ich-“, hob er amüsiert an, doch sie unterbrach ihn harsch:
„Jetzt, Thranduil.“
Ihre Stimme ließ keinen Widerspruch zu.
Ergeben ließ er die Schultern hängen und tat, was sie verlangte. Seine Tunika legte er auf den Stuhl, auf welchem er zuvor noch gesessen hatte, ehe er ein paar Schritte auf die Heilerin zutrat. Diese wäre wohl von seinen definierten Muskeln beeindruckt gewesen, wäre sie nicht vollkommen auf den blutigen Verband konzentriert gewesen, der sich einmal um Thranduils Mitte schlang.
„Leg ihn ab.“, wies sie ihn an, ehe sie sich hinhockte, um eine Tasche zu öffnen, die sie mit sich ins Zelt genommen hatte. Während Thranduil den Verband entfernte und ihn dann unschlüssig in den Händen hielt, suchte Lanthiriël alles raus, was sie bräuchte, um die Wunde zu behandeln.
„Was hat dich verletzt?“, fragte sie, noch in ihrer Tasche kramend. „Ein Langdolch.“, antwortete er, „Unerwarteter Weise hat es ein Ork geschafft, mir zu nahe zu kommen und hat mich mit seiner Klinge erwischt, indem er sie unter meine Rüstung stecken konnte.“, erklärte er, als sie auf ihn zutrat. „Im Krieg muss man alles erwarten.“, konterte sie und blieb vor dem Tisch stehen, um dort ein paar Sachen abzulegen. „Wir sind nicht im Krieg. Es war lediglich eine Schlacht.“, meinte er, als sie den Verband aus seinen Händen nahm und ihn einfach auf den Boden fallen ließ. „Ich hoffe es.“, erwiderte sie leise, ehe sie sich hinhockte und sich die Wunde besah.
Während Lanthiriël ihrer Arbeit nachging blieb Thranduil ruhig und sah auf sie herab. Am liebsten hätte er ihre Locken aus den Klammern befreit, mit denen sie sie gebändigt hatte, um seine Finger in ihnen vergraben zu können. Doch stattdessen hatte er sich zu Beherrschung gezwungen und seine Hände in seinem Nacken gefaltet. Interessiert beobachtete er die Elleth dabei, wie ihre Finger sich geschickt um die Wunde kümmerten.
„Warum hast du sie nicht mit Magie heilen lassen?“, fragte sie nach einer Zeit des konzentrierten Schweigens, „Das wäre kein großes Problem gewesen.“
„Ich wusste, dass meine Heiler all ihre Kraft für deutlich schwerer Verletzte bräuchten.“, erwiderte er, „Ich habe schon Schlimmeres länger überstanden.“
„Wahrscheinlich, weil du es musstest. Jetzt allerdings nicht. Du hast Glück, dass sie sich nicht entzündet hat.“, meinte sie und wollte gerade ihre Hände auflegen, um die Wunde mit Magie zu schließen, doch Thranduil griff blitzschnell nach ihren Handgelenken. „Lanthiriël, nicht.“, sagte er bestimmend und sie legte den Kopf in den Nacken, um ihm ins Gesicht schauen zu können. „Warum?“, fragte sie verwirrt. „Ich sehe doch, wie erschöpft du bist!“, antwortete er besorgt und ließ ihre Handgelenke los, „Du warst auf einer anstrengenden Reise, bist fast umgekommen, dann die ganze Strecke hierher geritten und hast dich um die ganzen Verletzten gekümmert! Du hast genug Magie genutzt. Streng dich nicht weiter an als nötig.“
Lanthiriël legte den Kopf schief und zog ihre Augenbrauen hoch.
„Pech gehabt.“, meinte sie ganz einfach und legte erneut ihre Hände auf Thranduils Bauch, doch er trat einen Schritt zurück. „Lanthiriël!“, rief er und sah streng auf sie herab. „Thranduil!“, erwiderte diese genauso streng und deutete mit dem Zeigefinger vor sich auf den Boden, „Komm her.“
Kurz sträubte er sich noch, doch dann ergab er sich ihr und trat wieder vor. Er wusste, dass es nichts brachte zu diskutieren. Sie hatte den gleichen ernsten Gesichtsausdruck wie Valerwén, wenn er etwas von ihm wollte. Anscheinend konnte jeder Heiler einen König in die Knie zwingen.
Erneut legte sie die Hände auf seinen Bauch um die Wunde und konzentrierte sich darauf, diese zu schließen. Ein leichtes Licht ging von ihren Händen aus und der Schnitt begann zu heilen.
Thranduil atmete erleichtert aus. Ob er es zugeben wollte oder nicht, die Wunde hatte ihn zu beeinträchtigen begonnen. Durch die lange Schlacht hatte er zu viel Energie verloren, wodurch seine Selbstheilungskräfte nun gedrosselt waren. Er schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Die Magie, die Lanthiriël nutzte, fühlte sich einfach zu gut an.
„In Ordnung. . .“,  murmelte diese und ließ die Hände sinken, „Ich werde mir das morgen noch einmal ansehen, falls sich etwas verändern sollte.“
Als sie sich erhob, fing sie plötzlich an zu schwanken. Hätte Thranduil nicht blitzschnell nach ihren Schultern gegriffen, um sie zu halten, wäre sie gefallen.
„Ich hab dich.“, meinte er sanft und trat an ihre Seite, um sie zu der Schlafstatt am Rande des Zeltes zu bringen. Er musste sie stärker stützen als erwartet, da ihre Beine bei jedem Schritt nachgaben. Sie entschuldigte sich deswegen die ganze Zeit über, weshalb er sie kurzerhand hochhob. Die Elleth lief rot an, als sie so nah bei ihm war – schließlich war er noch immer oberkörperfrei. Er setzte sie in die weichen Felle und sah zu ihr herab.
„Geht es?“, fragte er besorgt, „Brauchst du irgendwas? Soll ich Valerwén holen?“
„Was? Nein!“, antwortete sie mit einem amüsierten Schnauben, „Ich bin bloß erschöpft, das ist alles. Valerwén braucht seine Ruhe. Außerdem könnte er mir sowieso nicht dabei helfen.“
Thranduil sah noch einen kurzen Moment auf sie herab, dann drehte er sich um und lief auf die andere Seite des Zeltes, um einen Kelch mit Wasser zu füllen. Als er damit wieder zu Lanthiriël ging, griff er beim Vorbeigehen nach seinem Umhang, der in der Mitte des Zeltes an einem der Stützen hing.
„Trink.“, sagte er und drückte ihr den Kelch in die Hand, ehe er ihr den Umhang umlegte. Dann ging er zu seinem Stuhl und zog sich wieder seine Tunika an.
„Möchtest du etwas essen?“, fragte er sie und deutete auf den Tisch mit verschiedenstem Obst und Gemüse, doch sie schüttelte den Kopf. „Ich würde bloß gern etwas schlafen.“, erwiderte sie, „Die letzten Tage waren sehr anstrengend. Wo kann ich mich hinlegen?“
Thranduil überlegte für einen Moment.
„Du kannst gern hierbleiben.“, schlug er dann vor und fing an sich die Haare zusammenzubinden. „Oh.“, kam es jedoch nur von der Elleth, ehe sie ihren Blick auf den mittlerweile leeren Kelch in ihren Händen richtete. Thranduil schenkte sich selbst einen Kelch Wein ein, ehe er mit der Karaffe zu ihr herüberlief und den ihren zur Hälfte füllte.
„Bleib bei mir, Lanthiriël.“, bat er und stellte die Karaffe zur Seite, ehe er sich neben sie setzte, „Ich möchte dich in meiner Nähe wissen.“
Sie nickte bloß und sah weiterhin den Kelch an. Er hob den seinen und nahm einen Schluck.
„Das ist Dorwinion.“, erklärte er und leckte sich kurz über die Lippen, „Er hat eine beruhigende und traumbringende Wirkung. Etwas, das wir beide sicher gut gebrauchen können.“
Sie sah ihn an und nickte erneut, ehe sie einen Schluck Wein nahm. Überrascht von dessen starken, beinahe herben Geschmack musste sie einmal husten. Ihre Reaktion entlockte Thranduil ein leises Lachen.
„Wie ich sehe und höre hast du Dorwinion noch nicht probiert?“, fragte er amüsiert und trank weiter. „Generell Wein ist nicht wirklich meins.“, gab Lanthiriël zu und schielte in den Kelch, „Aber ruhig schlafen und träumen können lockt zu sehr.“
Sie nahm einen weiteren Schluck, musste jedoch erneut das Gesicht verziehen. Kopfschüttelnd reichte sie den zu einem Drittel gefüllten Kelch an Thranduil weiter, der ihn schmunzelnd annahm und gemeinsam mit seinem auf den Boden stellte. Lächelnd betrachtete er Lanthiriël, die versuchte keine Grimasse mehr zu ziehen.
Genauso hatte damals seine Frau ausgesehen, als sie zum ersten Mal diesen starken Wein getrunken hatte.
Thranduils Lächeln erstarb schlagartig.
Schon wieder hatte er an seine verstorbene Frau denken müssen, als er Lanthiriël angesehen hatte!
Sie war nicht sie.
Das hatte er schon vor Längerem feststellen müssen.
Warum konnte er sich nicht einfach damit zufrieden geben?!
Über sich selbst verärgert wandte er den Kopf ab und schloss durch diesem dumpfen Schmerz, der sein Herz umschloss, die eisblauen Augen, welche bis eben Lanthiriël noch so warm angestrahlt hatten.
Diese hatte natürlich sofort den Stimmungsumschwung bei Thranduil bemerkt und sah ihn nun besorgt an.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte sie, die Besorgnis schwang sogleich in ihrer Stimme mit, „Hast du Schmerzen? Soll ich mir die Wunde noch einmal ansehen?“
„Nein.“, seufzte er und schüttelte den Kopf. „Was ist dann los?“, fragte sie und drehte sich zu ihm, „Thranduil, schau mich an.“
Er leistete zögernd Folge.
„Was ist los?“
Er musterte ihr schönes Gesicht. Es war so von Sorge eingenommen, dass er diesen Ausdruck am liebsten sofort von ihr genommen hätte. Doch sie wollte wissen, warum er plötzlich so geplagt war.
Sollte er es wagen es ihr zu erzählen?
„Deine Reaktion zu dem Geschmack des Weines hat mich an meine Frau erinnert.“, sagte er es geradeheraus, „Sie hatte damals genauso reagiert wie du.“
Erneut verließ bloß ein ‚Oh‘ die Lippen Lanthiriëls.
Thranduil wandte den Kopf ab und schalte sich selbst.
Warum hatte er es ihr auch gesagt?
Jetzt hatte er sie verletzt!
Doch dann geschah etwas, das er nie erwartet hätte:
Lanthiriël fing an zu kichern.
Überrascht sah er sie an. Verständnislosigkeit lag in seinen Augen, als er die Elleth neben sich dabei beobachtete, wie sie vergeblich versuchte ein Lachen zurückzuhalten.
„Verzeih mir.“, gab sie atemlos hervor, ehe sie sich wieder fing, „Aber nun ja. . . irgendwo müssen sie und ich uns wohl ähneln, oder etwa nicht?“
Diesmal war es Thranduil, der nicht anders als mit verblüfftem Schweigen reagieren konnte.
„Erzähle mir von ihr.“, sagte sie zu seiner Überraschung, „Natürlich nur, wenn du magst.“
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