Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Echo der Vergangenheit

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P18 / Mix
Envy OC (Own Character)
19.11.2018
01.05.2021
12
16.900
3
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.01.2019 1.023
 
Er wusste nicht wie lange er geschlafen hatte, doch als er seine Augen das nächste Mal wieder öffnete, saß eine Person neben dem neu entfachten Feuer und beugte sich über den Topf, den sie in die Flammen gestellt hatte.
Erschrocken setzte er sich auf und starrte seinen Gegenüber an. Instinktiv spannte er jedes kleinste Detail am Erscheinungsbild der junge Frau. Prägte sich ein wie das Licht in ihren kurzen, schwarzen Haaren brach, merkte sich die Struktur ihrer Kleidung und bewunderte ihre mandelförmigen, leuchtend gelben Augen. Er bemerkte sogar die kaum sichtbare Narbe, die sich über ihre Lippen zog und ein kleines Muttermal, das sich unter ihren Haaren versteckte.
„Wer bist du?“ fragte er mit ungewohnt rauer Stimme.
Die Frau blickte auf und sah ihm unverwandt in die Augen, während er sie musterte.
„Sidera.“ Antwortete sie und ging hinaus. Wenige Augenblicke später kam sie zurück, einen Beutel in der Hand haltend. Sie hockte sich vor Envy und reichte ihm den nun nassen Behälter. Kurz zuckte er misstrauisch zurück. Lange hatte er kein solch klares Gesicht mehr vor sich gehabt.
„Trink. Du musst durstig sein so lange wie du geschlafen hast.“ Sagte sie mit sanfter, klingender Stimme. Er wollte etwas erwidern, doch dann sah er hinab auf ihr Geschenk. Seine Zunge schien nun noch ausgetrockneter als zuvor im Angesicht des kühlen Nasses. Gierig griff er danach, setzte die Öffnung an seinen Mund und trank.
Es war Wasser. Wirkliches, echtes Wasser! Unendliche Erleichterung durchströmte ihn, als er fühlte wie es seine Kehle hinunterglitt und ähnlich einem Heilzauber das Brennen auslöschte.
Viel zu schnell war es verschwunden. Etwas enttäuscht sah er nach vorn.
Sidera hatte sich wieder an das Lagerfeuer gesetzt und schenkte ihm kaum mehr Beachtung.
„Was ist passiert.“ Fragte er mit Nachdruck in der Stimme.
Wieder ruhte der Blick der Fremden auf ihm, bevor sie antwortete.
„Das wollte ich dich eigentlich fragen. Von meiner Seite sieht es so aus: Vor einigen Tagen verwüstete ein riesiger Sturm das Land. Mehrere mächtige Blitze schlugen in den Boden ein. Ihr Donner war ohrenbetäubend. Am nächsten Tag klarte der Himmel auf und ich machte mich auf den Weg die Umgebung nach Beschädigungen zu prüfen. Und da lagst du mitten auf dem Feld. Egal was ich versucht habe, ich konnte dich nicht aufwecken, also habe ich dich in diese Höhle gebracht.“
Envy wusste nicht recht, was er von der Geschichte halten sollte. Seine Wiedererweckung schien in dieser Welt mehr Auswirkungen gehabt zu haben, als beabsichtigt.
Dennoch, jetzt da er wieder da war, musste er Vater und die anderen finden! Wie es ihnen wohl ergangen war? Er musste sie finden!
„Dann trennen sich jetzt unsere Wege. Ich muss auf jeden Fall los.“ er erhob sich und wollte schon auf den Eingang der Höhle zumarschieren, als Sidera ihn zurückhielt.
„Nicht so schnell. Iss doch lieber etwas, bevor du voreilige Entscheidungen triffst.“
Er winkte ab: „Nein. Ich brauche nicht viel.“
Ohne weitere Einwände trat er ins Freie und betrachtete die Zerstörung um ihn herum. Die Frau hatte nicht übertrieben, als sie von dem Sturm berichtet hatte. Mehrere Bäume waren aus dem Boden gerissen worden, die so aussahen, als seien sie mehrere Jahrzehnte alt. Die Gräser lagen noch immer Plattgedrückt auf dem Boden, andere schienen verkohlt zu sein. Er atmete tief durch. Wie lange er keinen Wind mehr um die Nase gespürt hatte. Er stutzte, als er eine bekannte Stimme hinter sich hörte.
„Hast du mich eben nicht verstanden? Du gehst nirgendwo hin!“
„Sagt wer?“
„Sage ich!“ sie trat aus der Dunkelheit der Höhle und stellte sich breitbeinig vor ihm auf. Die Eleganz und Stärke, die sie ausstrahlte machten ihn nervös. Trotzdem war sie nur ein Mensch. Egal wie mächtig sie war, er war mächtiger.
„Ich lasse mich aber nicht von schwachen, kleinen Mädchen festhalten!“ rief er und setzte ein Grinsen auf.  
Sie schritt auf ihn zu, als würde sie eine ernste Gefahr darstellen können. In ihrem Gesicht war gut abzulesen, dass sie genug hatte von Envys Sticheleien.
Mit ihrem Kampfbereiten Gesicht und ihrem kurzen Gedultsfaden erinnerte sie ihn ein wenig an Edward.
Du beneidest die Menschen.
Erschrocken trat er einen Schritt zurück, als die Stimme des Knirpses in seinem Kopf so deutlich wiederhallte, als stünde er direkt neben ihm.
Die Erinnerungen suchten ihn heim wie Geister. Das war schon im Totenreich so gewesen und offenbar ließen sie ihn auch jetzt nicht in Ruhe.
Mit Mühe versuchte er sein hämmerndes Herz zu beruhigen. Wie erniedrigend. Es verstand ihn nur ein einziger Mensch auf der Welt. Und dieser Mensch musste ausgerechnet er sein.
Doch Zeit darüber nachzudenken hatte er nicht. Denn im selben Moment landete eine Faust mit einer solchen Wucht in seinem Gesicht, dass er zu Boden fiel. Pochender Schmerz machte sich in seinem Kopf breit und er hatte sich auf seine Zunge gebissen, die nun in blutroten Blitzen heilte. Es tat zwar weh, aber wenigstens waren es keine tödlichen, alles zerreißenden Flammen. Das war doch schon mal eine Verbesserung.
Er erhob sich und besah zufrieden den geschockten Gesichtsausdruck der Frau.
Sie deutete auf ihren eigenen Mund: „Was…Was ist das? Was machst du?“ stotterte sie, sichtlich verwirrt. Envy nutzte dies geschickt für einen Gegenangriff. Er verwandelte seinen rechten Arm in eine Klinge und ging in den Angriff über. Wenn sie ihn als Gefangenen nehmen wollte, musste sie früher aufstehen. So leicht würde er es ihr nicht machen.
Zu seinem Bedauern stellte sie sich als geschickte Kämpferin heraus. Sie wich allen seinen Schlägen aus, lenkte sie in eine andere Richtung oder fing sie sogar ab. Doch ihre Verwirrung lenkte sie ab. Ganz so wie er es sich gedacht hatte. So konnte er tatsächlich einen Treffer an ihrer Wange landen.
Sie tat einige Sprünge nach hinten, um Abstand von ihm zu gewinnen und fasste sich an die Wunde. Ein kleiner Rinnsal Blut lief ihr über das Kinn und tropfte zu Boden. Es benetzte ihre Hand, die sie verärgert anstarrte. Dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Homunculus zu.
„Ich habe doch gesagt ich lasse mich nicht von kleinen Mädchen aufhalten. Gib auf oder es wird unschön.“ Rief er schon triumphierend. Doch er hatte nicht mit dem nächsten Gegenschlag gerechnet.


_______________________________
Letzte Überarbeitung: 05.10.2020
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast