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Echo der Vergangenheit

GeschichteFantasy / P18 / Gen
Envy OC (Own Character)
19.11.2018
03.02.2021
11
15.252
2
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10 Reviews
Dieses Kapitel
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10.12.2018 689
 
Das einzige, was Envy verriet, dass er bei Bewusstsein war, war der Schmerz der in Wellen immer wieder durch seinen Körper jagte. Sein Kopf dröhnte, als hätte er mehrere Kopfschüsse hintereinander überlebt. Seine Beine und Arme fühlten sich seltsam taub an. Bei dem Versuch sie zu bewegen scheiterte er. Auch seine Lider waren zu schwer um sie zu öffnen.

Er fühlte, dass er mit dem Rücken auf dem Boden lag und hörte das leise Knistern von Feuer, das wieder und wieder von irgendwo zurückgeworfen wurde.

Panisch wollte er die Augen aufreißen, als er sich an den Schmerz von heißen Flammen auf seinem Fleisch erinnerte. Doch es gelang ihm nicht. Er versuchte die Arme zu bewegen. Nichts regte sich. Verzweifelt realisierte er, dass auch sein Herzschlag sich nicht beschleunigte. Er war vollkommen gelähmt.

Mit vor Angst wirren Gedanken versuchte er seine Atmung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Langsam übermannte ihn das Gefühl ersticken zu müssen und seine Panik machte sich in einem unangenehmen Prickeln in der Magengegend bemerkbar.

Tatsächlich schaffte er es seine Lippen einen Spalt breit zu öffnen. Die Starre löste sich.

Nach Luft schnappend und mit rasendem Herzen schoss er hoch. Mit weit aufgerissenen Augen saß er Kerzengrade in auf dem Boden einer Höhle und keuchte. Er krümmte sich schmerzerfüllt zusammen und fasste sich an die Brust. Mit Mühe versuchte er seine Atmung und seinen Herzschlag unter Kontrolle zu bringen und sah sich um.

Er befand sich in einer kleinen Höhle, deren Ausgang sich ihm gegenüber hell öffnete. Das Licht blendete ihn und er sah nach unten. Er selbst hatte zu seiner Erleichterung noch seine Menschliche Gestalt. Er befand sich auf dem kalten Höhlenboden, bemerkte jedoch eine blaue Decke lose auf sich liegen. Verwundert befühlte er den weichen Stoff, als ihm der beißende Geruch von Flammen in die Nase stieg.

Ruckartig riss er den Kopf in die Höhe und erkannte die Quelle seines Erschreckens. Ein kleines Lagerfeuer befand sich nahe am Eingang der kleinen Höhle und ein Teil seines Qualms zog hinein.

Envy ballte die Fäuste. Verärgert über sich selbst, dass er sich vor einem einfachen Lagerfeuer erschreckt hatte. Dennoch kroch die Angst wieder in seinen Körper und verleitete ihn dazu so weit wie möglich von den Flammen weg zu kommen, so sehr die ihn auch wärmten.

Sturzbachartig überfluteten ihn alle Erinnerungen, die er an die Hölle in sich trug und er begann zu zittern. Wieder kribbelte seine Haut bei der Erinnerung an das Schnipsen und er schluckte als er an Phlegethon dachte.

Zerstöre!

Envy zuckte zusammen, als er die Stimme des Wesens in seinem Kopf hörte. Er hatte die furchtbare Ahnung, dass es sich hierbei um keine Erinnerung handelte.

Er hatte seine Befehle auszuführen, sonst würde es ihn zurück in den Tartarus werfen, wo er in alle Ewigkeit an das Monster gefesselt sein würde.

Envy rappelte sich hoch und ging mit zitternden Beinen auf das Lagerfeuer zu. Seine noch immer trüben Augen suchten den Boden nach etwas brauchbaren ab und blieben an einer Art Topf hängen. Er hob ihn auf und genoss das Gefühl des Gewichtes in seinen Händen und Armen.

Mit aller Kraft warf er ihn in die Flammen und das Holz und die Steine die es umrandet hatten, stoben auseinander. Glühende Kohlen blieben auf dem Boden zurück. Einzelne kleine Feuer erstarben langsam und hinterließen kleine, schwarze Rauchfahnen.

Angespannt hohlte er Luft, die nun noch rauchiger war als zuvor. Er hoffte, dass dies fürs erste genug Zerstörung war.

Erschöpft ließ er sich wieder auf die Stelle sinken, wo er bis eben noch gelegen hatte. Eine Ewigkeit hatte er in der Hölle festgesessen. Eine Ewigkeit hatte er keine Ruhe mehr verspüren dürfen.

Er zog die Decke an sich heran, lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Das war das Schönste, was ihm seit sehr langer Zeit vergönnt war. Ihm entfleuchte ein leiser Seufzer, von plötzlicher Erschöpfung übermannt.

Lange Zeit hatte er sich nach einer Pause gesehnt. Nach Erholung von der Flucht und dem Schmerz. Seine körperliche und seelische Kraft war verbraucht und er fühlte sich seltsam leer. Aber das gefiel ihm. Es bedeutete keine Angst und kein Weglaufen mehr. Es bedeutete einfach nur Ruhe.
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