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Herr, gib mir die Gelassenheit eines Stuhls - Er muss ja auch mit jedem Arsch zurecht kommen.

GeschichteDrama, Humor / P18 / Gen
OC (Own Character) Tendou Satori Tsukishima Kei Ushijima Wakatoshi Yamaguchi Tadashi
18.11.2018
30.12.2020
61
166.303
56
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Dieses Kapitel
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06.01.2020 3.732
 
Die Fahrt zum Trainingscamp in Okinawa verbrachte ich damit Musik zu hören und mich letztendlich mich mit Tsuyu zu unterhalten, die neben mir saß. Tsuyu war eine kleine Drittklässlerin. Mit Kurzen hellbraunen Haaren, man könnte es sogar Bob nennen. Ich beneidete sie. Sie würde in weniger als einem Monat ihren Abschluss machen und dann raus aus der Oberschule sein. Raus aus dem ganzen Drama, der sie umgab. Raus aus den Gerüchten. Naja, es gab keine über sie aber wenn ich mir vorstellte, dass mich die Gerüchte verfolgen würden, würde ich mich am liebsten umbringen. Ich war sowieso zurzeit sentimental, wegen Tsuki. Momentan war ich einfach nur noch enttäuscht. Geweint hatte ich seit gestern nicht mehr. Ich fragte mich, ob es aus zwischen uns war, weil er sich nicht meldete. Aber so ein Arsch war er nicht. Er würde schon direkt mit mir Schluss machen.
„Saya, du kuckst so nachdenklich. Über was denkst du nach?“, Tsuyu Stimme war ziemlich hoch, es war nicht quieschig aber jedes Mal wunderte ich mich darüber. In der Hand hielt sie Pokistäbbchen. Sie bot mir welche an.
Dankend lächelte ich und nahm mir einen und begann daran zu knabbern.
„Naja, nichts wirklich Wichtiges. Es ist nur zurzeit kompliziert zwischen mir und meinem Freund.“
„Oh“; stieß sie aus. „Du meinst den Blonden?“, fragend musterte sie mein Gesicht.
Ich seufzte auf. „Ja, der blonde große mit der Brille.“
„Hm“, summte sie. „Willst du vielleicht darüber reden?“
Wollte ich das? Klar wollte ich reden aber nach der Enttäuschung von Naomi, wollte ich nicht noch jemanden der alles weitererzählte. Nicht das Tsuyu das Tun würde, aber ich hatte einfach Angst, dass das Getratsche nur noch schlimmer wurde.
„Nein, nicht wirklich, nehme mir das bitte  nicht übel.“
„Wieso sollte ich“, sie zog fragend eine Augenbraue hoch, ein Pokistäbbchen an ihre Lippen gedrückt. Ich wünschte ich wäre auch so süß, wie sie. Auf sie standen sicher viele Jungs. Sie wirkte so unschuldig und rein mit ihrem Pony, der immer etwas verwuschelt war.
„Wie siehts bei dir und der Liebe aus? Bald ist doch Valentinstag? Hast du dir schon jemanden rausgepickt?“, ich stütze meinen Kopf am Fenster ab.
Sie wurde etwas rot um die Nase und schüttelte verneinend den Kopf. Ich fragte mich an wen sie wohl dachte. Aber so nahe standen wir uns nicht, dass wir darüber redeten. Mein Blick fuhr über die anderen Köpfe  meiner Mitspieler. Ich blieb letztendlich an Naomi hängen. Sie würde sicher versuchen sich an Toshi ran zu machen. Meine Schläfe begann zu pochen. Lange nicht mehr gespürt, sonst schaffte es nur Tsuki das hervorzurufen.
Ob ich wohl Schokolade bekommen würde? Eigentlich war es hier in Japan eher üblich das die Jungs oder eher Männer Schokolade bekamen und am White day etwas zurück schenkten.
Ob ich Tendou Gefälligkeitsschokolade machen sollte? Toshi schenkte ich eh jedes Jahr etwas und Naomi sonst auch, aber das hatte sich ja erledigt. MAN! Wieso dachte ich nur so viel an sie? Das nervte. Ich bekam sie einfach nicht aus dem Kopf. Ich hatte das Gefühl jeder zweite Satz drehte sich um sie.
Sonst hatten ich und Naomi immer Schokolade zusammen gemacht. Ich war nicht besonders gut darin.
„Wollen wir zusammen Schokolade machen?“, murmelte ich vor mir her, ohne wirklich darüber nachzudenken.
„Was?“
Überrascht drehte ich mich zu Tsuyu, die mich mit leuchtenden Augen ansah. Sie schien begeistert zu sein. „Na klar will ich! Ja, lass uns das zusammen machen. Allein würde ich mich gar nicht trauen, welche zu machen.“, freudestrahlend umgriff sie meine Hände. Ich war immer noch überrascht von ihrer Reaktion. Eigentlich hatte ich das nicht beabsichtigt.

Am Abend kamen wir an. Wir waren alle schon müde von der langen Fahrt und von der Schule. Erschöpft gingen wir zu der Unterkunft, in der wir in unseren Raum gebracht wurden. Es war eine Schule, in der wir Trainingsspiele mit anderen Volleyballteams haben würden. Die Erstklässler mussten die Betten vorbereiten, dass hieß wieder eine Nacht auf Futons. Seufzend half ich ihnen und sicherte mir den Platz am Fenster. So weit weg von Naomi wie es nur ging. Die Tür öffnete sich und die Drittklässler kamen rein.
„Ihr könnt jetzt das Bad benutzen“, meinte Fuu, und trocknete sich die dunklen schwarzen Haare.
Ich nickte nahm mir mein Shampoo und Zahnbürste und ging dann voraus. Zum Glück waren wir nur wenige Zweitklässler außer Naomi und mich gab es nur noch Aiya.
Genervt kam ich am Bad an. Wenn ich nur dran dachte mit der dummen Schlange mir ein Bad zu teilen, dann wollte ich am liebsten kotzen. Ich konnte sie einfach nicht mehr ab.
Es gab eine Gemeinschaftsdusche. Na super, besser konnte es nicht werden. Ich band mir meine Haare zusammen und begann mich auszuziehen. Dabei fiel mir auf, das ich vergessen hatte Wechselsachen mitzunehmen. Seufzend stellte ich mich unter die Dusche und machte sie an. Allerdings zuckte ich zusammen, weil das Wasser viel zu kalt war und stellte es eilig auf warm um.
Das heiße Wasser floss meinen Körper entlang. Wie immer war es ein entspannendes beruhigendes Gefühl. Überrascht drehte ich mich um als ich Schritte hörte. Naomi kam in die Gemeinschaftsdusche.
„Tz“, schnallte ich mit der Zunge und ignorierte sie weiter. Aber das mit dem Entspannen konnte ich dann doch vergessen.
Ich stellte das Wasser ab  und band mir das Handtuch um, dass ich mir noch schnell geschnappt hatte als ich das Zimmer verließ. Vor dem Waschbecken sah ich in den Spiegel. Ich hatte Augenringe  von den schlaflosen Nächten, die ich damit verbrachte zu weinen. Durch den Spiegel sah ich Naomi in den Raum kommen. Ich hatte das Gefühl, sie würde mir überall hin folgen. Hätte sie nicht später ins Bad kommen können?
Sie lächelte mich durch den Spiegel provozierend an. „Oooh, hat dein Freund mit dir Schluss gemacht?“, höhnisch betrachtete sie mich von oben herab. „Ich habe dir ja gesagt, er verarscht dich nur, aber du  wolltest ja nicht auf meinen gut gemeinten Rat hören.“, sie band sich ebenfalls ein Handtuch um und ging auf den Spiegel neben mir zu. Ich hatte Lust ihr noch ein Veilchen zu verpassen, das Alte schien schon verblasst zu sein.
Ich versuchte mich nicht auf ihre provozierenden Blicke einzulassen aber nach dem gefühlten sechsten Mal reagierte ich dann doch.
„Was ist? Musst du mich anstarren, weil dein eigenes Spiegelbild zu hässlich ist?“,  verärgert nahm ich mir meine Zahnbürste und machte sie nass, ehe ich Zahnpaste auf sie machte.
„Nein, ich starre dich an, weil du erbärmlich bist.“, sie beugte sich zu mir runter und flüsterte mir etwas ins Ohr. „Glaub nicht, dass es zu Ende ist nur, weil du weißt, dass ich die Gerüchte verbreitet habe:“
„Pff“, stieß ich aus und hielt mir gespielt erschrocken die Hand vor den Mund. „Sag Bloß du hast noch ein Ass im Ärmel“
„Hat dein Freund nicht meine kleine Cousine geküsst?“ Woher zum Teufel wusste sie, dass er eine andere geküsst hatte? Und wieso zum Teufel ihrer Cousine? War das ihre Cousine?! Ich hatte nicht besonders auf das Mädchen geachtet nur auf Tsuki. Wusste er, dass es Naomis Cousine war?!
Naomi zog sich wieder von mir zurück. Sie schmunzelte breit dabei. „Männer sind so einfach gestrickt. Man muss ihnen nur schöne Augen machen und schon rennen sie einem hinterher.“
„Tsuki ist nicht so“, verteidigte ich ihn.
„Ach nein? Ging der Kuss nicht von ihm aus?“, sie zog wieder provozierend eine Augenbraue hoch. Ich presste meine Zähne zusammen. Ich spürte wie mein Kiefer anfing zu schmerzen vor Druck.
„Was willst du Naomi? Kann ich dir bei irgendetwas helfen? Zum Beispiel dein Gesicht verschönern?“, ich legte den Kopf schief.
„Als würdest du mich eine Woche vor den Inter High schlagen, sei nicht lächerlich Saya. Ihr braucht mich, ohne mich würdet ihr verlieren.“ Das bezweifelte ich langsam. Es gab genug Wing Spiker die ihren Platz einnehmen konnten und wenn nicht sogar besser waren als sie. Sie bekam den Platz nur, weil sie groß war und mehr nicht. So wie alle anderen ihre Stärken hatten.
Ich holte tief Lust. Sie dachte ich würde bluffen? Ich würde ihr beweisen, dass ich es ernst meinte. Wütend griff ich ihr ins Haar und zog dran, so dass sie nun mit mir auf Augenhöhe war. Eindringlich sah ich ihr in die Augen und sprach langsam und fest. „Dein Selbstwertgefühl hätte ich gerne. Wenn dir mein Leben so gut gefällt und du darüber tratschen musst, versuch doch mal, was an deinem zu ändern.“
Ihr Blick sagte mehr als tausend Worte. Sie wusste, sie war mir körperlich unterlegen. Außer ihrer Größe hatte sie nichts.
„Lass los.“, zischte sie.
„Hm“, summte ich belustigend. „Sollte ich?“, fragte ich mich selbst.
Sie ließ es sich aber nicht gefallen und begann sich zu wehren. Sie konnte sich aus dem Griff befreien, dabei riss ich ihr ein paar Haare aus. Da war sie selbst schuld dran. Mit einem Schrei warf sie sich auf mich. Erschrocken fielen wir beide zu Boden. Irgendwie hatte ich ein Déjà-vu. Sie dachte vielleicht, dass es nicht so enden würde, wie beim Letzen mal, weil Toshi und Tendou nicht da waren, aber das konnte sie vergessen. Ich hatte es so satt von allen ausgenutzt, verarscht oder verletzt zu werden. Was glaubten sie was ich war? Eine Maschine? Ohne Gefühle? Ich war verdammt noch mal ein Mensch! Ein fucking Mensch, der auch schmerzen hatte!
Mein Kopf knallte zu Boden. Es tat weh. Hoffentlich keine Gehirnerschütterung. Mit Schwung presste ich sie von mir runter. Sie viel vor meinen Beinen wieder zu Boden und stützte sich mit den Armen ab. Ich strich mir wütend die Haare aus meinem Gesicht, setzte mich dann auf sie.
„Du denkst, du kannst mit mir machen, was du willst?“, ich lachte auf. „Ich bin nicht deine Puppe, du Schlange!“
Und dann tat ich es, ich schlug einmal zu, dann noch einmal und noch einmal. Ich schlug solange zu bis ich einen Schrei hörte. Aiya stand in der Tür mit ihren Händen vor dem Gesicht. Sie wirkte verstört. Ich verstand es nicht ganz. Ich sah zu Nami und sah das ihre Nase  blutete. Auch meine Fäuste bluteten von den Schlagen. So schlimm war es doch gar nicht? Oder?
Durch den Schrei kamen alle anderen angerannt und auch unser Sensei wirkte alarmiert. Er bahnte sich einen Weg durch, die Menge und zog mich von Naomi runter. Ich hielt mir mein Handtuch, auch das war voll mit Blut Spritzern.
„Was hast du gemacht Takeda?“, schrie er mich an, beugte sich zu Naomi runter und überprüfte, ob sie noch atmete, aber ich wusste, dass das Miststück nur so tat als wäre sie ohnmächtig.
„Ich?“, schrie ich zurück und zeigte dabei auf mich, dann zu ihr. „Sie hat mich provoziert und mich gewarnt. Und dann ist sie einfach auf mich los gesprungen. Ich habe mich nur verteidigt!“
„Sendai, Sendai“, er schlug ihr leicht auf die Wange und wie ein wunder wurde sie plötzlich wach. Komisch von meinen Schlagen war das nicht so.
„Sensei, was ist passiert?“, sie fasste sich an den Kopf und sah sich um. „Ahrg“, stieß sie aus als sie merkte, dass ihre Nase wohl weh tat. Ihr Blick viel auf mich. „Bist du bescheuert?! Wieso verpasst du mir einfach eine!“
„Ich, dir, eine?! Du bist die Jenige, die mich einfach angesprungen hat und zu Boden gerissen hat!“
„Als ob ich sowas machen würde?!“, verteidigte sie sich.
„Genau, aber ich schlage einfach auf irgendwelche Mädchen ein?!“
„Gibs doch zu! Du hast mich geschlagen, weil meine Cousine und dein Freund eine Affäre haben!“
„Bitte was?“, verständnislos sah ich sie an. Wieso machte sie jetzt einen auf unschuldig. Gott, ich hasste diese miese Schlange! Ich hasste sie so der maßen. „Hör auf zu lügen, Naomi und erzähl doch, was wirklich passiert ist oder traust du dich nicht?“
Die Mädchen um uns rum tuschelten. Tsuyu drängelte sich vor und ging auf mich zu. Sie sah sich meine Hände und mein Gesicht genauer an. „Lass uns erstmal deine Hände sauber machen und desinfizieren.“
Ich nickte ihr zu und warf Naomi noch einen wütenden Blick zu.

Tsuyu behandelte meine Hände, sie desinfizierte sie gerade. Ich zischte kurz auf durch das Brennen. Ich hatte mir wohl die Fäuste aufgeschlagen. Sie legte die Watte und das Desinfektionsmittel zur Seite und sah mich kurz nachdenklich an.
„Was ist denn passiert? Wieso seid ihr aufeinander los gegangen. Ich dachte ihr seid beste Freunde.“
Ich verzog mein Gesicht. Das dachte ich auch noch vor einer Weile, aber so schien es nicht zu sein. Tränen bildeten sich wieder. Meine sieht wurde glasig. Wieso war alles zurzeit so kompliziert? Und was hatte Tsuki jetzt damit zu tun? Und noch viel wichtiger, was hatte Naomi mit dem Kuss zu tun?
Die Tränen liefen mir von der Wange. Ich entzog Tsuyu meine Hände und wischte sie mir weg. Tsuyu sagte nichts dazu und sah mich einfach nur mitleidig an.
„Stimmt das was sie gesagt hat?“, sie setzte sich auf den Tisch, der zwischen uns stand.
„Nein.“, schniefte ich. „Sie ist einfach eine falsche Schlange“
„Wie kommt, dass das ihr keine Freunde mehr seid?“
Sollte ich es ihr erzählen? Im Bus hatte ich mich noch gewehrt ihr etwas zu erzählen, weil ich nicht wollte, das getratscht wurde, aber Naomi würde eh ihre Version weitererzählen. Wieso konnte ich dann nicht auch jemandem meine Version gestehen?
„Kennst du die Gerüchte über mich, die in der Schule rumerzählt werden?“, fragend sah ich sie an.
Sie nickte. „Ich denke, die kennt jeder mittlerweile. Aber keine Angst. Ich denke nicht, dass sie wahr sind. Ich kenn dich ja, ich weiß, dass du nicht so bist.“, beruhigend streichelte sie meinen Kopf. Irgendwie tröstete mich das.
„Ich habe rausgefunden, dass Naomi sie verbreitet hat.“, gestand ich. Ich sah zu meinen Händen, die auf meinem Schoss lagen und begann mit meinen Fingern zu spielen. „Als ich sie darauf angesprochen hatte, hatte sie alles verleugnet, aber irgendwann hat sie es dann zugegeben und wir haben uns geprügelt. Tendou ist dann dazwischen gegangen.“
„Aber wieso hat sie das gemacht?“, hackte sie nach.
„Keine Ahnung. Ich habe nur irgendwas mit Eifersucht verstanden. Der Rest hatte irgendwie gar nichts damit zu tun und hat auch kein Sinn gemacht.“
„Das blaue Auge war also von dir und deine Schrammen im Gesicht von ihr?“
„Ja.“, gestand ich. Ich seufzte. „Danach haben wir uns ignoriert und ich habe versucht ihr aus dem Weg zu gehen. Aber heute ging das ja schlecht. Und dann meinte sie mich provozieren zu müssen und hat sich darüber lustig gemacht, dass mein Freund eine andere geküsst hat, was angeblich ihre Cousine gewesen sein sollte. Keine Ahnung, woher sie das eigentlich weiß. Ich habe es nur Tendou erzählt und der würde so was niemals weitererzählen.“
„Und dann hat es dir gereicht und du hast sie bewusstlos geschlagen?“
„Was? Nein!“, ich hob meinen Kopf und sah Tsuyu verteidigend an. „Ja, ich habe angefangen und ihr an den Haaren gezogen, aber ich wollte keine Prügelei provozieren. Sie ist dann einfach auf mich zu gestürmt und hat mich zu Boden gerissen. Und dann hatte ich die Schnauze voll von ihr und hab sie weggeschubst und ihr ins Gesicht geschlagen. Naja, vielleicht hätte einmal gereicht, aber sie hat mich einfach so wütend gemacht. Ich meine wie konnte sie mir sowas antun? Ich versteh das einfach nicht.“ Ich ließ meinen Kopf auf den Tisch sinken und versuchte mir weitere Tränen zu verkneifen.
„Naja, es war vielleicht nicht richtig von dir sie zu schlagen, aber es war auch nicht richtig von ihr, auf dich los zu gehen. Ich frag mich nur, was der Trainer davon hält. Nicht dass ihr beide jetzt rausfliegt.“
Das bezweifelte ich ehrlich gesagt. Ich wusste, dass er mir eh nicht glaubte aber mich rauszuwerfen würde für die Shiratorizawa bedeuten keine Präfektur oder Meisterschaften zu gewinnen. Und das würde ziemlich am Ruf  der Schule rütteln.

„Du schläfst in einem anderen Zimmer als Sendai“, befiel mir unser Trainer. Ich biss mir auf die Lippe.
„Wieso ich, wieso nicht sie?“, verteidigte ich mich wieder. Ich verstand es nicht. Wieso war ich immer der Buhmann. Ich hatte mich nur verteidigt.
„Hast du sie geschlagen oder hat sie dich geschlagen? Damit ist nicht zu spaßen, wenn du nicht hörst, überlege ich es mir nochmal, ob du bei der Inter High aufgestellt wirst.“
Okay, jetzt hatte ich genug. „Wissen sie was! Ich fahr einfach Nachhause. Ich bin ja scheinbar die Jenige, die hier Probleme macht. Und wenn sie so von mir denken, will ich auch überhaupt nicht bei der Inter High mitmachen.“, ich drehte mich auf dem Absatz um und ging ins Gemeinschaftszimmer, um meine Tasche zu holen und alles einzupacken. Alle sahen mich dabei komisch an. Naomi hatte ein riesen Grinsen in ihrer hässlichen Fresse.
„Na zufrieden, du hinterfotzige Schlampe?“,  fragte ich an sie gewandt als  ich in Richtung Tür ging.
Mit unschuldiger Mine sah sie mich an. Aber man konnte in ihren Augen sehen, dass sie sich gerade einen ablachte. „Ich weiß nicht, was du meinst?“
„Oh Gott, stell dich nicht so dumm. Merkst du nicht, dass deine Schauspielerei unser ganzes Team kaputt macht? Du bist so so dumm oder checkst dus einfach nicht mehr. Oder ist dir alles egal nur an Toshi ranzukommen?“
Ihr Gesicht verfinsterte sich. „Sag das noch mal“
„Gerne“, meinte ich provozierend. „Dir ist jeder Weg recht, um an meinen Bruder ranzukommen. Nur zu dumm, dass er dir nichts glauben wird, was du ihm auch erzählen wirst. Er kann dich nämlich überhaupt nicht ausstehen. Er steht nicht auf gekünstelte Mädchen wie dich.“
Sie sprang schnell von ihrem Futon auf und ging wieder zügig auf mich zu. Soll sie mich doch schlagen, dann wussten alle wie sie wirklich war.
„Ich bin nicht gekünstelt. Wakatoshi mag mich, das hat er mir selbst gesagt und er hat auch nach einem Date gefragt!“, schrie sie mich an.
„Und wann war das? Bevor du mich verarscht hast oder danach? Überleg mal genau!“
Sie sagte kurze Zeit nichts bis sie realisierte, dass das wohl mein Verdienst war. „Du miese Bitch hast ihn gezwungen oder!“, sie griff  sich meinen Zopf und zog an ihm. Ich zischte kurz vor Schmerzen wieder auf, konnte mir aber ein triumphierendes Lächeln nicht verkneifen.
„Sendai! Das reicht!“, unser Trainer ging dazwischen. Wann war er bitte gekommen? Er packte sich Naomis Hand und entzog sie meinem Haar.
„Ich habe euere Eltern informiert. Ihr werdet abgeholt. Packt eure Sachen wir reden am Montag nochmal über den Zwischenfall.“
Ich knirschte mit den Zähnen. Jetzt musste er auch noch unsere Eltern mit reinziehen. Wütend griff ich fester an meine Reisetasche und ging an ihm vorbei nach draußen, um auf meine Eltern zu warten.

Drei Stunden später waren sie auch schon da. Im Auto war es still. Keiner sagte etwas. Es war eine angespannte Atmosphäre. Draußen war es kalt und schon dunkel. Deprimiert sah ich aus dem Fenster. Die vorbeiziehenden bäume wirkten so weit entfernt. Ich seufzte einmal laut. Ich wünschte Tsuki wäre hier. Ich vermisste ihn.
„Was hast du dir nur dabei gedacht?“, schnaubte mein Vater. Er war wütend, das merkte ich daran, dass er seitdem er mich abgeholt hatte, nicht ein Wort mit mir geredet hatte.
„Wegen dir musste ich Termine verschieben nur, um dich abzuholen. Wieso prügelst du dich mit Naomi-chan?“
Durch den Rückspiegel konnte ich sehen, wie er mich ansah.
„Das geht dich nichts an.“
Erneut schnaufte er. „Wenn die Leute der Nationalen mitbekommen, das du Training schwänzt, rausgeworfen wurdest und dich mit Mitspielern prügelst. Bist du da schneller draußen als du drin warst.“
„Das ist mein Problem nicht deins. Oder hast du dann nichts mehr zum Angeben bei den Firmenessen?“
„Saya!“, schrie er mich an. „Jetzt reichtes aber! Ich werde nicht respektlos nur, weil du genervt bist! Ich bin immer noch dein Vater!“
Er hatte mich noch nie angeschrien. Ich erschreckte mich deswegen. Die Tatsache, dass es das erste Mal war brachte mich zum Nachdenken und dann zum Wimmern. Ich wollte wieder weinen. Alles lief nur noch schief. Ich verstand nicht wieso. Verlor ich nach Naomi jetzt auch noch Tsuki und meinen Dad? Was konnte ich tun, damit das alles aufhörte.
Er seufzte. „Tut mir leid. Ich wollte nicht laut werden.“, er nahm eine Hand vom Lenkrad und fuhr sich damit durchs Haar.
„Ich kann nicht mehr, Dad“, wimmerte ich. Mir kamen wieder die Tränen.
Dad fuhr an die Seite, nahm mich dann in den Arm. Er streichelte sanft meinen Kopf.
„Was ist los, Spatz? Wieso prügelst du dich mit deiner Freundin?“, er wischte mir die Tränen ab.
„Ich“, stammelte ich. „Sie ist auf mich losgegangen.“
„Wieso Saya?“
Ich schwieg. Sollte ich die Wahrheit sagen, aber dann würde Dad wissen, was in der Schule passierte.
Er seufzte wieder. „Hoffentlich zeigen sie uns nicht an wegen Körperverletzung.“
„Dann zeige ich sie an wegen Rufbeschädigung.“
Mein Vater sah mich einen Moment nachdenklich an. Er wartete auf eine Erklärung.
„Ich habe rausgefunden, dass sie in der Schule rumerzählt, dass ich wohl mehrere Typen aus verschiedenen Schulen date und naja mit ihnen schlafe. Dadurch bin ich jetzt die Schlampe der Schule.“ Ich wandte mich direkt an meinen Dad, sah dann aber beschämt zur Seite. „In der Schule sprechen mich andauernd irgendwelche Typen an. Und fragen ob ich ihn einen blasen will.“
„Wieso hat sie das gemacht?“
„Keine Ahnung.“, murmelte ich. „Aber Freunde sind wir nicht mehr. Sie meinte, sie war nur mit mir befreundet, weil sie an Toshi ran wollte.“
„Sie mag Wakatoshi?“, er entzog mir seine Arme und sah nachdenklich in die Dunkelheit. „Sie macht dich also schlecht, um an deinen Bruder ranzukommen, weil das Einschmeicheln nicht mehr geholfen hat.“ Er unterbrach sich und summte ein „Hm“
Er wirkte nachdenklich, schaltete dann jedoch wieder das Auto an und fuhr weiter.
„Falls wirklich eine Anzeige kommen sollte, werde ich mich mit ihren Eltern unterhalten und sie zwingen sich bei dir zu entschuldigen und das schlechte Nachsagen zu unterlassen. Ich hätte nie gedacht, dass sie sowas machen würde aber gut, man kann nie wissen, wie ein Mensch wirklich tickt.“ Er sah kurz zu mir rüber, als ich mir die letzten Tränen abwischte. „Mach dir keine Sorgen. Dein Daddy klärt das. Auch mit deinem Trainer, du wirst auf jedenfalls bei der Inter High mitmachen, dafür sorge ich, auch wenn ich Geld spenden muss, um es zu erzwingen.“
„Danke Dad.“, ich lächelte leicht. „Danke, dass du mir zuhörst, mich nicht verurteilst und zu mir stehst.“
„Natürlich. Du bist doch meine Tochter. Ich lasse doch nicht zu das jemand dein Leben zerstört nur, weil es der Person Spaß macht.“
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