Herr, gib mir die Gelassenheit eines Stuhls - Er muss ja auch mit jedem Arsch zurecht kommen.

GeschichteDrama, Humor / P18
OC (Own Character) Tendou Satori Tsukishima Kei Ushijima Wakatoshi Yamaguchi Tadashi
18.11.2018
16.05.2019
32
80131
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„Hey“, nuschelte ich und zock einmal meine Nase hoch.
„Was ist los? Du hörst dich an als hättest du geweint.“, konnte man, das so deutlich an meiner Stimme erkennen?
„Ich muss dir etwas sagen. Es ist wichtig.“
Es knackte kurz in der Leitung. Es dauerte eine Weile bis Tsuki antwortete. „Okay?“
„Es geht um Tendou“, begann ich. Im Nachhinein betrachtet, war das doch keine gute Idee, damit zu beginnen.
„Aha“, er hörte sich nicht besonders erfreut an.
„Und ich fühle mich schlecht, wenn ich dir nichts davon erzähle.“, gab ich zu.
Er sagte nichts, aber ich wusste, dass er mir zuhörte.
„Ich und Naomi haben uns geprügelt.“
„Und, was hat das jetzt mit ihm zu tun?“, seine Stimme klang genervt. Ich schluckte einmal, um meinen Mut zusammen zu nehmen.
„Danach hat er mich verarztet und mich getröstet.“, ich sah zu Boden. Mir liefen immer noch die Tränen.
„Wie hat er dich getröstet?“
„Er hat mich in den Arm genommen“
„Und weiter?“
„Und was weiter. Mehr ist da nicht passiert.“, gab ich verwirrt von mir.
„Du rufst mich an, um mir zu sagen, dass er dich umarmt hat und du dich deswegen schlecht fühlst?“, er klang skeptisch.
„Ja“
„Und das soll ich dir glauben? Wenn nichts passiert ist, wieso fühlst du dich dann schuldig?“
Ich biss mir auf die Lippe. Wieso vertraute er mir nicht? „Keine Ahnung, wieso ich mich schuldig fühle. Es ist wirklich nichts passiert. Ich wollte nur-„ ich unterbrach mich selbst. „Ach, keine Ahnung. Ich fühle mich einfach schlecht, dass er mich getröstet hat.“
„Empfindest du was für ihn?“, es klang hart als er das sagte.
„Was? Nein. Wieso sollte ich?“, versuchte ich ihm zu erklären.
„Für mich hört es sich so an als hättest du etwas dabei gefühlt und jetzt fühlst du dich schuldig, weil du eigentlich mit mir zusammen bist.“
Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und seufzte einmal tief. Schon wieder Streit. Wieso hatte ich überhaupt angerufen? Ich bin echt zu blöd für diese Welt. Wenn ich jetzt nichts sagen würde, würde er denken das er recht hatte. Aber da war nichts. Keine Schmetterlinge, kein Herz klopfen, nichts. Tendou war mein bester Freund mehr nicht.
„Ich weiß nicht, wie oft ich das noch sagen soll. Er ist nur ein Freund von mir. Kapier das endlich.“
Dazu sagte er nichts. Ich wusste, dass er mir nicht glaubte. Aber was sollte ich tun, um ihm zu beweisen, dass das stimmte? Ich konnte es ihm nicht beweisen. Wie auch? Ich hatte ihm alles gegeben, was ich ihm geben konnte. Mehr ging einfach nicht.
„Ich schlaf morgen bei dir.“
„Hä?“, wie kam er denn jetzt darauf? „Findest du das nicht ein wenig zu kurzfristig?“
„Häh, schläft Tendou nicht andauert bei euch oder willst du mir sagen, dass es ihm erlaubt ist und mir nicht?“, das spöttische Grinsen konnte man mal wieder deutlich durchs Telefon hören. Aber ich ließ mich davon nicht ärgern. Er wollte hier schlafen? Das konnte er haben.
„Okay!“, antwortete ich ihm.

Der nächste Tag fing früh an mit Morgentraining. Naomi war nicht aufgetaucht. War wahrscheinlich auch besser so. Ich wüsste nicht, was ich getan hätte, wenn ich sie gesehen hätte. Das dumme war nur, das wir zusammen in einer Klasse waren und ich sie früher oder später sowieso getroffen hätte. Bis jetzt war sie aber noch nicht im Klassenraum erschienen. Ich schaute immer wieder zur Tür, wenn jemand kam und hoffte, dass sie es nicht war. Ich hoffte so sehr, dass sie einfach zuhause bleiben würde und nie wiederkam.
Ich wandte meinen Blick zum Fenster. Wir hatten noch gute 15 Minuten Zeit, ehe der Unterricht beginnen würde. Als ich heute Morgen in den Spiegel sah, konnte ich erkennen, dass an meinem Kiefer ein blauer Fleck erscheinen würde. Die Stelle war ziemlich gerötet und auch leicht geschwollen.
Gedankenverloren spielte ich mit dem Bleistift in meiner Hand. Wir hatten jetzt Geschichte. Eines meiner Lieblingsfächer. Um genau zu seiner japanischen Geschichte. Japan war schon ein faszinierendes Land, voller Mythen und Sagen.
Im Fenster konnte ich erkennen, dass Naomi ins Zimmer gekommen war. Sie würdigte mich keines Blicks. Nur zu dumm, dass sie genau hinter mir saß. Das hieß sie würde mich permanent sehen. Ach, war das schön, wenn man nur mit seiner bloßen Anwesenheit jemanden ärgern konnte. Jetzt, wo ich darüber nachdachte, freute ich mich sogar, dass sie gekommen war. Ich würde ihr zeigen, dass ich auch gut ohne sie zurechtkam. Ich brauchte sie nicht.

Die Mittagspause verbrachte ich, wie die letzten Tage, in der Cafeteria. Heute gab es Gyros mit Reis.
„Habt ihr noch einmal miteinander geredet?“, Tendou sah mich fragend an.
„Nein, wieso sollte ich?“, ich stocherte mal wieder in meinem Essen herum. Irgendwie hatte ich keinen Appetit.
Tendou sagte daraufhin nichts und begann ein neues Thema.
„Von dir geschlagen zu werden, muss echt weh tun“, seufzte er.
„Ist das so“, schmunzelte ich.
„Hast du nicht ihr Auge gesehen? Das Veilchen kam sicher nicht von selbst.“
„Hm“, summte ich glücklich. Es war eine Genugtuung, dass ihr Gesicht schlechter aussah als meins. „wann beginnen wir mit dem lernen für deine Uniprüfung? Auf welche möchtest du überhaupt?“
„Auf die in Tokio. Die C Uni.“
„Tokio ist so weit weg.“; seufzte ich wehmütig. Ihn zu besuchen würde schwer werden. Es würde nur an Feiertagen oder Wochenende gehen.
„Vermisst du mich etwa schon?“, sein Grinsen, sagte mir, dass er sich eindeutig darüber freute.
„Natürlich. Wieso sollte ich nicht? Du bist mir eben wichtig.“, gestand ich.
Tendou sah überrascht über meine Worte aus. Es war aber wahr. Er bedeutete mir viel. Sehr sogar. Er war ein guter Freund. Einer auf den ich mich verlassen konnte.
„Ich werde dich auch vermissen.“, wieder seufzte er. „Besonders unsere Tage an diesem Tisch.“
Es stimmte mich traurig, dass bald alles vorbei sein würde. Ich würde dann ganz allein ins dritte Jahr starten. Ich hoffte, dass Naomi nicht wieder in meiner Klasse sein würde.
„Sei nicht traurig, Saya-chan. Wir werden uns sicher noch weiterhin sehen.“
„Ja“, antwortete ich ihm. „Auf jeden Fall!“
„Auf welche Uni gehst du eigentlich Wakatoshi?“, Tendou wandte sich zu Toshi.
„Ich habe ein Stipendium für die A Uni bekommen“, das war mir jetzt neu. Wann hatte er das bekommen? Und wieso, wusste ich nichts davon?
„Die A Uni?“, überrascht sah er jetzt Toshi an. „Ist das nicht eine Eliteschule? Die muss doch sau teuer sein.“
„Ja“, Toshi nahm sich ein Tablett und stand auf. Scheinbar war das Gespräch für ihn beendet.
„Toshi?“
„Hm?“, brummte er.
„Tsuki schläft heute bei uns.“, ich musterte ihn. Ihm würde das nicht gefallen, das wusste ich, aber ich wollte auch nicht, dass er zuhause war und ihm eine scheuern würde.
„Tendou kann ich bei dir übernachten?“, Toshi wandte sich zu Tendou.
„Äh, ja klar. Meine Eltern werden sich sicher freuen. Wenn’s nach denen gehen würde, sollte ich lieber schwul werden und mit dir zusammen sein.“
Ich lachte einmal auf. Beide sahen mich streng an. Fanden sie es nicht witzig? Upps.

Nach dem Unterricht rief ich Tsuki an. Ich wollte ihm sagen, wann er kommen konnte. Es dauerte ein paar Sekunden bis er ranging.
„Hallo Baby“, begrüßte ich ihn.
„Du bist aber gut gelaunt.“, stellte er fest. Im Hintergrund waren Stimmen zu hören.
„Ich bin immer gut gelaunt, wenn es um dich geht“, schmunzelte ich.
„Natürlich.“
„Wann willst du heute kommen? Bleibst du über das gesamte Wochenende?“
 „Ich dachte ich komm so 22 Uhr. Ich muss erst noch einmal meine Sachen holen.“, meinte er.
„Okay“, gut dann hatte ich noch Zeit, um mit Tendou ein wenig zu lernen. Ich wollte ihm unbedingt helfen seine Aufnahmeprüfung zu bestehen.
Wieder waren Stimmen zu hören. Jemand lachte sogar.
„Wo bist du gerade? Es ist so laut.“
„Ich bin im Clubraum und zieh mich gerade um.“
„Hm“, summte ich. „Was hast du gerade an?“
„Nur meine Unterwäsche.“, durch das Telefon konnte man hören, dass es ihn amüsierte.
„Welche Farbe?“, schmunzelnd packte ich meine Sachen zusammen. Da wir morgens Training hatten, hatte ich jetzt genug Freizeit.
„Das wirst du Abend sehen.“
„Hm“, summte ich wieder. Der Gedanke war verlockend.
„Saya? Können wir los?“, Tendou schaute durch die Tür des Klassenzimmers.
„Ja, ich komme.“, antwortete ich ihm und nahm mir meine Tasche.
„Ich muss jetzt los. Wir sehen uns abends.“
„Okay. Bis heute Abend.“ Er beendete das Gespräch.

Ich legte die Trinkflasche weg, mit der ich gerade die Kätzchen gefüttert hatte. Tendou sah mir währenddessen die ganze Zeit zu. Irgendwas an seinem Blick verunsicherte mich.
„Mit was wollen wir beginnen?“, fragend wandte ich mich zu ihm als ich das letzte Kätzchen in den Korb legte, die anderen beiden schliefen seelenruhig.
„Ich weiß nicht.“, er hatte seinen Ellenbogen am Tisch gestützt und sein Gesicht in seiner Hand platziert.
Ich seufzte. Ich hatte geahnt das er sich noch keine Gedanken darüber gemacht hatte. „Okay“, ich stand vom Tisch auf und ging auf meinen Schreibtisch zu und nahm mir die Karteikarten, die ich abends noch vorbereitet hatte, da ich nicht schlafen konnte. „Sei froh das du so jemanden hast, wie mich.“, schmunzelte ich. „Ich habe alles vorbereitet. Wir testen jetzt welche Fächer dir am wenigsten liegen und an die gehen wir dann ran.“
„Okay“, wieder sah er mich so merkwürdig an. Wieso machte mich das so unruhig?
„Äh“, stammelte ich verwirrt über meine eigene Reaktion. „Fangen wir mit englisch an. Ein paar grundlegende Fragen“, ich suchte in den Karteikarten nach dem Fach. Als ich es fand begann ich zu sprechen. „Okay. Hello, do you speak english?“
Tendou konnte seinen Blick einfach nicht von mir abwenden. Er beobachtete mich. Wieso tat er das? Es dauerte ein paar Sekunden bis er mir antwortete. „See I so out?“
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. War er wirklich so schlecht in Englisch oder verarschte er mich gerade?
„Nimm das ernst, Tendou! Das ist überhaupt nicht witzig.“, Ich schlug ihm auf die Schulter.
„Aber du grinst doch. Also findest du es doch witzig.“ Ich versuchte mir das Grinsen zu verkneifen und ernst zu bleiben.
„Antworte jetzt richtig.“, ermahnte ich ihn.
Er seuftze „Yes, a little bit.”

Es stellte sich raus, dass er eine Niete in Deutsch, Biologie und Chemie war. In Mathe war er ein Ass, auch japanisch konnte er einwandfrei.
„Das ist falsch, Tendou“, ich beugte mich über den Tisch und legte ihm wieder das Blatt hin, dass er beantworten sollte.
„Was ist daran falsch? Hat Goethe nicht Schiller geschrieben?“,  unschuldig fragend sah er mich an.
Ich klatschte mir die Hand gegen die Stirn. Ihm etwas beizubringen war schwieriger als ich dachte.
„Kennst du nicht Goethes Faust?“, meine Nerven waren überstrapaziert. Er machte mich wahnsinnig. Ich wurde immer ungeduldiger, was richtige Antworten anging und sobald er sie falsch hatte, war ich nur noch genervt.
„Ach, geboxt hat er auch? Das wusste ich, gar nicht“
Ich blinzelte ihn fassungslos an. War er so dumm oder tat er nur so? Ich wollte ihm am liebsten den Stoff einprügeln.
„Wieso nimmst du das nicht ernst, Tendou? Ich dachte, wir wollten zusammen lernen.“, vorwurfsvoll sah ich ihn an.
Er sah mich wieder so unlesbar an. Bedrückte ihn irgendwas? Seufzend lehnte er sich nachhinten.
„Ich kann mich nicht konzentrieren.“, gestand er.
„Wieso?“ Wieder dieser Blick. Es lief mir eiskalt den Rücken runter.
„Kommst du ohne sie klar? “, meinte er Naomi?
„Ja, ich denke schon“, nun war auch ich abgelenkt. Ich hatte es geschafft den ganzen Tag nicht in Trauer zu versinken aber jetzt wo Tendou es ansprach, spürte ich wieder, wie enttäuscht ich eigentlich war.
„Ich habe übrigens etwas für dich“, überrascht sah ich ihn an.
„Wofür?“, neugierig beobachtete ich ihn als er eine Schachtel aus dem Rucksack zog.
„Dafür, dass du mir beim Lernen hilfst“, er übergab sie mir.
„Ich helfe dir doch gar nicht richtig, Tendou. Du machst ja nicht mal richtig mit.“
Schief grinsend sah er mich an. „Ich verspreche dir, dass ich beim nächsten Mal mitmache. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren, weil ich mir so sorgen um  dich mache“
Ich sah mir die Schachtel genau an. Sie war klein. Sicher war da Schmuck drin. Ich öffnete sie, zum Vorschein kam ein S Anhänger. Ich nahm sie in die Hand und betrachtete sie. Es waren Steinchen in ihr.
„Tendou, das wäre nicht nötig gewesen.“
„Sie passt doch gut zu deiner Kette, oder?“, grinsend klappte er sein Notizbuch zu.
„Wofür steht das S? Für Satori?“, skeptisch sah ich ihn an. Ich befürchtete, dass es sogar wahr war, dann konnte ich es absolut nicht annehmen. Was würde Tsuki wohl davon halten, wenn ich mit einem Geschenk von Tendou rumlaufen würde, das auch noch für ihn steht?
„Es steht für Saya, wenn du es genau wissen willst.“, überrascht sah ich kurz zu ihm. Wenn das wahr war, dann konnte ich es mit ruhigem Gewissen annehmen.
„Danke“, lächelte ich ihn an. Ich nahm die Kette von Tsuki ab und fädelte das S in ihr durch. Jetzt hatte ich einen Anhänger für uns beide. Fehlte nur noch ein Plus. Ich beugte mich zu ihm und gab ihm einen Kuss auf die Wange als danke schön. Verlegen sah er zu seiner Federtasche. Hatte ich etwas falsch gemacht?
„Seit wann bist du denn so schüchtern?“, ich hob amüsiert meine Augenbraue.
Er sagte nichts dazu. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Tendou mochte mich eben und ich denke bei jeder Berührung bekam er Schmetterlinge im Bauch. Ich kannte das Gefühl zu gut. Aber ich hatte mir seitdem das mit Naomi war, geschworen mir nicht mehr so viele Gedanken über andere zu machen. Ich sollte mich auf mich konzentrieren und das tun was mir gut tat.
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