Die Chroniken von Melchor - Die Träne der Nacht

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P18
18.11.2018
31.03.2019
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Der Orden der grünen Eiche


Seit drei Jahren nun war Robert Ordensmeister und die Früchte seiner Mühen konnten sich sehen lassen. Aus der einst eisigen Einöde durch die sie ihren letzten Vorstoß unternahmen, war nun ein besiedeltes Land geworden.
Alte Dörfer waren neu errichtet worden, Felder neu bestellt und auch die wenigen Städte nun vollständig wiederaufgebaut. Dennoch hatten sie mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen.
Die Siedler die man ihm geschickt hatte, waren zu seiner Überraschung die Familien der Soldaten unter seinem Kommando gewesen, Menschen mit ausgeprägter magischer Begabung und was ihn am meisten überraschte, angeblich alle Engel die noch in den Landen der Kirche lebten.
Es waren unglaublich viele gewesen die man ihm schickte, doch Werkzeuge oder andere Dinge die man dringend hätte brauchen können, hatte man ihnen verweigert und sich darauf berufen, dass er es alleine schaffen sollte.
Hinterhältige Hunde!
Aus diesem Grund hatte er direkt zum ersten Frühling des Jahres seinen Bruder aufgesucht und um Hilfe gebeten. Alle hatten Geld gesammelt um die Waren zu bezahlen. Jedoch war auch seinem Bruder unmöglich gewesen ihm zu helfen.
Sein Fürstentum war schwer verwüstet worden, wodurch er vieles selber brauchte. Dennoch hatte er ihm sein Wort gegeben, dass er sich an den König wenden würde. Im geheimen.
Dieser wollte einem Handel zustimmen, wenn Robert weitere Jahre des Friedens garantierte und für die Waren bezahlte, welche für den Krieg verwendet werden könnten.
Für Robert war es eine große Überraschung gewesen, dass er nur für das Material zahlen musste, welches kriegstauglich war. Dadurch war ihnen sogar Geld übrig geblieben, für das sie in den Landen der Kirche Nahrung kauften um das erste Jahr zu überstehen.
Das erste Jahr war das schlimmste gewesen. Kurze Unruhen, ein paar Fanatiker die die Grenze überfielen und damit beinahe einen neuen Krieg auslösten, wäre Christian nicht gewesen. Gerade die mangelnde Nahrung war ein Problem. Viele starben am Hunger, weil die Nahrung nicht reichte.
Das zweite Jahr wurde dann besser und nun im dritten Jahr, war alles stabil. Die Ernten waren ausgebracht, jeder hatte ein Dach über dem Kopf und es herrschte zum ersten Mal wirklicher Frieden. Es war für Robert ungewohnt. Er war immer Soldat gewesen und im Frieden wusste er kaum etwas mit sich anzufangen.
Hochinquisitorin Saskia half ihm dabei keine Langeweile zu empfinden. Ihre Scheu wich mit der Zeit und sie wirkte bald selbstbewusster.
Sie ließ mit der Zeit sein Herz immer höher schlagen. Er liebte sie, das konnte er nicht mehr länger leugnen, so merkwürdig es auch schien. Der Befehl an sie ihn zu töten wenn es notwendig wäre, wurde nicht widerrufen.
Ich liebe die Frau die mich töten soll. Was für eine Ironie.
Über ihre Gefühle hingegen war er sich nicht sicher. Sie war noch immer sehr scheu, wenn auch nicht mehr so wie früher. Es fiel ihm schwer zu sagen, wie sie zu seinen Gefühlen stand.
In diesem Moment stand er in seinem Kartenraum und brütete über den neuesten Berichten. Entlang der Grenze, auf Seiten der Kirche zu seinem Ordensgebiet, waren etliche der neuen Ziegelburgen errichtet worden. Diese sicherten die Grenze.
Offiziell um im Falle eines Angriffes aus Krouun die Grenze zu sichern und Soldaten zu beherbergen, die ihn bei Bedarf unterstützen. Robert jedoch glaubte das nicht mehr ganz.
Ihm war zu Ohren gekommen, dass merkwürdige Geschichten über ihn und seinen Orden die Runde machten. Jedoch war es bisher noch nichts konkretes. Sie schürten Zurückhaltung innerhalb der Bevölkerung und machten es immer schwerer von den Bewohnern jenseits des Ordensgebietes Unterstützung zu bekommen.
Saskia hatte recht. Sie isolieren uns. Stück für Stück. Ich bin nie ein Mann gewesen der auf seinen Ruf achtete, aber er scheint sich ins schlechte zu kehren. Die Patriarchen wollen doch hoffentlich nicht unsere Leben als Preis für ihre Politik. Das wäre das schlimmste.
Er ging vom Kartenzimmer in sein Arbeitszimmer, wo er sich hinter seinen Schreibtisch fallen ließ. Es war ermüdend sich darüber Gedanken zu machen und beunruhigte ihn dennoch. Es ließ ihn nicht los. Wären diese Ziegelburgen nicht, er würde sich nicht einmal Sorgen machen.
Betrachtete man es ganz extrem, so konnten die Patriarchen von dort aus ohne Schwierigkeiten in seinen Rücken fallen. Er saß in einer Zwickmühle, wenn es tatsächlich stimmte und dies vielleicht sogar ihr Plan war.
Von seinem Vater hatte er nichts gehört und auch Christian nicht. Laura hatte er bisher noch nicht wiedergetroffen, hoffte aber, dass er sie einmal wiedersehen könnte. Sie war, so unglaublich es klang, seine Schwester.
Robert hatte von Christian gehört, dass es ihr gut gehe und sie für ihn Karten seines Fürstentums anfertigte. Das Gebiet hatte Christian ihm einmal grob auf der Karte gezeigt und Robert staunte über die Größe. Es umfasste die gesamte Grenze zum Gebiet seines Ordens und ging noch darüber hinaus.
Ein großes Gebiet, selbst für einen Fürsten.
Die Tür zu seinem Arbeitszimmer öffnete sich und Hochinquisitorin Saskia betrat den Raum.
Sie warf ihm ein kurzes Lächeln zu und sagte: ,,Ich bin froh euch hier zu treffen. Die befestigung der Straßen geht bereits in die Endphase und es wurde eine verlassene Mine gefunden. Mit etwas Glück sind wir bald nicht mehr auf den Handel mit Metall angewiesen.''
,,Das sind gut Neuigkeiten. Gibt es sonst noch etwas?''
Sie wirkte in ihrer schlichten, engen, dunkelbraunen Lederrüstung nicht wie eine Inquisitorin, aber sie sagte ihm, sie habe nicht sehr viel anderes zum anziehen. Er konnte sich auch denken warum.
,,Nein, sonst gibt es nichts. Entschuldigt mich dann bitte Ordensmeister, ich habe noch einiges zu tun.''
Bevor Robert noch etwas sagen konnte, verschwand sie.
Sie ist so eifrig, dass ich sie nie zu greifen bekomme. Es geht immer nur um die Pflicht.
Er liebte sie und war doch nicht in der Lage sich den Luxus einer Beziehung zu gönnen und eben das frustrierte ihn mittlerweile manchmal. Seine Pflichten nahmen ihn zu sehr ein.
Irgendwann. Mit ein wenig Glück bin ich nicht ewig in dieser Position. Im Endeffekt verbieten die Gesetze der Kirche ja sowieso die Beziehungen zu Untergebenen und die Patriarchen machten recht deutlich, wer von uns den höheren Rang bekleidet. Manchmal beneide ich Christian. Für ihn ist es sicher leichter.
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