Outlast: Alternatives Ende

von Estarva
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16
17.11.2018
11.02.2019
14
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Kapitel 14


**Waylons Sicht**

Wir waren durch den Notausgang in eine Art Hof gelangt. Hier standen viele Autos, die sicherlich allesamt abgeschlossen waren. Mir war ganz komisch, irgendetwas stimmte nicht. Selbst der sonst so mutige Miles schwieg und wirkte sehr aufmerksam. Ich begann wieder zu zittern, so reagierte ich oft wenn Ich Angst hatte. Nun... eigentlich reagierte Ich immer so komisch auf solche Situationen. Gerne hätte Ich jetzt Miles Hand gehalten, aber jetzt erschien es mir unangebracht. Ob Miles wohl genau so fühlte wie Ich?

Plötzlich und wie aus dem Nichts, hörten wir, wie eine Waffe geladen wurde.
Miles drehte sich sofort um und schubste mich zur Seite, damit Ich nicht von einer geschossenen Kugel getroffen wurde.

„Wie süß, dass du Ihn beschützt. Würdest du bitte Beiseite treten? Ich versuche gerade, jemanden zu erschießen.“

Ein viel zu hohes „WAS?!“ sprang förmlich aus meinem Mund, es fielen weitere Schüsse.

„Mr. Park, Ich wusste nicht dass Sie quiken können wie ein abgestochenes Meerschweinchen.“

Mein Herz raste wie verrückt, Ich verstand nicht mehr was los war. Einige Tränen liefen meine Wangen herunter, Ich hatte Todesangst. Ich wollte nach Hause zu meinen Kindern, nach Hause zu meiner Lisa... Ich wollte noch so viel mit ihnen erleben. Ich wollte nicht sterben, nicht hier und auch nicht jetzt.
Ich war entsetzt. Entsetzt von der Tatsache, dass mir keiner, nicht einmal Miles, versuchte zu helfen. Nicht einmal Gott, dem Ich damals meine Treue schwur. Ich war tatsächlich ein wenig Gläubig, aber anscheinend nicht genug.

„Mr. Park, hören Sie auf sich zu winden. Ich wi.. Argh!!!“

Was passierte hier? Wo war Miles? Warum schrie er so? Was in aller Welt...
Ein weiterer Schuss fiel, der mich an der Schulter traf. Unter Schmerzen ging Ich ein wenig zu Boden, konnte mich aber noch auf Kniehöhe halten.
Ich verstand überhaupt nichts mehr. Alles um mich herum begann sich zu drehen, Ich fühlte, wie Ich immer schwächer wurde.
Nein. An einem Schuss in die Schulter stirbt man nicht. Ich habe schon in so vielen Filmen gesehen, wie sich die Protagonisten wieder heldenhaft aufgerappelt haben.

Aber Ich bin kein Held. Ich bin nur ein armer Bursche, der zu überleben versucht.
Aber nicht nur für mich selbst. Für meine Söhne, für meine Frau Lisa und letzendlich auch für Miles. Miles bedeutet mir viel, es gibt noch so viel, über das Ich mit ihm reden möchte.

Ein weiterer Schuss fiel, gefolgt von einem schmerzverzerrtem Schrei.

Moment. War das Miles, der gerade geschrien hatte?
Verzweifelt schaute Ich in seine Richtung. Miles lag seitlich auf dem Boden, während der Chef einfach nur, ohne etwas zu sagen, sein Werk beobachtete.

„Was hast du dir dabei nur gedacht, hm? Und jetzt sieh dich an. Du elendes Stück Dreck!“
Er trat gegen Miles, der erneut aufschrie, was meine Nackenhaare aufstellen ließ. Er würde mich umbringen, genau wie er es mit Miles tut. Er wird mich genau so wenig verschonen, mir bleibt nichts anderes übrig, als zu rennen...

Doch der Chef machte mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Als Ich aufstand um zu rennen, trat er mir hart in den Rücken, sodass Ich wieder nach vorne, zu Boden fiel.

„Hast du gerade versucht abzuhauen? Du wolltest deinen Freund einfach hier liegen lassen? Du mieses Stück Dreck.“

Ich wollte erneute aufstehen, wurde jedoch mit dem Fuße des Chefs wieder nach unten gedrückt. Ich hörte und sah, wie er erneut seine Waffe lud, nun war alles vorbei.

Dachte Ich zumindest. Wir beide hörten einen, uns bekannt vor kommenden Schrei, der Alles andere als menschlich klang. Der Mann erschrak, drehte seinen Kopf in die Richtung, aus der wir den Schrei hörten, sein Fuß ruhte weiterhin auf meinem, bereits unglaublich schmerzenden Rücken. Die Luft schien stickig zu werden, obwohl wir an der frischen Luft waren, außerhalb des Gebäudes. Alles schien dunkler zu werden, was auch an meinen schwindenden Kräften hätte liegen können.
Ich konnte in meinem Augenwinkel sehen und spüren, wie die Bedrohung von mir gerissen wurde. Er schrie erschrocken, Ich richtete mich auf, um zu sehen, was nun passierte. Der Walrider schien den Armen förmlich in Stücke zu reißen, er schien sehr wütend. Ich schaute mich nach Miles um, er war nirgends zu finden, was mich ein wenig beruhigte. Unter Schmerzen versuchte Ich aufzustehen – vergebens. Schwach fiel Ich hart wieder zu Boden und konnte hören, wie der Chef seinen allerletzten Schrei tat.

Doch Ich lag weiterhin auf dem Boden und konnte nicht aufstehen. Der Walrider schwebte auf mich zu und nahm wieder Miles Gestalt an.


**Miles Sicht**

Waylon lag auf dem Boden, höchstwarscheinlich in seinem eigenen Blut. Meine Wunde konnte Ich kaum noch spüren, aber da Waylon nicht den Schutz des Walriders mit sich hatte, konnten seine Wunden nicht auf wundersame Weise wieder heilen. Ich begann zu Verzweifeln, als er sich nicht bewegte...

„Waylon?“ fragte Ich ihn leise. Der Angesprochene schaute glücklicherweise zu mir hoch und begann leicht zu lächeln.

„Brauchst du Hilfe?“
Nachdem Ich das sagte, nickte er kurz und leicht, Ich ging auf ihn zu, um ihm beim Aufstehen zu helfen. Sanft nahm Ich seine Hand und zog ihn behutsam nach oben. Sein anderer Arm erschien fast taub, da er ihn beim aufstehen nicht benutzte.

„Laufen kannst du, oder?“
Waylon nickte, Ich legte seinen Arm über mich und half ihm beim Laufen. Wir liefen zum nächstbesten Auto, der Schlüssel steckte glücklicherweise. Sanft und behutsam setzte Ich ihn auf den Beifahrersitz und suchte nach einem Verbandskasten. Leider hatte Ich selbst im Kofferraum - wo nach dem Gesetz eigentlich einer liegen sollte - keinen gefunden. Entschlossen riss Ich dann ein Stück von meiner Jacke ab, um wenigstens die Wunde an seiner Schulter etwas zu verbinden.

„Danke...“ hauchte Waylon. Er schien am Ende seiner Kräfte, daher beschloss Ich ihn schnellstmöglich zu einem Krankenhaus zu fahren. Ich schnallte Waylon und mich an, atmete tief durch und startete den Motor, der zum Glück ansprang. Auch das Nawi startete Ich und gab den Namen eines Krankenhauses ein - ein Krankenhaus das nicht in Leadville, sondern weiter weg stand. Ich hatte das Gefühl, dass diese Karre vielleicht von den Arbeitern hier getrackt werden könnte, Ich wollte nunmal auf Nummer sicher gehen, schließlich hatte Ich gehörig die Schnauze voll von diesen Typen.

Als Waylon dann seit ungefähr zehn Minuten Fahrt kein Wort sagte oder sich überhaupt irgendwie bewegte, machte Ich mir ziemliche Sorgen. Er war ja ein eher redseliger Mensch, von daher...

„Waylon? Bist du noch bei mir?“

Er antwortete mir nur mit einem leisen „Mhm.“, aber das war mir Genug.
Als wir dann in der nächstbesten Stadt angekommen waren, fuhr Ich auf einen Parkplatz vor einem Einkaufszentrum, da Ich lieber Passanten fragen wollte, ob sie mir doch bitte Ihr Handy leihen könnten. Ich fragte eine junge Frau, die als sie mich sah ziemlich erschrak.
„Entschuldigen Sie, dass Ich Sie erschreckt habe, aber Ich... besser gesagt wir, bräuchten Ihre Hilfe.“
Sie schaute mich nur verwundert an, so als ob sie mich nicht verstehen könne. Waren wir etwa in einem anderen Land? Würde mich nicht wundern. Da aber Amerikanisch, oder besser gesagt Englisch eine Hauptsprache ist, verstand sie dann doch was Ich sagte und rief einen Krankenwagen. Waylon wurde in ein Krankenhaus gebracht, Ich durfte mit einem anderen Wagen hinterherfahren - schließlich wollte Ich Waylon in einer fremden Umgebung wie dieser nicht allein lassen.

Als wir dann endlich angekommen waren, wurde Waylon behandelt und Ich wurde ausgefragt, was denn nun passiert war. Da Waylon gut versichert war, wurde alles von der Versicherung bezahlt. Sogar seine Frau kam nach ein paar Stunden auch vorbei - wir schienen wirklich weit von Leadville entfernt zu sein.

Tage, Wochen, Monate vergingen, ein Gerichtsverfahren gab es nicht. Ich enfernte mich etwas von Waylon. Er war glücklich mit seiner Familie, daher wollte Ich ihm diese schöne Zeit lassen. Ich reagierte nicht mehr auf seine Nachrichten und Anrufe, Ich wollte mich einfach nicht mehr einmischen. Ich mochte Waylon und wollte ihm sein Glück nicht nehmen. Unsere gemeinsame Zeit war vorbei, so dachte Ich zumindest. Ich wusste, dass Waylon traurig darüber war und sich Sorgen um mich machte, schließlich stand es in seinen Nachrichten, die er mir schrieb. Wir hatten damals im Krankenhaus tatsächlich Nummern ausgetauscht - wie süß. Ich hatte ihm sogar meine Adresse verraten, sodass er, wenn er denn irgendwann mal ein Problem oder Kummer haben sollte, gerne vorbei kommen und sich bei mir ausweinen konnte. Dies führte dazu, dass er mir eines Tages sogar einen Brief schrieb, auf dem stand:

„Lieber Miles,

du hast mir schon länger nicht mehr auf meine Nachrichten und Anrufe geantwortet, daher mache Ich mir große Sorgen um dich. Wir haben schon so viel gemeinsam durchgemacht, über das Ich mich gerne mit dir austauschen möchte. Du bist ein wunderbarer Mensch, daher vermisse Ich es, mich mit dir zu unterhalten – obwohl das letzte Mal, dass wir uns unterhielten, bestimmt erst ein Jahr her ist. Mich interessiert es, was du gerade machst, schließlich bist du ja meines Wissens allein.
Wenn du mir nicht antworten solltest, dann komme Ich persönlich vorbei, um mich zu vergewissern ob es dir gut geht.

In Liebe,
Waylon.“

Wie putzig. Das klingt ja ähnlich wie der erste Liebesbrief, den Ich nach dem Vorfall in meiner Vergangenheit bekommen hatte. Meine Freundin, mit der Ich in dieser Zeit in einer Beziehung war, machte sich verständlicherweise Sorgen um mich. Aber Ich wusste, dass Ich niemanden mehr lieben konnte und deshalb sagte Ich mich von ihr los. Klar war sie traurig, aber Ich wusste, dass sie mit einem Anderen sicherlich mehr Spaß hatte, als mit einem gebrochenen Mann wie mir.
Traurig lächelnd legte Ich Waylons Brief beisete, er hatte mir sogar einen Blumenstrauß dazugelegt, den Ich auch in meine schönste Vase, auf die Kommode in meinem Flur stellte.
Damit Waylon sich nicht die Mühe machte, zu mir zu kommen, beschloss Ich ihm eine Email zu schreiben, da er mir nie seine Adresse gegeben hatte.

„Hallo Waylon,

Ich habe deinen Brief und die Blumen erhalten und mich sehr gefreut. Ich bedanke mich dafür und auch für das Kompliment. Da du mir sehr liebgewonnen bist, möchte Ich ehrlich zu dir sein: Ich möchte nicht, dass du dir die Mühe machst, zu mir zu kommen. Ich möchte, dass du Zeit mit deiner Familie verbringst und sie genießt und nicht deine Zeit mit mir verschwendest. Mir geht es gut, zwar bin Ich immer noch allein, aber Ich habe mich daran gewöhnt, also sorge dich bitte nicht um mich. Dass du dir Sorgen machst und vielleicht sogar noch traurig bist, lastet schwer auf mir. Sieh also bitte nach vorn und genieße die Zeit, die dir noch bleibt.“

Tränen tropften auf den Blidschirm meines Handys, als Ich den Text abgesendet hatte. Waylon las ihn sofort, ging danach aber wieder offline. Dass er mir nicht antwortete verwunderte mich, da meine Freundin mich noch ewig davon überzeugen wollte, dass Ich doch bitte weiterhin Zeit mit ihr verbringe.

Traurig und müde lief Ich in mein Badezimmer, putzte meine Zähne, rasierte meinen kurzen Bart und setzte mich wieder an meinen Laptop um noch weiter an meinem Bericht über Murkoff zu schreiben. Meine Augen brannten, da Ich geweint hatte und unglaublich müde war – schließlich war es bereits 23:00 Uhr.
Ich erschrak, als jemand wie ein Verrückter gegen meine Wohnungstür hämmerte. Neugierig lief ich zur Tür und schaute durch den Spion. Doch leider konnte Ich nichts erkennen, da es stockdunkel war. Ich atmete tief durch und öffnete die Tür.

Vor mir stand Waylon, mit einer Tasche in der Hand und Tränen in den Augen, was auch mir sofort wieder Tränen in die Augen schießen ließ.

„Hör zu Waylon, Ich...“

Doch noch bevor Ich meinen Satz beenden konnte, legte Waylon sanft seine Arme um meine Hüfte, schmiegte seinen Kopf in meinen Arm und fing an zu weinen.

„Warum solltest du das wollen...?“ fragte er flüsternd. Seine Stimme klang so traurig, was ein Stechen in meiner Brust auslöste. Ich wollte genau das verhindern, aber machte alles nur noch schlimmer.
Als er mich dann wieder losgelassen hatte, schloss er die Tür und schaute in mein Gesicht.

„Können wir einen Tee trinken? Mir ist kalt.“

Ich war etwas überrascht über sein Verhalten, so war er noch nie zu mir. Aber so eine Behandlung bräuchte Ich wohl mal.

„Ähm, klar können wir das. Gibt es einen bestimmten Tee, den du trinken möchtest?“

„Hast du Schwarztee da? Ich bin müde und möchte nicht sofort einschlafen.“

„Ja, habe Ich. Du kannst dich gerne auf die Couch setzen, wenn du möchtest...“

Als Antwort schaute mich Waylon mit einem eher wütenden Blick an, setzte sich dann aber doch in die Stube und machte das Licht an. Er nahm auch, ohne zu fragen, meine Decke und legte sie sich über seinen Rücken, über seine Schultern und Arme.
Ich bereitete derweil den Tee zu und setzte mich zu ihm, auf meine Couch. Ich reichte ihm eine Tasse Tee, die Andere nahm ich für mich selbst. Waylon nahm einen großen Schluck und schaute mir in die Augen.

„Ich verstehe nicht, warum du mich abweisen solltest.“
Seine Stimme klang traurig aber auch Ernst zugleich. Wieder atmete Ich tief durch, bevor Ich ihm eine Antwort gab...

„Es ist meine Schuld. Ich bin eine Belastung für dich und bin mir ziemlich sicher, dass Ich alles nur noch schwerer für dich machen würde und...“

Waylon unterbrach mich erneut, indem er sich einfach an mich schmiegte.

„Du bist ein Idiot, Miles. Ich hab dich gern und möchte nicht, dass du von mir gehst.
Du bist der beste Freund, den Ich jemals hatte, dich zu verlieren wäre schrecklich für mich. Ich sehe dich nicht als Bürde, oder wie auch immer du dich beschreibst, sondern als Geschenk. Warum begreifst du das denn nicht?“

„Es... tut mir Leid, Waylon...“

Doch Waylon antwortete mir nicht, allem Anschein nach war er auf mir eingeschlafen, weshalb Ich beschloss, auch meine Augen zu schließen und in dieser, recht unbequemen Position einzuschlafen.



………………………………………

Hallöchen.
Ich muss zugeben, dass Ich schon etwas traurig darüber bin, dass diese Geschichte nun vorbei ist. Ich werde aber auf jeden Fall die vorherigen Kapitel etwas überarbeiten, bevor Ich mit dieser Geschichte abschließe. Natürlich hoffe Ich, dass diese Geschichte wenigstens ein paar Leute unterhalten konnte und dass ihr Spaß am Lesen hattet. Ich bedanke mich bei jedem treuen Leser und verabschiede mich, bis auf Weiteres.

Eure Estarva~
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