Sternennebel

GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Albus Dumbledore Cedric Diggory OC (Own Character)
15.11.2018
11.09.2019
16
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„Das ist doch eine toll! Andere würden sich darum reißen, ins Quidditchteam zu kommen.“, versuchte Lisa Zarina an diesem Abend im Ravenclawgemeinschaftsraum zu ermutigen.
„Ich bin aber nicht andere.“, erwiderte Zarina missmutig und bereute schon fast, ihren Freundinnen erzählt zu haben, was Derick June ihr vor wenigen Stunden angeboten hatte. Irgendwie schien keins der Mädchen ihre Ablehnung wirklich zu verstehen.
„Es kommt auch bei der Schule gut an und kann dir sogar nach deinem Abschluss helfen.“, ergänzte Nicci.
„Meinst du, dass ich das nötig hätte, weil meine Noten nicht so gut sind?“, fuhr Zarina sie an.
„N-nein, das wollte ich gar nicht damit sagen...“, stotterte Nicci verunsichert und schaute sie aus großen dunklen Augen an.
Mit bitterem Ausdruck im Gesicht ließ sich Zarina in ihren Sessel zurückfallen und verschränkte die Arme. Sie sah wahrscheinlich aus wie ein bockiges Kleinkind und stellte sich auch so an, aber das war ihr in diesem Moment egal.
„Du kannst es ja mal ausprobieren und wenn es dir nicht gefällt, kannst du immer noch ablehnen.“, schlug Robyn vor und stand auf. „Ich gehe jetzt schlafen, Leute. Gute Nacht.“
Nach einer Weile verabschiedete sich auch Lisa und folgte Robyn. Nicci blieb unsicher gegenüber von Zarina sitzen. Zarina wusste, dass sie sich eigentlich für ihr unfaires Verhalten entschuldigen sollte, aber sie tat es nicht. Sie hasste es, ihre Fehler zuzugeben.Und auch, wenn sie damit Nicci, die nichts Böses getan hatte, vor den Kopf stieß, erhob sie sich nur mit einem schlichten „Nacht.“ und ging hinauf zum Schlafsaal. Nicci folgte ihr nicht.


„Robyn! Hey Robyn, warte mal!“, hörte sie Cedric Diggorys Stimme hinter sich, als sie nach dem Mittagessen die große Halle verließ.
Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, als sie sich umdrehte. „Schön, dich zu sehen.“, sagte Robyn und schaute zu ihm hoch.
„Find ich auch.“, sagte Cedric und schien sich unsicher zu sein, was er machen sollte. Nach kurzem Zögern umarmte er sie kurz und grinste dann etwas verlegen. „Wie geht’s dir?“, fragte er dann.
„Ganz gut. In den Ferien hatte ich nochmal schwache Visionen aber das war nicht schlimm.“
Gemeinsam gingen die beiden hinunter zum Seeufer und setzten sich unter einen Baum. Cedric erzählte Robyn gerade von seinen Ferien, als sie plötzlich spürte, wie sich ihr Blickfeld vernebelte. In ihren Ohren knackte es laut, etwas krachte zu Boden, der Geruch von Holz drang in ihre Nase.
„Pass auf!“, schrie sie sich aus ihrer Trance und schüttelte den Kopf, um den Nebel loszuwerden. Ängstlich kroch sie aus dem Schatten des Baums und zog Cedric am Arm mit sich.
„Was ist los? Es ist doch alles gut.“, beruhigte er Robyn und sie schaute mit weit aufgerissenen Augen ins Geäst des Baums hinauf. Da war nichts. Kein Ast, der gleich herunterstürzte. Auch kein lautes Knacken, nur der See, der gluckernd gegen das steinige Ufer stieß.
„Es ist alles in Ordnung.“, wiederholte Cedric mit Nachdruck.
„Warum ist nichts passiert?“, fragte Robyn leise und unsicher. „Sonst passiert immer das, was ich kurz vorher sehe und jetzt...“

Der Gedanke an die erste Vision, die sich nicht bewahrheitet hatte, ließ Robyn nicht los, als sie am späten Nachmittag an die Tür zu Dumbledores Büro klopfte. Professor Flitwick hatte ihr die Nachricht überbracht, dass der Schulleiter sie sehen wollte. Ihr kam das gerade recht, so konnte sie ihn fragen, was es mit eben diesem Vorfall auf sich hatte.
Ihr Klopfen wurde mit einem fröhlichen „Herein“ beantwortet und sie drückte die Tür auf und trat in Dumbledores Büro, das sie wieder einmal mit seiner Einrichtung und Atmosphäre für einige Sekunden beeindruckt den Atem anhalten ließ.
„Robyn. Wie schön, dass du hier bist. Hattest du schöne Ferien?“, fragte der Professor, der hinter seinem Schreibtisch saß. Robyn sah, dass die Zeichnung von Claire, die sie bereits kannte, vor ihm auf der Tischplatte lag.
Robyn nickte und kam zögerlich zu ihm hinüber. Vor dem Tisch, Dumbledore gegenüber, stand ein Stuhl, auf den der Schulleiter mit einer einladenden Handbewegung wies. Sie setzte sich, den Rücken gerade und legte die Hände nebeneinander auf den Tisch.
„Dich bedrückt etwas.“, stellte Dumbledore fest und musterte sie über den Rand seiner Halbmondbrille.
Zögerlich erzählte Robyn von ihrer letzten Vision und ihrer Verunsicherung darüber, dass sie sich nicht bewahrheitet hatte.
Als sie geendet hatte, schwieg ihr Gegenüber und es wirkte so, als ordnete er penibel die Worte, die er als nächstes sagen würde.
„Du hast bereits von Nola Harwood gehört, oder?“, fragte er dann behutsam.
Robyn nickte. Ihre Fingerkuppen drückten sich fest auf die hölzerne Tischplatte.
„Wir waren uns lange nicht sicher, ob du wirklich wie sie bist. Ob ihr wirklich das gleiche Problem habt.“, fuhr er dann fort und beobachtete sie genau. „Nach dem, was du mir gerade erzählt hast, zweifle zumindest ich nicht mehr im Geringsten daran.“
„I-ist das gut? Oder nicht?“, fragte Robyn nach einer kurzen Pause mit zitternder Stimme.
„Das kommt auf den Blickwinkel an.“
Sie erstarrte. Das war ja nicht gerade beruhigend...
„Ich möchte dir keine Angst machen. Wir wissen jetzt, wie deine Situation ist und können alles versuchen, um dich zu unterstützen. Das ist sehr gut. Diese Möglichkeit hatten wir bei Nola damals nicht. Allerdings möchte ich, dass du dir darüber im Klaren bist, dass die nächste Zeit vielleicht nicht ganz einfach für dich wird.“, sagte Dumbledore und schaute Robyn eindringlich an.
„Glauben Sie, ich werde wahnsinnig wie Nola?“, fragte sie ängstlich, ihre grünen Augen waren weit geöffnet.
„Das kann passieren, aber nicht zwangsläufig. Entschuldige bitte, das muss nicht gerade beruhigend sein.“
Als Robyn nichts mehr sagte, schnippte Dumbledore mit den Fingern und eine Schale mit Bonbons schwebte zu ihnen heran.
„Nimm dir ein Zitronenbonbon und dann erzähle ich dir weiter von Claire.“, forderte er sie auf und der Anflug eines Lächelns legte sich über sein Gesicht.
Robyn schaute ihn entgeistert an. Wie konnte er jetzt mitten im Gespräch an Zitronenbonbons denken?
„Zitronenbonbons helfen immer, die Laune zu heben und vertreiben wenigstens für den Moment die Sorgen.“, erläuterte Dumbledore, als hätte er ihre Gedanken gelesen und nahm sich selbst ein Bonbon.
Immer noch nicht ganz überzeugt, griff Robyn nach einem und aß es. Sie musste zugeben, dass sie sich ein ganz kleines bisschen besser fühlte.


1648

„Aufgewacht, der Herr.“, sagte Claire und rüttelte James an der Schulter, der neben dem erloschenen Lagerfeuer lag, noch genau in der Position, in der er am gestrigen Abend eingeschlafen war.
Er öffnete schläfrig die Augen und grinste sie dann an.
„Ich hab was zu essen geholt.“, sagte sie und deutete auf ein kleines Bündel, in dem sich einige Scheiben Brot befanden.
„Ich dachte, du willst nicht stehlen?“, fragte James noch immer grinsend und richtete sich auf.
„Lieber stehlen, als verhungern.“, antwortete Claire und schluckte das schlechte Gewissen herunter, was sie beim Anblick des Brotes, das James gerade aus dem Bündel wickelte, überkam. Sie hatte aufgehört zu zählen, wie viele Tage oder gar Wochen die beiden schon durch die Landschaft zogen. Diebstahl war ihre einzige Möglichkeit, zu überleben und heute morgen war sie, fast gegen ihren Willen, getrieben vom Hunger zu einem nahegelegenen Dorf gelaufen und hatte, noch bevor die Sonne aufgegangen war, einen halben Laib Brot aus einem Bauernhaus gestohlen.
Während die beiden schweigsam das Brot aßen, drängten sich Gedanken der Reue in Claires Kopf, spitz wie Glasscherben. Was, wenn jetzt die Familie in dem Bauernhaus hungern musste, weil sie ihnen das Essen dreist aus der eigenen Küche entwendet hatte?
Doch wenn sie es nicht getan hätte, wäre es James gewesen, der das Küchenfenster des alten Hauses mit einem Alohomora geöffnet und das Brot gestohlen hätte, um zu überleben.
Nach dem Essen machten sich Claire und James bereit, weiterzuziehen. Sie waren auf der Flucht, das stand außer Frage. Nirgends waren sie sicher, selbst nicht in dem dichten Wald, in dem sie vor vielleicht fünf Tagen, es hätten genauso gut erst zwei oder schon zehn sein können, ihr Lager aufgeschlagen hatten und plötzlich mitten in der Nacht von einer Schar wütender Bauern mit Fackeln vertrieben worden waren. Irgendwie hatte sich die Nachricht, dass ein der Hexerei bezichtigtes Mädchen gemeinsam mit einem unbekannten jungen Mann geflohen war, über sämtliche Dörfer im Umkreis ausgebreitet.
Und nun war auch die Richtung, in die sie flohen, bekannt. Ihr Ziel war die kleine Stadt Caterbury nördlich von ihrem jetzigen Aufenthaltsort, in der es laut James eine verhältnismäßig große Anzahl von Zauberern gab und sie somit Unterstützung bekommen würden. Doch bis dorthin mussten sie es erst einmal schaffen.
Sie wanderten den ganzen Tag, wobei James seinen Zauberstab als Kompass benutzte und sie so in die richtige Richtung leitete.
Gegen Nachmittag setzten sie sich auf einen umgestürzten Baum an einem kleinen Fluss, welcher schon seit einigen Kilometern ihren Weg begleitete.
„Vermisst du dein Zuhause?“, fragte James und betrachtete einen rötlich gefärbten Stein, den er vom Ufer des Flusses aufgehoben hatte.
„Ich vermisse Rose.“, gestand Claire ohne ihn anzusehen. „Aber ich glaube, sie mich nicht.“, ihr traten die Tränen in die Augen.
„Du bist immer noch ihre Schwester. Natürlich vermisst sie dich.“, erwiderte James ruhig.
„Ich bin eine Hexe. Ich bin minderwertig. Das zählt mehr.“, antwortete sie bitter.
„Warte mal.“, unterbrach er sie, ließ den Stein zu Boden fallen, als er von dem Baum hinunterglitt, und stellte sich vor sie. Er musste etwas zu ihr aufschauen und stützte die Hände neben ihr auf das Holz. „Es ist doch nichts Schlimmes oder Minderwertiges, magische Kräfte zu haben. Es ist ein Privileg.“
„Und warum laufen wir dann weg? Weil wir gejagt werden! Weil andere Menschen uns verbrennen wollen!“, Claire blinzelte heftig und schaute auf James herunter.
„Aber doch nicht, weil sie uns als minderwertig ansehen. Wir sind anders als sie und deshalb haben sie Angst vor uns. Sie verstehen nicht, was wir tun können und es ist einfacher, uns umzubringen, als zu versuchen, es zu verstehen.“, sagte er und schaute ihr in die Augen. „Und selbst wenn wir in ihrem Glauben weniger wert sind, müssen wir das nicht in unserem sein.“
Claire erstarrte, als sie seine Hände an ihrer Hüfte spürte.
„Wenn du erst die Welt der Zauberer kennenlernst, dann wirst du dich in einem besseren Licht sehen. Versprochen.“, James schien ihre Anspannung nicht zu bemerken, denn er trat noch einen halben Schritt näher, sodass sich ihre Knie gegen seinen Oberkörper drückten.
Ihr Herzschlag beschleunigte sich und sie wusste nicht, ob das Kribbeln in ihrem Bauch Angst war, oder doch...
James' Griff um ihre Hüfte wurde fester und sie wagte kaum zu atmen, als sich sein Gesicht dem ihren näherte. Behutsam löste sie die ihre Finger, die sich in ihrem Schoß verkrampft hatten und legte ihre Hände auf seine Schultern.
„Wir schaffen das.“, murmelte James und dann drückte er seine Lippen auf ihre.
Ihr erster, wirklicher Kuss. Auf einem fauligen Baum sitzend, hungrig, ungewaschen, mit von Wochen in der Wildnis zerrissenen Kleidern und auf der Flucht vor wütenden Bauern, die sie verbrennen wollten. Es war perfekt.






oOo AN oOo

Kussszenen, ich kann es einfach nicht. Steinigt mich ruhig, es ist in Ordnung. XD

Ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen. Lasst mir gerne eure Meinung in einem Review da, ich würde mich sehr freuen.

Außerdem möchte ich mich an dieser Stelle nochmal für die mittlerweile über 1.100 Aufrufe, die Favoriteneinträge und Sternchen bedanken. Ihr seid wirklich toll!

Alles Liebe!
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