Sternennebel

GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Albus Dumbledore Cedric Diggory OC (Own Character)
15.11.2018
11.09.2019
16
47741
4
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Dieses Kapitel
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oOo Disclaimer oOo

Die Charaktere der Originalgeschichten sowie die Handlung der Bücher sind das geistige Eigentum von J. K. Rowling.

Ich schreibe ausschließlich zum Spaß und verdiene mit dieser Fanfiktion kein Geld.


oOo 1. Kapitel oOo

Robyn strich sich eine Strähne ihres roten Haares hinters Ohr und ging, ihren schweren, riesigen Koffer mit dem Eulenkäfig darauf hinter sich her ziehend, auf den Hogwartsexpress zu. An einer der Türen angekommen, versuchte sie, den Koffer in den Zug zu heben, was ihr nicht gelang. Sofort wurden ihre sommersprossigen Wangen rot und drehte sich um, in der Hoffnung, irgendwo in der Menge der wartenden Eltern die ihren auszumachen.
„Beeil dich mal, du bist nicht die Einzige, die einsteigen will!“, knurrte die unfreundliche Stimme eines älteren Hogwartsschülers hinter ihr.
Sofort zog sie sich wortlos von der Tür zurück und überlegte, was sie tun sollte. Sie fühlte sich hilflos und ihre Freude, gleich zum ersten Mal nach Hogwarts zu fahren, war wie weggeblasen. Robyn traute sich nicht, einen anderen Schüler um Hilfe zu bitten. Sie war schon immer sehr schüchtern gewesen, was ihr in mehreren Situationen bereits das Leben schwer gemacht hatte. So kam es, dass sie nur eine einzige Freundin hatte. Maylin war die Stieftochter eines Freundes ihrer Eltern und keine Hexe. Die beiden kannten sich seit Robyn denken konnte und dass sie ohne Maylin nach Hogwarts gehen musste, hatte zu einigen tränenreichen Stunden geführt. Robyn war nicht gut darin, Freunde zu finden. Oft machte man sich über sie lustig, weil sie eine blühende Fantasie hatte, sich darin verlor und das auch anderen mitteilte. Jedoch keinesfalls persönlich: sie schrieb ihre eigenen kleinen Geschichten auf und hatte sie mit einiger Überwindung ein paar gleichaltrigen Bekannten gezeigt. Sofort hatten diese über sie gelacht und das bisschen Selbstvertrauen, was sie hatte, zerstört.
„Brauchst du Hilfe?“, riss eine Stimme sie aus ihren Gedanken. Vor ihr stand ein hübscher Junge, vielleicht ein oder zwei Jahre älter als sie.
Robyn starrte ihn an. Es war lange her, dass ihr ein fremdes Kind Hilfe angeboten hatte.
„Brauchst du Hilfe mit dem Koffer?“, wiederholte der Junge und deutete lächelnd auf ihr Gepäck.
„Ja.“, sagte sie leise und war sich sofort unsicher, ob er sie verstanden hatte.
Doch das hatte er offenbar, denn er lächelte nochmals und hob ihr den Koffer in den Zug, was Debby, Robyns Eule, mit einem zufriedenen „Schuhu“ quittierte.
„Danke.“, sagte Robyn, etwas lauter als ihre erste Antwort.
„Kein Problem. Brauchst du noch mit was anderem Hilfe?“, erwiderte der Junge.
„Nein, danke.“, zum ersten Mal lächelte auch Robyn. Sie wusste nicht, was in sie gefahren war, als sie hinzufügte: „Ich bin übrigens Robyn. Robyn Stern.“
„Cedric Diggory. Man sieht sich bestimmt in Hogwarts.“, sagte er und betrat mit seinem eigenen Koffer den Zug.
Auch Robyn stieg ein und zog ihren Koffer durch den Gang zwischen den Abteilen. Sie spähte durch die Fenster, um einen freien Platz zu finden. Aber die meisten, an denen sie vorbeiging, waren voll. Schließlich kam sie an eines, indem nur ein Mädchen saß. Robyn atmete tief durch, dann schob sie die nur halb geschlossene Abteiltür langsam auf.
„Ist hier noch frei?“, fragte sie leise.
„Klar. Komm rein.“, sagte das Mädchen.
Mühsam zog Robyn ihren Koffer in das Abteil und sah mit zunehmender Verzweiflung zu den Kofferablagen hinauf. Sie war ja schon zu klein, um ihren Koffer in den Zug zu heben, wie sollte sie das denn hinbekommen?
„Muggelstämmig?“, fragte das Mädchen und musterte Robyn abschätzend.
„Nein, wieso?“, fragte sie und wurde rot.
„Naja, du guckst so überfordert. Da dachte ich, das hier ist alles neu für dich.“, das fremde Mädchen legte fragend den Kopf schief.
„Ich weiß einfach nur nicht, wie ich den Koffer da oben drauf kriegen soll.“, erwiderte Robyn und ihre Stimme wurde immer leiser.
„Hochheben?“, fragte das andere Mädchen.
Robyn rang die Hände.
Die andere stand auf, sie war fast um einen Kopf größer als Robyn, und stellte den Eulenkäfig auf die Sitzfläche. Dann hob sie den Koffer hoch und schob ihn auf die Ablage. Danach setzte sie sich wieder.
„Danke.“, Robyns Wangen waren immer noch gerötet.
„Kein Problem. Ich bin Zarina. Willst du dich nicht setzen?“
„Ich bin Robyn.“, erwiderte sie leise und setzte sich Zarina gegenüber. Sie betrachtete ihr Gegenüber. Zarina hatte recht dunkle Haut, schwarze Haare, die an den Spitzen violett gefärbt waren und ein schmales, markantes Gesicht mit großen, olivfarbenen Augen. Auch Zarina schien sie genau zu beobachten und ihr wacher Blick schien jedes Detail an ihr wahrzunehmen.
„Was glaubst du, in welches Haus du kommst?“, fragte Zarina dann lässig.
„Ich weiß nicht. Vielleicht Ravenclaw. Und du?“
„Ich hoffe, ich komme nach Slytherin. Meine Mutter war auch in Slytherin.“
„Und dein Vater?“
„Der ist in Indien zur Schule gegangen.“
„Er kommt aus Indien?“
„Ja, sonst wäre er wahrscheinlich nicht dort in der Schule gewesen, oder?“
„Nein, wahrscheinlich nicht.“, Robyns Stimme wurde wieder unsicherer.
„Bist du reinblütig?“, fragte Zarina.
„Ja. Wäre es denn schlimm, wenn ich es nicht wäre?“
„Nein, wäre es nicht. Du kannst übrigens ruhig lauter reden. Ich fress' dich schon nicht.“
Robyn atmete auf. Sie war froh, dass Zarina keine Hexe war, die nur Reinblüter für würdig hielt, Zauberei zu erlernen. Und über die letzte Bemerkung des Mädchen musste sie doch tatsächlich lächeln.
Ein Pfiff ertönte und der Zug fuhr an. Debby schuhute vor sich hin.
„Du hast eine sehr hübsche Eule.“, sagte Zarina ehrlich lächelnd.
„Danke. Hast du auch ein Haustier dabei?“, erwiderte Robyn und schaute suchend durch das Abteil.
„Ich hab auch ne Eule. Chris. Aber der hasst Zugfahren. Mum schickt ihn nach, wenn ich in Hogwarts bin.“, Zarina lachte und steckte Robyn damit an. Dann wurde sie wieder ernst, wickelte sich eine ihrer violetten Haarsträhne um den Finger und fuhr fort: „Hast du gehört, dass Harry Potter hier im Zug sein soll?“
Robyn nickte.
„Er tut mir jetzt schon leid, wenn er nach Hogwarts kommt. Er wird ne Art Attraktion sein.“, die Art, wie sie das sagte, ließ Robyn daran zweifeln, dass sie erst elf Jahre alt war. Sie nickte beipflichtend.
„Kennst du eigentlich irgendwen in Hogwarts? Geschwister, Freunde?“, fragte Zarina dann.
„Nein. Und du?“, erwiderte Robyn und senkte leicht beschämt den Blick. Sie hatte wiedermal zugeben müssen, dass sie allein war.
„Ich auch nicht. Bis grade eben.“, Zarina grinste sie an. Robyn lächelte vorsichtig zurück.
„Meine beste Freundin ist keine Hexe. Sie wird nie nach Hogwarts kommen.“, sagte Robyn dann plötzlich traurig.
„Und deine anderen Freunde?“
„Die gibt es nicht.“, gestand sie und wandte den Blick ab.
„Dann haben wir wohl was gemeinsam.“, bemerkte Zarina und verzog ihre geschwungenen Lippen zu einem bitteren Lächeln. Auch dabei wirkte sie überraschend erwachsen.
Die beiden Mädchen unterhielten sich weiter und Robyns Schüchternheit ließ immer mehr nach. Als sie Zarina von ihren Geschichten erzählt hatte, hatte diese sie bewundernd angesehen und gesagt, dass sie großen Respekt vor solcher Fantasie und der Fähigkeit, sie in Worte zu fassen, hatte.
Gegen Mittag schob eine freundlich lächelnde Frau einen Wagen, der von der Last der auf ihm gestapelten Süßigkeiten wankte, am Abteil der beiden vorbei. Robyn und Zarina kauften sich so viele Schokofrösche und Kürbispasteten, dass sie dachten, der Servierwagen müsste bereits leer sein, doch er füllte sich auf durch einen Zauber immer wieder auf.
Kurze Zeit später saßen die beiden Mädchen zwischen ihren Einkäufen in ihrem Abteil und aßen die magischen Süßigkeiten. Während Robyn ein Stück ihrer Kürbispastete abbrach und es ihrer Eule hinhielt, wickelte Zarina einen Schokofrosch aus und betrachtete die Karte.
„Sammelst du die?“, fragte sie und hielt Morgana hoch.
„Ja, aber Morgana hab ich schon.“, erwiderte Robyn und streichelte ihre Eule.
Zarina nickte und packte den nächsten Schokofrosch aus. Auch Robyn wandte sich ihren Fröschen zu.
Merton Graves.“, las Robyn von ihrer Karte vor. „Von den Schwestern des Schicksals.“
„Wohl eher Schwestern des Scheusals.“, schnaubte Zarina und warf ihr gefärbtes Haar zurück. „Eine furchtbare Band.“
„Was magst du denn für Musik?“, fragte Robyn vorsichtig.
„Metal und Rock. Besonders aus der Muggelwelt. Ich bin kein riesiger Fan der Muggel, aber gute Musikgruppen haben die.“
„Ich glaube, das mag ich nicht so. Tut mir leid.“, sagte Robyn wieder etwas unsicher.
„Es tut dir leid?“, wiederholte Zarina und fing an zu lachen. „Warum tut es dir leid, dass du andere Musik magst als ich?“
Robyn wurde wieder rot und zuckte die Schultern.
„Wir sind zwar noch sehr jung, aber das heißt nicht, dass wir noch keine eigene Meinung und eigenen Charakter haben dürfen. Ein starker Charakter ist das Wichtigste, egal wie alt man ist.“
Ein schüchternes Lächeln huschte über Robyns Gesicht. „Okay.“

Als der Hogwartsexpress in den Bahnhof von Hogsmeade einfuhr, war es bereits dunkel. Der Himmel war sternenklar, ein frischer Wind wehte den Bahnsteig entlang und zerzauste den üppigen Bart eines riesigen Mannes, der mit einer Laterne wie ein brauner Felsen vor den aus dem Zug strömenden Schülern aufragte.
„Erstklässler! Erstklässler! Alle hier rüber!“, rief Rubeus Hagrid mit dröhnender Stimme, die ein wenig von seinem Bart gedämpft wurde.
Zarina schaute von dem Mann zu Robyn und zog eine ihrer geschwungenen Augenbrauen hoch. Robyn lächelte und zog ihren Umhang etwas fester um sich. Sie war froh, sich nicht weiter mit ihrem Gepäck abmühen zu müssen, denn das würde auf magische Weise nach Hogwarts kommen.
„Nu mal los, mir nach!“, rief der Riese vergnügt.
Wie eine Schar von Ameisen folgten die Kinder dem Mann einen schmalen, steinigen Pfad hinunter.
„Augenblick noch, und ihr seht zum ersten Mal in eurem Leben Hogwarts. Nur noch um diese Biegung hier.“, verkündete der Hagrid.
Der Weg endete vor einem See, dessen von seichten Wellen gekräuselte Oberfläche den Sternenhimmel spiegelte. Doch nicht nur ihn. Auf der anderen Seite des Sees ragte ein Schloss weit in den Himmel auf und funkelte mit seinen dutzenden Fenstern mit den Sternen um die Wette.
Ein andächtiges „Ooooh!“ zog sich durch die Menge.
Am Ufer des Sees lagen einige kleine Holzboote im seichten Wasser. Hagrid wies die Erstklässler an, einzusteigen. Robyn und Zarina setzten sich in ein Boot. Nach einer Weile, in der es einiges an Geschubse und Gemurmel gegeben hatte, setzten sich die Boote in Bewegung und glitten lautlos über das schwarze Wasser auf Hogwarts zu.
Nach einiger Zeit erhob sich vor der Gruppe der Bötchen der riesige Felsen, auf dem das Schloss thronte.
„Köpfe runter!“, kam es von Hagrid und schon passierten die vorderen Boote einen dichten Vorhang aus Efeu.
Kurz bevor das Boot der beiden Mädchen das Efeu erreichte, zuckte Robyn heftig zusammen und ihr wurde schwindelig. Die Pflanzen vor ihr verschwammen in einem eigenartigen Dunst und plötzlich nahm sie nur noch diesen Nebel wahr, der sich in ihrem Kopf langsam zu etwas formte. Etwas Achtbeinigem, Großem. Robyn schnappte nach Luft und im nächsten Moment strichen die Efeuranken über ihr Gesicht und ließen sie wieder klar denken.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Zarina und musterte Robyn besorgt. „Du bist ganz blass.“
„Nein, alles gut.“, erwiderte Robyn und schluckte. Das gerade war beängstigend gewesen. Die Aufregung, redete sie sich zu.
Das kleine Boot fuhr durch eine dunkle Höhle. Es roch feucht und nach Moos, aber nicht unangenehm. Bis auf kleine Wellen, die an das Holz des Ruderboots plätscherten, war es still.
Nach einer Weile erreichten sie einen unterirdischen Hafen, in dem es wieder heller wurde.
„Du hast ne Spinne in den Haaren.“, merkte Zarina an, als sie Robyn im Licht betrachtete. „Warte, ich mach sie weg.“
Robyn nickte verkrampft. Sie hasste Spinnen. Es gab nichts Schlimmeres für sie als Spinnen. Zarina hingegen schien das achtbeinige Tier niedlich zu finden, denn sie ließ es, nachdem sie es aus Robyns rotem Haar entfernt hatte, über ihre Hand krabbeln, bis sie es sanft auf den Felsen setzte.
Das Boot stieß sacht gegen den Stein und die Mädchen stiegen gemeinsam mit den anderen Schülern aus.
Hagrid ging, die Laterne erhoben, einen Gang hinauf, der sie zu einer großen, im Dunkeln fast schwarzen Wiese führte. Vor ihnen erhob sich eine Steintreppe, die an einer riesigen Tür endete. Hagrid stieg die Stufen hinauf und klopfte nach einem vielsagenden Blick auf die Schüler hinter ihm drei Mal laut an das Holz.
Sogleich schwangen die Türflügel auf und ließen warmes Licht die Steinstufen hinabfließen. In dem Rechteck aus Licht erhob sich die Gestalt einer streng wirkenden Hexe mit schwarzem Haar, welches unter einem Spitzhut verschwand. Ihr smaragdgrüner Umhang wurde von vielen kaum sichtbaren kryptischen Zeichen verziert und ihr Gesicht wirkte alt und weise.
„Die Erstklässler, Professor McGonagall.“, sagte Hagrid und deutete eine unbeholfene Verbeugung an.
McGonagall winkte die Schüler durch die Tür in eine riesige Halle, deren Decke sich ins Unendliche zu erstrecken schien. Nach rechts zweigte ein Gang ab, der von Stimmengewirr erfüllt war. Dort musste die große Halle sein. Robyns Herz schlug schneller und sie spürte, wie ihr vor Aufregung die Röte wieder ins Gesicht schoss.
Professor McGonagall führte die Erstklässler an dem Gang vorbei zu einem kleinen Raum, in dem sie sich schubsend und protestierend aufstellten. McGonagall richtete sich auf und ließ ihren kühlen Blick über die Kinder wandern. Augenblicklich trat erwartungsvolle Stille ein. Robyn warf einen Blick auf Zarina, die dicht neben ihr stand und ihr vielsagend zugrinste.
„Willkommen in Hogwarts.“, sagte Professor McGonagall und ein kaum merkliches Lächeln huschte über ihr Gesicht.
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