The Tourists - An Unexpected Journey

von Sinthoria
GeschichteHumor, Parodie / P16 Slash
Elrond Kili Legolas Lindir Thorin Eichenschild Thranduil
14.11.2018
17.11.2019
12
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Kapitel 9 - Ein Häppchen für Thorin



“Ich bin froh,
dass ich mein Essen nicht selbst jagen muss

Ich wüsste garnicht, wo Pizzen leben.”
(unknown)


oder


“Liebe geht durch den Magen.”
(unknown)


~*~



“Jetzt hab’ ich es! Helena von Sparta!” Helena verdrehte genervt die Augen. Die Gemeinschaft war weitergezogen und Julius hatte wieder und wieder versucht, Helenas verlorenem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen und zu erraten, woher sie wohl kam. Er fand es äußerst spannend, dass sie offenbar keinerlei Erinnerung mehr hatte und er brannte darauf, die Antwort zu bekommen.

“Nein, Sparta war es nicht. Und bitte höre endlich auf zu fragen!” Helena war etwas genervt. Weder wollte sie weiter darüber nachdenken, noch darüber sprechen. Sie konnte sich nicht recht erklären warum, aber jedes Mal wenn sie versuchte, an ihre Vergangenheit zu denken, machte sich ein eigenartig verzweifeltes Gefühl in ihr breit, gefolgt von einem gefühlten Stich in die Magengrube … sie wollte nicht darüber nachdenken. Das einzige, woran sie sich noch erinnern konnte, war ihre Gefangenschaft in den furchtbaren Goblinhöhlen. Und darüber wollte sie erst recht nicht nachdenken. “Ich sagte dir doch bereits: Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie mein Name war!”

Julius ließ das Thema fallen, weil er spürte, dass es ihr unangenehm war. Doch Helena dachte, ohne dass sie es wollte, trotzdem über Julius’ Worte nach. “Sparta … Nein. Das klingt nach keinem guten Leben.” Sie schüttelte den Kopf, während sie der Gemeinschaft weiter folgte.

Julius und sie waren durch das Gespräch etwas zurückgefallen und liefen nun am Ende … es konnte wohl aber auch daran liegen, dass sie schon viel zu lange gelaufen waren und keiner der beiden so lange Strecken gewohnt war. Vermutlich fielen sie deshalb zurück.

Julius erinnerte sich noch, wie er und die anderen auf dem Felsen gestanden hatten und den Erebor von weitem sehen konnten. Es hatte so nah ausgesehen … und im Film verging die Zeit viel schneller, als wenn man den Weg tatsächlich zurück legen musste. Caro und Mareen hatten noch herumgescherzt:

“Siehst du das hier?”, hatte Caro mit einer ausladenden Handgeste in die Ferne gedeutet. “Eines Tages wird all das dir gehören!”

Mareen hatte lachen müssen. Insgeheim hoffte sie, vielleicht wirklich einmal einen Teil des Düsterwaldes erben zu können … aber erstmal mussten sie ja zu Thranduil kommen. Und weil sie diese Szene so sehr an König der Löwen erinnert hatte, spielte sie mit und fragte: “Was ist dort hinten?” Sie meinte den Erebor, aber Julius hatte das Gespräch mit angehört und merkte an:

“Das, meine Liebe, ist der Düsterwald. Dort wohnen die Elben.” Wobei er Letzteres mit einer theatralischen Tiefe in seiner Stimme gesagt hatte. “Oh und dabei fällt mir ein…”, er hatte sich umgedreht und war auf Thorin zugegangen, der gerade noch von Gandalf und dem Heiler-Zwerg Oin zusammengeflickt wurde. “Hier! Dein Eichenschild. Den hättest du beinahe vergessen!”

AN

“Dem Heiler Zwerg” *grinst*
“Ja…”
“Ach das ist auch der, der später in der Seestadt zurück bleibt, oder?”
“...Ja!”

“Ich habe gerade mal gegoogelt. Es ist wirklich Oin.”
“Julius 1. Zwergennamen 0. Und dabei bin ich eigentlich die mit dem Defizit hier.” ^^
“Siehst du, jetzt hast du auch wieder was gelernt.”


Caro hatte sich ebenfalls herumgedreht und Thorins erstaunten Gesichtsausdruck gesehen. “Oh Julius!”, hatte sie gesagt. “Wie aufmerksam von dir, dass du daran gedacht hast und es ihm wieder bringst!” Julius war rot geworden und hatte Caro wütend angefunkelt. “Thanks for pointing out the obvious!” Aber Caro grinste nur. Julius war sich fast sicher, dass sie es nur deshalb gesagt hatte, um ihn zu ärgern. Aber auf der anderen Seite wirkte sie wirklich überrascht, dass er daran gedacht hatte. Seine Gedanken waren aber schnell unterbrochen worden ...

“Danke, mein Junge! Das ist wirklich sehr aufmerksam von dir!”, hatte Thorin gesagt und Julius hatte das Gefühl gehabt, dass er es auch wirklich so meinte … er schmunzelte, als er jetzt im Gehen daran dachte.

“Sagt mal, ich weiß, das hier ist absolut genial und so … aber vermisst ihr unsere Welt, eure Familie, Freunde und so weiter nicht?” Caro und Mareen waren ans Ende der Laufgemeinschaft zu Julius gekommen. Helena war jetzt außer Reichweite. Sie hatte ein wenig zur Gruppe aufgeschlossen und lief jetzt näher bei Thorin, wie Julius auffiel. Er zuckte die Schultern. “Ein bisschen, aber ehrlich gesagt nicht wirklich.”

“Geht mir genauso.”, sagte Mareen. Caro atmete erleichtert aus. “Gott sei Dank! Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, dass ich kein Heimweh habe!” Sie grinste und damit war das Thema erstmal wieder beendet. Julius fiel auf, dass er darüber noch gar nicht so genau nachgedacht hatte. Es stimmte. Sie waren jetzt schon sehr lange in Mittelerde. Es war schwer zu sagen, wie lange genau … die Tage schienen nur so ineinander zu verschwimmen. Was wenn sich ihre Eltern Sorgen machten? Oh je! Darüber hatte er noch gar nicht nachgedacht! Doch ehe er den Gedanken laut aussprechen konnte, kam Helena wieder zu ihnen. Als die drei sie fragend anschauten, sagte sie nur, sie würde lieber hier hinten laufen. Aber das war nur die halbe Wahrheit. Julius sah sie verständnisvoll an. Er hatte so eine Ahnung, dass es ihr vermutlich unangenehm war, in der Gegenwart so vieler Männer zu sein, die sie alle fragend anschauten. Immerhin war sie eine Zwergin. Und noch dazu eine äußerst Schöne. Er selbst ertappte sich dabei, wie er sie immer wieder verstohlen musterte, weil sie wie eine Mischung aus Mensch und Zwerg aussah und er gern gewusst hätte, wo sie wirklich herkam. Er nahm sich vor, das in Zukunft zu lassen. Er wollte nicht, dass sie sich unwohl fühlte.

Und so verstrichen viele Stunden, in denen sie liefen und liefen und liefen. Caro und Julius schlossen ein paar Stunden später ein bisschen mehr mit der Mitte der Gruppe auf und liefen eine ganze Weile neben Balin. Daraus entstanden ein paar äußerst interessante Gespräche. Unter anderem waren sie in der Lage, eine Frage zu klären, die sie sich schon seit Beginn der Reise stellten: Ja, sie hatten richtig gelegen. Balin zupfte seine eigenen Augenbrauen in der Mitte von Zeit zu Zeit, damit keine Monobraue entstand.

Julius überlegte angestrengt: “Bei dem dichten Haar muss das doch aber sicher sehr weh tun! Hast du dann für ein paar Tage so einen roten Streifen in der Mitte?” Er sah ihn fragend an, wohingegen Balin einfach nur fassungslos war.

Caro fing an zu lachen. “Das erinnert mich an Avatar!” Sie stieß Julius in die Seite. “Weißt du noch? Der Bumm-Bumm-Mann mit seinem dritten Auge? … Vielleicht kann Balin dann auch Laser aus seiner Monobraue schießen?!”

Julius und sie brachen in schallendes Gelächter aus. Balin war verwirrt.

“Was ist denn ein Avatar? … Und was ist ein Laser?” Ihm wurde das ganze Gespräch sehr unangenehm und auch etwas zu viel für sein Alter … immer diese Jugend von heute… er schüttelte den Kopf und beschleunigte seine Schritte.

Irgendwann später schlug Thorin vor (oder vielmehr ordnete er an), zu rasten, weil alle müde und hungrig waren. “Die Frauen können ja im Wald mal nach etwas Essbarem suchen.” Mareen zog eine Augenbraue hoch. “Dein ernst?! Meinst du nicht, dass das etwas sexistisch ist?!” Und Julius erhob einen Zeigefinger. “Außerdem ist Bombur der Koch!”

“Was ist mit mir?”, meldete sich dieser interessiert zu Wort. Er hatte sich gerade erschöpft auf einem Stein niedergelassen. Mareen atmete tief ein und aus. Ok … dann blieb es wohl doch an den Frauen hängen. Da Julius sie aber unterstützen wollte, schlug er vor, bei der Suche zu helfen. Vor allem deshalb, weil er und sein Magen aus eigener Erfahrung wussten, dass weder Mareen noch Caro wirklich kochen konnten. All seine Hoffnung lag bei Helena. Auch Bilbo hatte angeboten, zu helfen, aber die vier sahen, dass Bilbo sehr erschöpft vom Gehen wirkte und so ließen sie ihn bei den anderen.

“Sagt mal: Wo sind wir denn jetzt eigentlich?”, fragte Caro als sie gerade tiefer in den Wald hinein gingen.

“Irgendwo im Nebelgebirge, glaube ich.”, gab Julius zur Antwort.

“Woher weißt du das denn so genau? Hattet ihr nicht gesagt, ihr kommt auch nicht von hier?” Helena hatte sich gerade fragend über einen Pilz gebeugt und überlegte, ob dieser wohl essbar war oder nicht.

“Die Sache ist die: Das Nebelgebirge ist riesig!”, sagte Julius und musste lachen. “Irgendwo im Nebelgebirge ist jetzt nicht gerade sehr präzise…”

“Wisst ihr etwas über die regionale Küche hier?” Scherzend unterbrach Mareen das Gespräch.

“Leider habe ich mein Mittelerde Kochbuch zuhause gelassen!”, ging Caro auf den Scherz ein, während sie jetzt ebenfalls ein paar Pilze vom Boden aufsammelte und sie in ihren provisorischen Korb legte.

“Ach!”, meckerte Julius gespielt, “Weißt du, du hast jeden Mist in deinem riesigen Rucksack, aber kein Kochbuch?! Jetzt bin ich schwer enttäuscht!”

“Ist ja nicht so, dass ich wusste, wo wir hingehen würden!” Caro’s Stimme klang immer noch scherzhaft, aber er war sich nicht ganz sicher, ob sie es noch immer im Scherz meinte.

“Doch!” Julius musste lachen.

“Ja, aber wieso hast du denn bei deiner Niffler Aktion in Bruchtal kein Kochbuch mitgenommen?!”, fragte Mareen.

“Das wäre wirklich clever gewesen, Caro!”, stimmte Julius zu.

Helena schaute nur verwirrt zwischen den dreien hin und her.

“Wenn ihr so schlau seid, wieso habt ihr dann nicht selbst daran gedacht?! Das Ding, was da auf meinen Schultern sitzt, sitzt zufällig auch auf euren und es nennt sich Gehirn!”

Julius und Mareen tauschten einen kurzen Blick aus. “...sagt die, die das Kochbuch vergessen hat.” Sie fingen gleichzeitig an zu lachen.

Daraufhin verdrehte Caro nur die Augen, musste jetzt aber auch lachen. “Ihr seid ganz furchtbar, wisst ihr das?” Helena lief auf sie zu und hakte sich bei Caro unter. Sie verstand nicht, dass das Ganze ein Scherz war und wollte diesen kleinen Disput gern schlichten.

“Jetzt hört auf zu streiten. Wir finden schon etwas, das wir für die anderen kochen können …” Sie schaute sich um. “Oh schaut mal da! Das sieht aus wie ein Nest! Vielleicht sind da ja Eier drin!” Sie alle liefen auf das Nest zu und fanden tatsächlich Eier.

“Ich denke mal, die Chance, dass wir Hühnereier in diesem Wald finden, ist wohl sehr gering…”, sagte Caro. Man einigte sich darauf, dennoch Rührei zu machen, weil das wohl nicht so schwer zuzubereiten sein konnte und so suchten sie im Wald nach weiteren Nestern mit Eiern und fanden auch hier und dort welche.

“Man … jetzt laufen wir hier durch den ganzen Wald und klauen den Vogelmamas ihre ungeborenen Kinder … Das finde ich nicht gut.”, sagte Julius. Caro sah ihn verständnisvoll an. Sie wusste, Julius war Veganer und er hatte schon seit Beginn ihrer Reise immer wieder Gewissensbisse gehabt.

“Wir haben leider keine Wahl.”, antwortete Mareen. “Irgendetwas müssen wir essen.”

“Ja, aber das ist moralisch total verwerflich! Wir könnten damit gerade eine ganze Population zerstören!”

“...Was ist eine Population?”, fragte Helena verwundert.

“Ich bin froh, dass du fragst.”, begann Julius sogleich. “Eine Population beschreibt die Gesamtheit der an einem Ort vorhandenen Individuen einer Art...”

“Was sind Individuen?”, fragte Helena noch verwirrter.

Caro und Mareen drehten sich von den beiden weg und gingen in eine andere Richtung. Sie brauchten nicht noch eine Unterrichtsstunde bei Professor Doktor Julius.

Aber auch sie wollten gern etwas Veganes zu Essen finden und so überlegten sie, noch ein paar Wurzeln und Beeren zu suchen. Ein schwieriges Unterfangen … ganz besonders, da keiner der beiden je zuvor in einem Wald nach Essen hatte suchen müssen.

“Sag mal, hast du eigentlich nochmal über das nachgedacht, was Elrond gesagt hat?”, fragte Caro.

“Was meinst du? Ob wir in Bruchtal bleiben wollen? Und Thranduil verpassen? Ich glaube ja eher nicht!” Mareen schüttelte den Kopf.

“Nein … ich will ihn doch auch treffen, das meinte ich gar nicht.” Mareen sah Caro jetzt fragend an. Sie wirkte plötzlich so nachdenklich. Caro erwiderte den Blick und fuhr fort. “Aber mich beschäftigt seit wir in Bruchtal waren die Frage, ob wir nicht vielleicht einfach hier in Mittelerde bleiben sollten? Vorhin klang es vielleicht nicht so, aber ich mache mir schon so meine Gedanken …  Klar, ich will nicht mein ganzes Leben lang auf jedwede Hygiene verzichten, aber wir werden ja auch nicht ewig bei den Zwergen bleiben … was, wenn irgendwann die Geschichte vom Hobbit vorbei ist?”

“Dann könnte ich im Düsterwald bleiben … ich könnte bei Thranduil bleiben. Das wäre echt genial! Du wirst das sicher auch wollen, oder?”

“Ja, das wäre schon ziemlich cool … ” Caro schaute zu Boden und überlegte. Mareen und sie hatten seither immer diesen kindischen Streit darüber gehabt, wer wohl Thranduil am Ende “bekam”. Die Art von absurdem Fangirlgetratsche, das man in langweiligen Latein- oder Mathestunden führte. Caro war es leid geworden, weil sie beide nie zu einer zufriedenstellenden Lösung kommen konnten. Und ehrlich gesagt, kam es ihr absolut albern vor, jetzt wo sie ihn tatsächlich treffen würden. Vermutlich würde sie knallrot anlaufen … sie hoffte sehr, dass das nicht passieren würde. Vielleicht sollte sie dann einfach einen Witz erzählen oder so … “Aber allein die Tatsache, dass wir gerade zu Elben werden, ist doch der Wahnsinn oder?!” Sie versuchte das Thema zu wechseln und auf das Positive zu verweisen. “Ich will nicht wieder zurück in mein altes Leben.”

“Ich auch nicht! Mich hält da auch absolut nichts! Schule ist sterbenslangweilig und auch das Leben danach stelle ich mir jetzt nicht sonderlich spektakulär vor. Arbeiten gehen, nach Hause kommen, arbeiten gehen…” Mareen wirkte wenig begeistert. “Gott sei Dank bleibt uns das normale Leben erspart!”

“Ja, ich weiß was du meinst … aber was machen wir mit unseren Eltern? Es wäre doch nicht fair, wenn wir einfach so verschwinden und sie denken, uns sei etwas Furchtbares passiert.”

“Mh, stimmt …” Sie schwiegen eine Weile und suchten weiter nach etwas Essbarem. Mareen sagte nur irgendwann noch: “Aber es ist doch unser Leben, oder? Und wenn wir schonmal das Glück haben, hier zu sein, dann sollten wir diese Chance auch nutzen. Schau uns an! Wir sind jetzt Elben! Das wollten wir immer sein! Vielleicht warten wir einfach ab, was mit der Geschichte weiter passiert. Jetzt treffen wir erstmal Thranduil und dann sehen wir weiter.” Sie grinste. Innerlich hatte sie sich schon einen Plan zurecht gelegt. “Ich bin schon ganz gespannt!”

In diesem Moment kamen Julius und Helena wieder dazu und Julius sagte, er würde zurück zu den anderen gehen. Er wolle Bombur fragen, ob denn die Pilze, die sie gefunden hatten, überhaupt essbar waren.

Kaum dass er Bombur erreicht hatte, machte dieser sich über den Korb her und schmiss kopfschüttelnd gut zwei Drittel des Inhalts nach draußen. “Man könnte ja meinen, du hast noch nie in deinem Leben Pilze gesucht! Gibt es da, wo du herkommst, etwa keine Wälder?!” Julius war etwas peinlich berührt und dachte “Ich habe in meinem Leben tatsächlich noch nie Pilze gesucht…”, aber das konnte er ja nicht auch noch zugeben. Die beiden einigten sich darauf, dass wohl jemand Erfahreneres als er selbst den Frauen helfen sollte.

Und so schickte man Kili.

“Hier kommt euer Retter in der Not!” Kili stemmte stolz beide Hände in die Seiten und grinste wie ein Honigkuchenpferd, als er Mareen, Caro und Helena eingeholt hatte.

“Aha…”, sagte Mareen betont desinteressiert, weil sie schon wieder das Gefühl hatte, er würde nur sie anschauen. Er trat ja schließlich auch sofort an ihre Seite …

Wenig später, kehrte die kleine Gruppe zu den anderen zurück. Sie sahen, dass Bombur und Julius bereits ein Feuer gemacht hatten. “Guckt mal!”, sagte Julius freudig und zeigte auf das Feuer. Prominent ins Feuer gebettet lag ein flacher Stein. “Dieser Stein ist heiß!”

Caro grinste. “Pata feu, feu!” Und sie wackelte mit den Augenbrauen und stieß Mareen in die Seite, die sie nur verständnislos ansah. Daraufhin zog Caro traurig einen kleinen Schmollmund.

Die Zwerge tummelten sich neugierig und hungrig um die Frauen und Kili, die das gefundene Essen in den Körben hatten, aber Thorin rief alle zurück. “Schluss jetzt! Lasst die Frauen in Ruhe das Essen zubereiten!”

Thorin hatte das mit Sicherheit nicht böse gemeint. Er wollte, dass sie in Ruhe arbeiten konnten, aber alles was Mareen, Caro und Helena verstanden, war, dass das Kochen offenbar absolut in ihren Aufgabenbereich und nicht in seinen fiel … aber da sie alle wirklich sehr hungrig waren, murrten sie nur etwas und begannen, das Essen zuzubereiten.

“Ist der Stein nicht wunderbar?”, merkte Julius an, als das erste Ei auf dem Stein zischte und man den schmackhaften Duft von Rührei riechen konnte.

Kili schlich sich immer mal wieder zu den Kochenden, weil er es nicht abwarten konnte und versuchte über Mareens Schulter zu spähen, gab dann aber auf und schaute stattdessen Julius über die Schulter. Als dieser gerade ein gepunktetes Ei aufschlug und sich eine lila Flüssigkeit auf dem Stein ausbreitete, verzog er angewidert das Gesicht. Julius machte große Augen. “Ähm … ist es gesund, wenn es so aussieht?” Er deutete auf den Stein. Kili schüttelte den Kopf. “Ich glaube, es ist auch nicht gesund, wenn das so riecht.”

Caro lehnte sich jetzt auch etwas zu Julius und machte eine abwertende Handbewegung. “Ach! Wenn wir das mit ein paar anderen Eiern vermengen, dann geht das schon!”

“Also ich weiß ja nicht, was dein Elbenmagen so aushält, aber: Ich fasse das nicht an!”, fügte Helena hinzu.

“Vielleicht sollten wir ein paar Gewürze dazu hauen, dann schmeckt es besser.”, sagte Mareen.

“Ich glaube, ich habe Petersilie im Wald gesehen … ” Julius besah sich die vermeintliche Petersilie in seinem Korb und runzelte die Stirn. “Ist das Petersilie?”

Kurze Stille trat ein. Man hörte lediglich das Zischen der Eier auf dem Stein.

“Ach, passt schon!”, sagte Kili. “Schmeiß es einfach dazu und dann riechen wir mal.” Gesagt getan. Aber nach Zugabe des Gewürzes konnte man nicht gerade sagen, dass es besser roch … wohl eher schlechter.

“Und wenn wir noch mehr Gewürze dazu geben?”, fragte Caro hoffnungsvoll grinsend. Irgendetwas musste ja helfen.

“Ich glaube wir haben etwas falsch gemacht.”, sagte Julius nach einer Weile. Sie hatten mittlerweile eine Menge der Gewürze dazugegeben, die sie von Bombur bekommen hatten. Aber nichts schien den säuerlichen Geruch, der vom lila Ei ausging, übertünchen zu können. Kilis angestrengter Gesichtsausdruck war da Beweisstück A...

“Will vielleicht jemand mal probieren?”, fragte Mareen. Keiner der Kochenden war dazu bereit. “Ich meine, irgendwann müssen wir es essen. Und Bomburs Gewürzvorräte sind auch bald leer.”

“Ich glaube, besser wird es nicht.” Julius seufzte und wollte gerade sagen, dass er sich opferte, als Bilbo mutig hervortrat.

“Ich probiere es!” Alle schauten ihn zu gleichen Teilen fassungslos als auch dankbar an. “Jetzt schaut nicht so! Ihr habt euch solche Mühe gemacht, ein Essen für uns zuzubereiten …” Aber er stockte mitten im Satz und schluckte schwer, als auch ihm der Geruch in die Nase stieg.

“Das ist sehr lieb von dir, Bilbo! Und ich finde, da hast du Recht!” Mareen nickte ihm aufmunternd zu. Bilbo atmete tief durch und trat noch ein wenig näher an die Feuerstelle. Er war ein Hobbit, der zu seinem Wort stand...

Wenig später saßen die Zwerge und Bilbo in einem Kreis beisammen und freuten sich schon auf das Essen. Bilbo und Kili hatten den Kopf bewusst gesenkt, weil sie niemandem die Vorfreude nehmen wollten … Die armen, unwissenden Seelen ...

Unsere eher unfreiwilligen Köche machten gute Miene zum bösen Spiel und versuchten sich nicht anmerken zu lassen, was sie da gekocht hatten. Es war ein Zwiespalt von persönlichem Stolz und Mitgefühl, aber der Stolz siegte am Ende. Nicht zuletzt deshalb, weil keiner der anderen Zwerge Anstalten gemacht hatte, bei der Nahrungssuche oder der Zubereitung zu helfen.

“Hier bitte. Eine traditionelle Spezialität aus unserer Heimat.” Fragen, wo denn diese Heimat lag, hatten keine Chance aufzukommen, auch wenn Julius sehen konnte, wie Thorin sie stellen wollte, dann aber im Luftholen inne hielt und leicht die Nase rümpfte. Noch behielt er aber die Contenance.

Als die Teller vor ihnen standen und die Zwerge gespannt und hungrig den Geruch einatmeten, wollten sie es plötzlich gar nicht mehr so genau wissen.

Erst wurden schweigend Blicke hin und her geworfen. Leises Geflüster kam auf. Man hörte das ein oder andere “Das riecht grässlich.” und “Was ist das?”.

“Jetzt probiert es doch wenigstens erst, bevor ihr es kritisiert.”, sagte Mareen. Alle schauten auf und verstummten, weil ihnen klar wurde, dass die Touristen sich wirklich Mühe gegeben haben mussten und sicher stolz auf ihr Werk waren … also hatten sie wohl keine Wahl.

Sie stocherten wenig begeistert in ihrem Essen herum und versuchten den Mut aufzubauen, es zu essen. Thorin hatte seinen Löffel gefüllt und führte ihn langsam zum Mund, als andere, die sich bereits ein (oder zwei) Löffel in den Mund geschaufelt hatten, das Essen wieder ausspuckten. “Das ist ungenießbar!”

Bombur aß seelenruhig Löffel nach Löffel.

Thorin hatte kurz inne gehalten, als er die Kommentare der anderen gehört hatte. Der Löffel mit dem Essen darauf befand sich schon vor seinem geöffneten Mund. Er wollte ihn gerade wieder sinken lassen, als er Julius’ hoffnungsvollen Blick auffing und inne hielt. Der Junge schaute ihn mit großen Augen an, offenbar wirklich interessiert daran, Thorins Meinung zu hören, weil er stolz auf sein Werk war. (In Wahrheit dachte sich Julius, dass es wohl ganz interessant war, zu beobachten, wie weit Thorins gute Manieren ihn treiben würden.)

Thorin lachte einmal gespielt erheitert auf. Die Mundwinkel fielen sogleich wieder nach unten. Julius zog die Augenbrauen nach oben, nickte ihm zu und wartete ab. Er hatte sich im Schneidersitz neben dem Zwergenkönig platziert … Thorin hatte also keine Wahl.

Sein Blick fiel wieder auf den Löffel vor sich, eine Schweißperle rann ihm kaum merklich über die Stirn, als er einen erneuten Würgereflex von einem der anderen Zwerge vernahm. Seine Hand, in der er den Löffel hielt, zitterte, als er es erneut mit einem Bissen versuchte. Er wollte schließlich nicht unhöflich sein, immerhin hatten sie sich bei der Zubereitung solche Mühe gemacht … “Zum Donnergrollen! Wieso schaut der Junge nicht einfach weg?!”

“Und?”, fragte Julius interessiert, als er sah, wie Thorin langsam kaute und versuchte, währenddessen so positiv, wie es ihm nur irgendwie möglich war, drein zu schauen.

“Hmh…” Thorin zwang sich die Mundwinkel nach oben zu ziehen und arbeitete gegen den Reflex, alles direkt wieder auszuspucken. Das Zeug war tatsächlich mehr als nur ungenießbar! Er nickte Julius möglichst dankbar zu. “Ich schaffe das. Wenn ich es runterschlucke, ist es weg. Dann ist es vorbei und der Junge ist zufrieden.” Also kaute er vorsichtig und langsam und immer gegen seinen eigenen Körper arbeitend und schluckte schließlich in aller Beherrschtheit seines Körpers das “Essen” herunter. Ein Schauer lief ihm durch die Glieder und er schüttelte sich leicht. Zu seinem Verdruss schaute Julius ihn noch immer an. “Eine solche … Köstlichkeit habe ich wirklich noch nie gegessen, vielen Dank!”

Julius lächelte zufrieden. Er merkte, wie sehr Thorin innerlich mit sich und seinem Magen kämpfte und er rechnete es ihm hoch an … Dennoch musste er ein belustigtes Grinsen wirklich unterdrücken.

Währenddessen beobachteten Mareen und Caro die anderen beim Essen und scherzten leise vor sich hin. “Ein Löffelchen für Kili, ein Löffelchen für Fili ….”, begann Mareen.

“Und eins für Thorin.” Caro kicherte als sie zu Thorin und Julius schaute. Wie herrlich man sich doch an dem Leid anderer erfreuen konnte!

Aber auch die anderen Zwerge wirkten nicht sonderlich begeistert. Hier und da stand immer wieder jemand auf und entfernte sich kurzzeitig ins Gebüsch.

“Na wenigstens schmeckt einem unser Gekochtes!” Mareen deutete auf Bombur. Als dieser den Blick der beiden sah, nickte er ihnen freudig lächelnd zu und hob seine Schüssel.

Helena und Bilbo hatten sich bei der Zubereitung des Essens ein paar Wurzeln stibitzt und knabberten nun an diesen. Mareen und Caro runzelten die Stirn. “Wir sollten uns echt was überlegen. Das war kein sehr ausgiebiges Essen … und mir ist langweilig! Wir laufen jetzt schon tagelang nur durch die Gegend … und weit und breit keine Elben in Sicht.”

“Du sagst es. Wir sind jetzt schon so lange unterwegs, ohne dass etwas Spannendes passiert … ein richtiges Füllerkapitel ist das.”, sagte Caro und seufzte.

“Jetzt mussten wir sogar schon so weit gehen, und auf Biegen und Brechen - und das meine ich wortwörtlich - Essen zuzubereiten. So kann das nicht weitergehen!” Mareen schüttelte den Kopf.

“Da stimme ich dir zu…aber hey, du weißt welche Szene bald kommen müsste, oder?”

“Ja! Das gibt mir wirklich Hoffnung … ein Haus und was Richtiges zu Essen… und dann endlich der Düsterwald! Ich freue mich wirklich drauf. Wir müssen daran denken, uns genügend Essen mitzunehmen, wenn wir danach durch den Düsterwald gehen. Im Film sieht es so aus als wären das gerade mal ein paar Minuten, aber wenn ich mir anschaue, wie lange wir jetzt hier schon durch die Gegend laufen, dann werden wir wohl auch da drin länger zubringen…” Mareen schaute in den Himmel. Sie konnte es wirklich kaum abwarten, endlich zum spannenderen Teil der Geschichte überzugehen. Und es war so eigenartig, wie viel stärker und selbstsicherer sie sich seit Beginn dieser Reise fühlte. Sie wusste, den anderen musste es genauso gehen … wenn sie doch nur schon endlich ein Stück weiter wären!

“Da hast du Recht. Ich weiß ja schon fast nicht mehr, wie Thranduil aussieht!”, sagte Caro nur halb im Scherz.

“Da kann ich helfen!” Mareen grinste Caro an und zog eine der Zeichnungen aus ihrem Rucksack, um sie Caro stolz zu zeigen.

Caro bestaunte das Portrait. Zum einen war Mareen wirklich eine grandiose Zeichnerin und zum anderen hatte sie nicht vergessen, wie Thranduil aussah. Vermutlich konnte sie das auch nicht.

“Hm… das sieht irgendwie anders aus, als ich es in Erinnerung habe.”, sagte Mareen, als sie die Zeichnung betrachtete. “Ich dachte, ich hätte ihn von der anderen Seite gezeichnet. Es sieht fast so aus, als hätte sich das Bild bewegt … Wobei er ja von allen Seiten gut aussieht.” Caro nickte zustimmend.

“Wir müssen nur endlich mal zum Düsterwald kommen!”

Caro verzog bei dem nächsten Gedanken, der ihr kam, angewidert das Gesicht und schüttelte sich. “Oh Gott, mir fiel gerade ein: Die Spinnen … da hab ich ja mal so gar keine Lust drauf!”

“Worauf hast du keine Lust?”, fragte Bofur, der sich jetzt etwas zu den beiden rüber lehnte. Aber noch ehe eine der beiden antworten konnte, fuhr er fort. “Hier, ihr seht hungrig aus! Seid nicht so bescheiden. Elben müssen doch schließlich auch mal was essen.” Und er reichte Caro und Mareen jeweils eine Schale, weil ihm aufgefallen war, dass sie sich sehr zurückgehalten hatten, was das Essen anging. Er hatte sein Essen bereits “beendet” (wohl eher: an Bombur abgegeben) und saß nun verträumt auf dem Boden, während er offenbar an irgendetwas schnitzte.

“...Danke.”, sagten beide gleichzeitig. Sie wirkten wenig begeistert, nahmen aber dennoch der Höflichkeit halber an. Um etwas von der Tatsache abzulenken, dass keiner der beiden essen wollte, was sich vor ihnen befand, lehnte sich Mareen etwas zu Bofur und fragte, was er denn dort schnitze. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein Spielzeugpony … für Gloins Sohn. Mareen und Caro verfielen beide sofort in ein seufzendes “Ohhh! Wie süß!”.

Derweil kämpfte Thorin noch immer mit der Schale vor sich. Sein Gesichtsausdruck war ein Gemisch aus Ekel und Wut. Ekel, weil das Essen vor ihm auch nach mehrmaligem Probieren nicht besser wurde und Wut, weil Julius noch immer vor ihm saß und ihn beobachtete. Er seufzte schließlich und streckte die Schale von sich.

“Mein Junge!”, begann er. “Wo bleiben meine Manieren? Jetzt hast du aus Höflichkeit die ganze Zeit bei mir gesessen, ohne dass ich auch nur auf die Idee gekommen bin, dir auch etwas anzubieten!” Er grinste siegessicher. Warum sollte nur er leiden? So hatte er auch einen Grund, um von sich ablenken zu können und einen Moment nicht diese Grausigkeit essen zu müssen.

“Hier, du musst ja ebenfalls vollkommen ausgehungert sein!” Er wollte Julius den Restinhalt seiner Schale reichen, aber dieser winkte dankend ab und sah Thorin so entschuldigend an, wie er nur konnte.

“Das ist sehr freundlich, danke, aber ich bin ehrlich gesagt nicht so… begeistert… von Eiern.”

Thorin sah ihn einen Moment schweigend an. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte.

“Generell.”, fügte Julius schnell hinzu. Es sollte nicht so scheinen, als würde er sich nur vor diesen Eiern drücken. Auch wenn das ein ziemlich wichtiger Punkt dabei war.

“Aber irgendetwas musst du doch essen!” Es rührte Julius ein wenig, dass Thorin sich um ihn sorgte. Und dass er die Zweideutigkeit seiner Aussage offenbar nicht bemerkte. Zumindest fand er, dass man so etwas sagte, wenn man sich um jemanden sorgte. Er konnte Thorin so schlecht einschätzen. Mal war er nett und dann im nächsten Moment tat er so, als würde man ihn fast mit von der Klippe ziehen, wenn man sich zur Stabilität an ihn klammerte und sei sowieso nur ein lästiger Klotz am Bein, der nie mit auf diese Reise hätte kommen sollen, weil das viel zu gefährlich war und man gar keine Erfahrung hatte, die man zum Wohl aller beisteuern konnte.

“Mareen und Caro haben an mich gedacht und mir diese Wurzeln besorgt. Mit den Pilzen schmecken sie ziemlich lecker.” Julius zog eine Schale voll gebratener Wurzeln mit Pilzen hervor. Thorin konnte ihn nur wortlos anstarren. Der Ausdruck, der daraufhin auf Thorins Gesicht lag, gefiel Julius kein bisschen. Der Zwergenkönig funkelte ihn böse an. Julius wurde nervös. Er lächelte wieder so entschuldigend wie möglich.

“Ei-Eigentlich wollte ich fragen, ob du welche davon abhaben willst, … damit du nicht die Eier essen musst… Aber sie scheinen dir ja zu schmecken.”

~*~


AN

“Jetzt haben wir ganz vergessen zu erwähnen, dass Gandalf eigentlich auch da ist.”
“Oh … ja.”
“Ach der findet sicher schon irgendwas.”
“Muss Gandalf überhaupt essen?”
“Ich glaube schon.” :D
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