Circus Of Fear

GeschichteAngst / P18 Slash
14.11.2018
06.12.2018
5
6121
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Dieses Kapitel
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Danke für die lieben Reviews! <3







5. Kapitel Burning Gold




I've had enough

I'm standing up

I need, I need a change

I've had enough

Of chasing luck

I need, I need a change

I'm setting fire to the life that I know (I know)

Let's start a fire everywhere that we go (we go)

We starting fires,

We starting fires till our lives are burning gold

Till our lives are burning gold




„Ich sollte nun aber wirklich langsam aufbrechen“, meinte Queenie verlegen und strich sich eine blonde Locke hinters Ohr. „Ich nehme Ihre Gastfreundschaft schon viel zu lange in Anspruch, und ich wollte ja eigentlich nach meinem Freund suchen.“

Vinda Rosier schüttelte nachsichtig lächelnd den Kopf. „Machen Sie sich keine Gedanken, chérie. Trinken Sie in Ruhe Ihren Tee, und dann sehen wir weiter.“ Sie glättete ihren langen smaragdgrünen Rock und schlug dann ihre Beine übereinander. „Erzählen Sie mir doch ein bisschen über sich, hm? Ich finde es immer so aufregend, Hexen und Zauberer aus anderen Ländern kennenzulernen. Was trägt man in New York zurzeit für Umhänge?“

Queenie nahm einen Schluck von dem Tee, der nach wie vor brühend heiß dampfte, und wärmte ihre Hände an der Tasse. „Nun“, meinte sie unsicher, „Sie wissen ja vermutlich, dass wir in New York vor einiger Zeit große Probleme hatten und die Zauberergemeinschaft kurz davor stand, entdeckt zu werden. Jetzt müssen wir uns natürlich noch bedeckter halten als vorher, und das, nun, wortwörtlich.“ Sie räusperte sich leise. „Wir tragen vor allem die Mode der No-Majs. Nur im Ministerium oder an ausdrücklich nur Zauberern vorbehaltenen Orten tragen wir Umhänge, und auch nur in dunklen, gedeckten Farben.“

Die elegante Hexe ihr gegenüber schüttelte den Kopf und schnalzte missbilligend mit der Zunge. „C'est dommage! Dabei hätte ich gehofft, dass ich mit Ihnen über modische Neuheiten tratschen könnte!“ Ein versöhnliches Lächeln begleitete ihre Worte, doch es wich einem Stirnrunzeln. „Sie nehmen viel zu viel Rücksicht auf die Non-Magiques, wenn Sie mich fragen.“

Diese Worte ließen Queenie die Augen niederschlagen, und sie schluckte schwer. Vinda beugte sich nach vorne. „Habe ich etwas Falsches gesagt?“, erkundigte sie sich.

„Nein...nein.“ Queenie seufzte. Sie stellte ihre Tasse mit einem leisen Klirren auf das elegante Beistelltischchen neben ihr. Mit einem Mal hatte sie das Bedürfnis, dieser fremden, kühl wirkenden Frau ihr Herz auszuschütten. Normalerweise teilte sie ihre Sorgen nur mit Tina, aber Tina... Tina war nicht hier. Queenie fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Es ist ziemlich schwierig geworden“, begann sie mit wackeliger Stimme. „Die No-Majs waren so kurz davor, uns zu entdecken, dass sämtliche Regeln, die den Umgang mit ihnen betreffen, verschärft worden sind.“ Sie biss sich auf die Unterlippe, und Vinda hakte vorsichtig nach: „Was meinen Sie mit 'verschärft'“?

„Vorher gab es Tendenzen, gewisse Regelungen in naher Zukunft vielleicht etwas zu lockern und Ausnahmen zuzulassen“, fuhr Queenie stockend fort, „aber jetzt wird das sicher nicht mehr passieren.“ Sie schloss die Augen. „Die Präsidentin wird es niemals zulassen“, setzte sie flüstern hinzu.

Vinda lauschte interessiert. „Das klingt, als würden Sie auf etwas ganz Bestimmtes anspielen“, meinte sie nach einer Weile. „Habe ich Recht?“

Queenie nickte und ihre Augen schimmerten feucht, als sie weiter erzählte. „Mein Freund ist ein No-Maj. Er hat sehr viel für die Zauberergesellschaft getan und sogar mitgeholfen, die Geheimhaltung zu wahren. Trotzdem dürfen wir nicht-“, sie musste ein Schluchzen unterdrücken, „ - wir dürfen nicht heiraten. Wir dürfen nicht offiziell zusammen sein.“ Obwohl sich Queenie sichtlich darum bemühte, ihre Emotionen nicht überborden zu lassen, konnte sie nicht verhindern, dass eine einsame Träne ihre Wange herunter rann. Vinda beugte sich abermals nach vorne und tätschelte mitfühlend Queenies Hand. „Aber, aber, ma chérie, nicht weinen! Es wird sich schon eine Lösung dafür finden! Gesetze sind schließlich auch nur auf Pergament geschrieben und nicht in Stein gemeißelt, nicht wahr?“

Verwirrt runzelte Queenie die Stirn. „Was meinen Sie -?“

Aber Vinda hatte sich schon erhoben, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet, und bürstete ein unsichtbares Stäubchen von ihrer Bluse. „Mademoiselle Goldstein, ich denke, ich weiß, was Sie etwas aufmuntern wird. Erlauben Sie mit bitte, Ihnen Ihren Gastgeber vorzustellen. Un moment, s'il vous plaît.“

Sie glitt aus der Tür und ließ Queenie mit nassen Wangen und geröteten Augen allein zurück. Diese bemühte sich, den Gedanken an Jacob energisch von sich zu schieben. Es half nichts, wenn sie Fremden etwas vorjammerte, sie musste handeln. Wenn sie ihn erst einmal gefunden hatte, konnte sie ihn vielleicht doch noch von einer Hochzeit überzeugen. Dieser Gedanke ließ Queenie beinahe lächeln. Rasch brachte sie ihre Locken in Ordnung und wischte sich über die Augen.

Während sie noch damit beschäftigt war, ihr Kleid glatt zu streichen, bemerkte sie aus dem Augenwinkel, wie sich die Tür öffnete und ein Mann eintrat.

Lächelnd erhob sie sich und wandte sich ihm zu um ihn zu begrüßen und für seine Gastfreundschaft zu danken.
Im Nachhinein hätte sie nicht sagen können, was sie zuerst wahrnahm: das blonde, fast weiße Haar, die schmalen, grausamen Lippen oder die Augen. Die durchdringenden, verschiedenfarbigen Augen, die ihr aus so vielen Zeitungen und von so vielen Plakaten entgegengeblickt hatten.

Innerhalb eines Herzschlagen reagierte ihr Körper: sie zog ihren Zauberstab und richtete die Spitze auf den Mann. Ihre Hand zitterte, und eiskalte Angst überflutete ihren Geist. „K-Keinen Schritt näher“, warnte sie mit krächzender Stimme. „Oder ich -“

Gellert Grindelwald hob seine Hände, wie um sie zu beruhigen. Sein Zauberstab steckte in einer speziellen Halterung an seinem Gürtel. „Niemand wird Ihnen ein Leid zufügen, Mademoiselle“, versprach er mit leiser Stimme. „Bitte, nehmen Sie ruhig wieder Platz. Möchten Sie noch eine Tasse Tee?“

'Ich werde verrückt', dachte Queenie mit hämmerndem Herzen. 'Ich werde wahnsinnig.' Sie befand sich offenbar in der Gewalt des gefürchtetsten Zauberers aller Zeiten und er bot ihr nach allen Regeln der Höflichkeit Tee an. Sie kniff kurz die Augen zusammen, aber als sie sie wieder öffnete, bot sich ihr dasselbe Bild wie zuvor.

„Mademoiselle, ich weiß, Sie sind verwirrt, und das zurecht. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich Sie erschreckt habe.“ Seine Stimme war seidenweich, wie mit Raureif überzogener Samt.

Queenie konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Sie sackte auf die Chaiselongue, auf der sie vorhin Tee getrunken hatte. Ihre Finger schienen taub, und ihr Zauberstab fiel zu Boden. In einer flüssigen Bewegung hob Grindelwald ihn auf – und gab ihn ihr zurück. Dann setzte er sich neben sie.

„W-Was...? Was geschieht hier? Was wollen Sie von mir?“ Queenies panikerfüllte Stimme bebte. „Wenn Sie mir etwas antun, dann -“

Grindelwald unterbrach sie mit einer abwehrenden Handbewegung. „Mademoiselle, ich versichere Ihnen, dass weder ich noch sonst jemand hier Ihnen etwas zuleide tun wird. Ganz im Gegenteil – ich möchte Ihnen helfen.“ Seine Augen fingen Queenies Blick ein und hielten ihn fest. „Sie sind traurig“, stellte er fest. Seine schmalen blassen Finger ergriffen ihre Hand. „Sie sind traurig und verletzt, und das kann ich ändern. Aber ich kann es nicht alleine.“ Wieder machte er eine kleine Pause, bevor er fortfuhr: „Es sind schwere Zeiten für die Zauberer und Hexen, sowohl hier in Europa als auch anderswo. Aber nicht nur für uns ist es düster, auch für die Non-Magiques.“

Queenies Wangen röteten sich. Woher konnte er das wissen? Hatte Vinda es ihm erzählt?

Gellert Grindelwald sprach weiter, wobei sein Blick Queenie zu hypnotisieren schien. „Diese Entzweiung, diese Trennung von magischer und nicht-magischer Bevölkerung, das sollte nicht sein. Ein Miteinander muss möglich werden, wo ein jeder seinen angestammten Platz findet und ihn voller Stolz einnimmt. Ja, unsere Fähigkeiten – auch Ihre Fähigkeiten, Mademoiselle! – räumen uns das Recht zu Herrschen ein, aber das ist ein großes Geschenk für die Non-Magiques!“ Seine Augen glühten voller Eifer, und Queenies Haut schien zu kribbeln. „ich werde mit all meinem Herzblut für diese Sache einstehen und kämpfen“, schloss Grindelwald. „Kämpfen für Zusammenhalt, Frieden, und Liebe.“ Bei seinen letzten Worten formten seine Lippen ein wissendes Lächeln. "Und ich möchte", setzte er hinzu, "Sie fragen, ob Sie mir dabei helfen werden."

Queenies Herz pochte, als wollte es zerspringen. Ihre Gedanken rasten. Konnte es denn wahr sein? Konnte er denn Recht haben? Ihre innere Stimme – die sich seltsamerweise sehr nach ihrer Schwester anhörte – rief sie zur Vernunft, riet ihr, so schnell wie möglich von hier zu verschwinden....aber dann sah sie wieder Jacobs Lächeln vor sich.

Queenie hatte nicht bemerkt, wie Grindelwald vor ihr auf die Knie gegangen war. Er nahm ihre Hände in seine und sah zu ihr hoch. „Ich weiß, dass Sie ein Legilimens sind“, sagte er mit einem Lächeln. „Ihre Fähigkeit ist eines der wundervollsten und außergewöhnlichsten Geschenke unserer Magie. Sie wissen, dass ich es ehrlich meine, nicht wahr? Wenn Sie zweifeln, dann...sehen Sie selbst.“ Und er öffnete ihr seinen Geist.

Tinas Gedanken waren hektisch, verworren und immer auf Abwehr ausgerichtet. Sie mochte es nicht, wenn ihre Schwester in ihren Kopf sah. Newt war auch recht schwierig zu lesen, was zum  Teil auch an seinem britischen Akzent lag. Jacobs Gedanken waren wie Daunenfedern, weich, warm, liebkosend und für Queenie ein offenes Buch. Vinda hingegen war glatt und kühl gewesen wie ein Fisch; man hatte ihr jahrelanges Okklumentiktraining angemerkt.

Gellert Grindelwald war...anders. Sie konnte es nicht beschrieiben. Queenie streifte durch seinen Geist und sah mit Entsetzen seine Visionen eines zukünftigen Krieges. All die Schreie, all die Leichen, all dieser Schmerz... Ihr traten Tränen in die Augen. Doch sie sah auch seine angestrengten Versuche, die magische Gesellschaft zu erneuern und aus der Asche auferstehen zu lassen. Sie sah die schlimmen Dinge, die er dafür in Kauf nehmen musste. Für das Größere Wohl. Er meinte es ernst.

Mit einem Blinzeln kehrte sie in ihren eigenen Kopf zurück. Ein winziger Teil in ihrem Inneren schrie ihr eine Warnung zu, aber sie ignorierte ihn. Neuer Mut durchströmte sie, und auch ein Hauch Stolz auf ihre Fähigkeit als Legilimens. Noch nie hatte sie jemand freiwillig eingelassen, geschweige denn als 'außergewöhnlich' bezeichnet! Seine Worte schienen ein Feuer in ihrem Herzen entzündet zu haben; keine sanfte kleine Flamme, sondern ein prasselndes, heißgoldenes Tosen.

Grindelwald hatte sich erhoben und stand vor ihr. Sein schwarzer Anzug ließ seine weißblonden Haare wie einen eigentümlichen Heiligenschein leuchten. „Folge mir, Queenie“, bat er mit sanfter Stimme, hinter der sich stählernde Härte verbarg.

Queenie zögerte noch einen Herzschlag lang, dann glitt sie unter dem stechenden Blick zu Boden und neigte anmutig den Kopf. „Für das Größere Wohl“, wisperte sie.
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