Damian&Jules - Für die Liebe

von Jules1994
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
13.11.2018
07.12.2018
8
19988
 
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Dieses Kapitel
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Hallo zusammen,

das neue Kapitel kommt schon etwas eher, da ich am Wochenende keine Zeit habe.
Ich möchte mich auch mal bei meinen beiden fleißigen Review Schreibern bedanken, die meine Kapitel jedesmal kommentieren.
Ich freue mich wirklich immer sehr darüber. (:

Ich wünsche euch einen schönes Wochenende und am Sonntag einen schönen 2. Advent.
Nun viel Spaß beim neuen Kapitel (:

Liebe Grüße

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Kapitel 8

Meine innerliche Anspannung war in  den letzten Minuten immer weiter angestiegen. Meine Hände wurden feucht und schwitzig. Mein Hals fühlte sich trocken an. Mein Herz schlug so schnell und laut, das ich das Gefühl hatte, das es jeden Moment aus meiner Brust sprang. Ich hatte große Angst.

Angst vor der Wahrheit.

Und dennoch war ich erleichtert. Erleichtert darüber, endlich die Wahrheit zu erfahren. Ich hätte es keine paar Tage länger ausgehalten. Ich wäre vermutlich durchgedreht. Die Scheinheiligkeit hätte ich nicht mehr weiter aufrechterhalten können. Diese Ungewissheit brachte mich fast um. Es kostete mich alle Nerven die ich aufbringen konnte.

Und nun saß ich bei meiner Oma auf der Couch und wartete darauf, dass sie zum Erzählen begann.
Meine Oma hatte uns dennoch allen ein Glas Wasser gebracht. Sie meinte, dass sie das brauchen könne. Nun saßen wir alle drei gemeinsam im Wohnzimmer und ich blickte meine Oma erwartungsvoll an.

„Ich glaube um das alles zu verstehen muss ich ganz von vorne beginnen.“ begann sie ganz nervös das Gespräch. Ihre Stimme zitterte.
Sie räusperte sich.

„Also du weißt doch sicherlich, das deine Eltern nie begeistert darüber waren das Daniel schwul war. Als sie dies damals herausgefunden haben, sind sie regelrecht ausgeflippt. Sie fanden es widerlich und abartig. Sie fanden, dass dies nicht der Natur entsprach und sich nicht gehört. Sie stritten sich regelmäßig mit ihm“

Ich nickte, das wusste ich auch alles. Dies war nichts Neues mehr für mich. Schließlich habe ich das damals alles mitbekommen. Ich möchte wissen, was meine Eltern mir verheimlichten, aber ich ließ meine Oma erzählen. Vielleicht war es besser die ganze Geschichte zu erfahren, von Beginn an um das ganze Ausmaß verstehen zu können.

„Eines Tages dann hat Daniel ihnen einfach einen Freund präsentiert. Er wusste dass deine Eltern ausflippen würden, doch er hatte sie damit absichtlich provoziert. Ich weiß gar nicht, ob du wusstest, das Daniel damals einen Freund hatte?“ fragte sie mich.

„Ja das wusste ich“ nickte ich ihr zu. Daniel und ich standen uns immer sehr nah. Er hat mir alles davon erzählt. Er hat mir damals sogar ein Foto von ihm gezeigt.“

Meine Oma lächelte daraufhin leicht und nickte mir zu. Sie räusperte sich noch einmal und begann dann weiter zu erzählen.
„Wie du dir denken kannst, verloren deine Eltern daraufhin natürlich komplett die Beherrschung. Das war der Tag gewesen, als dein Bruder verschwunden war. Sie beschimpften ihn als Perversling und Widerling. Sie meinten, dass sie dies niemals akzeptieren könnten und stellten ihn vor einem Ultimatum.

„Lass mich raten“ viel ich meiner Oma ins Wort. „Er sollte seinen Freund verlassen und seine „Abartigkeit“ vergessen.“

„Ja, da hast du vollkommen recht. Sie stellten ihn vor die Wahl. Entweder er verließ seinen Freund und gab seine Perversitäten auf und gründete mit einer Frau eine Familie oder er sollte mit sofortiger Wirkung das Haus verlassen und sich nie wieder bei ihnen blicken lassen.“

„Naja, ich kann mir denken, was er gewählt hatte sonst hätten meine Eltern ihn ja nicht raus geschmissen.“ warf ich ein.

„Ja, Damian, Daniel entschied sich für sein Wahres ich und für seinen Freund und bereitete sich schon auf seinen Rauschmiss vor. Doch er hatte nicht mit dem gerechnet, was seine Eltern ihm androhten.“

„Was haben sie ihm denn angedroht?“ fragte ich geschockt und riss meine Augen leicht auf.

„Deine Eltern haben Daniel natürlich sofort aus dem Haus verbannt und gaben ihm nicht einmal mehr die Möglichkeit dazu, dass er sich von dir verabschieden konnte.
Sie meinten zu ihm, dass wenn er dir auch nur noch einen Zentimeter zu nahe kommen sollte, würde er genau das bekommen, was er verdienen würde. Sie haben ihm mit irgendetwas gedroht. Was sie damals genau damit meinten, das weiß ich nicht. Ich habe leider keine Ahnung mit was sie ihm gedroht hatten und kann es dir dementsprechend leider nicht erzählen. Aber es muss so gravierend gewesen sein, das er sich tatsächlich daran hielt. Schließlich hat er sich nach seinem Rausschmiss nie bei dir gemeldet.“

„Meine Eltern sind doch echt komplett bescheuert, sie haben sie doch nicht mehr alle, was haben sie denn geglaubt was passieren würde, wenn er sich von mir verabschiedet hätte. Hätte ich das nicht verdient gehabt. Ihm wenigstens Tschüss zu sagen, wenn ich ihn schon nicht mehr wieder sehen durfte?“ rief ich angepisst dazwischen.

„Damian, wir alle wissen das deine Eltern einen Dachschaden haben, wir wissen doch, dass sie mit aller Macht verhindern wollen, das du genauso Homosexuell wirst, wie Daniel es war. Das war doch bestimmt der Grund oder?“ wandte Julian ein.

„Ja, das war er. Deine Eltern wollten um jeden Preis verhindern, dass du genauso wirst wie er. Sie hatten Angst, dass du dich bei ihm anstecken wirst.“

„Anstecken? Sind die zwei denn komplett bescheuert. Wie gestört und krank im Kopf muss man denn sein, das man glaubt, dass Homosexualität ansteckend wäre. Entweder man ist es oder nicht. Man kann es weder heilen noch umpolen noch verhindern. Da es keine Krankheit ist, verdammt nochmal“ wurde ich jetzt wirklich wütend. Und mir wollten sie immer weiß machen, dass er mich freiwillig verließ. Ich wusste doch dass dies nicht wahr sein konnte. Ich wusste, dass mein Bruder mich nie freiwillig im Stich gelassen hätte. Schließlich waren wir ein Herz und eine Seele. Julian versuchte mich wieder zu beruhigen, in dem er mir über den Rücken strich. Diese einfache und simple Geste beruhigte mich tatsächlich. Schließlich kann mich Julians Nähe mich immer beruhigen. Egal in welcher Form diese Nähe stattfand.

„Mir musst du das alles nicht erzählen, ich weiß das alles Damian. Ich weiß das Homosexualität weder eine Krankheit noch ansteckend ist. Deine Eltern jedoch nicht. Oder sie wollen es einfach nicht sehen. Sie sind so dermaßen stark überzeugt von ihrer Ansicht, dass sie tatsächlich befürchtete hatten, das er dich auf seine Seite gezogen hätte. Vor allem, da du ihn immer so angehimmelt hast und ihm nacheifern wolltest. Es war allen klar, dass er dein großes Vorbild war. Deine Eltern hatten deswegen Angst, dass du ihm auch in dieser Hinsicht nacheifern würdest. Ich habe stets versucht ihnen zu erklären, dass dies nicht möglich sei, aber es interessierte sie einfach nicht. Ich kam mit meinen Worten nicht zu ihnen durch. Mit dem Kontaktverbot wollten sie dieses Szenario damit verhindern.“

Wie verbohrt und dumm konnte man eigentlich sein. Mich würde echt mal interessieren, wie sie reagieren, wenn sie erfahren sollten, das ich trotz ihres Kontaktverbots schwul „geworden“ bin. Entweder sie sterben an einem Schock oder ich müsste daran glauben. Wenn ich so darüber nachdachte möchte ich es doch nicht wissen.

Ich möchte mich auch nicht vor meine Oma outen, auch wenn sie glaub ich nichts gegen Homosexualität hatte, aber die Gefahr, dass sie es meinen Eltern erzählen könnte, war einfach zu groß.

„Was ich dir jetzt sage Damian, tut mir so unendlich leid, das musst du mir einfach glauben. Ich war nie damit einverstanden was deine Eltern damals gemacht haben. Ich war wirklich mit nichts einverstanden, jedoch konnte ich auch nichts dagegen ausrichten“ sprach meine Oma weiter.

„Vielleicht ist es wirklich das Beste wenn jetzt endlich die Wahrheit raus kommt. Du hast die Wahrheit verdient Damian.“

Mein Herz schlug wie wild in meiner Brust. Ich hatte die Befürchtung es würde mir tatsächlich gleich aus meiner Brust springen. Julian verspannte sich genauso neben mir. Ich sah in kurz an und er erwiderte meinen Blick. Ich wand mich wieder meine Oma zu.

„Was ist die Wahrheit Oma, bitte sag sie mir“

Sie griff nach ihrem Glas und nahm sich einen großen Schluck Wasser und stellte ihr Glas dann wieder zurück auf ihren Tisch. Sie holte noch einmal tief Luft und begann dann weiter zu erzählen.

„Mit der Zeit merkten deine Eltern dass du keine Ruhe gabst. Du hast nie aufgehört nach deinem Bruder zu fragen, du hast ständig geweint und gefragt wann er denn wieder kommen würde und dich besuchen würde. Irgendwann hast du es beinahe täglich gefragt und deine Eltern waren mehr als verzweifelt darüber. Sie brauchten etwas womit sie dich mundtot machen konnten. Sie hätten nie gedacht, dass du wirklich so stark an ihm hängen würdest. Sie dachten, dass du ihn mit der Zeit schon vergessen würdest. Doch das hast du nie. Und deshalb mussten sie ihrer Meinung nach etwas dagegen unternehmen Damian.“

„Was haben sie unternommen Oma, was haben sie getan?“ fragte ich äußerst verzweifelt und den Tränen nahe.  

„Das was sie getan haben, haben sie getan mit der Absicht dass du deinen Bruder endgültig vergessen würdest und du aufhören würdest nach seiner Rückkehr zu fragen und das Thema somit erledigt sein würde.
Sie dachten sich eine grausame Lüge aus und erzählten sie dir.“

Sie schloss die Augen und holte noch einmal tief Luft.
„Damian, dein Bruder ist nicht tot! Er lebt“

„WAAAAAAAAAAAAAAAAS?!“ gab ich vollkommen geschockt von mir.

Das glaubte ich jetzt nicht. Mein Bruder lebte. Er lebte all die Jahre und meine eigenen Eltern machen mir weis dass er tot war. Ich konnte dies einfach nicht glauben. Ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, als wenn sich ein Seil um mein Hals schlingen würde. Julian hatte also tatsächlich Recht. Gestern hatten wir nur nach möglichen Möglichkeiten gesucht, aber die Gewissheit zu haben, dass es tatsächlich so war, brachte mich fast um. Das machte es Real.

„Mein Bruder ist gar nicht tot?“ ächzte ich hervor. „Das ist. Das ist, Fuck, ich muss hier raus!“

Ich sprang von Sofa auf und lief Richtung Haustür. Der Knoten um meinen Hals schien immer enger zu werden. Ich schnappte mir mein Zeug und lief auf die Straße. Ich hatte Glück das in diesem Moment keine Autos auf der Straße fuhren. Ich glaube ich wäre einfach blind in eines hineingerannt. Aber ich konnte keine Minute mehr länger da bleiben.

„DAMIAN! Warte, bitte bleib stehen. Bitte Damian, so warte doch“ hörte ich Julian rufen. Doch es war mir egal in dem Moment. Ich lief einfach immer weiter und weiter bis ich irgendwann heulend am Boden zusammen brach. Ich schluchzte immer mehr und mehr. Meine Augen brannten wie die Hölle. Doch es war mir egal. Die gesamten letzten 10 Jahre waren eine verdammte Lüge. Als mir das bewusst wurde, wurde mir auf einmal so kotzübel sodass ich mich augenblicklich übergeben musste.

Irgendwann spürte ich wie ich in eine feste Umarmung gezogen wurde. Julian hielt mich einfach nur fest. Ich weinte immer mehr. Irgendwann krallte ich mich schluchzend an ihn fest. Er wiegte mich hin und her und flüsterte immer wieder ein

„Shhhhhhhhht Damian, es wird alles gut, Ich bin ja da.“

Es verging eine halbe Ewigkeit bis ich mich wenigstens halbwegs beruhigt hatte. Ich glaube wir saßen mindestens eine halbe Stunde auf dem Boden herum. Julian ließ mich einfach nur weinen und hielt mich so fest wie er nur konnte. Er ließ mich nicht 1 Sekunde lang los.
Ich glaubte wir saßen mindestens eine halbe Stunde auf dem Boden herum. Ich löste mich vorsichtig von ihm und wischte mir mit meiner Hand meine Tränen aus den Augen. Ich glaubte, dass ich nun keine mehr habe, da ich keine neuen Tränen mehr hinablaufen spürte, ich aber immer noch das Bedürfnis danach habe.

„Warum Jules, warum haben sie mir das angetan. Nein. Warum haben sie uns das angetan. Was habe ich in meinem Leben verbrochen um so etwas verdient zu haben. Nur weil sie mit aller Macht verhindern wollen dass ich genauso schwul werde wie er musste ich immer glauben dass mein Bruder tot war. Mit welchen Recht haben sie das getan Jules. Sag es mir?“ schluchzte ich gegen seine Schulter.

Ich war einfach total verzweifelt. Ich wusste dass auch Julian darauf keine Antwort hatte. Meine Eltern waren nun mal die größten Arschlöcher die es auf der Welt gab. Mit Abstand die größten.

„Ich weiß es nicht Damian, das hast du sicherlich nicht verdient. Du bist einer der herzensgutesten Menschen die ich kenne, du würdest keiner Seele etwas zu leide tun. Wir beide wissen das deine, ich wähle jetzt das Wort Erzeuger bewusst, denn was anders sind sie nicht, die größten Idioten auf der Welt sind. Aber ich verspreche dir eines Damian. Auch das werden wir gemeinsam durchstehen. Wir werden deinen Bruder mit dir gemeinsam suchen und mit ihm Kontakt aufnehmen okay. Du verlierst vielleicht deine Erzeuger was wahrlich kein Verlust ist, aber du bekommst einen Teil deiner wahren Familie zurück und ich werde immer an deiner Seite sein und dann bauen wir uns eine gemeinsames Leben auf und lassen alles andere einfach hinter uns. Na was sagst du dazu?“ Julian blickte mich so zärtlich an und strich mir so sanft meine Tränen fort, sodass ich schon wieder anfangen könnte zu weinen.  

„Ich, ich danke Jules, ja das machen wir.“ schniefte ich. „Und ich freue mich schon darauf.“  Das tat ich wirklich. Ich würde meinen Bruder suchen und finden und dann gemeinsam mit Julian ein neues Leben beginnen, in der meine Eltern keine Rolle mehr spielen würden.
Julian wusste einfach immer was er zu mir sagen musste um mich zu beruhigen. Und dass er mit mir meinen Bruder suchen möchte finde ich mehr als lieb. Ich blickte jetzt einfach positiv in die Zukunft. Ich habe endlich die Möglichkeit meinen Bruder wieder zurück zu bekommen. Aber eine große Sorge habe ich doch noch und diese teilte ich Jules auch gleich mit.

„Ich kann jetzt nicht nach Hause gehen Jules. Nicht nach dieser Nachricht. Ich kann ihnen doch nicht gegenübertreten und so tun als wäre alles in Ordnung, das ging vielleicht gestern, aber heute geht das ganz bestimmt nicht. Aber ich kann ihnen auch nicht an den Kopf knallen was ich weiß, da ich genau weiß, dass sie wieder versuchen werden es zu verhindern, aber das kann ich nicht zulassen, ich muss meinen Bruder finden, bevor sie es herausfinden. Ich bin momentan einfach viel zu geschockt, traurig und wütend zugleich. So kann ich nicht nach Hause gehen. Wie die Welt morgen aussieht kann ich noch nicht sagen, aber heute kann ich es definitiv nicht. Was soll ich nur machen Julian. Bitte sag es mir“ gab ich völlig aufgelöst und verzweifelt von mir.

„Du kommst jetzt einfach mit zu mir und bleibst auch über Nacht. Irgendeine Ausrede wird uns schon einfallen die du deinen Eltern präsentieren kannst. Sag ihnen einfach dass du bei Mona geschlafen hast, ich glaube darüber wären sie sogar glücklich. Schreib ihnen einfach eine kurze SMS damit sie Bescheid wissen, egal wie schwer es dir gerade fällt. Wir müssen den Schein aufrechterhalten okay, wenn du magst kann auch ich die SMS für dich schreiben wenn du es nicht über dich bringst.“ erwiderte Julian auf meinen Monolog.

Und wieder einmal bewies Jules dass er der beste Freund auf der ganzen Welt war. Ich wusste noch immer nicht mit welchem Recht ich ihn verdient habe.

„Okay“ sagte ich einfach nur und nickte.

„Na komm, stehen wir endlich von dem dreckigen kalten Boden auf sonst werden wir auch noch krank.“

Jules richtete sich auf und  streckte mir lächelnd seine Hand hin. Ich ergriff sie natürlich sofort.
Er zog mich nach oben und ließ unsere Hände mit einander verschränkt. Er gab mir einen Kuss auf meinen Scheitel. Diese Geste wirkte so vertraut. Sie hatte etwas so beruhigendes auf sich. Es fühlte sich einfach so verdammt nach zu Hause an.

Gemeinsam fuhren wir mit dem Bus wieder nach Hause. Auch hier ließ Julian mich nicht mehr los. Hier konnten wir die Nähe zu einander schließlich auch zu lassen.

Als wir nach ca. 1 Stunde endlich bei Julian angekommen sind, sperrte Julian die Haustüre auf und wir traten ein.

„Meine Mama, wird wahrscheinlich noch auf der Arbeit sein, somit sind wir alleine. Du legst dich jetzt zu mir ins Bett und ich koche dir noch schnell einen Tee. Was hältst du davon?“ fragte mich Julian als wir uns unserer Jacken erledigten.

„Ja, das klingt gut, aber vorher muss ich noch ins Bad und meinen Mund ausspülen, ich schmecke es leider immer noch“ gab ich leicht lächelnd von mir.

„Natürlich kannst du das, geh doch schon mal vor, ich komme gleich nach, sobald ich deinen Tee fertig habe okay.“ lächelte mich Julian an.

Ich lächelte zurück und gab mein Einverständnis mittels eines Kopfnickens zum Ausdruck. Ich drehte mich um und ging Richtung Badezimmer. Ich traute mich gar nicht im Spiegel anzusehen. Ich musste furchtbar aussehen. Ein kurzer Blick bestätigte es mir. Meine Haare waren total zerzaust. Meine Augen waren angeschwollen und rot. Meine Gesichtsfarbe war leichenblass. Ich drehte den Wasserhahn auf und wusch mir mein Gesicht und trocknete mich dann mit einem Handtuch ab.  Mein Mund spülte ich mir auch aus. Ich fand Gott sei Dank noch eine Flasche Mundspülung. Die war jetzt genau richtig dafür um mir den ekeligen Geschmack aus meinem Mund zu spülen.
Als ich damit fertig war, trocknete ich mich ab und begab mich auf den Weg ins Julians Zimmer. Ich zog mich bis auf mein T-shirt und Unterhose aus und legte mich sofort auf sein Bett und kuschelte mich unter die Decke ein. Julian hörte ich in der Küche noch hantieren.

Ich bin echt komplett erledigt. Die Nachricht dass mein Bruder noch lebte machte mich vollkommen fertig. Ich würde zu gern wissen, was sie Daniel angedroht haben, das er sich 10 Jahre nicht bei mir gemeldet hatte. Ich hasste meine Eltern so sehr dafür.
Ich wurde in meinen Gedankengängen unterbrochen, als Julian mit zwei Tassen Tee das Zimmer betrat. Er kam zu mir und stellte mir meine Tasse auf dem Nachtkästchen ab.

„Bitte schön, dein Tee ist fertig, ich habe dir einen Früchtetee gemacht, den du so gern hast.“

„Danke Julian du bist der Beste, wo warst du denn so lange? legst du dich zu mir? Ich kann deine Nähe jetzt gebrauchen"

„Natürlich, bin gleich dir. Ich habe meine Mutter eben noch getroffen. Ich habe es ihr erzählt, ich hoffe das war okay?“ fragte er liebevoll und zog sich ebenfalls aus.

„Na klar, du weißt doch wie gern ich deine Mutter habe.“

Erleichtert darüber, dass er keinen Fehler begangen hatte krabbelte er zu mir ins Bett als er sich fertig ausgezogen hatte. Aber vorher holte er noch mein Handy aus meiner Hosentasche heraus.

„Bevor wir kuscheln, schreibe ich nur noch schnell die SMS okay, danach gehöre ich ganz dir.“ Sagte Julian und entsperrte auch schon mein Handy. Den Code dazu wusste er natürlich. Es war sein Geburtsdatum. Einfallsreich, ich weiß.  Währenddessen trank ich schon mal einen Schluck aus meiner Tasse. Der Tee schmeckte echt lecker.

Als er die SMS geschrieben hatte, legte er mein Handy auf seinen Nachtisch und wandte sich endlich mir zu. Er breitete die Arme aus und ich schmiegte mich auch sofort hinein. Seine Nähe und sein Duft beruhigten mich. Wir kuschelten ganz fest mit einander. Worte brauchte es momentan nicht wirklich. Wir gaben uns gegenseitig halt. Ich fühlte mich sichtlich wohl. Zwischendurch küsste er mich auf meinen Haarschopf. Manchmal küssten wir uns auch auf den Mund. Kein Knutschen nur unschuldige kurze küsse. Mehr brauchte ich momentan auch nicht. Ich brauchte im Moment nur die beschützende Umarmung von Julian. Ich wünschte mir er würde mich nie wieder los lassen.

Irgendwann schliefen wir gemeinsam fest aneinander gekuschelt ein.
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