Wenn das Schicksal zum Verräter wird

GeschichteMystery, Romanze / P12
Ai Haibara / Shiho Miyano Conan Edogawa Jodie Saintemillion / Starling OC (Own Character) Shuichi Akai Subaru Okiya
13.11.2018
11.09.2019
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Manami war klar…

Subaru hatte sie nur aus einem einzigen Grund zur Haltestelle begleitet. Er wollte sie loswerden. Und sie war sich sicher, dass ihre Begegnung kein Zufall gewesen war. Mit Sicherheit hatte er sie gesehen, als sie am Okiya Anwesen war.

Na klar.

Das würde auch erklären, weshalb Manami sich die ganze Zeit beobachtet gefühlt hatte. Er hatte sie die ganze Zeit beobachtet und sie dann auf der Straße abgepasst.

Aber warum?

Er hätte sie nicht zur Haltestelle bringen brauchen. Den Weg hätte sie auch allein gefunden. Aber was brachte es schon sich ausgerechnet jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen. Er hatte Recht. Sie sollte jetzt einfach nach Hause fahren. Dann wäre sie auch noch vor Takehito zu Hause und könnte tatsächlich so tun, als hätte sie krank im Bett gelegen.

Das junge Mädchen setzte ihre Füße auf die Straße und wollte diese überqueren. Dabei spürte sie noch immer seine Blicke in ihrem Nacken. Er schien seinen Blick nicht von ihr abwenden zu können. Sie konnte es ganz genau fühlen. Er schien jeden ihrer Schritte genauestens zu beobachten.

Und noch immer versuchte Manami zu verstehen, was genau gerade geschehen war. Er hatte plötzlich ganz normal mit ihr gesprochen. So, als wäre nie etwas zwischen den beiden vorgefallen. Dennoch strahlte er manchmal diese Feindseligkeit ihr gegenüber aus, die sie einfach nicht verstand und die ihr immer wieder eine unheimliche Angst bereitete. Dennoch war sie von seinem makellosen Aussehen so fasziniert, dass es ihr völlig gleichgültig war wie gefährlich er manchmal wirkte. Wenn sie in seine Augen sah, war sie wie hypnotisiert.

Manami war klar… Aoko vertrat aus gutem Grund die Meinung, dass keines der Mädchen an der Senshin Oberschule gut genug für ihn war. Keines der Mädchen dort könne ihm auch nur annährend das Wasser reichen. Nicht im Entferntesten. Er spielte ganz offensichtlich in einer ganz anderen Liga. Doch genau deshalb verwunderte es Manami, dass er ausgerechnet mit ihr sprach. Nicht, dass sie es nicht wollte… Ganz im Gegenteil. Sie war schon jetzt ganz begierig darauf seine Stimme wieder hören zu können. Sie verstand es nur einfach nicht. Er war so besonders – Und sie war so gewöhnlich…

Und weil sie wieder einmal viel zu tief in ihren Gedanken versunken war, bemerkte sie viel zu spät, dass ein Wagen direkt auf sie zuraste.

Während sie mit ihren Gedanken und den unerwarteten Gefühlen kämpfte, vernahm sie ganz plötzlich ein merkwürdiges Geräusch, welches äußerst laut und kreischend klang und ungewöhnlich schnell schmerzhaft laut wurde. Erst das penetrante Hupen des Fahrers riss sie aus ihren Gedanken.

Vor Schreck völlig erstarrt, blieb Manami mitten auf der Fahrbahn stehen. Der Fahrer des Wagens stand voll auf der Bremse. Aber auch er schien Manami viel zu spät bemerkt zu haben. Die Bremsen schienen auf der nassen Fahrbahn zu blockieren. Der Bremsweg war einfach zu lang und ein rechtzeitiges Bremsen schier unmöglich.

Manami war nicht in der Lage sich zu rühren. Sie sah bereits ihr Leben an sich vorbei ziehen. Das junge Mädchen nahm so viele Bilder auf einmal wahr und es wirkte, als würde gerade alles in Zeitlupe geschehen. Aber dem war nicht so. Schließlich befand sie sich nicht in einem Film.

Alles ging so wahnsinnig schnell, dass sie nicht einmal Zeit hatte ihre Augen zu schließen und das Schicksal geschehen zu lassen. Das sollte es jetzt also gewesen sein?

Doch urplötzlich riss ihr etwas den Boden unter den Füßen weg. Nur Sekunden später knallte ihr Kopf auf den eisigen Asphalt. Alles ging so wahnsinnig schnell, das sie nicht in der Lage war wirklich zu realisieren was gerade geschah.

Hatte sie das Auto bereits erfasst? Würde sie jetzt sterben?

Und dann stand wie aus dem Nichts Subaru Okiya neben ihr. Ohne jegliche Vorwarnung… blitzschnell… völlig lautlos… ohne dabei ein Geräusch zu verursachen… Er stand einfach neben ihr.

Er packte das junge Mädchen am Arm, riss sie an sich, legte schützend seinen linken Arm um das Mädchen und presste sie ganz fest an sich. Dann zog er eine Waffe und feuerte gezielt einen Schuss auf einen der vier Reifen ab.

Moment… Waffe? Schuss?

Es war nur ein Bruchteil von Sekunden… Aber Manami war sich ganz sicher, was sie gesehen hatte.

Im nächsten Moment platzte der angeschossene Reifen des Wagens. Als der Wagen etwa zwanzig Zentimeter vor ihnen stand, riss der Fahrer das Lenkrad rum und verlor die Kontrolle über den Wagen. Noch bevor er gegen eine Laterne krachen konnte, kam er zum Stehen.

Sowohl Manami, als auch der Fahrer blieben weitestgehend unverletzt.

Noch immer starr vor Schreck sah Manami ihrem Retter in die Augen. Und als sich ihre Blicke trafen, verstummte alles um sie herum. Er hatte ihr… tatsächlich das Leben gerettet. Sie hatte ihm ihr Leben zu verdanken…

Nachdem der Wagen mit quietschenden Reifen endlich zum Stehen gekommen war, herrschte eine endlose Sekunde lang absolute Stille.

Doch dann vernahm sie wieder diese einzigartige Stimme auf die sie so begierig war. Doch dieses Mal klang sie leise und verzweifelt.

„Yumi? Ist alles in Ordnung mit dir?“

„Mir geht’s gut.“, erwiderte sie ganz kurz mit zittriger Stimme.

Der Schreck schien ihr noch ziemlich tief in den Knochen zu sitzen. Hastig versuchte sie sich umzusehen. Wo war das Auto hin? Sie wollte sich davon überzeugen, dass es auch dem Fahrer des Wagens gut ging.

Und erst jetzt bemerkte sie, dass Subaru seinen Arm sie gelegt hatte und sie ganz fest an sich drückte. Sein starker Griff und sein einzigartiger Geruch vernebelten ihr fast den Verstand. Es erforderte ihre ganze Konzentration sich nicht in seinen starken Armen fallen zu lassen. Was sollte er dann auch von ihr denken? Dann würde er sie erstrecht für verrückt halten. Ohne ihm in die Augen zu schauen versuchte sie sich von ihm zu lösen. Doch es fiel ihr sichtlich schwer sich auf ihren zittrigen Beinen zu halten.

Als sie schließlich unter ihren Beinen zusammen brach, stützte Subaru sie erneut mit seinem starken Arm, den er um ihre Taille legte und sprach: „Du solltest noch etwas vorsichtig sein. Der Schock scheint dir wirklich noch tief in den Knochen zu sitzen. Außerdem glaube ich, du bist ziemlich hart mit dem Kopf aufgeschlagen.“

Erst jetzt spürte Manami den stark pulsieren Schmerz über ihrer linken Schläfe. Unbewusst legte sie ihre Hand auf die schmerzende Stelle und musste feststellen, dass etwas Blut aus der Wunde trat. Sie musste wirklich hart mit dem Kopf aufgeschlagen sein.

„Au“, murmelte Manami überrascht.

Sie konnte sich gar nicht daran erinnern sich den Kopf so stark angeschlagen zu haben.

„Wusste ich es doch.“

Erstaunlicherweise klang Subarus Stimme äußerst besorgt.

„Wie zum…“

Manami hielt inne. Noch immer sah sie sich immer wieder um, versuchte sich zu orientieren und ihre Gedanken zu sortieren. Es war ihr noch immer nicht ganz möglich zu begreifen, was eigentlich genau geschehen war.

„Wie bist du so schnell bei mir gewesen?“

„Yumi, ich war doch direkt hinter dir. Weißt du das denn nicht mehr? Ich wollte dich doch bis zur Haltestelle begleiten.“

Und plötzlich war sein Tonfall wieder ganz ernst. Keine Spur mehr von der vorherigen Besorgtheit.

Manami drehte sich von ihm weg und versuchte sich erneut aufzurichten. Der Schreck schien allmählich nachzulassen und das Zittern aus ihren Beinen ließ auch nach. Sie sollte wohl wieder in der Lage sein auf ihren eigenen Beinen zu stehen. Und dieses Mal ließ Subaru es auch geschehen. Er löste seinen Griff um ihre Taille und suchte nun wieder den gewohnten Abstand zu ihr.

Das junge Mädchen blickte ihm in seine besorgte Unschuldsmiene und erneut verhinderten seine jadegrünen Augen, dass sie auch nur einen einzigen klaren Gedanken fassen konnte. Subaru kicherte, aber schien leicht nervös zu sein.

Wie kam sie nur darauf ihm eine so überflüssige Frage zu stellen?

Im Prinzip war es doch völlig egal wie es so schnell bei ihr sein konnte. Er hatte ihr das Leben gerettet. Wäre er nicht dort gewesen wäre sie jetzt wahrscheinlich tot.

Dennoch konnte sie sich nicht daran erinnern, dass er direkt hinter ihr war. Er wollte sie doch gar nicht zur Haltestelle begleiten. Er hatte sich bereits auf der anderen Straßenseite von ihr verbschiedet. Den Rest des Weges sollte sie doch alleine gehen.

Oder irrte sie sich? War sie mittlerweile so verwirrt? Aber warum sollte er lügen? Doch sie war sich ganz sicher.

„Du warst dort drüben, Subaru.“

Mit diesem Satz erstickte sie sein Kichern. Ihm war offensichtlich nicht mehr zu Lachen zu mute. Wahrscheinlich fragte er sich in diesem Augenblick, warum sie es nicht einfach dabei belassen könne.

„Du warst auf der anderen Straßenseite. Du hattest überhaupt nicht vor mich zur Haltestelle zu begleiten. Da bin ich mir ganz sicher.“

Sein Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig.

„Du irrst dich.“

„Das tue ich nicht! Ich bin mir ganz sicher!“

Manami beharrte auf ihren Standpunkt. Sie wusste ganz genau, was vor dem beinahe Unfall geschehen war. Er brauchte gar nicht versuchen ihr irgendetwas anderes einzureden. Sie hatte Recht! Und das sollte er gefälligst auch zugeben.

„Yumi, ich sage es dir jetzt noch einmal… Ich war direkt hinter dir. Und als das Auto auf dich zuraste, habe ich dich einfach nur zur Seite gestoßen. Und dabei hast du dir den Kopf angeschlagen.“

Er starrte ihr direkt in die Augen. Er wusste welchen Einfluss er mit seinem Blick haben konnte und er schien nun die ganze überwältigende Kraft seines Blickes zu entfesseln. Und es schien fast so, als wolle er ihr mit seinem Blick etwas Wichtiges mitteilen.

Doch dieses Mal wollte sie es ihm nicht so einfach machen. Sie wusste, was sie gesehen hatte und sie wollte die Wahrheit wissen.

„Nein!“

Sie wollte dieses Mal nicht nachgeben. Nicht schon wieder. Noch immer funkelten ihr seine jadegrünen Augen entgegen.

„Yumi, ich bitte dich.“

„Warum kannst du mir nicht einfach die Wahrheit sagen?“

„Vertrau mir.“, bat er sie leise.

Seine Stimme war dabei so unwiderstehlich sanft, dass sich erneut eine wohlige Gänsehaut auf ihren Körper legte.

Dann war es vorbei mit der Stille.

Plötzlich wurde es ganz laut. Es waren Sirenen zu hören, die immer näher kamen. Passanten mussten den Rettungsdienst gerufen haben.

Doch selbst davon ließ Manami sich nicht aus dem Konzept bringen. Sie wollte die Wahrheit wissen.

„Versprich mir bitte, dass du mir später alles erklärst. Ich will, dass du mir die Wahrheit sagst. Wenn du möchtest, dass ich dir vertraue, dann muss ich die Wahrheit über dich wissen.“

„Schön, wie du möchtest…“, sprach er gereizt.

Damit musste Manami sich erst einmal zufrieden geben.

Doch würde er ihr wirklich die Wahrheit sagen?

Sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken, denn nur Sekunden später kamen bereits zwei Rettungshelfer auf sie zu und legten ihr eine Halskrause um…
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