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Love you out of the shadows

von Ronna
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
12.11.2018
13.04.2021
23
26.920
50
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06.06.2019 1.406
 
Es war ein Samstag im Februar, der Tag, an dessen Abend der Trank nun endlich fertig werden sollte und die junge Hexe betete zu Merlin, dass es der Slytherin bis dahin aushalten würde. Severus war es schon länger nicht mehr möglich das Bett zu verlassen. Die ersten Schneeglöckchen blühten am See, die Vöglein begannen zu zwitschern und der Schnee schmolz in der strahlenden Sonne des Vorfrühlings. Doch Hermine konnte nichts von all diesen Dingen genießen. In den letzten Wochen hatte sich sein Zustand zusehends verschlechtert. Ihr war es an manchen Tag zunehmend schwergefallen sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Immer wieder dachte sie an den Mann, an ihre Liebe, der nun stundenlang ohne sie in den Kerkern ausharren musste. Es gab Tage da gelang es ihm kaum alleine zu essen. Das gemeinsame Brauen konnte er nur mehr an guten Tagen im Sitzen ausführen, an manchen braute sie alleine und auch das Lesen in seinen Büchern schien ihm inzwischen beinahe unmöglich zu sein.
Unermüdlich hatte sie die Tage gezählt bis es hoffentlich die ersehnte Erlösung und Genesung für den Tränkemeister gab. Professorin McGonagal erkundigte sich über den Kamin des öfteren nach ihrem früheren Kollegen, in den Kerkern ließ sie sich jedoch bis zu diesem Tag nicht mehr blicken. Und im Unterricht war es nur natürlich, dass sie sich so unauffällig wie möglich Hermine gegenüber gab. Das ebendiese nun in den Kerkern wohnte, als Gryffindor wohlgemerkt, war ohnehin schon Skandal genug.
Doch es kümmerte sie nicht. All ihre Gedanken gehörten ihrem schwarzhaarigen Tränkemeister der nun dem Tod beinahe  näher war als dem Leben. Sie verbrachte Tag und Nacht an Severus Seite, kühlte seine fiebrige Stirn mit Umschlägen, flößte ihm einen Stärkungstrank nach dem anderen ein. Sorgfältig pflegte sie seine Haut mit erlesenen Ölen, sie war so trocken und durchscheinend geworden wie Pergament. Sein Gesicht war knochig und eingefallen, sein Körper ausgemergelt. Immer wieder wurde er von heftigen Krämpfen geschüttelt.
Langsam krochen die Stunden dahin, jede einzelne Sekunde geprägt von Hoffen und Bangen.
Als es dämmrig wurde in den kühlen Kerkern, fasste sie sich schließlich ein Herz und trat an den Kamin. Mit zitternder Hand warf sie etwas Flohpulver in die Flammen und nannte den Namen ihrer Hauslehrerin. Sogleich erschien das Gesicht der kleinen Professorin im Kamin.
„Hermine, alles in Ordnung Kind, wie kann ich dir helfen?“
„Es ist...es ist nichts in Ordnung“, sprudelte es verzweifelt aus ihr heraus und sie konnte ein Schluchzen nicht mehr unterdrücken.
„Severus, ich glaube er schaffte es nicht...“Ihre Stimme brach und sie schlug sich die Hände vor das Gesicht. Sie wollte stark sein, doch langsam schien sie alle Kraft zu verlassen.
„Ich komme sofort zu euch“, stellte Minerva entschlossen fest und verschwand aus dem Kamin.
Kurz darauf ertönte ein Rauschen und Hermine war nicht mehr alleine. Mütterlich zog die Ältere sie in eine tröstende Umarmung.
„Es wird alles gut. Ich kümmere mich um ihn. Wie weit ist der Trank?“
„Er sollte heute fertig werden. Aber ich werde wieder alleine brauen müssen und weiß nicht ob er überhaupt die selbe Wirkung hat. Es ist Severus Trank, er müsste ihn selbst brauen.“
„Wir haben keine andere Wahl“, Minerva hatte den Kopf etwas schief gelegt und schien nachzudenken, „aber es sollte keine Rolle spielen dass du ihn braust. Wir haben nur diese eine Möglichkeit.“
„Dann sollte ich mich wieder ans Werk machen“, murmelte sie und begleitet die Professorin noch an die Bettstatt des Tränkemeisters. Sanft küsse sie seine schweißbedeckte Stirn und wandte sich dann ab, sie wollte nicht erneut in Tränen ausbrechen. Mit zusammengebissenen Zähnen betrat sie das kleine Labor und entfachte mit einem Schlenker ihres Zauberstabes das Feuer unter dem Kessel. Nach und nach begann der Trank zu blubbern. Er musste ein letztes mal aufkochen. Die Farbe stimmte glücklicherweise exakt mit der im Buch angegebenen überein. Erleichtert rührte sie die letzten beiden male in dem dunklen Kessel. Hastig füllte sie schließlich den dunkelgrünen Inhalt in die kleinen Violen, dennoch akribisch darauf bedacht keinen Tropfen zu verschütten. Den letzten Rest leerte sie in eines von Severus Feuerwhiskygläser und legte einen leichten Kühlungszauber darüber, in der Hoffnung, dass er so schneller genießbar wäre. Sorgsam verschloss sie die kleinen Fläschchen und stellte das Glas auf das mitgebrachte Tablett. Eilig machte sie sich damit auf ins Nebenzimmer, wo Minerva noch immer am Bett des todkranken Slytherin saß. Vorsichtig stellte Hermine das Tablett auf die Kommode und näherte sich mit dem Glas in den Händen dem Schwarzhaarigen. Minerva versuchte seinen von Krämpfen geschüttelten Oberkörper ein wenig aufzurichten, sodass Hermine ihm den Trank einflößen konnte. Doch es gestaltete sich durch sein verkrampftes Kiefer schwieriger als angenommen. Verzweifelt bohrte sie ihre kleinen Finger in seine Kiefergelenke um seinen Mund zumindest einen Spalt zu öffnen und die lauwarme Flüssigkeit hinein fließen zu lassen. Er machte keinen Anstalten zu schlucken und das meiste des Trankes lief ihm an den Mundwinkeln heraus und in kleinen grünen Rinnsalen hinab auf die dunkle Bettwäsche. Erschöpft ließen die beiden Gryffindor den Tränkemeister wieder in die Kissen sinken.
Sorgsam wischte sie ihm sein Gesicht sauber und hauchte ihm einen Kuss auf die inzwischen kühle Stirn. Hermine war sich sicher, dass es zu wenig von dem Trank war. Wahrscheinlich waren ihr in den letzten Tagen zudem Fehler beim Brauen unterlaufen. Wieder bahnten sich Tränen den Weg über ihre Wangen, doch sie wischte sie rasch hinfort und streichelte sanft über Severus verkrampfte Hand.
„Ich muss jetzt wieder los“, durchbrach die Stimme der älteren Professorin schließlich die Stille.
„Es tut mir so leid Hermine. Ich versuche später wieder zu kommen.“
Sie nickte nur schwach und wandte ihren Blick nicht von den langen schlanken Fingern die sich so fest in den Stoff der Decke gekrallt hatten, dass die Knöchel unnatürlich weit hervortraten.
Als sie die Tür ins Schloss fallen hörte, schob sie sich auf die freie Seite des Bettes, zog ihre Beine eng an ihren Körper und drückte ihre Wange an seine Brust. Sein Körper lag nun starr und schwer neben ihr, als wäre sein Geist schon lange in einer anderen Welt. Sein Herzschlag war kaum noch zu vernehmen, sein Atmung nur mehr zu erahnen. Es war also alles umsonst gewesen.
Nach und nach fiel die Anspannung der letzten Tage und Wochen langsam von ihr ab. Seine Nähe beruhigte sie noch immer. Hermine vermisste sein Stimme. Seine Art die Augenbrauen hochzuziehen. Sein Lächeln und seine Küsse. Sie wollte diese letzten Minuten mit ihm verbringen, seinen Geruch in sich aufsaugen, seine Wärme irgendwo speichern, ihn festhalten, solange es nur möglich war.
Sie wusste nicht wie lange sie so bei ihm lag, vielleicht eine Stunde oder auch zwei. Doch als sie aus ihrer Trauer erwachte, hatte sich schließlich etwas verändert. Sein Herz. Es schlug zunehmen lauter und gleichmäßiger an ihrem Ohr. Seine Brust schien sich kräftiger zu heben. Hoffnungsvoll richtete sie sich auf und betrachtete den Slytherin eingehend. Seine Hände lagen entspannt neben seinem Körper. Auch sein Gesicht wirkte nicht mehr so verkrampft. Fasziniert beobachtete sie das Schauspiel, dessen Zeuge sie nun wurde. Langsam wich die Härte aus seinen Zügen. Wie durch ein Wunder ebneten sich die Falten und Furchen in seinem abgekämpften Antlitz. Nach und nach wurde seine ganze Erscheinung weicher, jünger, unschuldiger. Sein markantes Gesicht formte sich zu beinahe sanften Konturen, die langen Schwarzen Haare gewannen wieder den Glanz zurück, der ihnen in den letzten Wochen vollständig verloren gegangen war. Zitternd von Aufregung griff sie nach seiner Hand, seine Haut war so weich und zart, fast so wie ihre eigene.
„Severus“, flüsterte sie ergriffen. Ein leichter, rosa Hauch legte sich auf seine sonst so blassen Wangen und auch sein schmalen Lippen gewannen an leichter Fülle. Er war so wunderschön.
Es kam ihr nahezu unwirklich vor, als sich seine Finger schließlich um ihre Hand legten und diese sanft drückten. Tatsächlich schien er aus seiner Ohnmacht zu erwachen und Hermine schlug das Herz bis zum Hals. Neugierig kniete sie sich neben seinen Oberkörper und strich ihm eine der dunklen Strähnen aus dem schönen und um so viel jünger wirkenden Gesicht.
Und dann öffneten sich seine dunklen Augen zum ersten mal in diesem neuen, jungen Leben.
Es vergingen einige Momente in denen sie sich einfach nur ansahen. All die Kälte, die Bitterkeit, die Grausamkeit war aus seinem Blick verschwunden. Nur die Wärme, die Liebe war geblieben.
Langsam kam ihr Gesicht dem seinen näher und sein schöner Mund verzog sich zu seinem kleinen Grinsen, als sich ihre Nasenspitzen berührten. „Hermine“, brummte sein dunkler Bariton leise, bevor sie sich endlich küssten.
„Ich liebe dich.“
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