Love you out of the shadows

von Ronna
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Hermine Granger Severus Snape
12.11.2018
12.06.2019
22
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Getrieben von einer unerklärlichen Unruhe schlich die junge Gryffindor durch einen der Geheimgänge den sie eben erst in der vergangenen Nacht entdeckt hatte. Zögernd glitt ihre Hand über den kalten Stein, in der anderen hielt sie ihren Zauberstab fest umklammert. Ein Lumos warf einen sanften Schein auf den glatten Boden vor ihren Füßen. Sie trug nur den Rock und den dünnen Pullover ihrer Schuluniform und bereute nun ein wenig sich nicht doch auch den Umhang umgeworfen zu haben. Fröstelnd wanderte ihr Blick durch die tiefe Dunkelheit die sie umgab.
Sie wusste nicht was sie hier machte, was sie zu finden hoffte. Es war vielleicht einfach nur ein Weg um der Schlaflosigkeit in ihrem Bett zu entfliehen, den Alpträumen wenn die Erschöpfung sie meist in den Morgenstunden letztendlich übermannte.
Hier war es ruhig, sie war umgeben von der Stille und der Unantastbarkeit dieses Ortes. Hier war niemand außer sie selbst. Verborgen vor den Blicken, den Fragen, dem Lärm der Welt.
Seit dem Krieg war alles anders. Es hatte sich so vieles verändert und am meisten war es Hermine selbst, die sich manchmal nicht wieder erkannte. Vorbei waren die naiven Wünsche, die pubertären Sehnsüchte, die Kleinmädchen Träume. Seit ihren Erlebnissen in Malfoy Manor gab es die Hermine von früher einfach nicht mehr. Sie war gegangen, mit all den Schmerzen, den Erniedrigungen.
Ihre Familie war am anderen Ende der Welt, ohne Kenntnis über ihre Existenz. Ihre Freunde, oder waren es nur Schulkameraden gewesen?, sie waren Auroren, führten ihren Kampf weiter, hatten sich Meilenweit von ihr entfernt. Hatten sich wie Diebe aus ihrem Herzen davon gestohlen und hatten sämtliche Gefühle die sie einst für sie gehegt hatte, mit sich genommen.  
Sie war alleine zurück geblieben. Gebrochen und verletzt und niemand schien es bemerkt zu haben.
Langsam setzte sie ihren Weg in der Finsternis des Geheimganges fort. Vermutlich war sie irgendwo in der nähe der Kerker, aber sie konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen. Es war auch unbedeutend.
Verloren und versunken in ihren Gedanken schlichen ihre Füße beinahe lautlos durch den Flur.
Leise vernahm sie ein Rascheln. Sie hielt kurz inne, tröstete sich aber mit der Überlegung, dass es wohl nur eine Maus oder ähnliches gewesen war.
Gerade als sie zum nächsten Schritt ansetzten wollte, streifte ein Lufthauch ihre Wange. Der Lumos erlosch, als wäre er eine primitive Kerze aus der Muggelwelt. Hermines Nackenhaare stellten sich auf. Sie war nicht mehr alleine. Irgendetwas oder jemand lauerte in der Schwärze des alten Schlosses.  Unfähig einen klaren Gedanken zu fassen verharrte sie in ihrer Position und starrte angespannt in die Leere. Ihre Sinne waren bis aufs äußerste geschärft. Ihr Zittern ließ ihren Zauberstab unkontrolliert beben und sie traute sich nicht einen erneuten Lumos zu sprechen.
Verzweifelt schloss sie schließlich die Augen, es war aussichtslos in dieser Umgebung etwas auszumachen. Sie wusste nicht wie lange sie so dastand, abwartend, zwischen Angst und Hoffnung.
Wieder drang ein Rascheln, wie von magischem Stoff, an ihre Ohren. Ein seltsames Gefühl von Wärme kroch ihr in den Nacken. Der Geruch von Kräutern, herb und süßlich, vertraut doch unerwartet streifte ihre Nase. Schlanke Fingern berührten sie schließlich, strichen über ihre Schultern, schmiegten sich sanft um ihren Hals und ein Daumen zeichnete prüfend die Konturen ihres Kiefers nach. Die Berührungen war sanft, beinahe leicht und sie schienen jedes Gefühl der Angst oder Anspannung aus Hermine heraus zu streicheln. Was immer für ein Zauber oder Fluch es auch war, sie konnte sich ihm nicht entziehen. Resigniert gab sie sich ihrer Schwäche hin und lehnte sich  kaum merklich in die Arme, die nun wie ein warmer Umhang ihren Körper umfingen.
An Stelle der zarten Fingern an ihrem Hals traten weiche Lippen. Sanft liebkosten sie ihre empfindliche Haut, wanderten hinunter, zum Kragen ihres Pullovers. Hermine verlor jedes Gefühl für Zeit und Raum. Sie wollte einfach nur diesen Augenblick genießen. Diese Zuwendung, von wem auch immer. Die Geborgenheit, wer es auch sein mochte, der sie ihr schenkte. Es berauschte sie, brachte die unermüdlichen Gedanken in ihrem Kopf zum Schweigen. Wie von selbst lehnte sie sich weiter in die warme Nähe ihrer geheimen Begegnung. Die Lippen verließen ihre Haut und Kälte eroberte sie zurück. Mehr aus Reflex oder einem niederen Instinkt heraus versuchte sie sich ihrem Gegenüber zuzuwenden um der Einsamkeit ihres Herzens zu entfliehen. Ihr Zauberstab entglitt ihren klammen Fingern als sie sich halt suchend in das erstbeste krallten das sie zu fassen bekam. Sie spürte weichen Stoff und darunter die Brust eines Mannes, ein schlagendes Herz. Deutlich pochte es unter ihrer Handfläche, wild und ebenso aufgeregt wie das ihre. Völlig außer sich durch die unbekannte Erregung, die sich wie ein Lauffeuer in ihr breit machte, drängte sie sich noch ein Stück näher an den Unbekannten. Seine sanften Hände fanden ihren Weg zurück an ihre Wange und sehnsüchtig kam sie ihnen entgegen. Sie spürte seinen Atem ganz nah an ihrem Gesicht, eine Nasenspitze berührte die ihre. Geleitet von einer unbekannten Euphorie überwand sie den letzten Abstand zwischen ihnen. Die weichen Lippen bewegten sich bereitwillig gegen die ihren.
Mit einem leisen seufzen vertiefte sie den Kuss, bat mit ihrer Zunge um Einlass und verwickelte den Mann in der Dunkelheit in einen ungestümen Kampf. In ihrem Bauch wurde es so seltsam warm, ihr Unterleib zog sich unerwartet zusammen und sie war überwältigt von neu entdeckter Leidenschaft.
Bei Merlin, nie hatte es sich so angefühlt wenn Ron sie geküsst hatte. Was auch immer das hier gerade war, es sollte bestmöglich niemals enden. Hermine konnte sich nicht vorstellen das es im Moment etwas gab, das dieses Gefühl, diesen Rausch übertreffen konnte. Konnte es sein, dass sie genau das unbewusst gesucht hatte? War der unbekannte Fürst dieser Finsternis der Grund für ihre beinahe zwanghaften Streifzüge durch die Geheimgänge? Hatte er auf sie gewartet, sie zu sich gerufen? Lange tot geglaubte Gefühle erwachten in der jungen Gryffindor. So etwas wie Romantik vernebelte ihre Sinne. Sein Nähe, die Küsse, dieser Duft. Der Duft von Amortentia im sechsten Jahr.
Er hatte nach Kräutern gerochen. Süß und herb, ein wenig nach Wald, nassem Laub und Rasierwasser. Eine erschreckende Erkenntnis flammte wie ein Blitz in ihrem berauschtem Geist auf.
Abrupt löste sie sich aus dem inzwischen beinahe liebevollen, sanften und zärtlichen Kuss. Schnell brachte sie Abstand zwischen sich und ihrem Gegenüber und taumelte mit den Rücken gegen die Wand. Mit einem brüchigen „Accio“, befand sich ihr Zauberstab augenblicklich wieder in ihren Händen. Einen Moment war es totenstill, nur die beschleunigten Atemzüge des Mannes waren zu hören. Schließlich durchbrach Hermines hastiges „Lumos“ die dichte, sichere Dunkelheit.
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