blindes Vertrauen (Arbeitstitel)

von Roskva
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Adrien Agreste / Chat Noir Marinette Dupain-Cheng / Ladybug OC (Own Charakter) Plagg Tikki
11.11.2018
13.09.2019
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„Zurückverwandeln.“
Marinette hielt den Kopf gesenkt und spürte mit geschlossenen Augen, wie die Superhelden-Energie aus ihrem Körper strömte, während sich Maske und Anzug dematerialisierten. Tikki erschien neben ihr und sah sie mitleidig an. Ohne ein Wort, wandte sich Marinette ab, griff nach einer kleinen Keksdose, die auf der Holzkiste an der hinteren Hauswand stand. Sie griff hinein und hielt ihrer Kwamifreundin wortlos einen Keks hin.
Der Abend über Paris war mittlerweile kühler geworden und Marinette trat an ihr Balkongeländer und betrachtete die Lichter der Stadt. Ihr Blick blieb in der Richtung hängen, in der die Villa der Familie Agreste stand.
Dieser Tag hatte so vielversprechend angefangen und so ein ernüchterndes Ende gefunden. Ihre große Liebe Adrien war weiter entfernt als jemals zuvor. Ihr Partner Cat Noir schien sich auch von ihr zu entfernen und Marinette fühlte sich irgendwie ausgelaugt.
Sie seufzte leise und schloss die Augen.
Bis vor kurzem war doch alles so eindeutig gewesen. Adrien war der Junge ihres Herzens und Cat Noir ihr Partner. Ein Freund, nichts weiter.
All seine Annäherungen waren schmeichelhaft, aber nichts ernsthaftes in ihren Augen. Aber nach dem, was heute geschehen war …
Wie er sie angesehen hatte…
Wie nahe er ihr gekommen war …
Sie hatte Herzklopfen bekommen. Ein leichtes Kribbeln tief im Bauch. Er hatte sie kalt erwischt. Sie war überrumpelt worden.
Aber wovon denn?
Von ihm? Nein, das konnte es nicht sein. Er hatte schon so oft diverse Annäherungen versucht, aber nie hatte sie das mitgenommen. Aber heute… Irgendetwas musste anders gewesen sein. Aber was?
Marinette kniff die Augen einmal schnell zu.
Warum interessierte es sie denn überhaupt so? Es sollte sie doch freuen, dass er endlich eine Freundin hätte. Andererseits hatte er doch beteuert, dass Aureille nicht seine Freundin war.
Hatte er da die Wahrheit gesagt? Oder… nicht?

Aureille… Tränen stiegen in Marinettes Augen, als sie wieder plötzlich vor Augen hatte, wie sie in Cat Noirs Armen gelegen hatte. Und als wäre das nicht schon genug, dachte sie im nächsten Moment daran, wie sie Adrien geküsst hatte.
Die Tränen wurden stärker und sie musste ein Schluchzen unterdrücken.
„Marinette…“ erklang da Tikkis Stimme neben Marinettes Ohr. „Bitte nicht weinen. Es wird sich bestimmt alles aufklären.“
Marinette hob den Kopf und sah in den dunklen Himmel. „Denkst du das wirklich noch, Tikki? Ich habe da meine Zweifel.“
„Aber was willst du denn jetzt tun?“
„Ich habe ihn verloren. Wahrscheinlich sollte ich es einfach akzeptieren. Wer wird schon mit seiner ersten Liebe glücklich?“ Sie wandte sich von der Stadt ab und ging ein Stück zurück, um sich zu setzen. Tikki folgte ihr und hörte weiter zu.
„Ich hab mir was vorgemacht, Tikki. Adrien hatte nie Interesse an mir. Und das wird sich auch nie ändern. Es ist okay. Wirklich… Ich kann ihn ja schließlich nicht zwingen, mich zu lieben. Wenn… wenn es nur nicht so sehr weh tun würde.“ Tikki legte mitfühlend eine kleine Hand auf Marinettes Finger, doch Marinette drehte sich weg.
„Marinette, das weißt du doch gar nicht.“
„Hör auf Tikki!“
Tikki erschrak, als Marinette sie verzweifelt anfunkelte.
„Ich habe mir viel zu lange etwas vorgemacht. Ich habe einfach keine Kraft mehr, um das noch weiter zu ertragen. Kannst du das nicht verstehen?“ Ihre Augen standen vor Tränen und Tikki musste schlucken. Sie hatte Marinette noch nie so hilflos gesehen.
„Doch, das kann ich.“ Tikki setzte sich auf Marinettes Knie und sah sie lächelnd an. „Du glaubst, du hättest keine Chancen bei Adrien, aber wie willst du das denn wissen?“
„Tikki, sie hat ihn geküsst!“ Mit aufgerissenen Augen starrte Marinette auf ihren Kwami und Tikki musste erneut tief durchatmen.
„Genau. Sie hat ihn geküsst. Nicht er sie! Also warum bist du dir so sicher, dass Adrien in Aureille verliebt wäre?“
Marinette schwieg. Ja natürlich hatte Tikki Recht, aber wie könnte er sie nicht anziehend finden? Sogar Cat Noir schien in irgendeiner Beziehung zu ihr zu stehen. Er konnte es leugnen so viel er wollte, Marinette wußte, was sie gesehen hatte. Und das war nicht eine flüchtige Umarmung gewesen. Darin hatte Gefühl gelegen. Tiefes Gefühl. Ehrliches Gefühl… Marinette schluckte. Mehr Gefühl, als sie bekam.
„Es ist nicht nur das, oder?“ fragte Tikki plötzlich leise und Marinette hob den Kopf. Sie wußte genau, dass sie auch an Cat Noir dachte. Auch wenn Tikki mit ihrer Vermutung richtig lag, konnte Marinette nicht darüber sprechen. Sie wußte einfach nicht, wie sie in Worte fassen sollte, was das alles, was sie heute erlebt hatte, mit ihr gemacht hatte.
Also sprach Tikki weiter. „Es ist doch so, Marinette. Cat Noir ist in Ladybug verliebt. Ladybug aber hält ihn immer auf Abstand. Und plötzlich ist da jemand anderes, der seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das macht dir Angst. Und das kann ich sehr gut verstehen. Aber Ladybug ist stark und unbesiegbar. Du darfst dich nicht von dieser Angst beherrschen lassen. Du musst mutig sein.“
„Wie soll ich mutig sein, wenn sie mir alles wegnimmt?“ Marinette versuchte leise zu sein, um keine Aufmerksamkeit von umliegenden Fenstern auf sich zu ziehen, aber es fiel ihr zunehmend schwer, ruhig zu bleiben.
„Sie nimmt dir nichts weg, Marinette! Sie hat einfach nur den gleichen Geschmack wie du.“ Tikki grinste überlegen, was Marinette tatsächlich ein winziges Lächeln abringen konnte. Als Tikki sah, wie sie zu ihrer Freundin wieder durchdrang, setzte sie schnell noch einen Satz nach. „Ich denke, du stimmst mir zu, dass man Aureille daraus keinen Vorwurf machen kann. Ihre Männerwahl könnte schlechter sein.“
Marinette sah Cat Noir und Adrien vor sich und lächelte still. Die Tränen auf ihren Wangen trockneten langsam und sie nickte sachte. „Ja das könnte sie.“
„Also Kopf hoch. Morgen sieht alles wieder etwas besser aus.“
„Denkst du wirklich?“
„Nun ja, vielleicht solltest du dem ganzen etwas nachhelfen, aber ja, das denke ich.“
„Was genau meinst du?“ Fragte Marinette.
„Es ist doch offensichtlich. Du bist unsicher, wo genau du stehst. Also fass dir ein Herz und frage ihn endlich danach.“
„Ich…“ Marinette stockte. „Ich weiß nicht, ob ich das kann.“
„Doch das kannst du“ Tikki war zuversichtlich. „Zuerst fragst du Adrien und dann solltest  du auch mit Cat Noir reden.“
„Was? Mit Cat Noir?“ Marinette wurde unruhig.
„Es ist mir nicht entgangen, dass du nicht aufhören konntest über ihn nachzudenken. Also versuch nicht, es zu verstecken. Du magst ihn. Und zwar mehr als du immer behauptest.“
„Was? Nein!“ Marinette hatte die Hände gehoben und sah Tikki erschrocken an. Auch wenn sie wirklich über Cat Noir nachgedacht hatte, konnte sie nicht mit ihm darüber sprechen. Es war einfach zu viel. Sie konnte nicht noch mehr Drama gebrauchen, deshalb versuchte sie ihre Freundin zu überzeugen, dass sie im Unrecht war. „Ich wollte nur sicher gehen, dass er nicht verletzt wird.“
„Marinette!“ Tikki lächelte überlegen und zog die Augenbrauen hoch. „Das war doch nicht der einzige Grund, weshalb dich das alles so aufgeregt hat.“
„Doch, selbstverständlich. Was sollte es denn sonst sein?“
„Vielleicht fühlst du dich ja doch zu ihm hingezogen?“
Marinette sah ihren Kwami mit großen Augen an. Sie vergaß zu zwinkern und starrte vor sich hin, während Tikkis Andeutung durch ihr Hirn sickerte.
Und da wurde ihr klar, dass sie gar nichts mehr dagegen tun konnte, als zumindest sich selbst einzugestehen, dass die Möglichkeit wirklich bestand. Allerdings wollte Marinette nicht intensiver darüber nachdenken. Denn das würde bedeuten, dass es real werden würde. Dass das Gefühlschaos in ihrem Herzen ihr Leben endgültig übernommen hätte. Ohne Rücksicht auf alles andere, was Marinette vielleicht für ihr junges Leben geplant hatte, geriet so doch alles durcheinander. Sie konnte jetzt nicht eine zweite Person in ihrem Herzen gebrauchen. Zumindest nicht so wie Tikki dachte. Er war ein Freund. Ein Verbündeter. Er war wichtig. Cat Noir war ihre andere Hälfte, ohne den sie im Kampf gegen Hawk Moth verloren wäre. Aber das war es dann auch schon. Das war alles, weshalb er ihr etwas bedeutete. Mehr nicht.
„Nein“ protestierte sie deshalb. „Ich liebe Adrien, deshalb kann das gar nicht sein, was du da sagst.“
Ihr Kwami flog direkt vor ihr Gesicht und lächelte. „Es ist in Ordnung, wenn du sie beide liebst.“
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