Leere

KurzgeschichteDrama, Fantasy / P12
Zauberer & Hexen
11.11.2018
11.11.2018
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Die Zitadelle der Sterne ist die Sehnsucht aller, die nach Wissen dürsten. Auch Farah hat davon geträumt, seit ihr ein durchziehender Adept mit leuchtenden Augen von den Türmen erzählt hat, die bis in den Himmel reichen und die Wolken durchstoßen, den leuchtend bunten Glasfenstern und den goldenen Kuppeln.
Jetzt steht sie vor der Zitadelle, und die Türme sind weit davon entfernt, die Wolken zu berühren. Falls an dem unerträglich heißen Himmel irgendwelche Wolken gewesen wären. Es sind einfach nur Türme: Übereinander gestapelte Steine. Die bunten Fenster sind geschmolzener Sand mit eingebrannten Metalloxiden. Und von den Kuppeln blättert die Vergoldung ab.

Sie erinnert sich noch, wie sie sich am Kai von ihren Eltern verabschiedete. Die Schreie der Möwen, die Rufe der Seeleute, die Luft, die nach Salz und Ferne und Abenteuer schmeckte. Die merkwürdige Paarung von Tränen und Stolz im Blick der Eltern, die sie zum wiederholten Mal fragten, ob sie wirklich so weit weg gehen musste. Könnte sie nicht eine Lehre bei der Kräuterfrau machen? Farah, die ihnen ebenfalls zum wiederholten Mal erklärte, was die Zitadelle für sie bedeutete: Der Ort, an den man gehen musste, wenn die magischen Künste lernen wollte.
„Dort schlägt das Herz der Magie. Dort hat schon Tarelan der Große studiert und seine drei Axiome der Ordnungsdynamik entwickelt. Ich muss dorthin.“  
Ihre Eltern umarmten sie. „Iss genug“, sagten sie, „Schlaf genug, zieh dich warm an. Hoffentlich reicht deine Kleidung aus. Die Ausstattung hat ein Vermögen gekostet.“
Ihre Mutter drückte ihr ein goldenes Amulett an einer Kette in die Hand. „Möge es dir Glück bringen und dich auf deiner Reise beschützen.“
Das Amulett würde vermutlich nur dem Scharlatan Glück bringen, der es synthetisiert hatte, ohne jemals auch nur auf einer drittklassigen Akademie gewesen zu sein, aber das sagte Farah nicht. „Mach ich“, sagte sie, „Das wird schon reichen“ und „Vielen Dank. Macht euch keine Sorgen um mich.“
Sie sah zu, wie ihre winkenden Eltern am Kai zusammenschrumpften, während ihr der Wind durch die schwarzen Haare fuhr, ihren Rock hochwirbelte, und sie vor Vorfreude zittern ließ.
Diese Erinnerung kommt ihr vor wie etwas, das einer anderen passiert ist.

Die Reise dauerte ein wenig länger als gedacht. Farah aß nicht genug, schlief nicht genug und war nicht immer warm genug angezogen. Sie verlor ihren Koffer und ihr Schutzamulett landete auf dem Grund des Zwischenmeers.
Den letzten Teil der Reise -  nach einem Aufenthalt im Gefängnis von Hamna und unter den Brücken von Rallar - schloss sie sich einer Gruppe von Leichentransporteuren an. Sie brachten die sterblichen Überreste eines Wanderarbeiters, der in den Minen von Narakat gestorben war, in seine Heimat zurück. Sie hatten die Leiche einbalsamiert, damit sie nicht roch. Sie kündigten sich mit Glöckchen an, wenn sie durch einen Ort kamen, und die Kinder liefen ihnen nach, um den reisenden Toten zu sehen, bis sie von ihren Eltern zurückgeholt wurden. Nachts rasteten sie in Ställen, die man ihnen anbot.
„Warum bringt man den Toten eigentlich zurück?“, fragte Farah eines Abends. Der Tote lag auf einer Bahre hinter ihnen, das Gesicht, bleich wie Wachs, schien sich im Kerzenschein zu bewegen, als träume er. Natürlich lag das nur am Flackern der Kerzen aufgrund der unregelmäßigen Brennstoffzufuhr.
„Das ist wie mit den Blättern“, erklärte der Anführer. „Im Herbst fallen sie von den Bäumen und kehren zur Erde zurück, aus der sie gekommen sind. So müssen auch die Menschen zurückkehren.“
„Aber er kriegt doch gar nichts davon mit. Es interessiert ihn doch nicht, in welcher Erde er von den Würmern zerfressen wird.“
Der Mann sah sie streng an. „Die Toten finden keine Ruhe, wenn sie nicht in ihrer Heimat sind. Sie müssen sonst ewig umher irren.“
„Das ist doch nur Aberglauben.“
Einer der Träger sah sie finster an und schlug ein Zeichen zur Abwehr der Leere.
„Es ist spät. Wir sollten schlafen“, beendete der Anführer das Gespräch.
Am nächsten Morgen trennten sich die Leichenträger von Farah. Sie reiste mit einer Handelskarawane weiter nach Inara. Schon als sie noch weit entfernt waren, tauchte die Silhouette der Stadt am Horizont auf. Die weißen Türme standen in der vor Hitze flimmernden Luft wie eine Fata Morgana. Farah hatte geglaubt, dass sie bei ihrem Anblick mehr empfinden würde.

Von Nahem betrachtet ist das Weiß schmuddelig, und Farah ist zu beschäftigt, einen Pförtner zu überzeugen, dass sie eine angehende Studentin ist, um auf ihre Empfindungen zu achten. Schließlich lässt man sie in der Eingangshalle auf Meisterin Zaphora warten. Hier ist es immerhin kühler. Riesige Säulen tragen ein Deckengewölbe, das mit einem klassischen Motiv bemalt ist: Gott, der über der Leere schwebt und das Erste Wort spricht. Es wirkt, als würde man zu Ihm hinauf blicken. Eine geschickte Anwendung der Regeln der Perspektive. Studenten huschen durch die kreisrunde Halle, ihre Stimmen hallen und scheinen aus allen Richtungen zu kommen. Was auf dem Flüstergalerie-Effekt beruht, die Schallwellen werden an den Wänden reflektiert. Sie lässt sich auf dem rötlichen, von Schlieren durchzogenen Marmorboden nieder. Marmor entsteht im Erdinneren durch Umwandlung von karbonatreichen Steinen unter Hitze und Druck.
Jemand nähert sich ihr. Farah blickt auf. Die Meisterin ist zwischen 50 und 60 Jahren alt. Sie trägt ihr graues Haar hochgesteckt und ein vornehmes blaues Kleid. Ihr Gesicht, mit scharfen Falten um die Mundwinkel, ist wie geschaffen, um Missbilligung auszudrücken.
„Normalerweise setzen sich die Studenten nicht auf diesen Boden“, sagt sie.
„Normalerweise sind sie auch nicht vorher tagelang gewandert“, entgegnet Farah.
Meisterin Zaphora zieht die Augenbrauen hoch, wendet aber nichts ein. Mit einer Handbewegung fordert sie Farah auf, ihr zu folgen. Sie verlassen die Halle, gehen durch einen Gang, steigen einige Treppen hoch und kommen schließlich in ihr Büro. Die Wände bedecken Regale voller dicker Folianten mit hochtrabenden, in alt-larenisch verfassten Titeln. Farah erinnert sich – verblasst und mit leichtem Bedauern, wie der Gedanke an ihre erste große Liebe - dass es sie früher in den Fingern gejuckt hätte, in diesen Büchern zu stöbern. Dabei sind Bücher nichts anderes als zu Brei gemahlenes Holz, zusammengehalten durch Leim aus den Knochen toter Tiere.
Die Meisterin setzt sich hinter ihren imposanten Schreibtisch und bedeutet Farah, auf dem Stuhl davor Platz zu nehmen. Farah macht sich auf rigorose Fragen zu Ordnungsdynamik oder Kommutationsrechnung gefasst und wiederholt schnell im Geiste die wichtigsten Lehrsätze.
„Also, warum möchtest du in der Zitadelle studieren?“
Die Frage trifft sie unerwartet, aber sie hat sie oft genug von ihren Eltern gehört. Sie spult ihr Sprüchlein über das Herz der Magie und Tarelan den Großen ab. Es kommt so automatisch, dass sie sich erst hinterher fragt, was das eigentlich bedeutet.
„Wie ich sehe, hast du deine Hausaufgaben gemacht. Aber warum möchtest du dich überhaupt mit Magie befassen?“
„Magie ist...“ Farah verstummt. Sie starrt auf die Buchrücken und kann nichts anderes denken, als dass sie tot sind, die Wörter toter Leute auf totem Material.
„Magie ist das Ordnungsprinzip der Welt“, sagt sie schließlich. „Wer Magie beherrscht, beherrscht die Welt.“
Meisterin Zaphora runzelt die Stirn. „Die Welt beherrschen... Ist es das, was du willst?“
Farah wird klar, wie das klingt. „Ähm... nein. Natürlich nicht. Ich meinte das eher auf die unbelebte Welt bezogen, auf Mechana-Konstrukte und so weiter, die das Leben der Menschen verbessern.“
Hoffentlich klingt das altruistisch genug.
Die Meisterin schweigt eine Weile, während Farahs Worte in der Luft hängen wie Vögel, die das Nest zu früh verlassen haben.
„In Ordnung“, meint sie schließlich. „Es ist nicht an mir, deine Motive zu beurteilen. Aber merke dir eins: Die Adepten der Zitadelle gebrauchen ihre Künste niemals zum eigenen Vorteil. Sie müssen sich an das Gesetz der Föderation und außerdem an den Kodex der Zitadelle halten. Ich rate jedem Studenten, sich damit eingehend vertraut zu machen.“
„Natürlich. Das werde ich tun.“
„Gut. Du kannst gehen.“
Auf dem Weg zum Wohngebäude, durch die Gassen zwischen den Türmen, an lachenden Studenten vorbei, denkt Farah immer noch über die Frage nach. Ist ihr Wunsch, an der Zitadelle zu studieren, womöglich nichts anderes als eine einbalsamierte Leiche, die sie mit sich herumschleppt? Aber was soll sie sonst tun? Wenn sie nicht studierte, wie sie es damals für sich festgelegt hat... dann könnte sie überall und nirgendwo hin. Dann wäre der Weg vor ihr offen und leer. Es wäre, wie vom Rand der Welt zu fallen. Sie schaudert bei dem Gedanken.

Dann bezieht sie ihr Zimmer, lernt Leute kennen, und denkt nicht mehr darüber nach.
Am nächsten Tag schreibt sie einen Brief an ihre Eltern. Lange sucht sie nach den richtigen Worten. Liebe Mama und Papa. Inzwischen bin ich in der Zitadelle angekommen. Mir geht es gut...
Nein. Das stimmt nicht.
Meine Reise hat sich ein wenig verzögert, aber jetzt ist alles in Ordnung.
Es ist wie der Versuch, aus Sand ein Haus zu bauen. Das Ergebnis rinnt ihr nutzlos durch die Finger. Schließlich steckt sie ein Papier voller leerer Worte in einen Umschlag und übergibt es der Post. Immerhin müssen sich ihre Eltern so keine Sorgen mehr machen.

Dann beginnen die Kurse.
Gleich in der ersten Stunde Analyse ist Farah allen anderen überlegen.
Analyse ist die Kunst, etwas – einen Trank, ein Mechana-Konstrukt, einen beliebigen Gegenstand - in seine Bestandteile zu zerlegen. Dafür muss man die Dinge sehen. Sich nicht von der Oberfläche täuschen lassen, sondern die Dinge unvoreingenommen betrachten, wie sie wirklich sind. Mit einem objektiven, über allem schwebenden Geist, dessen Klarheit von keiner Emotion getrübt ist. Zumindest sagt das Meister Laskell. Andere Adepten behaupten hinter vorgehaltener Hand, es sei die hohe Kunst, in jeder Suppe ein Haar auszumachen, und wer sich in ihr übt, könne an nichts mehr Freude empfinden.
Und man muss mit der Kälte zurechtkommen. Jeder Analysevorgang entzieht dem Körper Wärme. Schon am Anfang müssen sie den zweiten Hauptsatz der Ordnungsdynamik lernen: Eine Ordnungsänderung eines Objekts entspricht einer Wärmeänderung. Um einem Objekt eine Menge Ordnung zu entziehen, muss man aus dem eigenen Körper eine entsprechende Menge Wärme zuführen.
Ein wenig zu frieren macht Farah nichts aus. Es ist nichts gegen das befriedigende Gefühl, wenn etwas auseinander fällt. Wenn etwas einfach und durchschaubar und kontrollierbar wird.

In der Synthese hingegen verzweifelt sie. Im Raum wird es durch die freigesetzte Wärme immer heißer, Farah rinnt der Schweiß aus allen Poren. Sie fügt die Zutaten zu einem Trank in der richtigen Dosis und der richtigen Reihenfolge zusammen, pipettiert sie bis auf den Tropfen genau, lässt sie bei exakt der richtigen Hitze die exakt richtige Dauer köcheln, doch die erwünschte Wirkung bleibt aus. Der Heiltrank lässt jede Wunde unbeeindruckt, der Liebestrank weckt nicht einmal die zartesten Gefühle. Irgendetwas fehlt. Meister Reli schüttelt den Kopf. Alle Studenten haben nach einigen Versuchen wenigstens den einfachsten Hustentrank synthetisiert. Nur bei Farah klappt es nicht. „Ich habe mich doch genau ans Rezept gehalten“, stöhnt sie. „Ich habe es genauso gemacht, wie es hier steht!“
„Das ist leider nicht genug. Das Ganze muss am Ende mehr sein als seine Teile.“
„Sehr tiefsinnig. Und was genau soll das bedeuten?“
„Du musst mit dem Herzen bei der Sache sein. Du musst fest an das glauben, was passieren soll. Dann kannst du ein Stück von dir -  deinen Glauben, deine Seele – hinzufügen. Nur so wird der Trank lebendig.“
„Ah ja. Und wie soll ich daran glauben, dass etwas Erfolg hat, was ich schon fünf mal erfolglos versucht habe?“
Einige Tage später lässt sie Synthese sausen. Analyse, Kommutationsrechnung, Astronomie und Levitation sind bereits fordernd genug, und da hat sie wenigstens Erfolg.  

Einige Wochen vergehen. Der heiße Sommer geht in einen milden Herbst über. Farah verbringt ihre freie Zeit mit Karen und Armand. Wenn sie über Aufgaben brüten, wenn sie auf der Wiese sitzen, wenn sie etwas trinken gehen, wenn sie fluchen und wenn sie lachen... dann ist da immer etwas, was Farah von den anderen trennt. Wie ein Blatt Papier zwischen zwei Kohlezeichnungen, wie die Unterlegscheibe unter einer Schraube, wie die Schicht Nichts zwischen den Wänden einer Wärmespeicher-Kanne. Sie fühlt sich weit weg von allen. Manchmal ist es, als würde sich ihr Hals zusammenziehen und ihr die Luft abschnüren. Manchmal fühlt sie sich wie ein Beutel voller Glassplitter. Und dann ist Armand da, der sie ansieht und sie fragt, ob alles in Ordnung ist.
Farah braucht weder die Kunst des Gedankenlesens noch die sechs Pfade der Erleuchtung, um zu beobachten, wie sich Armand in sie verliebt. Sie kann den Grad der Verliebtheit messen wie die Stärke einer Säure, einfach indem sie seinen hundeartigen Blick und die roten Flecken auf seinen Wangen registriert. Sie möchte ihn nicht traurig machen, also lächelt sie und sagt „Na klar, alles gut.“

Es wird Winter und als sie im kühlen Wind vor dem Laborgebäude warten, ergreift Armand Farahs Hand. Sie erstarrt. Was hat sie getan, um in diese Situation zu kommen? Gibt es irgendwelche Standard-Vorgehensweisen? Sie küssen sich. Die ganze Situation – jemandem so nahe zu sein, seinen Atem zu riechen, seine nasse Zunge im Mund zu spüren – kommt ihr bizarr vor. In den nächsten Tagen bleibt sie bis abends im Analyse-Labor, solange, bis sich Armands Schritte von der Tür entfernen.

Schließlich fängt Armand sie nach der Mensa ab.
„Warum möchtest du nicht mit mir sprechen, Farah? Habe ich irgendetwas falsch gemacht?“
„Nein. Ich habe einfach zu viel zu tun.“ Sie geht weiter, Armand läuft neben ihr her.
„Das verstehe ich. Vielleicht können wir uns ja bei den Aufgaben helfen?“
„Wie kommst du auf die Idee, dass du mir helfen kannst?“
Im nächsten Moment bereut sie ihre Worte. Aber dieses Gefühl dissipiert schnell.
„Du trägst die Leere in dir, Farah“, sagt Armand. „Und du steckst alles um dich herum mit der Leere an.“
Farah bleibt stehen.
„Was willst du damit sagen?“
„Ich glaube nicht, dass du das absichtlich machst, oder dass es deine Schuld ist“, sagt er beschwichtigend. „Du musst von den Säern der Leere berührt worden sein.“
„Die Säer der Leere“, wiederholt sie verächtlich. „Sag nicht, dass du an diese Schauermärchen glaubst.“
„Bitte, Farah. Du bist äußerst intelligent, aber deshalb musst du dich nicht über alles lustig machen, was gewöhnliche Leute denken. Warum gehst du nicht zu Meisterin Taina? Sie beherrscht das Binden der Leere. Vielleicht kann sie dir helfen.“
„Das Binden der Leere. Vielleicht sollte ich noch einen Astrologen um Hilfe bitten.“
„Das Binden der Leere ist eine seriöse Kunst!“, meint Armand beleidigt. „Außerdem kann ein Versuch bestimmt nicht schaden.“
Das ist mal wieder typisch. Sobald jemand nicht so ist, wie man ihn haben will, nicht ständig lächelt oder sonst wie aneckt, werden die Säer der Leere verantwortlich gemacht. Wobei natürlich noch niemand einen Leeresäer gesehen hat, aber jemand, den man kennt, der jemanden kennt, der hat in der Taverne davon erzählen gehört... Lächerlich. Und dann sollen irgendwelche Quacksalbereien alles wieder ins Lot bringen. Als ob das so einfach wäre.
„Nein“, sagt Farah schließlich. „Man kann die Leere nur mit dem füllen, was sie verursacht hat.“
Sie dreht sich um und eilt auf das Wohngebäude zu. Armand läuft hinter ihr her.
„Wo willst du hin?“
„Ich muss nach Hamna.“
„Nach Hamna? Wieso das denn? Wie willst du da überhaupt hinkommen? Hamna wird doch jetzt von der Föderation boykottiert, da fahren keine Schiffe mehr hin.“
„Ich werde fliegen.“
„Fliegen? Über die Wüste? Und das Zwischenmeer? Das würde nicht mal Meister Lauran schaffen!“
„Die Wüste ist nichts als ein Haufen Sand. Das Meer ist nichts als eine große Pfütze Wasser.  Ich kann über eine Wasserpfütze und einen Sandhaufen fliegen. Das muss ich jetzt einfach länger tun.“
„Du bist verrückt. Vollkommen wahnsinnig.“

Mehrere Stunden fliegt Farah über die Wüste. Sie wickelt sich ihren Umhang um den Kopf, um sich gegen den Sand zu schützen, der wie feine Nadelstiche auf ihr Gesicht trifft. Die Wüste ist ein Meer von Dünen, die Wellen und Muster bilden, selbst wieder von kleineren Linien bedeckt, die aussehen wie mit dem Pinsel gezogen. Ihre Formen verändern sich ständig. Sie sehen aus wie das Werk eines Künstlers, wie eine unbekannte Sprache, in der sich Bedeutung versteckt. Aber nein. Es sind bloß Sandkörner, die vom Wind transportiert werden. Farah konzentriert sich auf die zitternde Nadel ihres Kompasses, die ihr die Richtung weist. Sie fliegt weiter.

Es ist Nacht, als sie über das Meer fliegt. Das Wasser sieht aus wie zerknitterte Metallfolie, die im silbrigen Mondschein glänzt. Sonnenlicht, das vom Mond reflektiert wird. Seine Silbrigkeit ist auf die optischen Eigenschaften des Mondes zurückzuführen. Unzählige Sterne sprenkeln den Himmel. Milliarden Meilen entfernte, riesige Gaskugeln. Geldstücke, die jemand in vergeblicher Hoffnung in einen Brunnen geworfen hat. Sie fliegt weiter.
Der Mond sinkt dem Horizont entgegen. Es wird dunkler. Wind peitscht ihr ins Gesicht, zerrt an ihren Haaren, ihrem Kleid. Das Wasser ist aufgewühlt, schwarz, mit hellen Schaumkronen. Unter den Wellen ist eine Tiefe zu erahnen, kalt, dunkel und unermesslich, die Farah zu sich herabzieht. Aber nein. Es sind bloß Wassertropfen. Abermillionen davon, aber nichts anderes. Sie fliegt weiter.
Der Horizont wird silber, blassblau, gelblich. Ein neuer Tag bricht an. Farah schwebt über den Wassern. Die Welt ist wüst und leer. Ein Gott ist nirgends zu sehen.
Sie fliegt weiter.

Sie landet am hellichten Tag in Hamna. Steif von der Anspannung des Fluges, mit wunden Muskeln und brennenden Augen. Sie ignoriert die Erschöpfung. Brauner Staub wirbelt auf, als sie auf dem Boden aufsetzt, mit sich eindrucksvoll bauschendem Umhang und flatterndem Haar. Die Bewohner der Stadt springen erschrocken beiseite, jemand lenkt schimpfend einen Karren um sie herum.
Hamna ist der hässlichste Ort, den sie jemals gesehen hat. Schmutzige enge Straßen, schäbige kleine Lehmhäuser, Leute in dunkler, staubbedeckter Kleidung, Tücher um Kopf und Mund gewickelt. Alles duckt sich in den Schatten der mächtigen Festung der Miliz. Die Menschen tun so, als würden sie die Festung nicht sehen, aber sie ist immer da. Sie ist der dunkle Stern im Brennpunkt ihrer Orbits, in den die Unglücklichen hineinfallen. Sie ist das Herz der Leere.
Farah schreitet auf die Festung zu, den Rocksaum hochgehoben, um ihn nicht mit dem Dreck Hamnas zu beschmutzen. Blicke und Getuschel folgen ihr. Die Leute halten in ihren jämmerlichen Tätigkeiten inne, um ihr nachzugaffen. Vor dem schweren zweiflügeligen Tor aus dunklem Holz bleibt sie stehen. Zwei Soldaten in hässlichen Uniformen verschränken ihre Speere vor ihr. „Was ist dein Begehr?“
„Ich verlange den Hauptmann Schenev zu sprechen.“
Die zwei sehen einander an. „Und warum sollte Schenev mit dir sprechen wollen?“
Farah seufzt. „Ich habe keine Lust, mit euch meine Zeit zu vergeuden.“ Sie richtet ihren Stab auf das Tor und fokussiert ihren Geist. Im nächsten Moment lösen sich die eisernen Türangeln vom Holz des Tors. Die Blechbeschläge fallen ab und die Nägel heraus. Krachend schlagen die Bretter  auf den Boden. Zuletzt löst sich das Holz selbst in seine Fasern auf. Was zurückbleibt, hat nicht einmal mehr entfernt Ähnlichkeit mit einem Tor. Kurz schaudert sie vor Kälte, aber sie lässt sich nichts anmerken.
Entsetzt richten die beiden Soldaten ihre Speere auf Farah. Die Speerspitzen brechen ab, das Holz zerfällt in ihren Händen.
„Wollt ihr, dass ich dasselbe mit euch mache?“ fragt sie.

Objektiv betrachtet, ist Hauptmann Schenev ein gut aussehender Mann. Er hat einen Bürstenhaarschnitt mit ergrauenden Schläfen, der Tatkräftigkeit, und ein markantes Gesicht, das Entschlossenheit ausdrückt. Seine saubere und gebügelte Uniform sitzt wie angegossen an seinem durchtrainierten Körper. Noch dazu wirkt er nicht einmal feindselig, eher verwirrt.
„Warum greift die Zitadelle unsere Stadt an?“, fragt er. „Reicht der Boykott der Föderation nicht?“
Farah betrachtet die Wand hinter ihm voller Abscheu. Eine hässliche braune Wand mit grauen Stellen, wo irgendwelche Dinge entlang geschrammt sind. Schimmelflecken unter der Decke. Sie bringt es nicht über sich, diese widerwärtige Kreatur direkt anzusehen.
„Die Zitadelle hat besseres zu tun, als dieses Drecksloch anzugreifen, das sich eine Stadt schimpft. Das ist eine Sache zwischen uns beiden, Schenev.“
„Zwischen uns? Was habe ich Euch getan? Ich kenne Euch nicht mal.“
Farah lacht. Es hört sich an wie zersplitterndes Glas.
„Du erkennst mich nicht mal wieder? Du bist wirklich das letzte. Ich sollte dich direkt in deine stinkenden Bestandteile zerlegen.“
Der Hauptmann seufzt und breitet die Arme aus. „Es steht Euch frei, mich zu beleidigen oder umzubringen. Aber dafür seid Ihr nicht hergekommen, oder?“
„Ach nein? Wonach sieht es denn aus?“
„Wenn Ihr mich töten wolltet, hättet Ihr es längst getan. Erklärt mir doch, wer Ihr seid und was Ihr von mir wollt.“
„Nun gut. Vor einem halben Jahr war ich in dieser Festung gefangen.“
Farah merkt, dass sie zittert. Sie umklammert ihren Stab so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortreten.
„Erinnerst du dich, wie du in der Nacht in meine Zelle gekommen bist? Oder warst du so besoffen, dass deine letzten Hirnzellen schon abgestorben sind?“
Der Hauptmann erbleicht. „Was? Du?...“
„Ja, ich. Das hättest du wohl nicht gedacht, dass wir uns noch mal begegnen.“
Er wischt sich den Schweiß von der Stirn. Offensichtlich weiß er nicht, was er sagen soll. Farah hätte gedacht, dass dieser jämmerliche Anblick sich angenehmer anfühlen würde.  
„Ich... ich bin jetzt ein anderer Mensch als damals! Ich habe mein Leben geändert! Ich habe geheiratet und ...“
„Ja, tatsächlich? Hast du dir auch einen Goldhamster zugelegt? Das interessiert mich so überhaupt rein gar nicht!“
„Bitte... meine Frau erwartet ein Kind...“
„Du hattest schon ein Kind. Es ist tot.“

Dann entfacht sie einen Sturm.
Die Regale an den Wänden brechen krachend auseinander, Aktenordner zerfleddern, Papiere wirbeln durch die Luft, Schriftstücke, die das Schicksal anderer Leute besiegelt hatten, zur Verarbeitung und Entsorgung vorgesehen, die Tinte zerläuft, das Papier regnet als Schneeflocken zu Boden. Der mächtige Schreibtisch zerbricht, die Tischplatte und die Beine poltern herunter. Federn, Tintenfässer, Stempel, die Utensilien einer Bürokratie verwandeln sich noch im Fallen in Wasser, Staub, Fasern.
Schenev weicht inmitten des Chaos zur Wand zurück, sie setzt ihm nach.
Da hört sie Rufe von hinten, Stimmen, die ihr bekannt vorkommen. Hastig sieht sie sich um. Im Gang stehen Meisterin Zaphora, Meister Lauran und Meister Reli. Wie sind sie hergekommen? Woher wissen sie davon? Armand muss es ihnen erzählt haben. Das kommt davon, wenn man anderen vertraut. Egal. Dann hat sie eben noch mehr Gegner. Sollen sie doch versuchen, sie aufzuhalten.
„Farah“, das ist Meisterin Zaphora, die alte Frau mit den toten Büchern. „Was tust du hier? Du verstößt gegen die Gesetze der Föderation!“
„Gesetze? Wann hat das Gesetz jemals jemandem geholfen?“, schreit sie. „Die Föderation tut nichts, während hier Verbrechen geschehen!“  
In den Gesichtern der Meister sieht sie, dass alle Worte zwecklos sind. Sie glauben bereits, alles zu wissen. Sie werden nichts verstehen.  
Meister Reli richtet seinen Stab auf Farah. Goldene Fäden schießen hervor, verdichten sich, wickeln sich um sie. Die Seile schneiden sich in ihre Haut. Sie richtet ihre Kraft darauf, ihr Wille stemmt sich gegen Relis Wille, Kälte kriecht ihre Arme hoch, dann zerfällt das Netz in goldene Punkte, die davon stieben wie Glühwürmchen.
Auf einen Wink von Meister Lauran reißt der Boden auf, Stränge aus Erde wachsen daraus hervor und schlingen sich wie Tentakel um Farahs Beine. Sie lässt sie zu Erdkrumen zerbröckeln, während ihre Finger taub werden.
Meisterin Zaphora breitet die Hände aus. Farah spürt einen plötzlichen Schock von Kälte, schmerzhaft wie ein Schlag ins Gesicht. Endlich ein intelligenter Angriff, die Meisterin will ihr die Körperwärme entziehen, die sie zur Analyse braucht. Irgendwann muss sie herausfinden, wie das geht. Aber nicht jetzt. Sie richtet ihre Willenskraft auf die Decke über den Meistern. Risse breiten sich darüber aus, Putz rieselt herunter. Sie beißt die Zähne zusammen, damit sie nicht klappern, bis die Decke einstürzt. Entsetzte, wütende Schreie. Die Meister ducken sich, Lauran streckt die Hände aus, die Steine verharren zitternd über ihnen.  
Zerstörung. Zerstörung ist alles, woran sie denken kann. Alles zerschlagen, zerreißen, zerfetzen, in seine einzelnen Korpuskeln zerstückeln, bis nur noch Asche übrig bleibt. Egal wie kalt es ist, egal wie weh es tut, egal, dass ihre Hände zittern, ihre Zähne klappern, ihre Finger blau anlaufen, egal, dass ihr schwarz vor Augen wird.
Sie kann sich kaum noch aufrecht halten, hat jedes Gefühl in Händen und Füßen verloren. Egal. Ihr Blick, verschwommen, umtanzt von schwarzen Flecken, fällt auf eine Kreatur, die sich in eine Ecke krümmt. Sie muss diese Kreatur vernichten. Sie muss ihre Erinnerungen vernichten. Sie richtet ihren Stab auf ihn. Keine Gnade. Kein Verzeihen. Die Leere... Er hat diese Leere in sie eingepflanzt. Er muss sterben.
Aber die Vorstellung, einen Menschen zu zerreißen... Im letzten Moment reißt sie den Stab nach oben, richtet ihre Macht stattdessen auf die Wand, auf die Grundmauern der Festung selbst. Ein Beben und Stöhnen, wie von etwas sehr altem, das nach langem Schlaf erwacht. Zu tief, um es mit den Ohren zu hören, sie hört es mit ihren Knochen, spürt es in ihrem Leib, während der letzte Rest Wärme aus ihr entweicht. Sie bekommt nicht mehr mit, wie sie zu Boden stürzt.

Licht umgibt Farah. Sie fühlt etwas wie eine warme Hand, die über ihre Stirn streicht. Mutter? Es tut ihr leid, dass sie den Eltern nicht mehr geschrieben hat. Aber das macht jetzt auch nichts mehr.
Sie öffnet die Augen. Ein weißer Raum. Vorhänge wehen in einer leichten Brise vor dem geöffneten Fenster. Gelächter und Rufe sind von weitem zu hören. Eine Weile liegt sie nur so da und sieht den Vorhängen zu.
Irgendwann öffnet sich die Zimmertür und Meisterin Zaphora kommt herein. Sie sieht noch älter und strenger aus als gewöhnlich. Farah dreht sich zur Wand. Sie hört, wie die Meisterin den Raum durchquert und sich auf einen Stuhl neben dem Bett setzt.
„Ist dir eigentlich klar, was du angerichtet hast? Du hast einen internationalen Konflikt ausgelöst!“
Farah schweigt. Die Meisterin seufzt.
„Farah, du hast uns vorgeworfen, nichts zu tun, während Verbrechen geschehen. Was glaubst du denn, was wir tun sollten?“
Was für eine dumme Frage. Kann sie sie nicht einfach in Ruhe lassen?
„Meister Reli ist es gelungen, die Mauern der Festung wieder zu synthetisieren, bevor sie eingestürzt sind. Ansonsten wären sehr viele Menschen gestorben.“
Nicht mal das ist ihr gelungen.
„Wäre dir der Tod dieser Menschen egal gewesen?“
„Das waren Verbrecher.“
„In der Festung waren nicht nur Soldaten, auch Gefangene. Und die Soldaten selbst haben sicher nicht alle absichtlich Verbrechen begangen. Einige von ihnen waren noch nicht mal erwachsen. Und dann ihre Ehepartner und Kinder. Wolltest du die zu Witwen und Waisen machen? Wäre das Gerechtigkeit?“
Farah betrachtet die Wand. Sie sieht abblätternden Verputz, Steine, Mörtel. Sie sieht eine Grundmauer, die etwas sehr altes, stabiles trägt. Etwas, das Jahrhunderte überdauert hat, während Kriege ausgefochten wurden, Reiche entstanden und vergangen sind.
Eine Weile schweigen beide.
„Was geschieht jetzt mit mir?“ fragt sie.
„In Hamna herrscht Bürgerkrieg. Die Fraktion des alten Regimes verlangt deine Auslieferung. Die verschiedenen Rebellengruppen halten dich wahlweise für eine Volksheldin oder für eine Fremde, die sich ungefragt eingemischt hat. Jedenfalls steht es nicht zur Debatte, dich in ein Bürgerkriegsland auszuliefern.
Einige Mitglieder des Senats der Föderation würden dich gerne vor Gericht sehen. Andere wiederum begrüßen, was du getan hast, auch wenn sie das nie laut sagen würden. Letztlich werden sie sich aber nicht trauen, einen Präzedenzfall zu schaffen. Das heißt, die Entscheidung bleibt der Zitadelle vorbehalten.“
„Also gibt es hier einen Kerker, in den Ihr mich einsperren werdet?“
Zaphora schnaubt. „Und aus was für Steinen sollte der Kerker sein, um der Analyse zu widerstehen? Man müsste dich rund um die Uhr bewachen. Dazu hat niemand Zeit oder Lust. Nein.“
Die Meisterin seufzt.
„Wir müssen dich exmatrikulieren. Aber natürlich kann man dich nicht in die Welt hinaus schicken, solange du eine Gefahr darstellst.“
Sie hält kurz inne, dann spricht sie weiter.
„Meisterin Taina wird dir Leere säen müssen. Es tut mir leid.“
Farah dreht sich um. Meisterin Zaphora sieht so ernst aus, dass sie es mit der Angst zu tun bekommt.
„Leere säen? Was soll das heißen? Die Leeresäer gibt es doch nicht wirklich!“
„Nun... doch. Die Säer der Leere sind Parasiten, die dem menschlichen Geist Ordnung entziehen. Wenn jemand vergisst, wo er seinen Schlüssel hingelegt hat, wenn jemand seine Gefühle verliert, oder die verschiedenen Formen von Demenz... dann waren sie am Werk.“
„Ach ja? Und wie sehen diese Leeresäer aus? Ich habe noch keinen gesehen.“
„Sie sind unsichtbar.“
„Ach, so ist das. Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen?“
Zaphora runzelt die Stirn. „Du kannst weiterhin versuchen, mit Sarkasmus alles von dir fern zu halten, was dir nicht gefällt. Allerdings wird es dir nicht helfen. Ich kann dir versichern, dass es Methoden gibt, die Säer der Leere zu erforschen, aber darum geht es jetzt nicht. Es geht um die Kunst des Säens der Leere. Dabei wendet man die Analyse auf den menschlichen Geist an. So kann man Erinnerungen, Gefühle oder ganze Charakterzüge löschen.“
Farah schluckt. „Das wollt Ihr mit mir machen?“
„Wir müssen.“
„Was bedeutet das? Bin ich dann schwachsinnig?“  
„Aber nein. Meisterin Taina wird dir deine negativen Erinnerungen und Gefühle nehmen. Deinem Verstand geschieht nichts, du kannst weiter dein Leben führen. Wahrscheinlich wirst du sogar glücklicher.“
„Wenn das so ist, warum seht Ihr dann nicht glücklicher aus? Es müsste Euch doch freuen, mir etwas gutes zu tun!“
Meisterin Zaphora schweigt. Sie presst die Lippen zusammen. Schließlich sagt sie: „Was ich persönlich darüber denke, tut nichts zur Sache.“
Sie steht auf. „Ich lasse dich jetzt allein. Morgen wird Taina sich um dich kümmern.“
An der Tür hält sie inne und dreht sich um. „Um drei Uhr nachts wird die Wache vor der Tür abgelöst. Triff eine Entscheidung, die du nicht bereuen musst.“ Sie sieht Farah in die Augen. Dann verlässt sie den Raum und schließt die Tür hinter sich.

Es ist ein sonniger Tag an der Grenze zwischen Winter und Frühling. Die Windsbraut durchpflügt mit geblähten Segeln das Wasser. An der Reling steht eine Frau und blickt über das Meer. Ihr Umhang flattert im Wind. Sie trägt einen breitkrempigen Hut, mit einem Band um ihr Kinn gesichert, der ihr Gesicht im Schatten lässt.
Kindesweinen durchbricht das Rauschen der Wellen. „Mein Aufziehhund läuft nicht mehr! Er ist kaputt!“
„Beruhige dich! An Land kaufe ich dir einen neuen.“
„Ich will keinen neuen! Ich will Pookie!“
Die Frau dreht sich zu dem weinenden Kind um. „Was ist mit deinem Hund? Lass mal sehen.“
Der kleine Junge, das kaputte Spielzeug an sich gedrückt, sieht auf. Zögernd reicht er ihr den Hund. „Kannst du ihn ganz machen?“
Ihr Gesichtsausdruck unter dem Schatten des Huts ist schwer zu entziffern.
„Ich werde es versuchen.“
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