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Wehrlos

von Swaany
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Dr. Sabine Petersen Jens Blank
11.11.2018
06.01.2019
17
44.952
9
Alle Kapitel
63 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
11.11.2018 1.659
 
Liebe Leser,

hier nun der Versuch einer langen Rettungsflieger-FF, die hoffentlich auf ein paar Leser treffen wird. Der Titel der Story basiert auf einem Lied aus einem meiner Lieblingsmusicals "Die Päpstin". Die ersten Kapitel werden auch mit dem Text des Liedes "geschmückt". Hört es euch gerne mal an, ein wunderschöner Song. :)

Sie umfasst bereits jetzt etwas über 90 Seiten, sodass für Nachschub bereits gesorgt ist. Viel Spaß beim Lesen und lasst gerne Reviews da. Das würde mich wirklich freuen.

LG

Swaany  


__________________

Ob er ahnt, was ich denke?
Ob er spürt, was mich bewegt?
Ob er fühlt, so wie ich fühle?
Ob er jedes ungesagte Wort versteht?
Ob er weiß-
Ob er weiß, dass er der ist,
der all mein Glück in seinen Händen hält?
Mein Geleit unter sternlosem Himmel,
Mein Horizont, mein letzter Funken Welt.


Leicht klopfte er an die Tür ihres Arztzimmers.
“Hey.”, sagte er und sie schaute sich kurz zu ihm um, widmete sich aber gleich wieder ihrer Medikamentenliste. Als er keine Anstalten machte, sich zu bewegen, warf sie einen weiteren kurzen Blick über die Schulter.
“Ja komm rein.”, forderte sie daher mit etwas Nachdruck. Er trat dicht hinter sie.
“Ralph war eben bei mir.”
“Ja und?”, wollte sie wissen, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.
“Er hat mir gesagt, es sei aus zwischen euch.”
“Ja und?”, wiederholte sie nur. Er verdrehte die Augen wegen ihrer Sturheit und verschränkte dann die Arme vor der Brust.
“Männergespräche…” Ruckartig drehte sie sich zu ihm und schaute ihn das erste Mal wirklich direkt an. Jens konnte sehen, dass das was er gerade gesagt hatte, nicht unbedingt die beste Idee gewesen war.
“Was wird das denn jetzt bitte?”, fragte sie sauer.
“Ja ich dachte, dass du vielleicht…”, begann er, doch sie unterbrach ihn.
“Wird das jetzt so eine “Piloten-Macho-Nummer” oder was?”, fragte sie und ging um ihren Schreibtisch herum, um Distanz zwischen sich und den Piloten zu bringen. Sabine konnte nicht fassen, dass er das gerade wirklich tat. Ja sie wollte ihn, aber doch nicht so. Als sie weitersprach, konnte er hören, dass sie mit den Tränen kämpfte.
“Jens, seit Monaten drückst du dich davor, endlich mal zu sagen, was Sache ist und dann kommst du ausgerechnet in dem Moment, wenn Ralph dir das okay gibt oder was?” Er machte einen Schritt auf sie zu und wollte sie beschwichtigen, doch sie sah ihn verärgert an und bedeutete ihm mit einem Fingerzeig stehen zu bleiben. Die Intensität dieser Geste und ihres Blickes erschreckten ihn, sodass er sogar wieder einen Schritt zurück machte.
“Das kannst du schön vergessen! Andere klettern auf Bunker für sowas.”, sagte sie und ließ ihn dann ohne ein weiteres Wort stehen. Sie spielte auf ihren letzten Einsatz an, bei dem ein junger Mann auf die Hamburger Flaktürme beim Heiligengeistfeld  gestiegen war, um dort für seine große Liebe ein Graffiti anzusprühen. Allerdings war er dabei von der Leiter gefallen und hatte sich ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen und am Rücken verletzt. Sabine war beeindruckt von soviel Romantik und nichts wünschte sie sich mehr, als dass Jens so einen Schritt für sie wagen würde. Sie ließ sich in ihrem Umkleideraum auf der Bank nieder und ließ für einen Moment die Tränen zu, die schon die ganze Zeit in ihren Augen brannten. Aber sie wollte nicht, dass er diese sah. Sie wollte nicht, dass er sah, dass er sie mit ihrem Verhalten gerade sehr verletzt hatte. Dass er nur zu ihr gekommen war, weil sein Chef und ihr Ex-Freund Ralph Brandt sein Okay für eine mögliche Beziehung gegeben hatte. Das konnte sie echt nicht fassen. Sie war doch keine Wandertrophäe.

Jens stand noch immer in ihrem Arztzimmer und er wusste, dass er es gerade gründlich vergeigt hatte. Er hatte ihr das falsche Gefühl vermittelt. Ja, er war zu ihr gekommen, weil Ralph ihm seinen Segen gegeben hatte, aber das war mit Sicherheit nicht der einzige Grund. Dass er sie liebte, sie mit jeder Faser seines Körpers begehrte und sie wollte, war ihm längst klar geworden. Er bereute es, dass er vor einiger Zeit zu dem Kommodore gesagt hatte, dass zwischen ihm und Sabine nicht mehr als Freundschaft war. Und er hätte sich in den Hintern beißen können, als sie ihm verdeutlicht hatte, dass sie Zeugin dieser Aussage gewesen war. Dabei hatte er dies doch nur gesagt, damit sein Vorgesetzter, obwohl er eigentlich mal ein guter Freund gewesen war, ihn nicht zwangsversetzte, weil er keine Pärchen auf der gleichen Maschine duldete. Er wollte nicht von Sabine getrennt sein. Es war schon schlimm genug, wenn sie abends das Einsatzzentrum verließ und er lange Stunden ohne sie verbringen musste. Jeden Morgen war es das Schönste für ihn, wenn sie durch die Tür kam, ihn anlachte und ihn begrüßte. Sie hatten auch schon diverse Male heftig miteinander geflirtet, aber dabei war es bisher geblieben. Entweder weil sie von jemandem gestört worden waren oder weil einer von beiden, meistens er, im letzten Moment einen Rückzieher machte. Einmal hatte Jens Sabine gegenüber sogar angedeutet, dass er sich mit ihr eine Zukunft mit Kindern vorstellen konnte. Sie war in dem Moment überrascht gewesen von seiner zaghaften Offenheit, das hatte er ihr angesehen. Aber selbst in dieser Situation hatte er dennoch nicht den Mut aufbringen können, sein Herz über Bord zu werfen und ihr seine Gefühle zu offenbaren. Er musste das wieder gerade biegen. Er musste noch einmal mit ihr reden.

Sabine wischte sich die Tränen von den Wangen. Mittlerweile hatte sich ihre Verletztheit in Wut umgewandelt. Jens war es überhaupt nicht wert, dass sie auch nur eine Träne vergoss. Er hatte es gerade in den Sand gesetzt. Er war plump gewesen in dem Versuch, sie nun für sich zu gewinnen. Noch immer konnte sie es nicht fassen und am liebsten hätte sie ihn weiter zur Rede gestellt, was ihm einfiele. Sie erschrak, als es an der Tür klopfte.
“Sabine?”, hörte sie leise seine Stimme. Die Stimme, die immer wieder für Gänsehaut sorgte, wenn sie nur einen ganz bestimmten Tonfall hatte. Die Stimme, die sie sogar in ihren Träumen hören konnte.
„Geh weg!“, antwortete sie. Gleichzeitig hoffte die Ärztin, dass er es nicht tat.
„Bitte, lass uns reden.“, sagte er leise. Sabine war an die Tür getreten und atmete tief durch. Dann öffnete sie diese, ging jedoch direkt weg und blieb mit dem Rücken zu ihm stehen. Sie wusste, wenn sie ihm nur für einen kurzen Moment in die Augen sah, dass es um sie geschehen wäre.
„Was willst du noch?“, wollte sie wissen und noch immer zitterte ihre Stimme leicht, wofür sie sich hasste. Sie legte schützend ihre Arme um den Körper. In seiner Gegenwart fühlte sie sich immer so schutzlos. Er konnte mit einem Blick in ihre Seele schauen. Wusste, wie es in ihr aussah, was sie dachte und fühlte. Andersrum war es nicht anders. Sie war die einzige, die er von Zeit zu Zeit mal hinter seine raue Schale blicken ließ. Jens hingegen rutschte das Herz in die Hose, als er sie so sah. Die Ärztin vor ihm war sehr aufgewühlt und er hasste sich in diesem Moment dafür, dass er der Verursacher war. Sie war doch die Frau, die sein Herz regiert und er wollte doch nichts mehr, als dass es ihr gut ging. Er musste es ihr nur noch auf dem richtigen Weg zeigen.

„Sabine… ich… es tut mir Leid. Ich hab das eben nicht so gemeint.“, begann er. Er trat etwas näher an sie heran, legte ihr behutsam eine Hand auf die Schulter, die sie jedoch abschüttelte. Er wollte in ihre schönen blauen Augen sehen. Die Augen, die in der einen Sekunde vor Freude strahlen und in der nächsten ihn böse anblitzen konnten, weil er mal wieder etwas Dämliches gesagt hatte. Die Augen, die er so liebte.
„Du hast es so gemeint. Du bist zu mir gekommen, weil Ralph dir seine Zustimmung gegeben hat, aber ich sag dir jetzt mal was, Jens: Ich bin kein Wanderpokal, den ihr hin und herreichen könnt, wie es euch passt, verstanden? Und nur weil Ralph meint, es sei okay, dass wir was miteinander anfangen, habe ich da ja wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden. Bilde dir ja nicht ein, dass ich jetzt einfach bei der nächstbesten Gelegenheit mit dir ins Bett steige. Ich bin doch kein billiges Flittchen. Und an dieser Stelle kommt mal ein Realitätscheck, Major Blank: So unwiderstehlich wie du denkst, bist du gar nicht.“ Als sie sich nun zu ihm umdrehte, sah er erschrocken, dass ihr Tränen über die Wangen liefen. Sie schien sich allerdings so in Rage geredet zu haben, dass sie es selbst gar nicht bemerkte. Sie machte einen Schritt zurück, weil er deutlich dichter bei ihr stand, als sie angenommen hatte. Seine Nähe machte die Ärztin nervös und sie brauchte jetzt einen klaren Kopf. Er schloss die Distanz zu ihr aber gleich wieder. Jens hatte sie oft genug aufgegeben und gehen lassen, aber jetzt hier in diesem Moment, wollte er das nicht, auch wenn er wusste, dass es ein großes Wagnis war, denn nichts war Sabine mehr verhasst, als bedrängt zu werden. Er legte ihr eine Hand auf die Wange und strich mit dem Daumen ihre Tränen weg. Tränen, die die schöne Frau vor ihm nur seinetwegen weinte. Auch wenn sie aufgebracht war, konnte er sehen, dass sie seine Berührung genoss und ihre Wange ein wenig in die dargebotene Hand schmiegte. Er überlegte, ob er den nächsten Schritt nun wirklich wagen sollte. Aber er setzte alles auf eine Karte.
„Du bist kein Flittchen.“, bestätigte er.
„Du bist die wunderschönste, attraktivste, mutigste, unabhängigste Frau, die mir je begegnet ist. Keine andere Frau hat mich jemals so frustriert, verwirrt, angemacht, berührt, wie du. Und für mich bist du unwiderstehlich.“, sagte er leise und sie konnte seinen warmen Atem in ihrem Gesicht spüren, als er ihr bei seinen Worten immer näher kam. Sie schluckte und quälend langsam schloss er die Lücke zwischen ihnen und legte seine Lippen ganz sanft auf ihre.

Fortsetzung folgt...
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