Denn ich gehör — Du gehörst nur mir!

von Dorothee
GeschichteRomanze / P18
Pia Douwes Uwe Kröger
11.11.2018
09.07.2019
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Uwe blickte in die großen blauen Augen, seiner Bühnenpartnerin. Wieder einmal sah er dabei direkt in ihre Seele und die verriet ihm, dass sie genau so litt, wie er.
In dem gut geschnittenen schwarzen Hosenanzug und der weißen schulterlangen Perücke, sah sie aufregend reif und edel aus. Immer wieder war er wie gebannt von ihrer atemberaubenden Schönheit. Seit Jahren lebte er nun schon mit einem Mann zusammen, doch bekam er immer noch weiche Knie, sobald er diese wunderschöne Frau ansah.
Er atmete schwer, als er sie in der gewohnten Choreografie zu Boden riss. Die Bewegungen, die für das Publikum nach einem erbitterten Kampf aussahen, waren bedacht, umsichtig und erlaubten ihm, sich für einen Moment von ihrem Anblick zu lösen. Rechte Hand auf ihren linken Oberarm, linke Hand an ihre schmale Taille. Mit einem leichten Ruck zog er sie näher an sich heran und verlor sich erneut in den Tiefen ihrer Augen. Wie ausgehungert trafen sich ihre Lippen, und ihre Zungen fanden wie selbstverständlich zueinander. Als sie sich voneinander lösten, waren beide außer Atem. Die Musik setzte ein und mit Tränen in den Augen, führten sie sich mit sanften Berührungen zum letzten Mal durch das Finale des ersten Aktes.

Pia atmete tief ein und aus, als sich der Vorhang gesenkt hatte. Er drehte sich zu ihr um und nahm seine beste Freundin in den Arm. Für einen kurzen Moment standen sie einfach nur da und hielten sich aneinander fest. „Schatzi, ich muss mich umziehen gehen. Wir sehen uns gleich zum zweiten Akt!“, sagte sie und wand sich geschickt aus seinen starken Armen. Er gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. Diese kleinen Gesten der Zärtlichkeit waren mit den Jahren immer vertrauter geworden. Wie selbstverständlich hauchte er einen zweiten Kuss auf ihre geschlossenen Lippen. Als sie sich umwandte und über die Seitenbühne zu den Damengarderoben verschwand, kamen ihm einmal mehr die Tränen.

Abschiede waren ihm selten schwer gefallen, doch der Gedanke daran, sie schon wieder zu „verlieren“, schmerzte ihn mehr, als er sich eingestehen wollte. Auf dem Weg in die Garderobe erinnerte er sich an die schlimmen Verlustgefühle, die ihn nach ihrem Abschied aus „Elisabeth“ in Wien heimgesucht hatten. Wochenlang quälte er sich durch die Nächte und vermisste sie jeden Tag ein bisschen mehr. Auch jener Abend in Essen, als sie ihm zum zweiten Mal genommen wurde, tauchte in seiner Erinnerung auf. Noch nie hatte er auf der Bühne so viele Tränen vergossen. Ihre Abschiedsworte waren schelmisch und souverän zugleich. Das war eine von Pias großen Stärken — in jeder Situation die Nerven zu bewahren und mit einem kleinen Augenzwinkern ehrlich und authentisch die richtigen Worte zu finden. Als sie sich jedoch bei allen Anwesenden mit einer eigenen Interpretation von „Ich gehör nur mir“ bedankte, konnte er sich nicht mehr halten. Zusammengekauert saß er neben seinen Kollegen auf dem Bühnenboden und weinte bittere Tränen. Dass sie es im Augenwinkel wahrnahm, wie schlecht es ihrem besten Freund ging, zeigte einmal mehr die tiefe Verbindung, die sie beide zueinander hatten. Sie ging an ihren Kollegen vorbei und endete vor ihm. Noch im Gesang ging sie vor ihm auf die Knie und strich ihm sanft über den Kopf. Er konnte nicht anders, als einen zarten Kuss auf ihrem perfekt geformten Mund zu platzieren. Etwas später, vor der allerletzten Verbeugung, nahm er sie noch einmal in den Arm und seine Lippen formten eine stummes „I Love you!“.
Eine Woge der Gefühle übermannte ihn, als er in seiner Garderobe ankam. Resignierend ließ er sich auf einen Stuhl sinken und fasste einen Entschluss:
Diesmal würde er sie nicht gehen lassen.
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