Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Invincible

GeschichteThriller, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Alexander Mahone Fernando Sucre Lincoln Borrows Michael Scofield OC (Own Character) Paul Kellermann
10.11.2018
24.11.2019
19
44.434
5
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
04.02.2019 2.407
 
Danke an alle für die lieben Reviews, ich hätte nicht gedacht, dass meine FF so vielen gefallen könnte :)

_______________________________________________________________________________________

„Nur, dass das klar ist: Du machst das, was ich sage und wenn ich es sage. Keine Widerworte und keine Alleingänge.“ sagte Lincoln auf einmal. „Ja, genau.“ gab sie sarkastisch zurück. Es ärgerte sie, dass er so mit ihr sprach. Sie war kein kleines Kind, kein Laie, den man anweisen musste. Sie war eine erwachsene Frau, eine ehemalige Polizistin, gottverdammt.

„Ich meine es ernst. Es geht hier um LJ, da kann ich mir keinen Fehler erlauben.“ sie blickte zu ihm und aufgrund seines angespannten Gesichtsausdruckes, wurde ihr etwas klar. Er machte sich einfach nur Sorgen. Verständlich. Es ging um seinen Sohn, seine Familie und dabei musste er einer Fremden vertrauen.

„Ich verstehe dich. Ich weiß, was in dir vorgeht.“ sie dachte dabei an ihre Mutter. „Trotzdem ist es kein Grund, so mit mir zu sprechen. Ich will dir helfen und glaub mir, ich weiß schon was ich tue.“ sagte sie überzeugend. „Außerdem brauchst du jemanden, der auf dich aufpasst.“ er sah kurz verdutzt zu ihr rüber.

„Also im Gegensatz zu dir, brauche ich keinen Babysitter.“ „Wie bitte?“ sie kniff die Augen zusammen. Auf die Antwort war sie gespannt. „Na, wer von uns muss denn ständig gerettet werden?“ das hatte er gerade nicht gesagt. „Sagt der Typ, der von seinem Bruder aus dem Gefängnis geholt wurde.“ konterte sie und tatsächlich sagte er darauf nichts mehr.

Das brachte Ava allerding zu ihrer nächsten Frage, die sie brennend interessierte.

„Warum hast du eigentlich den Bruder der Präsidentin ermordet?“ „Ich war‘s nicht. Ich wurde reingelegt. Es war eine Falle.“ „Da sagen die Beweise aber etwas Anderes.“ widersprach sie. Dabei dachte sie an das Video und die Fingerabdrücke auf der Mordwaffe. „Die sind gefälscht. Außerdem lebt Steadman sowieso noch.“

„Was?“ sie glaubte sich verhört zu haben. „Es stimmt. Er lebt. Das hat eine … Freundin für mich herausgefunden.“ die Art wie er darüber sprach, ließ Ava verstehen, dass da etwas nicht stimmte. „Was ist passiert?“ „Ihr ist es so ergangen, wie allen Leuten, die mir helfen wollen. Sie wurde umgebracht.“ er warf ihr einen vielsagenden Blick zu und da glaubte Ava zu verstehen.

Er dachte, dass er sie in Gefahr brachte, wenn sie ihm half. War das vielleicht noch ein Grund, warum er sie von vornherein nicht mitnehmen wollte?

„Das tut mir leid. Seid ihr euch nahegestanden?“ „Das ist alles eine riesige Verschwörung.“ er wechselte das Thema, weil es ihm vermutlich unangenehm war, über sie zu sprechen. „Ich bin an die falschen Leute geraten. Das ist ein Riesenkomplott.“ erklärte er ausdruckslos.

Ava fragte sich, ob das die Wahrheit war. Aber, andererseits gab es auch keinen Grund für ihn, sie anzulügen. Sie saßen im gleichen Boot.

„Wer sind diese Leute, die dir gleich den Mord an dem Bruder der Präsidentin anhängen?“ wunderte sie sich. „Ich habe schon zu viel gesagt.“ stellte er fest. „Es ist besser, wenn ich den Rest für mich behalte.“ „Warum? Glaubst du, ich werde die Seiten wechseln?“ schmunzelte sie. „Weil sie jeden ausschalten, der für sie eine Gefahr darstellt und wenn du zu viel weißt, wirst du auch zum Ziel.“ „Bin ich das nicht schon, jetzt wo ich bei dir bin?“ fragte sie nachdenklich.

Wütend presste er die Lippen aufeinander, krallte sich in das Lenkrad fest. Das machte ihm tatsächlich etwas aus. Um ihn nicht weiter zu quälen, versuchte sie ihn abzulenken.

„Damit gehen wir an die Öffentlichkeit. Die Leute müssen davon erfahren.“ „Und wer soll uns glauben?“ Mist. Er hatte Recht. Sie waren Kriminelle auf der Flucht. Alles, was nun aus ihrem Mund kam, war automatisch eine Lüge für die Menschen.

Das hatte also T-Bag in ihrem Haus gemeint mit „richtigen Mord“. Lincoln hatte noch nie jemanden umgebracht. Das erleichterte die ganze Sache irgendwie. Immerhin wusste sie, dass sie nicht mit einem Mörder im Auto saß.

„Und was ist mit dir?“ er holte sie aus ihren Gedanken. „Was soll mit mir sein?“ „Warum bist du Polizistin geworden?“ „Mein Vater wurde vor drei Jahren auf offener Straße erschossen. Das hat mich motiviert. Ich bin zur Polizeiakademie, hab mich ausbilden lassen. Irgendwann hab‘ ich den Typen erwischt und während seiner Vernehmung hat er alles gestanden.“ sie machte eine kurze Pause, bevor sie weitersprach.  

„Er wollte seinen Geldbeutel nicht rausgeben.“ erinnerte sie sich. „Nicht, weil er so geizig war, sondern weil er mir ein Geburtstagsgeschenk kaufen wollte und das war sein letztes Geld für den Monat. Der Typ hat sich damit nicht zufriedengegeben und hat ihn erschossen.“ „Mein Beileid.“ „Danke.“

„Ich finde es gut, dass du den Weg gegangen bist. Das hätte nicht jeder getan.“ Ava blickte ihn verwirrt an. „Du hättest dir auch so eine Waffe besorgen, ihn aufspüren und töten können.“ „War das gerade ein Kompliment?“ „So etwas in der Art.“ sie schüttelte lächelnd den Kopf.

„Na ja, ich habe mich besser gehalten als meine Mutter.“ „Wie meinst du das?“ „Nach seinem Tod drehte sie irgendwie durch, wollte unbedingt noch eine Weile jung sein, hat angefangen widerliche Typen zu daten.“ „War bestimmt eine schwere Zeit für dich.“ „Es ging. Nachdem ich Polizistin geworden bin, konnte ich die alle legal verprügeln.“ scherzte sie. Da umspielte Lincolns Gesicht ein Lächeln.

Es war das erste Mal, dass er in ihrer Gegenwart lächelte und sie stellte fest, dass es sehr attraktiv wirkte. Natürlich war ihr aufgefallen, dass Lincoln insgesamt sehr gut aussah. Er war groß, durchtrainiert, hatte ein maskulines Gesicht, schöne Augen, aber wenn er lächelte, hatte das noch einmal einen besonderen Effekt.

„Das steht dir.“ gestand sie. „Du solltest öfter lächeln, dann schaust du nicht gar so aus wie ein Killer.“ dadurch wurde sein Grinsen nur noch breiter.

Es verging eine Weile, bis er wieder sprach. „Willst du nicht zurück nach Hause?“ Ava zuckte mit den Schultern. „Ich würde schon gerne mein altes Leben wiederhaben, aber das geht ja nicht. Sobald ich dort auftauche, nehmen die mich fest. Wenn ich vorher vielleicht noch die Chance auf einen fairen Prozess hätte, hat es Mahone mit seinen Interviews versaut.“ er nickte.

Irgendwann wurde es dunkel und Ava sah bereits in der Ferne Lichter. Es musste sich um eine Stadt handeln.

„Wie wär’s, wenn wir uns wieder in einem Motel einquartieren?“ schlug sie vor. „Ich bin müde.“ „Du kannst ja schlafen, ich fahre weiter.“ erwiderte er. „Aber du bist schon den ganzen Tag gefahren. Du musst dich auch ausruhen. Deinem Sohn bringt es nichts, wenn du nicht in Form bist.“

Lincoln überlegte und nahm tatsächlich die nächste Ausfahrt in die Stadt. Dass er auch mal etwas machen würde, ohne zu motzen, überraschte sie ein wenig.

Minuten später fanden sie sich auf dem Parkplatz eines kleinen Motels wieder. „Warte, ich besorg uns ein Zimmer.“ „Sei vorsichtig.“ bat er, bevor sie die Tür schloss.

Ava setzte ihr schönstes Lächeln auf, als sie vor die Rezeption trat. „Guten Abend.“ begrüßte sie ein braunhaariger Kerl, Anfang 30. Auf seinem Namensschild stand ‚Brandon‘. „Hallo, brauche ein Zimmer.“ „Ich schaue mal.“ sagte er und während er auf der Tastatur seines Computers tippte, blickte er mehrmals zu Ava, die ihn weiterhin anlächelte.

„Wir haben tatsächlich noch ein Zimmer frei.“ stellte er fest. „Super.“ „Wie wollen sie zahlen? Bar oder mit Karte?“ „Bar.“ antwortete sie und holte ihren Geldbeutel raus. „Dann brauche ich einen Namen und Anschrift.“ da erschrak Ava kurz.

„Hören sie … Brandon.“ sie beugte sich leicht nach vorne. „Eigentlich dürfte niemand wissen, dass ich hier bin.“ er schien verwirrt. „Es ist nämlich so, dass ich und meine Begleitung …“ sie deutete auf ihren Wagen nach draußen. „etwas Spaß haben wollen.“ „Daran ist aber nichts verkehrt.“ überlegte er. „Ja und solange mein Mann das nicht mitkriegt, ist ja auch alles okay.“ sie zwinkerte ihm zu. „Oh.“ er glaubte es verstanden zu haben.

„Gut, dann trage ich sie einfach als Mr. und Mrs. Smith ein.“ schlug er vor. „Das wäre super.“ gestand sie und während er etwas in sein System eintrug, glitt sein Blick wieder zu Ava.

„Tut mir leid, dass ich starre, aber sie kommen mir so bekannt vor.“ Avas Herz begann vor Aufregung schneller zu klopfen, doch sie befahl sich ruhig zu bleiben. Kaum hatte sie die eine Hürde überstanden, kam schon wieder die Nächste.

„Also, ich habe auch schon mal bessere Anmachsprüche gehört.“ grinste sie und war selbst überrascht darüber, dass ihr das so schnell eingefallen war. „Nein, nein. So meine ich das nicht, es ist nur … ihr Gesicht, ich dachte ich hätte es schon irgendwo gesehen.“

„Brandon, ich habe schon eine Affäre, die schwer zu vertuschen ist, da brauche ich nicht noch eine andere.“ erklärte sie im eingebildeten Ton. Sie musste ihn irgendwie von ihr ablenken. „Nein, ich … aber …“ stotterte er und gab schließlich auf. „Tut mir leid, so habe ich das nicht gemeint. Hier ihre Schlüssel.“ „Danke.“

„Warum hat das so lange gedauert?“ beschwerte sich Lincoln. „Alles in Ordnung?“ „Ja, alles gut.“ sie versuchte ihre Unsicherheit zu überspielen. „Und nun komm, ich bin kaputt.“ gestand sie und er folgte ihr in ihr Zimmer.

Dann ging sie ins Bad, machte sich frisch und kam wieder, wobei sie sich ebenfalls hinlegte. Das tat gut.

Sie drehte sich zu Lincoln, der mit einem Arm hinter dem Kopf auf dem Kissen lag und an die Decke starrte. Ihr fiel ein, dass sie ihm noch etwas sagen wollte.

„Danke.“ als sie es aussprach, fiel eine Art Last von ihr. Er drehte sich zu ihr. „Wofür?“ „Dafür, dass du mich gerettet hast. Ganz am Anfang, vor dem Haus meiner Mutter.“ klärte sie ihn auf. „Aber, wieso eigentlich? Du hättest einsteigen und wegfahren können.“

„Ich hätte nicht gedacht, dass der Typ auf dich schießt.“ erinnerte er sich. „Aber ich konnte nicht zulassen, dass dir meinetwegen etwas passiert. Du hattest mit der ganzen Sache nichts zu tun.“  das hatte ihre Meinung von ihm nur bestätigt. Er war genauso ein warmherziger, hilfsbereiter Kerl, wie Michael. Er brachte es nur anders rüber.

Ava lag noch eine Weile ruhig da, bis ihr eine Idee kam. „Morgen könnte ich doch mal ans Steuer. Dann kannst du dich ausruhen.“ „Kommt nicht in Frage.“ widersprach er. „Warum nicht?“ „Weil wir das Auto im Ganzen brauchen.“ gab er zurück und sie schüttelte lächelnd den Kopf. Ava betrachtete ihn noch eine Weile, eher sie endlich einschlief.

Am nächsten Tag wachte die ehemalige Polizistin vor Lincoln auf. Sie stand auf, begab sich leise ins Bad, wo sie sich die Zähne putzte und die Haare kämmte.

Danach betrachtete sie sich im Spiegel. Nun wo sie um ein paar Infos reicher war, fühlte sich das Ganze nicht mehr so schlimm an. Sie war nicht die Einzige, die reingelegt und aus falschen Gründen verfolgt wurde.

Sie entschloss sich das Frühstück zu besorgen, bevor Lincoln aufwachte. Er hatte schon so viel für sie getan, da war das das Mindeste.

Sie steckte sicherheitshalber ihre Waffe ein, verließ das Motel und ging die Straße runter, bis sie ein kleines Café entdeckte. Bevor sie reinging, warf sie ihre braunen Haare nach vorne in ihr Gesicht.

Drinnen stellte sie sich an die Theke. „Willkommen in Jessies Café. Was kann ich für sie tun?“ eine junge, schwarzhaarige Frau lächelte sie an. „Hallo, haben sie auch etwas zum Mitnehmen?“ erkundigte sich Ava. „Ja. Alles was auf der Karte steht, gibt es auch zum Mitnehmen. Hier, bitte schön.“ sie nickte dankbar.

Nachdem sie die Auswahl studiert hatte, entschloss sie sich das „Frühstück für zwei“ zu nehmen. Inbegriffen waren Waffeln, Pancakes und zwei Mal Kaffee. Das hörte sich doch gut an. Ihr „Liebhaber“ hätte bestimmt nichts dagegen, dachte sie sich grinsend.

Es dauerte auch nicht lange, bis ihre Bestellung fertig war, sie diese bezahlte und wieder abhaute. Dabei schaute sie sich immer wieder um, um sicher zu gehen, dass niemand sie beobachtete.

Sie schritt eilig zurück zum Motel, als sie auf einmal Brandon entdeckte. Er schlich mit einem Gewehr in Richtung ihres Zimmers und ihr Herz setzte aus. „Verfluchte Scheiße.“ presste sie zwischen den Zähnen hervor und rannte ihm sofort nach. Sie hatte auch noch die einzige Waffe dabei. Lincoln könnte sich nicht einmal wehren.

Als sie endlich vor ihrem Zimmer stand, bekam sie das Gespräch zwischen den beiden mit.

„Zuerst konnte ich ihr Gesicht nicht einordnen, doch dann ist es mir eingefallen.“ sagte Brandon mit zitternder Stimme. „Sie ist eure Komplizin, also musste einer von euch nicht weit sein.“ „Hör zu Kleiner, du machst einen großen Fehler.“ warnte ihn Lincoln. Er klang ruhig.

„Ach ja? Ich bin derjenige, der ein Gewehr in der Hand hat, also bin ich anderer Meinung. Jetzt setzt dich hin, die Polizei wird jeden Moment hier sein.“ wies er an und Ava schnaubte genervt. Sie entsicherte leise ihre Waffe und betrat geräuschlos den Raum. Brandon stand mit dem Rücken zu ihr, Lincoln war vor ihm.

Ava näherte sich dem Rezeptionisten. „Nimm sofort die Waffe runter.“ warnte sie und schloss die Tür hinter sich. Sie brauchten nicht noch mehr Zuschauer. „Da bist du ja endlich.“ stellte er fest, nachdem er kurz zu ihr gesehen hatte. „Ich sagte, Waffe weg.“

„Ich denke ja nicht dran.“ erwiderte er. „Und jetzt gibst du mir deine Pistole und stellst dich zu ihm, sonst puste ich ihm den Schädel weg.“ „Das würdest du nicht tun.“ entgegnete sie. „Und warum nicht?“ „Weil du ihn lebend brauchst. Nur so gibt es das Kopfgeld.“ erklärte sie.

„Vielleicht brauche ich ja gar nicht dieses Kopfgeld. Vielleicht will ich einfach nur die Welt besser machen.“ sagte er und zielte direkt auf Lincolns Kopf. „Und jetzt nimm du die Pistole runter.“ wiederholte er, doch sie tat es nicht.

„Ich zähle bis drei und dann puste ich ihm die Birne weg.“ drohte er. Ava und Lincoln tauschten einen Blick aus. „Eins.“ Ava umklammerte fest ihre Waffe. „Zwei.“ im nächsten Moment lud er seine Waffe und instinktiv drückte Ava ab.

Sie traf Brandon in die Schulter, wonach Lincoln ihm das Gewehr abnahm und er zu Boden fiel. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wälzte er sich hin und her. „Oh nein, verdammt!“ Ava musste Schlucken, sie hatte es tatsächlich getan. „Komm jetzt.“ bat Lincoln und lief bereits an ihr vorbei, doch sie konnte sich nicht rühren. Sie hatte gerade einen unschuldigen Menschen angeschossen.

„Ava.“ sprach er und fasste sie am Arm, weshalb sie sich zu ihm drehte. „Es ist alles in Ordnung, du hast ihn nur an der Schulter erwischt. Er wird es überleben. Außerdem wird die Polizei gleich hier sein, die werden einen Krankenwagen rufen.“ sie sah ihn an und nickte. Er hatte Recht. „Komm jetzt.“ zusammen flüchteten sie zu ihrem Wagen und fuhren schließlich davon.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast