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Invincible

GeschichteThriller, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Alexander Mahone Fernando Sucre Lincoln Borrows Michael Scofield OC (Own Character) Paul Kellermann
10.11.2018
24.11.2019
19
44.434
5
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.07.2019 2.260
 
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Die ganze Fahrt über dachte Ava über ihre Mutter nach und hoffte, dass es ihr wieder gutging. Sie würde sich niemals verzeihen, wenn ihrer Mom etwas ihretwegen zustieß. Immerhin hatte die ehemalige Polizistin sie in diesen Zustand getrieben. Es war unfair. Sie hatte es nicht verdient.

In Tooele angekommen war es früher morgen. Es war ein merkwürdiges Gefühl, wieder dort zu sein. Vorher war dort ihr zuhause, alles war so vertraut, aber der Tag an dem sie Lincoln Burrows traf, veränderte alles. Nun war sie eine Kriminelle auf der Flucht, konnte nicht einmal in der Öffentlichkeit ein Eis essen.

Beim Krankenhaus angekommen, lief sie eilig hinein und stellte sich an den Empfang. „Ich will zu Melanie Pierce, sie wurde vor kurzem wegen einer Überdosis eingeliefert.“ die Dame ihr gegenüber sah sie etwas erschrocken an und tippte etwas auf dem Computer. „Ja, äh, sie liegt auf Zimmer Nr. 312.“ „Danke.“ Ava sprintete sofort los. Ihr Herz hämmerte wie verrückt gegen ihre Brust und sie hoffte und betete, dass alles in Ordnung war.

Als sie in dem richtigen Stock war, bog sie in den nächsten Gang und rannte zu dem besagten Zimmer. Ohne zu klopfen stürmte sie rein. Schweratmend stellte die junge Frau fest, dass der Raum leer war. Keine Menschen, Betten oder Ausrüstung. Nichts.

Nun dämmerte es ihr.

Es war eine Falle.

Sofort griff sie nach ihrer Waffe und verließ eilig den Raum, ls auch schon mehrere Männer in schwarz auf sie zukamen und sie packten. „Hände hoch!“ „Waffe fallen lassen!“ „Keine Bewegung!“ warnten alle durcheinander.


Wütend ließ Ava ihre Pistole fallen, während sie von den Männern zu Boden gedrückt wurde. Kurz darauf näherte sich ihr eine dunkelhäutige Frau. „Ava Pierce, sie sind verhaftet.“ schnaubend schloss die ehemalige Polizistin ihre Augen. Sie war doch tatsächlich auf den ältesten Trick der Welt reingefallen.

Ava wurde in Handschellen gelegt und zu ihrem Arbeitsplatz gefahren. Dieses Mal fühlte es sich anders an. Leichter. Denn nun war sie keine Unschuldige mehr, die jemand reingelegt hatte. Sie war ganz allein für ihre Taten verantwortlich.

Im Polizeirevier angekommen, wurde sie von ihren ehemaligen Kollegen abwertend angesehen, doch das machte ihr nichts aus. Im Gegenteil. Sie strafte sich, denn sie war stolz auf das, was aus ihr geworden war. Eine Kämpferin für Gerechtigkeit.

Die dunkelhäutige Frau, die sie festhielt, blieb inmitten des Raumes stehen. „Ich bitte um Aufmerksamkeit.“ alle drehten sich zu ihr. „Ich will nicht, dass ihre Verhaftung an die Öffentlichkeit dringt. Solange ich nicht mit dem Verhör fertig bin, kann ich keine Presse gebrauchen.“

Anschließend wurde Ava in den Verhörraum gebracht und an den Tisch gesetzt. Nachdem man ihr die Handschellen abgenommen hatte, rieb sie sich die Handgelenke.

„Mein Name ist Agent Felicia Lang.“ stellte sich die Agentin vor und setzte sich ihr gegenüber. „Ich gebe zu, dass du einfacher zu fassen warst, als ich dachte.“ „Dafür habt ihr aber ziemlich lange gebraucht.“ erwiderte Ava.

„Wo ist meine Mutter?“ „Mach dir keine Sorgen, es geht ihr gut. Sie ist zuhause und wird von einem unseren Agenten bewacht.“ erklärte Lang. „Ich muss zugeben, dass euer Trick zwar alt, aber dennoch effektiv ist.“

Lang betrachtete die junge Frau für einen kurzen Augenblick. „Wie kann man so schnell vom rechten Weg abkommen? Du hattest eine bemerkenswerte Karriere als Polizistin vor dir, du hättest sogar zum FBI oder der CIA wechseln können. Alle Türen dieser Welt standen dir offen.“ sie schnaubte. „Wie bist du dazu gekommen, das alles aufzugeben?“  

„Das war gar nicht so schwierig, nachdem ich die Wahrheit erfahren habe.“ gestand Ava. „Lincoln Burrows ist unschuldig. Er hat niemanden umgebracht. Das ist alles eine riesige Verschwörung. Der richtige Steadman ist vor einigen Tagen in einem Motelzimmer umgekommen.“ „Keine Ahnung, was du meinst.“ „Das habe ich mir schon gedacht.“ die junge Frau verdrehte die Augen. „Ihr seht ja sowieso nur das, was ihr sehen wollt.“

„Und was genau siehst du? Einen Kerl, der vorgibt, kein Mörder zu sein? Warum glaubst du ihm überhaupt? Wieso hast du dich ihnen angeschlossen? Ich habe deinen Fall und ihre Akten gelesen. Zwischen euch hat keinerlei Verbindung bestanden.“ erklärte die Agentin.

„So viel Mühe hast du dir also gemacht, aber um Steadmans Tod richtig zu untersuchen, hattest du wohl keine Lust, hm?“ neckte Ava sie. Lang schien das nicht zu beeindrucken, also kehrte die ehemalige Polizistin zum eigentlichen Thema zurück.

„Lincoln Burrows und Michael Scofield haben mir mehrmals das Leben gerettet. Sie sind unglaubliche Menschen und vor allem Lincoln Burrows ist nicht so, wie man ihn im Fernsehen beschreibt. Er ist kein kaltblütiger Mörder. Er ist ein guter, warmherziger Mensch, der seine Familie liebt und alles für sie tun würde. Selbst für mich riskiert er immer wieder sein Leben.“

Auf Langs Gesicht legte sich ein Lächeln, das anschließend in ein Lachen überging. „Was ist daran so lustig?“ fragte Ava irritiert. „Weil ich weiß, was passiert ist.“ „Ach ja und was?“ „Er hat dir das Leben gerettet, du hast etwas Zeit mit ihm verbracht und du hast dich in ihn verliebt.“ die junge Frau biss die Zähne zusammen und kniff die Augen zusammen.

„Das überrascht mich nicht. Ich meine, er sieht gut aus, ist groß und stark.“ „Hören sie auf.“ „Er war im Gefängnis, ist ein richtiger Bad Boy und …“ „Halts Maul oder ich stopfe es dir!“ brüllte Ava schließlich, weil es mit ihrer Geduld zu Ende war und schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Diese Menschen sind meine zweite Familie und ich habe mich in ihn nicht verliebt, weil er groß und stark ist, sondern, weil er ein unglaublicher Mensch ist!“ erst nachdem sie es aussprach, wurde ihr bewusst, dass sie es zugegeben hatte. Lang wusste nun Bescheid.

„Wie gesagt, ich kann dich verstehen. Es ist alles sehr aufregend, etwas völlig Neues, doch was du glaubst zu fühlen, ist nicht real. Du hast nur etwas Zeit mit ihm verbracht, er war nett zu dir und du hast dich ihn in verknallt.“ analysierte die Agentin.

„Doch jetzt ist es an der Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen: Lincoln Burrows und sein Bruder Michael Scofield sind Schwerverbrecher, die landesweit gesucht werden. Schau, was sie dir angetan haben. Sie haben dein Leben ruiniert. Du wirst im Gefängnis landen und dort verrotten. Außer du kooperierst mit uns.“

„Das ist nicht dein beschissener Erst.“ fluchte Ava. „Du kannst dir deinen Psychoscheiß sonst wohin stecken, ich werde trotzdem zu ihnen halten.“ „Das ist kein Psychomist. Ich versuche dir nur zu helfen.“ „Aha.“ Ava schüttelte ungläubig den Kopf. „Sonst noch was?“ „Sag uns wo die Brüder sind und was sie vorhaben. Wenn du natürlich Informationen bezüglich der anderen Flüchtlinge hast, darfst du die auch gerne loswerden.“

Ava lächelte und lachte sogar kurz auf. „Und dann sag ich dir die Lottozahlen für morgen voraus.“ Lang sah aber nicht so aus, als wäre sie zum Scherzen auferlegt. „Ich sehe schon, dass du es nicht verstanden hast.“ „Ich habe alles verstanden und auf all das habe ich nur eine Antwort.“ stellte die junge Frau klar und lehnte sich nach vorne. „Ich. Sage. Nichts.“

„Damit habe ich schon gerechnet.“ nickte Lang. „Aber ich bin geduldig. Ich warte. Mal sehen wie lange du es ohne Essen und Trinken aushalten wirst. Allein in einer dunklen Zelle.“ Ava lehnte sich nach hinten, verschränkte die Arme vor der Brust. „Ja genau, vielleicht bin ich dann etwas motivierter.“

Die Agentin erhob sich und verließ den Raum, wonach sie die Tür hinter sich verschloss. Ava atmete auf und schüttelte den Kopf. Wie konnte sie nur so blöd sein? Sie ärgerte sich gerade über sich selbst. Sie hätte sich zuerst irgendwie anders davon überzeugen müssen, doch ihre Mutter war ihre Schwachstelle und das hatten diese Typen erkannt.

Was sollte sie nun tun?

Auf einmal hörte sie ein Geräusch von draußen. Stirnrunzelnd blickte sie auf die Tür und hörte ein Gespräch zwischen mehreren Männern. Dann ein paar Schläge. Was war das?

Auf einmal betrat Finn den Raum und Ava sah ihn mit großen Augen an. „Finn? Was machst du hier?“ „Dasselbe könnte ich dich auch fragen.“ entgegnete er. „Wie haben die dich gefasst?“ „Die haben mich reingelegt. Ich habe gedacht, dass meine Mutter im Sterben liegt.“ Finn verzog das Gesicht. „Das ist doch der älteste Trick der Welt.“ Ava verdrehte die Augen. „Halt die Klappe und hol mich lieber hier raus.“

„Das kann ich nicht.“ „Was? Warum nicht?“ sie runzelte die Stirn. „Du brauchst mich nur rauszulassen. Wir könnten so tun, als hätte ich dir die Waffe abgenommen.“ er schien mit sich zu kämpfen.

„Was hast du ihnen erzählt?“ wollte er stattdessen wissen. „Nichts.“ „Und wenn du es dir doch anders überlegst? Vielleicht machen sie dann ein Deal mit dir aus und …“ „Spinnst du? Ich bin doch keine Verräterin, ich sage gar nichts.“ „Ich meine ja nur. Du bist ein Ex-Cop, man wird doch da bestimmt etwas machen können.“ Ava sah ihn enttäuscht an.

Sie hatte schon verstanden, dass er ihr nicht helfen würde. Er wollte wohl seinen Job nicht aufs Spiel setzen und irgendwo verstand sie es auch, doch dann dachte sie an Lincoln. Damals hatte er alles für sie riskiert und dabei kannte er sie nicht einmal. Bei Finn war es anders. Er hatte eigentlich mehrere Gründe ihr zu helfen: Sie verstanden sich immer gut, waren Kollegen und er stand auf sie, doch er hatte sich anders entschieden.

„Ich werde mich auf keinen Deal einlassen. Lieber lande ich im Gefängnis.“ machte sie nun ihren Standpunkt klar. Er atmete hörbar laut aus und lehnte sich weg. „Dann wird es wohl so sein.“ Ava nickte. Ihre Geschichte war also abgeschlossen. Finn verließ den Raum.

Einige Zeit später kam Lang mit ein paar Männern herein. „Komm, du kriegst jetzt ein neues Zimmer.“ verkündete sie und Ava wurden Handschellen angelegt. Man brauchte sie in die Zelle und sperrte sie dort ein.

„Mir steht ein Anruf zu.“ sagte sie dabei. „Bitte.“ Lang reichte ihr ihr Handy und verließ den Raum. Ava war etwas überrascht, verstand aber sofort, was sie vorhatte. Sie wollten, dass sie Lincoln und Michael anrief, um den Anruf zurückverfolgen zu können. Sie hielten sie wohl für ziemlich blöd, weil sie auf ihren Trick eingefallen war.

Ava wählte die Nummer ihrer Mutter. Nachdem sie gefangen war, vermutete die junge Frau, dass für das FBI kein Grund bestand, ihre Mutter weiterhin festzuhalten. „Ja?“ als sie ihre Stimme hörte, atmete sie erleichtert auf. „Hi, Mom.“ „Ava? Ava! Oh mein Gott!“ rief sie freudig ins Telefon. „Du lebst! Es geht dir gut! Mein Schatz!“

„Mom, ganz ruhig. Es ist alles okay.“ „Du meine Güte, ich habe dich so vermisst. Ich bin so froh von dir zu hören.“ „Ich habe dich auch vermisst.“ gestand Ava lächelnd. „Du glaubst nicht, was passiert ist. Diese Mistkerle haben mich in meinem eigenen Haus eingesperrt und wollten mich nicht freilassen.“ „Ich weiß, ich habe vor kurzem davon erfahren.“

„Was? Woher? Wo bist du überhaupt? Geht es dir gut?“ „Ja, Mom, es geht mir gut. Ich bin in Sicherheit.“ log sie und es fiel ihr überhaupt nicht schwer. „Das ist schön.“ „Mom, ich will, dass du mir jetzt zuhörst und etwas für mich tust.“ „Was ist, mein Spatz?“

„Ich will, dass du deine Sachen packst und an den sicheren Ort flüchtest, von dem wir mal gesprochen haben. Ich meine damals, als Dad gestorben ist. Wir wollten dorthin abhauen, wo uns keiner findet, nur damit wir diese Blicke nicht ertragen müssen.“ Ava war sich darüber im Klaren, dass ihre Mutter sie verstand.

„Aber … bist du sicher, ich meine, wir …“ „Ja, bin ich.“ Ava nickte. „Ich weiß, es ist viel verlangt, doch nur dann bist du in Sicherheit. Wenn du mit mir zu tun hast, bist du ständig eine Zielscheibe und das will ich nicht. Keine Sorge, ich werde ständig Kontakt mit dir halten.“

Nun, wo sie in der gleichen Situation war, verstand sie Lincoln viel besser und wollte dasselbe für ihre Mutter tun, wie er für sie. Er versuchte sie deshalb wegzuschicken, weil er sie einfach nur in Sicherheit wissen wollte. Es war eigentlich ganz simpel, aber sie war zu egoistisch, um das zu erkennen.

„Mom, bitte. Wenn du mir helfen willst, stell keine Fragen, mach es einfach. Du weißt, dass ich dich über alles liebe und immer für dich da sein werde.“ „Ja, ich weiß. Ich liebe dich auch.“ eine Träne kullerte aus ihrem Auge. „Tschüss, mein Schatz.“ „Tschüss.“

Nachdem das Gespräch beendet war, legte Ava auf und holte tief Luft. Sie hasste es, dass es soweit kommen musste und noch mehr hasste sie sich selbst. Sie war unfair zu Lincoln und hatte das Leben ihrer Mutter ruiniert. Vielleicht hatte sie es ja doch verdient, im Gefängnis zu landen. Wütend schmetterte sie das Handy gegen die Wand, wo es zerbrach.

Gleich darauf betrat Lang das Zimmer und schaute auf den Boden. „Das war aber nicht nett.“ Ava griff nach den Gitterstäben. „Das ist noch nichts im Vergleich zu dem, was ich mit dir machen werde, wenn ich hier raus bin.“ presste sie zwischen den Zähnen hervor.

„Das nehme ich als Kompliment.“ sie trat näher an die Zelle heran. „Nur leider, kommst du hier nicht mehr raus.“ wütend spuckte Ava in ihre Richtung und Lang verdrehte die Augen. „Du könntest wenigstens so tun, als wärst du eine ehemalige Polizistin.“ „Das habe ich nicht nötig.“ die junge Frau trat von der Zelle weg, setzte sich aufs Bett. Lang betrachtete sie kurz, bevor sie ging.

Ava fasste sich in ihr langes, braunes Haar und atmete aus. Wenigstens ging es den Anderen gut. Um sich selbst hatte sie ja noch nie Sorgen gemacht und auch diese Situation würde sie irgendwie überstehen.

Hoffentlich.
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